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George R.R. Martin erklärt, warum es bei den Wild Cards einen Schnitt geben musste (First Generation – Second Generation)

George R.R. Martin zu »Wild Cards. Die erste Generation 01.«, 2007

SFFworld:
Im Januar 2008 erscheint der achtzehnte Band der Wild Cards mit dem Titel Inside Straight (Das Spiel der Spiele). Für Sie und alle an dem Projekt Beteiligten ist das eine stramme Leistung. Sie haben der neuen Trilogie den Untertitel »Next Generation« gegeben.
Was erwartet uns da? Lauter neue Figuren? Cameo-Auftritte von alten Figuren?

GRRM:
Ein paar Figuren der älteren Generation werden Cameo-Auftritte machen, aber der Schwerpunkt wird auf einem Ensemble neuer Figuren liegen. Als wir die Wild Cards wiederbelebt haben, ist uns eine Sache klar geworden: Anders als in herkömmlichen Comicuniversen funktioniert das Zeitmaß bei den Wild Cards nicht wie in den Superheldencomics. Und das sage ich als alter Comicfan. Spiderman habe ich in den Sechzigerjahren angefangen zu lesen, als es mit Spiderman gerade losgegangen ist. Zu diesem Zeitpunkt war Peter Parker gerade in der Highschool. Und es war total klasse, dass er dann seinen Highschool-Abschluss gemacht hat und aufs College ging und dort lauter neue Leute kennengelernt hat. Das fand ich deshalb so genial, weil ich dieselben Phasen durchlebte, denn ich war ungefähr in Peters Alter. Ich habe meinen Highschool-Abschluss etwa zur selben Zeit gemacht wie Peter Parker und bin parallel mit ihm aufs College. Außer dass ich nur vier Jahre für meinen Bachelor gebraucht und danach noch ein Jahr weiterstudiert habe, bevor ich das College verlassen habe. Und Peter ist ungefähr zwanzig Jahre im College geblieben. Und als er dort fertig war, hat er einen Job bekommen und geheiratet. Erst war Peter Parker älter als ich, und jetzt ist er viel jünger als ich. So vergeht die Zeit im Comic. Und wie Sie wissen, kam Superman ursprünglich als Twen auf die Erde. Wenn Sie seine Geschichten lesen, wenn er in den Dreißigern ist, dann ist er zwar immer noch in den Twen-Jahren gelandet, aber er kam in den Achtzigern auf die Erde. Herkömmliche Superheldencomics schreiten schnell voran und verlieren den Bezug zur Realgeschichte. Das war bei den Wild Cards nie der Fall. Da sind wir stark im realen Geschichtsverlauf verwurzelt.

Dinge wie die Ausschreitungen in den Sechzigern und die Geiselnahme von Teheran oder die Verhöre des Komitees für unamerikanische Umtriebe sind ein fester Bestandteil der Geschichte der Wild Cards, und wir ändern keine Jahreszahlen oder spulen vor und überspringen. Der Nachteil daran ist, dass die Figuren alt werden. Turtle zum Beispiel beruht stark auf meiner eigenen Person, ist aber ein paar Jahre älter als ich. Jetzt ist er über sechzig. Eine andere Figur, Fortunato, war bereits Ende sechzig, als er seinen letzten Auftritt hatte. Wir haben es mit Helden zu tun, die zu alten Knackern geworden sind. Deshalb war für uns die Zeit gekommen, eine neue Generation einzuführen. Die jungen Leute, die Kids, die in eine Welt der Wild Cards hineingeboren wurden. Und die diese Welt deshalb auch mit anderen Augen betrachten. Für sie sind Asse und Joker genauso alltäglich, wie es Fernsehen und Flugzeuge für meine Generation waren. Als die Generation meiner Mutter zur Welt kam, gab es keine Flugzeuge, und als ich geboren wurde, waren sie selbstverständlich. So haben wir eine völlig neue Gruppe von Figuren. Manche von ihnen sind wirklich großartig, und wir glauben, dass sie eine Menge Spaß machen werden. Und die alten Figuren, die noch nicht gestorben sind, ja, die sind natürlich auch noch da und tauchen von Zeit zu Zeit einmal auf. Aber wenn sie in Erscheinung treten, dann mit ihrem richtigen Alter. Keiner von ihnen ist ein Peter Parker, der ewig 23 ist. Okay, mit Ausnahme vielleicht von Golden Boy, der nicht altert und ewig wie 23 aussieht. Im Innern ist er aber trotzdem ein alter Knacker.

Wild Cards. Die erste Generation 01 - Vier Asse Blick ins Buch

George R.R. Martin

Wild Cards. Die erste Generation 01 - Vier Asse

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