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Hella Schwerla »Hitze, Dreck und Erleuchtung«

Interview mit Hella Schwerla zu »Hitze, Dreck und Erleuchtung«

Fünf Fragen an die Autorin Hella Schwerla zu ihrem neuen Buch „Hitze, Dreck und Erleuchtung“

Hella Schwerla entdeckte bereits in früher Kindheit ihre übersinnlichen Fähigkeiten, musste jedoch erst lernen, diese Energiearbeit entsprechend zu nutzen. Als freie Journalistin und Autorin lebt sie in München, von wo sie immer wieder ausgedehnte Reisen unternimmt.


Frau Schwerla, Sie haben während Ihrer Zeit im afrikanischen Kral die ärmlichen Lebensbedingungen Ihrer Gastgeber geteilt. Sie haben gehungert, gedurstet, waren schwer krank. Was war für Sie im Rückblick die größte Herausforderung?

Hunger, Durst und Todesnähe – was gibt es für größere Herausforderungen?


Was haben Sie in dieser extremen Situation über sich gelernt?

Grenzenlose Geduld; die Fähigkeit, körperlich und seelisch zu überleben; auf meine innere Kraft zu vertrauen; selbstbewusster zu werden. Und Dankbarkeit für das Leben, Hochachtung vor Menschen, die völlig anders sind und es mir nicht immer leicht machten. Vor allem auch, dass meine Werte nicht die einzigen sind, die zählen.


Woher kommt ihr großes Interesse am Schamanismus,sodass Sie dieses Abenteuer auf sich genommen haben?

Ich hatte schon in den 80er Jahren als Journalistin Kontakt zu Schamanen, berichtete über sie – sehr skeptisch und zuerst voller Vorurteile. Je mehr ich sie näher kennenlernte, desto größer wurde mein Respekt. Dass mein Aufenthalt im Kral ein lebensbedrohliches Abenteuer werden sollte, ahnte ich nicht. Ich folgte der Einladung von Jambolane Mpapane aus einem inneren Impuls, in der unbestimmten Hoffnung zu lernen. Was dann prägend für mein Leben wurde.


Sie sind in Ihrem Leben vielen Schamanen und Heilern begegnet. Sie beschreiben in Ihrem Buch vor allem männliche Schamanen. Woran liegt das? Gibt es weniger weibliche Schamanen?

Es gibt sicherlich ebenso viele weibliche Schamanen wie männliche. Ich bin auch wunderbaren Frauen begegnet. Mein Buch ist aber kein Buch über Schamanismus, sondern über die außergewöhnliche Begegnung, das tägliche intensive Zusammensein mit einem kraftvollen Sangoma und seinem Stamm. In erster Linie lernte ich in dieser Zeit die menschliche Seite kennen und achten. Wie dieser große Clan auch in größter Armut zueinander hielt, wie Kinder, die nichts haben, fröhlich und zuversichtlich sein können.


Seit Ihrer Zeit im Kral sind nun 14 Jahre vergangen. Was hat sich in Ihrem Leben durch diese Zeit verändert? Haben Sie heute noch Kontakt zu den Menschen im Kral?

Ich machte vor sieben Jahren eine zweite Reise – diesmal war ich nicht ausgeliefert wie beim ersten Mal. Es war kurz vor dem Tod des Sangomas.

Noch heute habe ich Kontakt zu einigen Menschen aus dem Kral, habe im Laufe der Jahre Sammlungen gemacht, bei Hungersnöten und Überschwemmungen geholfen. Auch ein Teil des Gewinns aus diesem Buch wird ihnen wieder zukommen.

Es ist mir wichtig, dass Menschen aus meinem Kulturbereich andere Völker in Bedrängnis unterstützen, ihnen Hilfe zur Selbsthilfe geben, ihre Werte schätzen und respektieren.

In meinem Leben bin ich nicht mehr dieselbe wie vor dieser Zeit bei meiner schwarzen Familie im afrikanischen Kral.

Ich bin dankbar für alles, was ich jetzt habe, dass ich reines Wasser trinken kann, nicht hungern muss, ein Dach über dem Kopf habe. Ich bin dankbar für alles, was ich in Afrika gelernt habe, dafür, dass ich jeglichen Hochmut verloren habe und immer mehr den Geschmack von bedingungsloser Liebe zu allen Lebewesen spüre.


Abdruck nur nach vorheriger Rücksprache mit dem Goldmann Verlag.