Du bleibst du, und ich bleib ich

Balance halten, wenn die Eltern Pflege brauchen

Das Kümmern um die alternden Eltern ist ein Lebensthema aller Menschen, die über das 45. Lebensjahr hinausgehen.
In den meisten Fällen geschehen Organisation, Betreuung und Begleitung bis an eigene Grenzen zunächst im familiären Kreis (vorwiegend Töchter), so dass das dringend notwendige Gleichgewicht zwischen Fürsorge und eigener Lebensqualität oft auf der Strecke bleibt.
Emotionen, Nähe, Respekt, Sinnhaftigkeit, Schuldgefühle und ein gesundes Maß an Egoismus stehen im Vordergrund dieses Buches.

Vielfältige Perspektiven, Beispiele und praktischer Rat führen zu einem guten Umgang mit eigenen Ressourcen. Ein Anhang mit Literaturhinweisen und Kontaktstellen ergänzt diesen emotionalen Ratgeber.

Hardcover
eBook
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Corinna Kohröde-Warnken
© Kerstin Haase

Die Autorin

Corinna Kohröde-Warnken, geboren 1966, examinierte Krankenschwester, Fachweiterbildung in Anästhesie und Intensivmedizin, zehn Jahre am Patientenbett, von 2003 bis 2010 Pflegedienstleitung und Prokuristin einer Altenpflegeeinrichtung, von 2010 bis 2013 Referentin des Vorstandes in einem Krankenhaus der Maximalversorgung; Studium Public Health und Pflegemanagement mit Abschluss Diplompflegewirtin, seit 2009 Dozentin an der Hamburger Fern-Hochschule, seit 2014 Schriftstellerin, Bloggerin, Journalistin, diverse Buchpublikationen, bundesweite Lesereisen.

Ein Interview mit unserer Autorin

Wir haben Corinna Kohröde-Warnken einige Fragen zu ihrem Buch gestellt. Lesen Sie hier die ganz persönlichen Antworten unserer Autorin als Ergänzung zu ihrem Buch.

Wie sind Sie zu der Buch-Idee gekommen?
Ich habe über sieben Jahre lang eine stationäre Altenpflegeeinrichtung und ein betreutes Wohnen als Pflegedienstleitung und Prokuristin geleitet. Durch den engen Kontakt mit Bewohnern und Angehörigen konnte ich unterschiedliche Perspektiven wahrnehmen. Sehr oft wurde an mich herangetragen, dass Angehörige ihr schlechtes Gewissen plagte, da sie ihre Eltern ins Pflegeheim „abgeschoben“ hatten. Das fand ich immer ganz schrecklich, denn manchmal geht es einfach nicht anders, weil es die äußeren Umstände nicht anders zulassen. Oftmals war die Entscheidung für eine Pflegeeinrichtung eine echte Entlastung für beiden Seiten und das Verhältnis zu den Eltern besserte sich deutlich, weil die Situation entschärft wurde. Die Zeit, die dann gemeinsam verbracht wird, hat eine ganz andere Qualität.
Was ich damit sagen will: Es gibt Entscheidungsprozesse, die nur aus der Innenperspektive heraus beurteilt werden können. Meinungen und Statements von außen sind eher kontraproduktiv.

Welches sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für Menschen, die Ihre Eltern pflegen?
Ich denke, es ist eine große Herausforderung, die eigenen hohen Ansprüche, die durch das soziale Umfeld noch verstärkt werden, zu managen. Hinzu kommen natürlich auch noch die Ansprüche der Pflegebedürftigen. Wir setzen uns selber unter einen enormen Druck, weil wir alles richtig machen wollen. Man ist einer Erwartungshaltung ausgesetzt, die entweder wirklich besteht oder die vom Betroffenen vermutet wird. Das ist in ländlichen Gebieten manchmal noch ausgeprägter als im städtischen Milieu. Töchter oder Schwiegertöchter sind „qua Amt“ Betreuungskräfte, Pflegerinnen und Kümmerin. In dieser Spirale fühlen sich viele gefangen. Darum war es mir wichtig, in dem Buch von einem positiven Egoismus zu sprechen.

„Balance halten, wenn die Eltern Pflege brauchen“ lautet der Untertitel Ihres Buches. Erklären sie bitte genauer, welche Balance gemeint ist.
Es ist ähnlich wie bei der Feuerwehr oder der Polizei. Nur wenn man für den überlebenswichtigen „Selbstschutz“ sorgt, kann man eine „Rettung“, in unserem Fall eine Versorgung der Angehörigen, gewährleisten.
Es ist also überhaupt nicht als negativ zu bewerten, wenn eine Person für sich selber sorgt. Es führt vielmehr dazu, dass sie ausreichend Kraft, Energie und Motivation zum Kümmern aufbringen kann. Die wenigsten wissen, dass die durchschnittliche Pflegezeit von Angehörigen nicht nur ein paar Wochen oder Monate dauern kann, sondern bei ca. acht Jahren liegt. Das ist fast eine ganze Lebensdekade!

Wie kann Ihr Buch dabei helfen, diese Balance zu halten bzw. wiederzufinden?
Es ist wie bei allen Lebensentscheidungen die wir treffen. Ich halte es für wichtig, nach der eigenen Motivation zu fragen: WARUM übernehme ich die Pflege, bzw. WARUM nicht?
Oft sind es altruistische Gründe, das Pflichtgefühl oder ein altes Versprechen. Situationen und Lebensumstände verändern sich allerdings und Entscheidungen sollten entsprechend angepasst werden. Nur, weil ich zu Beginn einer Demenz meine Mutter pflege, heißt das nicht, dass ich das bis zum bitteren Ende tun muss. Es gibt viele niedrigschwellige Alternativen und Hilfsangebote. Man kann Leistungen kombinieren oder völlig neu entscheiden.

Welche Botschaft möchten Sie Ihren Lesern durch das Buch vermitteln?
Genau jene Botschaft, die der Titel ausdrückt. „Du bleibst Du“ – also mein Angehöriger wird immer mein Vater oder meine Mutter bleiben, egal ob sich die Persönlichkeit durch eine Demenz verändert oder eine jahrelange Bettlägerigkeit besteht.
Ich habe natürlich auch das Recht mir selbst treu zu bleiben, denn „Ich bleib ich“.

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