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Interview mit Fiona Blum - Page & Turner

Liebe auf Drei Pfoten - Fünf Fragen an Fiona Blum

Fiona Blum
© Susie Knoll

Als Schauplatz für Ihre Sommergeschichte haben Sie ein Viertel Roms gewählt, das abseits der touristischen Hauptströme liegt und völlig vergessen scheint. Warum das Testaccio?

Ich habe selbst einige Monate dort gelebt, direkt nach dem Abitur und das war nicht nur eine wunderbar freie, aufregende Zeit für mich, sondern hat mich wohl endgültig und mit Haut und Haaren dieser Stadt verfallen lassen. Rom ist so widersprüchlich und kompliziert mit seiner bedeutenden Geschichte, dem allgegenwärtigen Chaos, den tausend Kirchen und den Touristenströmen aus aller Welt, aber es kann auch ganz einfach, schlicht und zauberhaft sein. Und das war es für mich damals im Testaccio.

"Liebe auf Drei Pfoten" ist nicht Ihr erstes Buch, das in Italien spielt. Was bedeutet für Sie pures italienisches Lebensgefühl?

Ganz ehrlich? Zuallererst das Essen! Ich liebe die italienische Küche und die Kunst, mit wenigen, einfachen Zutaten ganz göttliche Dinge zu zaubern. Und außerdem, mindestens genauso wichtig, die Sprache. Wenn ich italienisch sprechen darf, bin ich ein anderer Mensch. Meine Stimme verändert sich, die Gestik, alles. Ich habe das Gefühl, ich werde mit jedem Satz ein bisschen leichter …

Federica Mazzanti, Ihre Protagonistin, ist eine eigensinnige, idealistische, verträumte junge Frau, die sich - ganz untypisch für ihr Alter - mehr für Bücher, Statuen und die gestrandeten Seelen ihrer Nachbarschaft interessiert als für Männer und Shopping. Wer oder was inspirierte zu dieser Figur?

Ob das typisch oder untypisch ist, darüber habe ich nie nachgedacht. Sie war einfach da. Ich hatte diese – noch ziemlich vage - Idee mit einem römischen Kater und Federica kam zu mir, wie der Kater zu ihr. Sie ist mir praktisch zugelaufen. Selten habe ich so wenig über eine Figur in meinen Büchern nachdenken müssen, wie über sie: Sie hat mir keine Wahl gelassen. Liegt wohl an ihren sturen Vorfahren, den weißen sardischen Eseln.

Bruno, der dreibeinige, lotterige Kater, der in Federicas Leben tritt, ist einer der vielen Felis Romana, der herrenlosen Katzen Roms, die aus dem Stadtbild kaum noch wegzudenken sind. Wie kam es zu der Idee, ihm eine solche Schlüsselrolle zuzuschreiben?

Ich hatte irgendwann einmal in einer Zeitschrift eine – wahre - Geschichte über einen Kater gelesen, der in ein Bücherei lebte und langsam zu einer Attraktion des ganzen Viertels wurde. Das war die Ausgangsidee. Im übrigen finde ich, dass Katzen ziemlich besondere Wesen sind. Sie haben viele Eigenschaften, die ich auch gerne hätte. Ihre Unbeirrbarkeit, zum Beispiel. Und natürlich diese unnachahmliche Eleganz, an der ich noch arbeite ... Die Katzen von Rom besitzen überdies ein über zweitausendjähriges, kaum zu toppendes Selbstbewusstsein. Wenn man sieht, mit welcher Selbstverständlichkeit sie sich auf den ehrwürdigen, antiken Ruinen sonnen, wird einem ohne jeden Zweifel klar, warum das römische Weltreich untergehen musste: Um den Katzen ein angemessenes Zuhause bieten zu können.

Sie hatten mit der Krimireihe um die Anwältin Clara Niklas viel Erfolg. Wie hat es sich angefühlt, mit "Liebe auf Drei Pfoten" das erste Mal in ein völlig unterschiedliches Genre einzutauchen und entsprechend zu erzählen?

Eine Reihe in einem bestimmten Genre zu schreiben führt dazu, dass man sich auf eine bestimmte Erzählweise und ein bestimmtes Erzählgerüst festlegt. Das hat Vor- und Nachteile. Wenn ich Geschichten erzähle, mag ich mich nicht so gerne einschränken lassen, entscheide gerne aus dem Bauch heraus. So gesehen, war es ein spannendes, ungemein befriedigendes Abenteuer, nach den vier Krimibänden etwas ganz anderes zu schreiben. Ich habe es sehr genossen, es hat mich inspiriert. Ich denke, diese Freiheit, immer wieder neue Wege zu beschreiten und zu schreiben, was und wie man will, muss man sich als Schriftstellerin bewahren, um kreativ bleiben zu können.

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