Rasant und komplex: die Thriller um Geheimagent Milo Weaver

DER TOURIST - Ein Agententhriller, der das Genre des Spionageromans neu definiert

Milo Weaver ist Tourist, Agent einer geheimen Unterorganisation der CIA. Touristen arbeiten allein, sie haben keine Heimat, keine Identität, keine Moral. Weaver, seit vielen Jahren im Dienst, ist längst nicht mehr hundertprozentig dabei. Er hat das Agentendasein satt, will ein bürgerliches Leben führen, doch den Fängen der CIA entkommt man nicht. Weaver lässt sich erneut für den aktiven Dienst rekrutieren, muss jedoch zunächst seine Loyalität beweisen. Kein Problem, denkt Weaver, bis er den Auftrag erhält, die 15-jährige Adriana Stanescu zu töten. Für Milo Weaver ein Ding der Unmöglichkeit. Er entführt Adriana und gibt sie in Obhut seines Vaters, um ihr ein Leben unter neuer Identität zu ermöglichen. Unterdessen versucht er herauszufinden, warum sie sterben soll. Doch wenig später wird Adriana ermordet aufgefunden, und der Verdacht fällt auf Weaver. Er gerät ins Visier der Company, und keiner weiß besser als Milo Weaver, was das bedeutet.

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REZENSION: Im Dienste der Company

Olen Steinhauers packender Agententhriller „Der Tourist“

Tourist – so lautet im CIA-internen Sprachgebrauch die Bezeichnung für einen Agenten, der einen derjenigen Aufträge übernimmt, die in keiner Statistik und in keinem offiziellen Protokoll des amerikanischen Nachrichtendienstes Erwähnung finden. Gleichzeitig beeinflussen solche im Ausland durchgeführten Geheimoperationen jedoch die internationale Politik weitaus stärker, als es jemals ans Licht der Öffentlichkeit dringt. Für das oft brutale und rücksichtslose Vorgehen, das bis zur Liquidation unliebsamer Akteure reichen kann, benötigt man Agenten ohne Skrupel und voller Loyalität für ihr Vaterland. Diese dürfen ihre Befehle nicht hinterfragen, sondern müssen sie ohne zu zögern ausführen, und sich obendrein mit einem Leben ohne wahre Identität oder festen Wohnsitz zufrieden geben.

Ein Tag verändert alles
Ein solcher Tourist ist Milo Weaver, alias Charles Alexander, wie der berufsübliche Deckname lautet, unter dem er sich in Agentenkreisen einen Namen gemacht hat. Seine verheißungsvolle Karriere als CIA-Agent aber endet an dem Tag, an dem er bei der Beschattung eines Ex-Kollegen, der sich mit 3 Millionen Dollar Steuergeldern aus dem Staub gemacht hat, in Venedig durch Zufall auf die hochschwangere Tina Crowe trifft. Die sucht nach der Trennung vom Kindsvater in der italienischen Lagunenstadt eigentlich nach Zerstreuung, gerät aber ungewollt in eine äußerst brenzlige Situation. Weaver wird bei dieser Gelegenheit selber schwer verwundet, es gelingt ihm aber mit letzter Kraft, Tina und das ungeborene Kind vor Schaden zu bewahren.

Diese schicksalhafte Zusammenführung führt zu einem radikalen Wandel in Milo Weavers Leben: Er heiratet Tina, nimmt ihre Tochter Stephanie als sein Kind an, und tauscht den rastlosen Job als Tourist gegen ein bürgerliches Leben, mit allem was dazu gehört. Die kleine Familie lebt in einem Häuschen in einer schicken Gegend von Brooklyn, und Milo Weaver geht einem Schreibtischjob für die CIA in der New Yorker 6th Avenue nach. Nur sein Chef, Tom Grainger, ist immer noch derselbe wie in den unruhigen Jahren der Agententätigkeit. Über sechs Jahre scheint diese Zeit für Milo nur der Schatten einer fernen Vergangenheit zu sein – bis zu dem Tag, an dem seine Vergangenheit ihn schlagartig wieder einholt.

Der Schatten des Tigers
Milo Weaver trifft in einer Gefängniszelle in Tennessee auf einen mysteriösen Killer, der in Agentenkreisen nur „der Tiger“ genannt wird, und so etwas wie seine ureigene Nemesis ist: Seit Jahren ist Milo ihm – bislang erfolglos – auf der Spur. Doch der Tiger ist zahnlos geworden. Er beichtet Weaver, dass er nach einem Mordanschlag mit einer AIDS-infizierten Nadel todkrank sei, und bittet ihn, seinen Mörder zu finden, der gleichzeitig der Auftraggeber für zahlreiche seiner Morde gewesen sei. Nach diesem Geständnis setzt der Todgeweihte seinem Leben mit Hilfe einer Giftkapsel vor Weavers Augen ein Ende. Dessen Fragen und Zweifel beginnen jedoch nach dem Geständnis des Tigerst erst langsam zu keimen. Als es schließlich darum geht, den Ruf seiner langjährigen Kollegin und Freundin Angela Yates reinzuwaschen, die verdächtigt wird, in Paris interne Informationen weiterzugeben, erklärt sich Milo Weaver spontan bereit, sie für ein langes Wochenende zu überwachen.

Wieder „on tour“ als Tourist
Doch der Beschattungsauftrag in der französischen Hauptstadt findet ein unvorhergesehenes Ende, als Angela Yates nach einem Treffen mit Milo ermordet wird. Zunächst kehrt er wie verabredet in die USA zu seiner Familie zurück, um mit Tina und Stephanie den lang geplanten Ausflug nach Disneyland zu unternehmen. Doch mitten in der Nacht erhält Weaver eine telefonische Warnung, dass die Behörden ihn mit dem Tod Angelas in Verbindung bringen. Hals über Kopf flieht er aus der Idylle der Comicwelt in die harte Realität.

Der Ex-Agent nutzt fortan eine falsche Identität, die er für sich und seine Familie für den Notfall angelegt hat, und reist zunächst wieder nach Europa, um die Identität des Tigers zu entschlüsseln, mit dessen Geständnis Milos momentane Schwierigkeiten begonnnen haben.

Schon bald muss Milo Weaver erkennen, dass der eigentliche Feind kein fremdes Terroristennetzwerk ist, sondern dass Angehörige der Organisation, für die er seit Jahren loyal arbeitet, involviert sind. Gleichzeitig muss er sich eingestehen, dass die Ereignisse des Tages, an dem er seine Frau kennengelernt hat, doch folgenreicher waren, als er es damals – schwerverletzt und traumatisiert – erkennen konnte.

Eine Illusion zerbricht
Für Milo Weaver zerbricht damit die Illusion, auf der er sein Leben der letzten Jahre aufgebaut hat, doch mehr noch schmerzt die bittere Erkenntnis, dass man das einmal begonnene Leben als „Tourist“ niemals ganz ablegen kann. Es holt einen immer wieder ein, auch nach Jahren der scheinbaren Normalität. Auch seine eigene Herkunft und Identität gerät durch die sich überschlagenden Ereignisse verstärkt in den Blickpunkt, und auch in dieser Hinsicht müssen schon bald langgehegte Illusionen ad acta gelegt werden.

Milo Weaver ist kein strahlender und eleganter Agenten-Held auf der Sonnenseite des Lebens wie James Bond. Nein, er ist ein sehr menschlicher Charakter, voller Widersprüche und innerer Brüche, der am Ende den Preis für unbedingte Loyalität und Geheimnistuerei zahlt.

Ein genial gesponnener Plot mit einem sehr menschlichen Helden
Dem in den USA geborenen und heute in Budapest lebenden Olen Steinhauer, der aktuell eine Gastprofessur an der Universität Leipzig innehat, ist mit „Der Tourist“ ein äußerst spannender und packender Agententhriller gelungen, der den Leser ständig in Anspannung hält. Gekonnt zeigt das Buch das verworrene Geflecht internationaler und nationaler Sicherheitspolitik im 21. Jahrhundert und die widerstreitenden Interessen der daran beteiligten Agenturen und Akteure auf.

Steinhauer reiht sich mit seinem Werk nahtlos in die Reihe verdienter angelsächsischer Agenten-Autoren des letzten Jahrhunderts ein, und so verwundert es auch nicht, dass eine Verfilmung mit George Clooney und weitere Bücher um Milo Weaver bereits in Vorbereitung sein sollen. Wir dürfen weiter gespannt sein!

Dr. Hendrik Müller-Reineke
Cuxhaven, Dezember 2009

Stimmen zum Buch:
"Der beste Agententhriller, den ich je gelesen habe und der nicht von John le Carré ist. Ein komplexer Roman um Verrat und Betrug mit einem Helden, der seinesgleichen sucht." Stephen King

"Ein erstklassiger Agententhriller, intelligent, vielschichtig und genau auf den Punkt geschrieben." Lee Child

"Olen Steinhauer tritt die würdige Nachfolge von John le Carré an und schafft Figuren, von denen man mehr hören will." The New York Times