»Drei Meter unter Null« von Marina Heib (Heyne Encore)

Interview mit Marina Heib

Wo sind Sie aufgewachsen?
Als Arbeiterkind in einer Mittelstadt im Saarland, reingeboren in die Unterschicht, dann haben uns meine Eltern in die untere Mittelschicht hochgeschuftet. Als Kind war ich sehr viel im Wald, ab Lesereife fast nur noch hinter Büchern.

Gibt es eine Person, die Ihr Leben verändert oder stark beeinflusst hat?

Da gibt es keine andere Antwort: meine Mutter. Ihr Humor, ihr Temperament, ihr Optimismus, ihre Kraft und vor allem ihre unbedingte Liebe und das Credo, das sie mit mitgab: „Tu alles, damit du unabhängig bist.“ (Dann wären da noch Karl May, Tarzan... und viele noch real existierende Menschen, die mir was Neues gezeigt oder beigebracht haben: Schach spielen oder dass man Bestecke von außen nach innen benutzt...)

Welcher Ort auf der Welt fasziniert Sie am meisten?
Es ist nicht wirklich ein Ort. Es ist das Meer. Und die Wüste. Ein unverstellter Blick. Beruhigende Monotonie.

Wovor fürchten Sie sich?
Vor Ratten und Mäusen. Panik! Ekel! Leider. Wie blöd ist das denn? Vor Siechtum. Schlaganfall. Davor, die Kontrolle über Geist und/oder Körper zu verlieren und mit Windeln im Rollstuhl vor mich in zu vegetieren, während das, was ich mal war, verfault.

Was macht Sie glücklich?

So vieles! Abhängig von der Tagesform reicht schon Vogelgezwitscher an einem sonnigen Morgen. Wenn ich etwas anspruchsvoller sein darf: absichtslos aufs Meer schauen. Liebe. Gute Freunde. Mein Bruder, meine Nichten, ein besonderes Buch, ein spannender Film, ein gelungener Witz, Steak medium rare... Und herbes, kühles Bier.

Könnten Sie sich einen Tag ohne Musik vorstellen?
Ja. Wenn ich arbeite oder lese oder nachdenke, höre ich nie Musik. Da ich viel arbeite, lese oder nachdenke, höre ich selten Musik. Viel zu selten. Seltsam. Ich mag Musik.

Wovon haben Sie als Kind geträumt?

Tarzan sein und auf Elefanten reiten. Oder Winnetou. Dann Primaballerina. Dann Daktari.

Gibt es einen Himmel und eine Hölle?
Unbedingt. Schätze, in jedem von uns. In den meisten Fällen selbst gezimmert.

Was ist wichtig im Leben?
Da habe ich nun viele Semester Philosophie studiert und kann diese Frage trotzdem oder deswegen nicht zufriedenstellend beantworten. Wenn man es vielleicht weniger allgemeingültig formulieren würde: „Was ist MIR wichtig im Leben?“ dann wäre es einfacher. Dann würde ich sagen: All das, was ich auf die Frage „was mich glücklich macht“ geantwortet habe plus Gesundheit und noch so einiges als ganz klare Wünsche fürs Zwischenmenschliche dazu. Freundlichkeit, Mitgefühl, Toleranz, Authentizität, Integrität, Großzügigkeit... und natürlich: Weltfrieden!

Welche lebenden Schriftsteller würden Sie zum Essen einladen?
Mo Hayder. Ihre Lebensgeschichte macht mich neugierig. Und natürlich meine Freundin Beatrix Kramlovsky!

Sie sitzen mit einem Freund in der Bar. Wie würden Sie ihm Ihr Buch in zwei Sätzen beschreiben?
Ganz anders jedenfalls als ich es einem Profi pitchen würde. Ich würde bei den meisten meiner Freunde wohl recht lapidar sagen: „Ne Frau bringt nacheinander ein paar Typen um wegen einer alten Geschichte. Aber am besten liest du es nicht, sonst meckerst du hinterher wieder, weil es dir zu brutal war.“

Wie entstand bei Ihnen die Idee für dieses Buch, mussten Sie viel dafür recherchieren?
Die Idee für das Buch entstand vor Jahren durch einen Artikel, den ich gelesen habe. Es ging um einen Russen, der... Aber das würde zuviel verraten. Jedenfalls hat mich der Gedanke an einen bestimmten Aspekt, der im Artikel gar nicht zur Sprache kam, nicht mehr losgelassen. Ich wusste nur lange nicht, wie ich das angehen soll. Dann war es da. Es war so sehr da, dass ich kaum noch recherchieren musste – im Gegensatz zu meinen anderen Büchern, für die ich immer sehr viel recherchiere.