Gilliy Macmillan im Interview

Gilly Macmillan im Interview zu ihrem Buch »Die Nanny«

Herausragende Spannung vor der atmospährischen Kulisse eines alten englischen Anwesens.

Bitte erzählen Sie uns ein bisschen über Ihr Leben und die wichtigsten Phasen in Ihrem Leben.
In Großbritannien besuchte ich ein Internat, danach studierte ich in Bristol und London. Als ich zwischen 17 und 21 Jahre alt war, zog meine Familie nach Nordkalifornien. Ich verbrachte viel Zeit in den USA, doch zugleich setzte ich meine Ausbildung in England fort. Nach meinem Abschluss arbeitete ich für eine akademische Zeitschrift für Kunstgeschichte (The Burlington Magazine) und wurde dann Assistentin des Ausstellungsleiters der Hayward Gallery in London. Ich kündigte diesen Job, um eine Familie zu gründen, und blieb Vollzeit-Hausfrau, bis meine drei Kinder groß genug waren, dass ich mich dem Unterrichten von Fotografie widmen konnte. Damals begann ich zu schreiben und seit der Veröffentlichung meines Debüts ist das Schreiben zu meinem Beruf geworden.

Welche Ausbildung haben Sie absolviert? Was haben Sie studiert? Üben Sie neben dem Schreiben noch einen Beruf aus?
Ich bin Vollzeit-Schriftstellerin und kümmere mich auch um meine Familie. Ich habe an der Universität Bristol in Großbritannien Kunstgeschichte studiert und ein Postgraduiertenstudium in Kunstgeschichte (einen MA in moderner britischer Kunst) am Courtauld Institute of Art in London absolviert.

Bitte erzählen Sie uns ein bisschen über sich selbst – Ihre Hobbys, wie Ihr Leben momentan aussieht, was Sie zu erreichen hoffen.
Die meiste Zeit verbringe ich mit Lesen und Schreiben oder ich kümmere mich um meine Familie, zu der auch zwei Hunde gehören. Ich liebe es, spazieren zu gehen, Filme zu sehen, meiner Liebe für Fotografie nachzugehen, zu reisen (für die Arbeit und zum Vergnügen) und in meinem Garten zu arbeiten. Ich setze alles daran, mein Handwerk zu verbessern, und hoffe, mit jedem Buch eine bessere Schriftstellerin zu werden.

Was macht Sie wütend?
Ungerechtigkeit und Unfreundlichkeit.

Haben Sie ein Lebensmotto, und wenn ja, welches?
Sei respektvoll gegenüber jeder Person, der du begegnest.

Leisten Sie wohltätige Arbeit oder unterstützen Sie eine Wohltätigkeitsorganisation? Falls nicht, gibt es Organisationen oder Anliegen, die Sie gern unterstützen würden?
Ich habe in der Vergangenheit eine beträchtliche Summe für das Kinderkrebshilfswerk CLIC Sargant gesammelt, da dieses Thema unsere Familie betrifft.

Bitte erzählen Sie uns fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wussten:
Ich sammle Keramikwaren und züchte gern Rosen.
Mein Sohn spielt einen Hauptcharakter in der britischen Fernsehserie Call the Midwife – Ruf des Lebens.
In meinem Büro mag ich besonders den Holzofen, weil mir immer kalt ist.
Ich bin sehr schlecht in Yoga, aber ich arbeite daran.

Warum haben Sie angefangen zu schreiben?
Ich habe mein ganzes Leben leidenschaftlich gern gelesen. Nie hat man mich ohne ein Buch angetroffen und ich wollte wissen, ob ich selbst eins schreiben kann. Als ich nach dem Schulbeginn meines jüngsten Kindes etwas Zeit hatte, stellte ich mich dieser Herausforderung. Ich hatte nur begrenzt Zeit, weil ich einen Job finden musste, aber zum Glück war es machbar und ich hatte das Glück, dass mein Buch veröffentlicht wurde.

Was inspiriert Sie? Wie kommen Sie auf Ihre Ideen und Geschichten?
Manchmal lese ich etwas in den Nachrichten, das mich inspiriert, oder ich höre eine Geschichte. Normalerweise weiß ich, dass ich aus einer Idee ein Buch machen kann, wenn mich die Idee eine Weile beschäftigt und ich nicht aufhören kann, darüber nachzudenken. Ich spreche viel mit meiner Agentin über Ideen, was mir hilft, diese zu entwickeln. Außerdem lasse ich mich immer von anderen Autor*innen inspirieren. Sie sind meine Held*innen.

Bitte beschreiben Sie Ihr aktuelles Buch in wenigen Sätzen.
Jocelyn liebt ihre Nanny mehr als ihre eigene Mutter – bis zu der Nacht, in der das Kindermädchen verschwindet. Jo ist sieben Jahre alt, als es passiert, und kommt nie über den Verlust hinweg. Jetzt, dreißig Jahre später, kehrt Jo mit ihrer Tochter zu ihrer Familie zurück und zur gleichen Zeit werden menschliche Überreste aus dem See des Hauses gezogen.
Dann klopft es an die Tür. Draußen steht eine Frau, die behauptet, ihre Nanny zu sein.
(Aus der Beschreibung meines britischen Verlages auf Amazon.co.uk)

Welche Szene war am schwierigsten zu schreiben?
Die Szene, in der die Frau, die sich als Hannah – Jos Kindermädchen – ausgibt, in Lake Hall eintrifft, da diese Szene aus Jos Sicht geschrieben ist. Der Moment stellt einen richtigen Schock für Jo dar: In dieser Zeit ist sie besonders verletzlich und in ihr bricht ein Sturm komplexer Gefühle los, die ich alle kraftvoll vermitteln wollte.

Haben Sie eine Lieblingsszene?
Ich mag die Szene, in der wir Lady Virginia Holt zum ersten Mal in der Kirche begegnen, weil sofort offensichtlich wird, dass sie viel komplexer und überraschender ist als die Person, die uns ihre Tochter beschrieben hat.

Haben Sie einen Lieblingscharakter?
Besonders gefällt mir Lady Virginia Holt, weil sie nicht das ist, was man erwarten würde.

Gibt es Orte in dem Roman, zu denen Sie einen besonderen Bezug haben?
Ich habe einen Bezug zum Schauplatz im ländlichen Wiltshire, weil ich dort sieben wundervolle Jahre verbracht habe, als meine Kinder noch klein waren. Außerdem habe ich eine Verbindung zu Swindon, weil ich dort aufgewachsen bin. In dem Roman trägt die Stadt zu den Klassenressentiments des Detektivs bei, der dort lebt und arbeitet.

Gibt es in Ihrem aktuellen Buch autobiografische Elemente? Zehren Sie beim Schreiben von persönlichen Erfahrungen? Basiert Ihr Buch auf wahren Begebenheiten?
Die auf Kunst bezogene Handlung wurde durch meine persönlichen Erfahrungen in der Kunstwelt inspiriert, die ich in jüngeren Jahren in kommerziellen und öffentlichen Galerien gesammelt habe.

Welche Recherchen haben Sie für Ihr aktuelles Buch angestellt? Gibt es (lizenzfreie) Fotos oder Bilder von Ihrer Recherche, die Sie mit uns teilen können?
Als ich die Welt von Lake Hall erfand, besuchte ich ein Landhaus in der Region. Es heißt Great Chalfield Manor, liegt in einem wunderschönen ländlichen Tal und stammt aus dem Mittelalter. Ich hielt es für den perfekten Schauplatz, um als Vorlage für Lake Hall zu dienen. Nicht unwichtig war auch, dass es ein geschichtsträchtiger Ort war. Ich wollte in diesem Roman eine leicht gotische Atmosphäre einfangen und die Tradition der englischen Landhauskrimis ehren.

Was sollen Ihre Leser*innen durch die Lektüre Ihres Buches lernen und verstehen?
Ich würde mich freuen, wenn die Leser*innen die Geschichte als faszinierend, unterhaltsam und spannend empfinden würden, aber auch, wenn sie die Beziehungen in dem Buch –insbesondere die Bindungen und Konflikte zwischen Virginia, Jo und Ruby – nachvollziehbar finden würden.

Haben Sie noch andere Textarten wie Sachbuch, Kurzgeschichten, Essays oder Dramen veröffentlicht? Falls ja, würden Sie bitte die Titel, Verlage und das Jahr der Veröffentlichung auflisten?
Ich habe 2019 einen kurzen Essay für Crime Reads über Friedrich Dürrenmatts klassischen Kriminalroman (Das Versprechen: Requiem auf den Kriminalroman) geschrieben. Link: https://crimereads.com/remembering-an-odd-artful-requiem-for-the-detective-novel/

Haben Sie Preise oder andere Auszeichnungen für Ihre Arbeit erhalten? Falls ja, welche Preise haben Sie gewonnen?
Mein Debütroman (Toter Himmel in Deutschland) wurde für einen Edgar Award für das beste Taschenbuch-Original und einen International Thriller Writers Award für den besten Erstlingsroman nominiert.

Möchten Sie Ihren LeserInnen noch etwas mitteilen?
Danke, dass Sie Die Nanny lesen! Ich hoffe, Sie haben Ihre Freude daran, in die Welt von Lake Hall einzutauchen, Virginia, Jocelyn und Ruby kennenzulernen und sich in der heimtückisch und unheimlich aufgebauten Geschichte zu verlieren, während eine Frau in das Leben der Charaktere tritt, die vielleicht diejenige ist, für die sie sich ausgibt, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht fragen Sie sich: Wenn es stimmt, was diese Frau sagt und sie tatsächlich Jos frühere Nanny ist, warum ist sie dann zurückgekehrt? Und wenn sie es nicht ist, was hat sie dann vor?

Ihre
Gilly Macmillan

Die Nanny

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