Franz Alt: Was Jesus wirklich gesagt hat. Die 100 wichtigsten Worte Jesu

Franz Alt: Was Jesus wirklich gesagt hat. Die 100 wichtigsten Worte Jesu.

Verhängnisvolle falsche Übersetzungen in der Bergpredigt (S. 285 ff)

[...]

»Würdet ihr beharrlich bitten –
Abba würde euch geben.
Würdet ihr beharrlich suchen –
Abba würde euch finden lassen.
Würdet ihr beharrlich anklopfen –
Abba würde euch öffnen.«

(Mt 7,7 RÜ)

In der Einheitsübersetzung fehlt dreimal das Adjektiv »beharrlich«. Dort heißt es lediglich: »Bittet, dann wird euch gegeben ... sucht, dann werdet ihr finden ... klopft an, dann wird euch geöffnet.
« Es geht Jesus bei seinen Zusagen jedoch um Beharrlichkeit. Wir aber glauben oft, dass wir nur mal kurz bitten müssten, und schon werden wie beim Weihnachtsmann unsere Wünsche erfüllt. Oder wie beim Lottospielen. Jeder und jede, die mal vergeblich gebetet haben, wissen, wie frustrierend und enttäuschend vergebliches Beten sein kann. Und milliardenfach haben Menschen vergeblich gebetet und beten noch immer vergeblich. Was Jesus mit »beharrlich« meint, verdeutlicht er auch auf eine Frage von Petrus. Dieser will wissen: »Meister – wenn mein Bruder gegen mich gesündigt hat, wie oft soll ich ihm vergeben? Ist es genug – bis zu siebenmal?« Jesu Antwort: »Nicht bis zu siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal!« (Mt 18, 21-22 RÜ).

Petri Frage zeigt, dass er wusste, was der Talmud zum Vergeben sagt: »Begeht ein Mensch eine Sünde, so soll sie ihm das erste, das zweite und dritte Mal, aber nicht mehr als das vierte Mal vergeben werden.« Die Sieben ist ein Symbol der Fülle und Vollkommenheit. Die Frage »Bis zu siebenmal?« zeigt, dass Petrus um diese Symbolik wusste. Er war bereit, begrenzt zu vergeben. Ganz anders Jesus: Siebenundsiebzig ist das 11-Fache von sieben. Damit lässt Jesus grundsätzlich keine Begrenzung der Vergebungsbereitschaft zu. Siebenundsiebzig heißt: Immer! [...]



[...]

In der Einheitsübersetzung lesen wir bei Matthäus (5,21-22 und 5,27-28): »Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt wurde: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: du Narr, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein.« Wer von uns hat noch nie zu einem lieben Verwandten das gesagt, was Jesus hier angeblich geißelt? Dummkopf oder Narr? Und seit wann wünscht Jesus wegen einer solchen Lapalie jemand in die Hölle? Auf Aramäisch hat Jesus viel verständnisvoller und weniger verurteilend gesprochen:

»Ihr habt gelernt, dass Abba den Vorfahren geboten hat:
›Morde nicht!‹
Ich aber, ich sage euch:
Jeder, der seinem Bruder beharrlich zürnt –
Er mordet!«

(RÜ)




Ebenfalls in der Bergpredigt sagt Jesus in der Einheitsübersetzung (Mt 5,27-28): »Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.« Kann es sein, dass der menschenfreundliche Jesus so fundamentalistisch und moralistisch geurteilt und verurteilt hat? Er, der uns empfahl, nicht zu verurteilen? Günther Schwarz übersetzt diese heikle Stelle aus dem Aramäischen so:

»Ihr habt gelernt, dass Abba den Vorfahren geboten hat:
Brich die Ehe nicht!
Ich aber, ich sage euch:
Jeder, der seine Frau willkürlich verstößt –
er bricht die Ehe!«

(Mt 5,27-28 RÜ)

Deutlicher kann der Unterschied zwischen einer moralischen Position und einer moralistischen oder moralisierenden kaum aufgezeigt werden. Und wieder macht Jesus auf eine Ethik aufmerksam, welche die Frauen vor moralisierenden und heuchlerischen Männern schützt. [...]

Was Jesus wirklich gesagt hat

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