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Emily Esfahani Smith im Interview

Fünf Fragen an die Autorin

Smith, Emily Esfahani
© Jonathan Durling

Was hat Sie dazu veranlasst, sich so eingehend mit dem Thema "Sinn des Lebens" zu befassen?
Als ich ein Kind war, betrieben meine Eltern bei uns zu Hause in Montreal ein Sufihaus. Sufismus ist die mystische Ausprägung des Islam, und Sufis begegnen allen Menschen mit liebevoller Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Dass ich unter Menschen aufgewachsen bin, deren Leben von einem tiefen Sinn erfüllt war, hat mich sehr geprägt. Als ich älter wurde, betrachtete ich die Sinnfrage aus philosophischer und psychologischer Sicht und verfasste darüber Beiträge für die New York Times oder The Atlantic. Meine Gedanken fanden überraschend großen Anklang bei den Lesern, die selbst nach einem Sinn in ihrem Leben suchten.


Wieso ist die Suche nach einem Sinn gerade heute so wichtig?
Obwohl unsere Kultur so besessen vom Glück ist, sind die Menschen verzweifelter als je zuvor. Diese wachsende Verzweiflung ist sehr häufig auf eine Sinnkrise zurückzuführen. Seelische und geistige Gesundheit erreichen wir nur, wenn wir davon überzeugt sind, dass unser Leben von Bedeutung ist. Wir müssen irgendwie spüren, dass wir mit etwas Größerem verbunden sind — damit wir das Gefühl bekommen, dass unser Leben einen Sinn und einen Zweck hat.


Wie ist das Konzept der "Vier Säulen des Sinns" entstanden?
Ich wollte herausfinden, was ein sinnerfülltes Leben wirklich ausmacht, deshalb habe ich alte und neue sozialwissenschaftliche Erkenntnisse zu diesem Thema durchforstet. Zudem habe ich mich mit Denkern und Schriftstellern befasst — darunter Aristoteles, Virginia Woolf, Viktor Frankl, Buddha — und mit den unterschiedlichsten Menschen über ihre Suche nach einem Sinn und den Ursprung dieses Sinns gesprochen — von einem ehemaligen Drogendealer über eine Zoobetreiberin bis hin zu einem Astronauten. Dabei kristallisierten sich immer wieder vier Hauptaspekte heraus, anhand derer ich die vier Säulen definiert habe: Zugehörigkeit, Bestimmung, Geschichten und Erfahrung eines großen Ganzen.


Ist ein sinnerfülltes Leben einfach nur schöner, oder bietet es noch weitere Vorzüge?
Wer spürt, dass das eigene Leben einen Sinn hat, beeinflusst damit auch andere Lebensbereiche. Menschen mit einem sinnerfüllten Leben haben eine bessere Herzgesundheit, leiden seltener unter kognitiven Störungen und können Rückschläge besser verkraften. Im Beruf sind sie engagierter und produktiver, in der Schule bekommen sie bessere Noten und sind einfühlsamer. Neben diesen Vorteilen für die eigene Person hat jemand, der ein sinnerfülltes Leben führt, häufiger einen positiven Einfluss auf seine Mitmenschen.


Welche Erkentnisse waren für Sie bei der Arbeit an diesem Buch besonders überraschend oder interessant?
In unserer Kultur hält sich der Mythos, die Suche nach dem Sinn des Lebens sei etwas Esoterisches — man müsse sich in ein entlegenes Kloster begeben oder in staubigen Wälzern blättern, um hinter das große Geheimnis des Lebens zu kommen. Aber das stimmt nicht. Überall gibt es Quellen des Sinns, die nur darauf warten, ausgeschöpft zu werden — hier und jetzt. Ein kurzer Austausch mit einem Barista oder einem Zeitungsverkäufer kann uns ein Gefühl der Zugehörigkeit verschaffen. Wir können unsere Bestimmung darin erkennen, einem Kollegen bei der Arbeit oder unseren Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen. Wir können über Wendepunkte in unserem Leben nachdenken, um besser zu verstehen, wer wir eigentlich sind. Wir können beim Anblick eines Sternenhimmels Ehrfurcht und das Gefühl eines großen Ganzen erleben. Wir müssen den Sinn des Lebens ganz pragmatisch sehen, und genau das versuche ich mit meinem Buch.

Glück allein macht keinen Sinn Blick ins Buch

Emily Esfahani Smith

Glück allein macht keinen Sinn

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