Gerhard Matzig - Meine Frau will einen Garten

Gerhard Matzig - Autor im Goldmann Verlag

Der Traum vom Glück im Grünen

Buchempfehlung von Manuela Haselberger

Gerhard Matzig
© Peter von Felbert
Es gibt Menschen, die fühlen sich inmitten riesiger Häuserschluchten so richtig wohl. Sie sind auch in nicht ganz perfekten Mietwohnungen glücklich, nehmen winzige Balkone gerne in Kauf und stören sich auch überhaupt nicht an zu kleinen Briefkästen in dunklen Hausfluren. Kurz: Sie haben ihr Leben der Innenstadt gewidmet. Genau so ein Exemplar ist der Autor Gerhard Matzig. Keine zehn Pferde bringen ihn aus seiner Altbauwohnung in der Nähe des Englischen Gartens in München. Zehn Pferde sind dazu auch nicht nötig: Seine Ehefrau Pia schafft das mit der entsprechenden Beharrlichkeit und der Unterstützung von drei kleinen Kindern ganz alleine.

Haus oder nicht Haus?
Pia träumt davon, beim ersten Sonnenschein die Terrassentür zu öffnen, in den Garten zu gehen, draußen zwischen friedlich spielenden Kindern gemütlich eine Tasse Kaffee zu trinken - und nicht mit anderen Ausflüglern um das letzte Sonnenfleckchen auf irgendeiner Wiese kämpfen zu müssen, das dann doch gleich hinter dunklen Wolken verschwindet, sodass die Heimfahrt mit schlecht gelaunten, nervigen Kindern angetreten werden muss. Daher entwickelt sich zwischen den Ehepartnern ein Streit, der Hamlet'sche Dimensionen annimmt: Haus oder nicht Haus, das ist hier die Frage. Zunächst zeichnet sich ein genialer Kompromiss ab: Ein Ferienhaus muss her. Dann müsste man die Wohnung in der Innenstadt nicht aufgeben und könnte das Wochenende im Grünen verbringen – eine perfekte Lösung für alle. Doch leider besitzt das romantische Ferienhaus im Allgäu weder eine Heizung, noch gehört ein Bad mit zur Ausstattung, weswegen die Kinder jedes Wochenende krank nach München zurückfahren. Immerhin gibt es Natur in Hülle und Fülle.

Superschmales Problemgrundstück in Bestlage
Immer häufiger liest Ehefrau Pia den Immobilienteil der Zeitung, und auch ihr Ehemann ist mittlerweile bereit, sich durch die obskuren Abkürzungen zu kämpfen. Schnell ist auch klar, dass die Makler eine sehr eigenwillige Vorstellung von „zentraler Lage“ haben: Alles was im S-Bahnbereich liegt, gilt ihnen noch als sehr zentral. „Die westliche Halbkugel ist in dieser Perspektive münchennah, während unser Sonnensystem zumindest noch Großraum München ist.“

Als sich auch unter den angebotenen Doppelhaushälften, Reihenendhäusern und Einfamilienhäusern in der Größe einer Schuhschachtel nicht das Richtige finden lässt, ist das Ehepaar die Sucherei leid und bereit zu einem mutigen Schritt: Es wird gebaut! Außer den horrenden Kosten steht den eigenen vier Wänden nichts mehr im Wege. Doch es findet sich tatsächlich, das „superschmale Problemgrundstück in Bestlage, das niemand will.“ Aber wer will auch schon in Obermenzing in einer viel zu schmalen Baulücke zwischen zwei Häusern eingezwängt wohnen? Genau. Die Familie Matzig.

Trautes Heim, Glück allein
Ab diesem Zeitpunkt wird die Planung des Familienkalenders für das kommende Jahr von Fremden bestimmt: Finanzierungsberater der Bank rufen an, der Notar bittet zur Unterschrift, die Architektin entwickelt sehr ausgefallene Designvorschläge, und jede Menge Handwerker fordern Entscheidungen. Das familiäre Konfliktpotenzial wächst. Matzigs werden ausgezeichnete Stammkunden in allen Baumärkten der Umgebung, schaffen es, sich ohne Scheidung auf eine Hausfarbe zu einigen, und tatsächlich über 250 Umzugskartons zu packen.

Meine Frau will einen Balkon …
Wie das Projekt „Eigenheim“ am Ende doch noch klappt, und der Autor selbst zum leidenschaftlichen Gärtner wird, das erzählt Gerhard Matzig überaus heiter und humorvoll. Man merkt jeder Zeile deutlich an, dass er sehr genau weiß, wovon er spricht. Jan Weiler oder Axel Hacke hätten es sicher mit ähnlichen Augen gesehen, und ohne eine Prise Humor wäre das Projekt wohl auch kaum zu stemmen gewesen. Doch Vorsicht! Pia blättert in letzter Zeit häufig im Immobilienteil und studiert Altbauwohnungen in der Innenstadt. Ob das nächste Buch lautet: „Meine Frau will einen Balkon?“
Manuela Haselberger
(bookinist)
Geislingen, Februar 2010



Gerhard Matzig
© Peter von Felbert
Gerhard Matzig, geboren 1963, hat Politische Wissenschaften und Architektur in Passau und München studiert. Nach einer Tätigkeit als freier Autor wurde er 1997 Redakteur im Feuilleton der „Süddeutschen Zeitung”, seit 2009 leitet er das Ressort „SZ Wochenende“.
Für seine journalistische Tätigkeit in den Bereichen Architektur und Design wurde er mit renommierten Preisen ausgezeichnet. Gerhard Matzig ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt am Rand von München.




Meine Frau will einen Garten

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