Gedanken der Lektorin und dreier Schülerinnen zu „Anna und der Schwalbenmann“ von Gavriel Savit

Dieses Buch ist eine besondere, zutiefst beeindruckende und berührende Holocaustgeschichte für alle Leser von Markus Zusaks "Die Bücherdiebin" oder John Boynes "Der Junge im gestreiften Pyjama".

Diesem Besonderen wollten wir auf den Grund gehen und haben die Lektorin Susanne Krebs und die Schülerinnen Jule Frank (16 Jahre), Hanna Eichelberger (17 Jahre) und Celine Lechaux (16 Jahre) gebeten, uns ihre Gedanken zu „Anna und der Schwalbenmann“ aufzuschreiben.

Jetzt möchten wir Sie an diesen teilhaben lassen:

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Wer diesen Satz vollständig verstanden hat, könnte sich sicher lange mit Anna unterhalten. Oder mit ihrem Vater, der ihr diese Weisheit mit auf den Weg gegeben hat. Naja, mit ihrem Vater wohl eher nicht mehr, denn der verschwindet gleich zu Beginn ihrer Geschichte. Sie weiß nicht wohin und schon gar nicht warum. Was sie dagegen weis ist, dass eine Tochter in diesen Zeiten nicht ohne Vater sein sollte.

Diese Zeiten sind das Jahr 1939 und die Stadt, in der sich die siebenjährige Anna nach dem „Verschwinden” ihres Vaters, einem Sprachen-Professor, alleine wiederfindet, ist Krakau. Hier beginnt der Roman „Anna und der Schwalbenmann” von Gavriel Savit, der im Frühling 2016 erscheint. Um dem Allein-sein zu entgehen schließt sich Anna dem Schwalbenmann an, der sie über manche Länder- und Realitätsgrenzen hinweg führt.

Der Schwalbenmann ist und bleibt die geheimnissvollste Figur der Geschichte. Viele Ereignisse aus seiner Vergangenheit werden angedeutet, trotzdem bleibt der Leser nachdem er die letzten Seiten gelesen hat mit mehr Fragen zurück als er zu Beginn hatte. Für Leser, die sich bisher mit den Geschehnissen des 3. Reiches und der Rolle Polens noch nicht näher auseinandergesetzt haben, bleiben viele Andeutungen auch am Ende des Buches unverständlich. Das Ende ist insgesamt sehr offen gehalten, ob einem das gefällt ist Geschmackssache, es regt aber auf jeden Fall dazu an die Lücken die gelassen werden selbst zu füllen und das ist ja das was am Lesen am meisten Spaß macht.

Die Reise der Beiden ist sehr abwechslungsreich und führt sie durchs vom Krieg gequälte Polen bis über die Grenze nach Deutschland. Trotz der schweren Kriegsatmosphäre ist die Geschichte nicht zu erdrückend, was vor allem an Reb Hirschel, dem singenden und trinkenden Juden liegt der sich den Beiden anschließt und damit das Gegenstück zum ernsten, zurückhaltenden Schwalbenmanns darstellt.

Ein Motiv, das sich durch den ganzen Roman zieht ist die Sprache. Ob Polnisch, Deutsch, Jiddisch, Englisch, der Schwalbenmann findet immer den richtigen Ton um sich zu verständigen und Anna lernt von ihm. Die Idee sich hinter der Sprache zu verstecken und sie als Tarnung zu gebrauchen ist sehr gut umgesetzt und lässt den Leser stellenweise wünschen selbst im Englisch oder Französisch Unterricht besser aufgepasst zu haben.

Insgesamt ist Anna und der Schwalbenmann ein sehr gutes und kurzweiliges Buch. Die Atmosphäre wird nie zu bedrückend, wie es bei vielen Kriegsbüchern sonst der Fall ist. Der Krieg wird nicht beschönigt aber natürlich bekommen Anna und ihre Begleiter die Folgen sehr wohl zu spüren. Gegen Ende schlägt die Geschichte einen etwas anderen Weg ein, als man zu Beginn vermuten könnte und auch die Auflösung zu Schluss fällte eher lückenhaft aus.

Eine Frage bleibt natürlich noch unbeantwortet und zwar: Was bedeutet der erste Satz?

Für alle neugierigen hier die Auflösung: Jede Sprache muss zu dem jeweiligen Gesprächspartner passen. Und zwar in folgenden Sprachen: deutsch, russisch, französisch, englisch, jiddisch, ukrainisch, armenisch und polnisch

Jule Frank, Hanna Eichelberger und Celine Lechaux (01.03.2016)

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