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Echte Bio-Produkte erkennen. Mit Annette Sabersky »Bio drauf - Bio drin?«

Interview mit Autorin und Bio-Food-Testerin Annette Sabersky

Was ist eine typische Biofalle, in die Verbraucher tappen können?
Annette Sabersky: Viele Kunden, die Biolebensmittel kaufen, gehen davon aus, dass diese immer ohne Zusatzstoffe sind. Das ist leider nicht der Fall. Verarbeitete Bio-Produkte wie Pizza, Fertiggerichte, Salatsaucen, Pudding oder Wurst können Zusatzstoffe enthalten. Sie werden eingesetzt, um das Lebensmittel über einen langen Zeitraum haltbar zu machen, damit sich wie bei einer Salatsauce Fett und Wasser nicht entmischen oder um einen bestimmten Geschmack zu erzeugen. Für Bio-Produkte sind aber nur rund 50 Zusatzstoffe der insgesamt 400 in der EU zugelassenen Zusätze erlaubt. Diese Stoffe hat die EU für Bioprodukte genehmigt, weil sich diese sonst nicht oder nur in unbefriedigender Qualität herstellen ließen.

Gilt das auch für Bio-Produkte aus Naturkostläden?
Annette Sabersky: Im Prinzip ja. Dort findet man aber mehr Biokost, die nach den Vorschriften der Bio-Anbauverbände wie Bioland, Demeter oder Naturland erzeugt werden. Sie erlauben viel weniger Zusatzstoffen für ihre Produkte. Für verarbeitete Bioland-Produkte sind nur 21 Zusatzstoffe gestattet, für die von Demeter nur 13. Diese Unterschiede werden auch ausführlich in »Bio drauf - Bio drin?« beschrieben.

Sind die Zusätze heikel?
Annette Sabersky: Nein, das nicht. Die meisten Zusatzstoffe, die für Bio-Produkte erlaubt sind, sind harmlos. Oft handelt es sich aber um isolierte Substanzen, die so aufbereitet sind, dass sie gebrauchsfertig in ein Produkt eingearbeitet werden können. Mit Natur pur hat das dann nichts mehr zu tun.

Einige von der EU für Biokost erlaubte Substanzen sind aber auch umstritten. Für Fleisch- und Wurstwaren ist der Pökelstoff Natriumnitrit (E 250) zugelassen, wenn auch in geringerer Menge als in konventionellen Produkten. Er gibt der Wurst das bekannte Pökelaroma und verbessert die Haltbarkeit. In Tierversuchen zeigte sich aber, dass sich im Magen aus Nitrit zusammen mit Eiweißstoffen Nitrosamine bilden können, die als krebserregend gelten. Noch ein Negativbeispiel ist Verdickungsmittel Carrageen (E 407). Es darf Puddings und Salatsaucen zugesetzt werden, damit sie eine dickflüssige Konsistenz haben. Der Zusatzstoff steht jedoch im Verdacht, Magen-Darm-Erkrankungen zu fördern. In den USA wird jetzt von Wissenschaftlern gefordert, Carrageen für Bio-Produkte zu verbieten.

Aber auch auf Bioprodukten steht immer öfters, dass sie „ohne Konservierungsstoffe“ oder „ohne Geschmacksverstärker“ sind. Stimmt das?
Annette Sabersky: Das ist Werbung mit Selbstverständlichkeiten, denn Bio-Lebensmittel dürfen diese Stoffe gar nicht enthalten. Außerdem muss man aufpassen, was stattdessen in die Tüte kommt. Statt des für Biokost verbotenen Geschmacksverstärkers Mononatriumglutamat wird oft noch der Ersatzstoff Hefeextrakt genommen, der auch geschmacksanregende Glutaminsäure enthält. Auch Eiweißkonzentrate sind typische Ersatzstoffe für Glutamat, denn sie intensivieren auch den Geschmack von Zutaten. Das Gemeine ist, dass die Ersatzstoffe rechtlich keine Zusatzstoffe sind und darum keine E-Nummer tragen, sondern wie ganz normale Lebensmittel in der Zutatenliste auftauchen.

Was haben Ihre Recherchen ergeben: Sind denn preiswerte Bio-Produkte vom Discounter genauso gut wie die aus dem Bio-Laden?
Annette Sabersky: Im Prinzip ja. Denn alle werden nach den Vorgaben der EU-Bio-Verordnung hergestellt und halten sie auch ein. Die Lebensmittel werden also ohne Pestizide und synthetische Düngemittel erzeugt, die Tiere weitgehend artgerecht gehalten. Viele Discounter-Produkte erfüllen aber nur die Minimalanforderungen für Bio-Produkte der EU. Biolebensmittel aus dem Naturkostladen oder Bio-Supermarkt sind oft hochwertiger. Sie erfüllen neben den EU-Vorgaben auch noch die strengeren Kriterien der Anbauverbände wie Bioland und Demeter. Bei der Verarbeitung sind nicht nur weniger Zusatzstoffe erlaubt, hier gibt es oft auch viele regionale Bio-Lebensmittel und es werden überwiegend Markenprodukte von Öko-Herstellern angeboten, die für eine gewissen Qualität stehen. Im Discounter weiß man ja oft nicht, woher ein Bio-Produkt kommt, weil es unter dem Bio-Markennamen der Kette angeboten wird. Echte Bio-Produkte sind sie aber schon, und oft zudem preiswerter.

Wöchentliche Bio-Produkt-Tests finden Sie auch unter bio-food-tester.de, dem Bio-Blog von Annette Sabersky.