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"Das Leben ist größer als jeder Roman"

Ein Interview mit Elke Naters & Sven Lager


© privat

Wann seid Ihr zum ersten Mal auf die Idee gekommen, gemeinsam, sprich als Paar, ein Buch zu schreiben?
Die Idee entstand zum ersten Mal, als unsere Kinder größer wurden und anfingen zu sprechen und zu denken. Wir dachten, das glaubt uns keiner, der Irrsinn, der bei uns zu Hause abgeht; und dann war das Schöne daran, dass es allen Eltern genauso ging wie in unserer Geschichtensammlung »Durst Hunger Müde« (2004) – unser erstes Buch, das wir gemeinsam geschrieben haben. Und Leute ohne Kinder mussten auch lachen. Das Leben ist größer als jeder Roman.

Wie kam es dazu, dass Ihr Euch dazu entschlossen habt, Eure Liebe zum Thema zu machen?
Wir haben zwölf Jahre gebraucht, um endlich zu heiraten. Deshalb dachten wir, wir wissen, was Liebe ist. Aber unabsichtlich haben wir einiges vom anderen beim Schreiben über die Liebe gelernt.

An welche Leser richtet sich das Buch?
An alle Menschen, die an die Liebe glauben, aber immer wieder an ihr scheitern.
An alle, die glauben, Trennung sei eine Option und die hoffen, mit einer neuen Liebe wird alles besser.
An alle, die sich lieben und trotz aller Schwierigkeiten zusammenbleiben.
An alle Paare, die nach Jahren immer noch zusammen sind, während sich alle um sie herum trennen, und die sich fragen: Sind wir verrückt oder die Welt um uns herum?

Über die Liebe zu seinem Partner zu schreiben, ist sehr persönlich. War es einfach für Euch, Eure Geschichte, Eure Gedanken, Ängste und Wünsche aufzuschreiben und damit Euren Lesern einen Einblick in Eure Privatsphäre zu gewähren?


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Elke: Das Schreiben bekam so eine Eigendynamik, die ging in die Richtung: Jetzt schreib ich mal, wie es wirklich ist. Als wir uns die ersten Texte gegenseitig zum Lesen gaben, waren wir beide überrascht, sagten aber nichts, sondern lobten uns gegenseitig und brodelten leise vor uns hin, bis wir explodierten. Wir stellten fest, dass wir so nicht weiterschreiben konnten. Dass wir tiefer gehen mussten, wenn wir an die Wahrheit rankommen wollen.
Im Laufe der Jahre schummelt man sich eine Geschichte zusammen, die schön aussieht, aber wenn man genauer hinsieht, entdeckt man plötzlich die faulen Stellen. Am liebsten hätten wir den Deckel gleich wieder draufgeknallt, aber es gab kein Zurück mehr. Und so kam auch die Offenheit und Ehrlichkeit, ohne die das nicht ging.

Elke: dachten Sie beim Schreiben an Sven? Dachten Sie daran, was er zu Ihrer Offenheit sagen wird?
Nein, ich dachte eigentlich immer an meinen früheren Mann, der heute Redakteur ist und über Fußball schreibt. Neulich hatte ich einen Traum, in dem er mich betrog, meine Gesichtscreme benutzte und mich dann auch noch mit zehn Euro auf einem zugigen Bahnsteig stehenließ. So ein Idiot.
Nein, nur Spaß. Ehrlich gesagt, ich dachte, Sven weiß das alles. Der weiß, was ich denke, ich sag's ihm ja oft genug. Tatsächlich waren wir beide überrascht, er mehr als ich. Das liegt daran, dass er mir nie zuhört.

Sven: dachten Sie beim Schreiben an Elke? Machten Sie sich Gedanken darüber, wie Ihre Frau auf Ihre Ehrlichkeit im Hinblick auf Eure Beziehung reagieren wird?
Frauen interessiert die Vergangenheit des anderen nicht so wie Männer. Ich bin selbst heute noch eifersüchtig auf den Bauernjungen in Bayern, den Elke mit elf sehr mochte. Und genauso dachte ich, ich muss mit Elke jetzt reinen Tisch machen. Mitten in einer Geschichte sprang ich auf und ging zu ihr, aber sie sah nur auf und wollte nicht gestört werden. Sie schrieb ebenfalls. Fast hätte ich ihr alles gestanden. Dass ich noch drei Kinder in Lissabon habe, ihre beste Freundin mich heiraten wollte und ich bis zum Gymnasium gestillt wurde. Oder so ähnlich. Ich kann Elke alles erzählen und sie lacht nur. Das liegt daran, dass sie immer alles besser weiß.

"Unser Buch ist ein Geständnis, und es ist eine Verbeugung vor der Liebe,
die größer ist als wir." Elke Naters & Sven Lager



In Eurem Vorwort schreibt Ihr, dass am Anfang, als der Entschluss feststand, dieses Buch zu schreiben, vieles klar und einfach war. Ihr berichtet aber auch, dass Eure Beziehung, je länger Ihr über Euch und Eure Liebe schriebt, immer schwieriger wurde und dass Ihr erst über den Prozess des Schreibens wieder zueinanderfinden musstet. Wie kam es dazu?
Die Idee zu diesem Buch entstand aus einer Euphorie heraus: Hey, seht uns an, wir haben es geschafft! Lass uns der Welt mitteilen, wie man das macht mit der Liebe. Aber je mehr wir schrieben, desto weniger toll sah alles aus. Von allen Seiten tauchten Schwierigkeiten und Missverständnisse auf, je tiefer wir bohrten, desto hässlicher wurde es. Das war furchtbar. Es war unmöglich, ein Buch zu schreiben, wie wir es geplant hatten, weil wir es ganz und gar nicht geschafft haben. Wir waren gerade erst am Anfang. Aber wir liebten uns, trotz allem. Das war das einzige, was noch stimmte, und aus Seht her, wir haben es geschafft und wir sagen euch, wie es geht, wurde glücklicherweise ein: Wenn wir es schaffen, dann kann es jeder schaffen.

Soll bzw. kann Euer Buch als Ratgeber verstanden werden, wie man eine Beziehung in unserer heutigen Gesellschaft auch über die Jahre hinweg leben kann?


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Ratgeberbücher versteckt man ganz hinten in seinem Bücherregal. Schon allein deshalb ist es keins. Unser Buch ist ein Geständnis und ein Plädoyer für die Liebe. Wir schreiben nicht, wie man es richtig macht, sondern was wir falsch gemacht haben, und hoffen, dass der Leser daraus lernen kann.
Es gibt Wahrheiten in der Liebe, die ändern sich nie, z.B. dass man lernen muss, den anderen zu lieben, egal wie er ist. Und dass die Liebe des anderen einen nicht vor sich selbst retten kann. Und es gibt die ewigen Missverständnisse: Da ist dieses große Ding, die große Liebe, da muss alles perfekt und großartig sein, und wenn es das nicht ist, dann ist die Liebe nicht groß genug. Aber wir sind alle unperfekt und oft gar nicht großartig. Das ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt.
Wir wollen zeigen, dass wir es mit unseren Fehlern und Unterschieden trotzdem geschafft haben, uns über die Jahre noch so zu lieben. Obwohl wir uns manchmal nicht ausstehen können, sogar unlösbare (bis jetzt) Konflikte und gelegentlich keinen Sex haben. Schwierigkeiten, die viele Paare dazu bringen, sich zu trennen.
Diese Reibung ist wichtig, man muss daran wachsen, aber die Liebe darf darunter nicht leiden, weil die Liebe größer ist als wir selbst und unsere selbstbezogenen kleinlichen Reibereien. Das muss man trennen und die Liebe schützen.

Seht Ihr selbst Eure Beziehung als Vorbild für andere?
Unsere Liebe schon. Ebenso wie andere Lieben Vorbild für uns sind. Man kann so viel lernen, wenn man entdeckt, auf welch wunderbare Weise Menschen sich zu lieben versuchen und wie es ihnen oft unspektakulär gelingt.
Als Paar sind wir weit davon entfernt, perfekt zu sein. Darin können wir vielleicht ein Vorbild sein. Man muss keine perfekte Beziehung haben, um sich zu lieben und zusammenzubleiben. Beziehung ist menschlich, Liebe ist göttlich; ein kostbares Geschenk, das es um jeden Preis durch gegenseitigen Respekt und Dankbarkeit zu erhalten gilt.

Was darf von Euch beiden in Zukunft erwartet werden? Schreibt Ihr Euer nächstes Buch wieder gemeinsam oder jeder für sich?
Sven: Wir schreiben unser Buch um für eine Tournee des nationalen polnischen Puppentheaters und machen einen Kurzfilm über Tierliebe im Zeitalter der zufriedenen Singles.
Elke: Ich würde ja gerne mal wieder einen Roman schreiben, aber Sven zwingt mich, auch das nächste Buch wieder mit ihm zu schreiben. Leider erlaubt er mir nicht zu sagen, worum es geht, aber es wird wieder ein Knaller, soviel ist klar.

Copyright: © btb Verlag

Was wir von der Liebe verstehen Blick ins Buch

Elke Naters, Sven Lager

Was wir von der Liebe verstehen

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