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SPECIAL zu E. Bar-Chen, H. Specht »Warum Schabbat schon am Freitag beginnt«

Die Rahmenhandlung

Außenansicht Jüdisches Museum, Berlin

Lilli und Jakob, zwei Kinder aus dem heutigen Berlin, haben Langeweile. Nach draußen zieht sie nichts, denn es regnet. Da fällt den Eltern ein, dass ihre Oma schon längst vor hatte, die Enkel mit in dieses „Zickzackding“ zu nehmen. Rasch wird klar, der Begriff „Zickzackding“ beschreibt die Architektur des Jüdischen Museums in Berlin. Doch was mit „jüdisch“ gemeint ist, weiß Jakob nicht.

»Mhm. Judentum ist eine Religion, aber Juden sind irgendwie auch ein Volk. Das ist gar nicht so leicht zu erklären«, antwortet der Vater. Und schon ist die Neugierde der beiden Kinder geweckt. Da Lilli und Jakob alt genug sind, können sie das Museum auch ohne Oma besuchen. Sie müssen einfach nur die U-Bahn nehmen, mit der Lilli sonst zu ihrem Judokurs fährt. Mit dem Museumsbau betreten sie eine für sie völlig neue Welt.

Als erstes entdecken sie eine Vitrine mit einer »T-O-R-A-Rolle, die fünf Bücher Mose«. Ein alter Museumswärter mit tiefer Stimme verwickelt sie in ein Gespräch. »Das ist das wichtigste und heiligste Buch der Juden. Es ist in einer sehr alten Sprache geschrieben: Hebräisch, die Sprache der ersten Juden.« Jakob fragte neugierig: »Wer waren denn die ersten Juden?«

Lilli und Jakob sind fasziniert. So viel Neues gibt es zu sehen und zugleich tauchen viele Fragen auf. Doch zum Glück ist der freundliche ältere Herr bereit, ihnen das zu erzählen, was sie wissen wollen. Und er tut es auf eine ganz eigene und ausgesprochen lebendige Weise. Der alte Mann hat nämlich die Fähigkeit, ihnen den Zauber der Bücher zu erschließen. Er klopft mit einem Stock auf den Boden und schon schlüpft der geheimnisvolle Museumswärter mit ihnen in ein Buch hinein, um ihre Frage zu beantworten, zum Beispiel: Wer war der erste Jude?

Flugs sind sie durch das Buch nach Ur gekommen, wo sie Abraham und Sara besuchen, die ihnen gastfreundlich begegnen und den Ankömmlingen erst einmal die Füße waschen. Dann bieten sie ihren Gästen Essen und Getränke an. Im Gespräch erfahren die Kinder, dass das Paar packt, um sich ein neues Zuhause zu suchen. Abraham hatte nämlich einen Traum, in dem ihm klar wurde, dass es nur einen wahren Gott gibt, der unsichtbar ist und ganz anders als die Holzfiguren, die er und die anderen Menschen bisher als göttlich verehrten. Nun will er mit seiner Frau fort und vertraut darauf, dass der eine Gott ihm zeigt, wo der richtige Platz für sie beide ist.

Dieser Traum, in dem Gott sich an Abraham wandte, machte ihn zum ersten Juden. Fortan glaubten auch alle Kinder und Enkel Abrahams an einen einzigen Gott, der kein Gesicht und keine Gestalt hat. Das ist gar nicht so verschieden von dem, was Lilli und Jakob über ihren christlichen Gott glauben.

Aber woran glauben Juden?

Die zweite Reise, auf die sie sich in Begleitung des alten Wärters im Museum begeben, führt nach Ägypten. Nicht weit weg von den Pyramiden führt der alte Mann Lilli und Jakob zu den Nachkommen von Joseph und seinen Brüdern. Das waren die Söhne von Abraham und Sara, die sich einst in Ägypten angesiedelt hatten. Doch inzwischen - so erfahren die beiden Kinder aus der Gegenwart -, wurden die Juden von den Ägyptern versklavt und sehnten sich nach der Befreiung. Diese versprach Moses und verkündete, dass er die Juden aus Ägypten und aus ihrem Leid heraus- und in ihre Heimat zurückführen würde. Ein langer und anstrengender Weg durch die Wüste lag vor ihnen. Es blieb den Juden nur wenig Zeit für ihre Flucht, so dass sie auf die Schnelle als Proviant nur Mazzen, also ungesäuertes Brot, backen konnten.

Die Zeit in Büchern vergeht anders als im richtigen Leben

Nach einem Tag im alten Ägypten will Lilli nach Hause. Sie kann nicht glauben, dass für sie im Museum oder genauer beim Hineinschlüpfen in die Bücher des Museums die Zeit völlig anders vergeht als für ihre Eltern. »Ja, so ist das, wenn man in Büchern reist«, sagt wissend der Museumswärter und bringt sie über den Weg einer amerikanischen Haggada (ein jüdisches Gebetbuch) nach New York, wo sie bei frommen Juden zum Gastmahl am Pessach-Abend eingeladen sind. Hier begegnet ihnen das ungesäuerte Brot wieder.

Noch einmal klopft der alte Mann mit seinem wundersamen Stock und schon sind alle drei zurück in Berlin - allerdings noch nicht zu Hause. Sie sind in einer jüdischen Familie in Berlin gelandet und erleben mit, wie dort das Gedenken an den Auszug aus Ägypten, den Exodus, mit dem Pessachfest wach gehalten wird. Der Sohn der Familie erzählt über die Flucht vor den Ägyptern, den langen Weg durch die Wüste und auch davon, wie Moses die Tora erhielt. Und dann singt er noch ein hebräisches Lied.

»Schabbat? Was ist das?«

Am Freitag bei Sonnenuntergang beginnt der Schabbat, der Ruhetag der Juden. Mit ihrem Reiseführer aus dem Museum gelangen Lilli und ihr Bruder ins Heilige Land zur Zeit des Königs Salomons, um bei einer dortigen Familie am Schabbat teilzunehmen. Man isst miteinander und an diesem wie an fast allen jüdischen Feiertagen ist das Arbeiten verboten. Jüdische Reisende werden zum gemeinsamen Feiern eingeladen, so ist es alter Brauch, erklärt ihnen ihr Begleiter. Doch obwohl sie Christen sind, gilt die Gastfreundschaft auch Lilli und Jakob.

Sie verstehen, dass der Schabbat so etwas ist wie der Sonntag und die christliche Sonntagsruhe ein Gebot ist, das dem Muster des Schabbat folgt. In der Gastfamilie lernen die Gäste, welche besonderen Kleidungsstücke zum Gebet angelegt werden. Doch es gibt noch viel mehr Rituale, die im jüdischen Glauben eine Rolle spielen, die Gebetsriemen und die Mesusa beispielsweise, von denen die beiden Berliner gar keine Ahnung haben. Diesmal aber bleiben sie über Nacht und haben daher viel Zeit für ihre neuen Entdeckungen und sogar für den Weg nach Jerusalem.

Die jüdischen Speisegesetze

Unterwegs durch die Geschichte der Juden bekommen sie natürlich Hunger. Als sie Rast machen wird ihnen ein Mahl serviert und der alte Museumsführer erklärt, welche Regeln im Bezug auf Essen gelten. »Die Speisegesetze sind sehr kompliziert. Man nennt sie Kaschrut, das kommt von dem Wort für ›rein‹«, erklärt er seinen beiden Begleitern. Dass man nicht alles, was man will, zusammen essen soll und manche Speisen wie Schweinefleisch und Meeresfrüchte gar nicht auf den Teller kommen, das erfahren sie beim Essen, bevor sie müde in den Schlaf fallen.

Ein kurzer Besuch beim weisen König Salomon

Sie erreichen den tiefsten Punkt der Erde, das Tote Meer, über das ihr Führer natürlich wieder etwas zu erzählen weiß. Dann sieht man schon Jerusalem. Der Tempel, der im Auftrag des Königs Salomon erbaut wurde ist ihre nächste Station. Sie durchschreiten ein Stadttor und folgen einfach dem Strom der Menschen, der sie automatisch zum Tempel führt.

Durch einen dummen Zufall werden sie dem König vorgeführt. Eine gute Gelegenheit für die Kinder, einige ihrer Fragen loszuwerden. Doch mit Zeitreisen ist selbst der weise Salomon nicht ganz so vertraut. Die Verständigung ist nicht ganz einfach und so zieht es der alte Museumsführer vor, seine Arme um die beiden Schützlinge zu legen und mit ihnen wieder in die Gegenwart einzutauchen.

Die Belagerung Masadas

Lilli freundet sich mit Juri an, dem Sohn russischer Zuwanderer. Er heißt mit Nachnamen Kohen, was darauf verweist, dass seine Familie von jüdischen Priestern abstammt. Juri und seine Eltern sind ebenfalls jüdischen Glaubens, was Lilli natürlich brennend interessiert. Sie lädt ihren neuen Freund ein, mit ihr und Jakob das Jüdische Museum zu besuchen.

Als sie den alten Museumsführer treffen, reist Juri mit ihnen durch Zeit und Raum. Diesmal geraten sie durch das Buch »Jüdische Altertümer und Der Jüdische Krieg von Flavius Josephus« in die Festung Masada, wo die Juden gegen die Römer kämpfen. Um den römischen Kriegern zu entgehen sind die Juden zu allem bereit. Die wenigen, die überlebten, verließen Masada und zogen aus in alle Welt. Obwohl sie in einen grausamen Abschnitt jüdischer Geschichte geraten waren, war Juri völlig fasziniert von der Möglichkeit der Bücherreisen; beim nächsten Museumsbesuch möchte er gerne wieder mit dabei sein.

Jüdisches Leben in Worms

Beim nächsten Museumsbesuch, der also mit Juri stattfindet, erzählt der Junge von seiner Bar Mizwa. Das ist das jüdische Fest, mit dem Jungen als erwachsen gelten, lernen, in der Synagoge zu beten und Verse aus der Tora vorlesen dürfen. »So ähnlich wie die Kommunion bei den Katholiken und die Konfirmation bei den Protestanten«, weiß Juri stolz zu berichten. Es werden viele Verwandte eingeladen und Geschenke gibt es auch.

Lilli ist neugierig geworden. Sie möchte gerne mal so eine Synagoge von innen sehen. Der alte Museumsführer macht es möglich, indem sie mit ihm durch ein Gebetbuch schlüpfen und diesmal in Worms herauskommen. Allerdings ist es nicht die heutige Stadt, sondern sie finden sich im Worms vor tausend Jahren wieder, wo die Juden in einem eigenen Stadtteil leben. Dort gibt es eine jüdische Metzgerei, eine eigene Schulen und ein rituelles Reinigungsbad, die Mikwe. Und in der Synagoge erfüllt sich letztlich auch Lillis Wunsch.

Der Philosoph Maimonides

Von Worms nach Fustat in Ägypten. Tausende Kilometer und 100 Jahre Geschichte legt die Gruppe zurück, als der Museumswärter erneut drei Mal klopft. Schon sind sie im 12. Jahrhundert in der Fustater Synagoge. Dort lernen sie Maimonides kennen, der zugleich Philosoph, Rabbi und Arzt ist. Er wird zum Sultan Saladin gerufen, der sich krank fühlt. Ob wohl Schabbat ist, der Tag, an dem Arbeiten verboten ist, darf er als Arzt tätig werden. Er nimmt die Gruppe mit in den Palast und erzählt während er den kranken Saladin untersucht, wie dieser Jerusalem erobert hatte.

Als Rabbi, also als Gemeindevorsteher der Juden, muss sich Maimonides beeilen, um rechtzeitig zum Gebet wieder in der Synagoge zu sein. Und selbst danach wartet noch eine Menge Arbeit auf ihn. Weil er ein kluger Gelehrter ist, schreibt er Bücher und es fragen ihn viele Menschen um Rat. So hat er stets eine Menge Briefe zu beantworten. Lilli, Jakob, Juri und ihr Führer schlüpfen in eines seiner Bücher hinein und kehren auf diese Weise wieder zurück ins Berlin der Gegenwart. Über Maimonides »Führer der Verwirrten« sind sie auf direktem Weg in die Bibliothek der Berliner Humboldt-Universität gelangt, wo sich zahlreiche Bücher von und über Maimonides befinden.

Von Regeln und Regelbrüchen

Zu Gast bei Moses Mendelssohn verfolgen die vier Zeitreisenden ein Streitgespräch zwischen dem Hausherrn und Gottholt Ephraim Lessing. Weil die Juden nach einem anderen Kalender leben als die Christen und durch ihre strengen Speisegesetze vollkommen andere Essensgewohnheiten haben, leben sie wie Fremde unter den Christen. Deshalb sagt Lessing: „Ihr müsst eure Religion an uns Christen und an das moderne Leben anpassen.“ Aber davon will Mendelssohn nichts hören.

Doch seine Kinder stehen ganz auf Lessings Seite und möchten die alten Riten hinter sich lassen und leben wie die Nichtjuden. Völlige Anpassung an das Leben der Christen – das aber ist nicht in Mendelssohns Sinn. An bestimmten jüdischen Gesetzen möchte er festhalten. Diesen Spagat kennt Juri auch von zu Hause. Die kleine Reisegruppe hüpft in ein Buch und erreicht wieder die Berliner Gegenwart. Dort erfahren Jakob und Lilli mehr über die Frage der Assimilation, das heißt der Aufgabe eigener Handlungs- und Glaubensvorschriften. Und zum Abschluss dieses Ausflugs, geleitet der alte Museumsführer die Kinder an Moses Mendelssohns Grab.

Das Holocaust-Mahnmal

im Jüdischen Museum

Lilli hat viele Fragen. Es fällt ihr auf, dass Erwachsene oft still und betreten reagieren, wenn von Juden die Rede ist. Auch ihre Eltern wissen nicht so recht, was sie auf Lillis Fragen antworten sollen. Aber ihre Mutter hat für sie »Das Tagebuch der Anne Frank« herausgesucht. Darin findet das Mädchen erste Antworten. Schließlich bittet sie beim nächsten Treffen mit dem alten Mann darum, dass er mit Jakob und ihr in dieses Buch hinein springt.

Für eine Weile teilen sie mit Anne Franks Familie deren Geheimversteck in Amsterdam, in dem sie sich vor den Nationalsozialisten verbargen. Sie erfahren von Annes Schwester Margot, dass diese das Ziel haben, die Juden auszurotten. Als die deutschen Nationalsozialisten auch in Holland Juden verfolgten, blieb der Familie nichts anderes übrig, als sich in das Versteck zurückzuziehen und im Verborgenen zu leben.

Später, wieder zu Hause in Berlin, besuchen Lilli und Jakob mit dem Museumsführer das Holocaust-Mahnmal. Als ihnen der Alte erzählt, was dieses Mahnmal bedeutet, sind sie bedrückt. Nun wissen sie auch, dass die lange Zeit im Versteck Anne, Margot und ihrer Mutter nichts genutzt hat. Alle drei fanden durch die Nationalsozialisten den Tod. Der Vater überlebte als einziges Familienmitglied die schlimme Zeit.

Der Zionist Theodor Herzl

Lilli wundert sich, dass die Juden vor den Nationalsozialisten nicht nach Israel geflohen sind. Ihr Freund, der alte Museumsführer, erklärt ihr, dass es in jener Zeit Israel noch nicht gegeben habe. Um den Kindern genaueres mitzuteilen, nutzen sie ein Buch von Theodor Herzl. Es heißt »Der Judenstaat« und führt sie zu ihrer großen Überraschung nicht nach Israel sondern nach Basel, wo sie im Jahr 1897 an einer großen Versammlung teilnehmen. Es ist der Erste Zionistische Kongress, in den Lilli, Jakob, Juri und ihr Reiseführer geraten sind.

Dort tritt Theodor Herzl persönlich auf und erläutert den Anwesenden seinen Traum von einem eigenen jüdischen Staat. In Jerusalem, Herzl nennt es Zion, möchte er die Juden zusammenführen. Herzl selbst hatte nämlich die Erfahrung gemacht, dass Juden in vielen Ländern unerwünscht waren und ihr Bleiben dort sich mit wachsender Gefahr verband. In einem Judenstaat sah er einen Ausweg und daher begann er Land in Palästina zu kaufen. Der Staat Israel wurde jedoch erst einige Jahrzehnte später gegründet, erfahren die Kinder bei ihrem Besuch in Tel Aviv.

Jerusalem - Eine moderne und eine heilige Stadt

Von Tel Aviv geht es weiter – diesmal mit dem Bus – nach Jerusalem. Ihr alter Freund und Reisebegleiter weiß auch über das heutige Leben der Juden in Israel viel zu erzählen. Warum es dort zum Beispiel Straßenschilder mit vielen verschiedenen Schriften gibt, und auch, warum die Araber und die Juden seit vielen Jahren in Feindschaft leben. Aus den Nachrichten wissen auch die Berliner Kinder, dass dort immer wieder Krieg und Gewalt herrschen.

Nachdem sie sich erst einmal mit Falafeln gestärkt haben, geht ihre Stadtbesichtigung weiter. Die Gruppe durchschreitet Teile der neuen Stadt und wendet sich dann der Jerusalemer Altstadt zu. Sie besuchen die engen Gassen des Basars, die Grabeskirche und die Klagemauer. Auch der Felsendom und die Al-Aksa-Moschee stehen auf dem Programm, denn schließlich ist Jerusalem nicht nur für Juden, sondern auch für Christen und Muslime eine heilige Stadt.

Zurück in Berlin heißt es Abschiednehmen. Der alte Mann, der ihnen die Macht der Bücher gezeigt hat, lässt die drei wissbegierigen Kinder ihre künftigen Forschungsreisen allein unternehmen. Und so geheimnisvoll wie er immer aufgetaucht war und mit seinem Stock ihnen den Weg der Buchreisen gebahnt hatte, so geheimnisvoll springt der wundersame Lehrer zuletzt in ein altes Buch und ist verschwunden.

Die wichtigsten Begriffe werden in der CD beiliegenden Booklet erklärt.

Copyright © Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

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Eli Bar-Chen, Heike Specht

Warum Schabbat schon am Freitag beginnt

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