Hetty Flattermaus fliegt hoch hinaus

Die kleine Hummelfledermaus Hetty wird von ihrer Mama Hulda heiß und innig geliebt und soll vor allen Gefahren beschützt werden, doch Hettys Abenteuerlust ist nur schwer zu bremsen. Nicht einmal gruselige Geschichten über die Gespensterfledermaus Kattaka halten sie in Schach. Im Gegenteil: Hettys Neugier auf die Welt außerhalb der heimischen Dachgaube Nummero 18 wird nur noch größer ... Trotz Ultraschall-Peilsender findet die furchtlose und kontaktfreudige Mini-Fledermaus Möglichkeiten, auszubüchsen und zusammen mit ihrer Freundin Fidelia und Spitzmausjunge Möppelchen Pi von Abenteuer zu Abenteuer zu flatttern ...

Wimmelbild Hetty Flattermaus

Hier ist die Leseprobe

Wenn Hetty einfach losbrauste, blieb Hulda nichts anderes übrig, als mitzukommen, oder? Sie musste ihre Mammi eben ein bisschen anstupsen, damit die sich auf das harmlose Vergnügen einließ. In elegantem Bogen segelte sie bis zu dem Winkel, in den vor vielen, vielen Jahren einmal ein menschliches Dienstmädchen alles ungeliebte Spielzeug der vornehmen Kinder geschleppt hatte. Unter dem Bauch des dreibeinigen Schaukelpferds schoss Hetty pfeilgerade hindurch. Dann umkreiste sie das Puppenhaus mit den Mini-Möbeln. Diese hatte ein geschickter Schreiner wohl eher zufällig genau für die Maße einer Hummelfledermaus angefertigt. Hier spielte Hetty sonst gerne mit ihrer besten Freundin Fidelia, dass sie vornehme Menschen
wären. Aber jetzt war keine Zeit, sich unter die Spitzendecke ins Himmelbett zu kuscheln oder aus den reiskörnchen kleinen Tassen Regentropfen-Tee zu trinken!
Hulda folgte Hetty tatsächlich dicht auf den Spornen, so wie Hetty das erwartet hatte. Hetty spürte schon den Wind, den ihre Flügel verursachten! Ihre Mutter war schnell, eine der schnellsten Jägerinnen in der ganzen Kolonie!
Doch Hetty hatte ihr Flugtalent geerbt … Sie flog einen plötzlichen Looping neben dem Riesenrad aus Blech und zischte dann zielgenau in die größere Öffnung des Messing-Fernrohrs, bei dem die Gläser fehlten. Hetty kannte das Rohr von innen so gut wie von außen. Sie wusste vom Versteckspielen, dass es bis zu dem anderen
Ende hin immer enger wurde, aber nicht so eng, dass man nicht wieder hinausfl iegen könnte. Ob Hulda ihr auch hier hinein folgen würde? Sie tat es! Hetty schoss am schmalen Ende wieder heraus und sah über die Schulter zurück. Wo blieb ihre Mutter denn jetzt? Sie wollte sie endlich in den Park lotsen! Aber da hörte Hetty
ein komisches FLUIP, als würde etwas sehr Weiches in etwas sehr Festem sehr plötzlich stecken bleiben.
Und dann dröhnte ein empörter Schrei von Hulda aus dem Rohr wie durch ein Megafon: »Vermalefizter Schneckenköttel, ich stecke fest!«
Hetty verstand sofort, was passiert war. Zierliche Hummelfledermauskinder wie sie und ihre Freundin Fidelia passten offensichtlich gerade so durch das Fernrohr hindurch. Aber eine ausgewachsene Mammi, die gerne mal Nektarpralinen naschte, blieb im schmalen Ende stecken! Mit den Füßen hängte sich Hetty an den Schiebegriff des Kinderwagens aus Korbgeflecht und lauschte. »Zum Gewitterwetter noch mal, das ist nicht mehr lustig!«, zeterte Hulda aus dem Rohr. »Henrietta Penelope Flattermaus, hilf mir hier heraus, sonst erlebst du mich wirklich sauer!«
Oha. Das klang aber nicht so gut. Natürlich wollte Hetty ihrer Mutter gerne helfen … aber dann zögerte sie. Bestimmt würde Hulda daraufhin sofort den unfreiwilligen
Ausflug in den Park beenden und Hetty zurück in die Wohnung schaffen. Bis sich Mama Hulda dagegen ohne fremde Hilfe aus dem Fernrohr wieder herausgearbeitet
hätte, bekäme Hetty ausreichend Vorsprung, um im Park zu verschwinden und sich in aller Ruhe umzusehen. Sie war doch soooo gespannt auf all die fremden Wesen, über die Madame Schoffsurí immer in der Schule sprach. Dass Hulda sich im Fernrohr festgeflogen hatte, dafür konnte Hetty ja eigentlich nichts? Das war das, was Hulda immer Schicksal nannte! Das sollte so sein! Und wenn sich Hetty beeilte, war sie wahrscheinlich eh schon wieder zurück, bis Hulda rückwärts aus dem Rohr herausgerobbt war. Also los! Voller Übermut machte sie einen Überschlag an der Schiebestange des Kinderwagens. Daraufhin spurtete sie Richtung kaputter Schornstein.
Unterwegs überlegte sie kurz, ob sie in Dachgaube Nummero 37 bei Fidelia vorbeischauen sollte, um sie mitzunehmen. Zu zweit mit ihrer besten Freundin würde ein Ausflug in den Park noch viel lustiger werden! Doch dann verwarf sie den Gedanken schnell wieder. Barbastella Fledertier verhielt sich zwar etwas weniger überbehütend als Hettys eigene Mutter. Aber Barbsi war Huldas beste Freundin und würde nichts erlauben, was die verbot!
Als Hetty beim kaputten Schornstein ankam, wo auch das Dach ein Stück weit eingebrochen war, musste sie blinzeln. Das Tageslicht drängte hier richtig grell in den düsteren Speicher. Hettys Fledermausäuglein waren an so viel Helligkeit gar nicht gewöhnt. Plötzlich spürte sie einen dumpfen Schlag gegen den Kopf und fast gleichzeitig einen schmerzhaften Stich im rechten Flügel. Sie war gegen einen der herausragenden Dachsparren geflogen. Offensichtlich hatte sie vor lauter Aufregung
vergessen, auf ihre Echosignale zu achten, die ihr Hindernisse rechtzeitig anzeigten. Wie eine geflügelte Ahornfrucht trudelte sie auf einen alten Überseekoffer und blieb dort etwas belämmert sitzen. Das hätte böse ausgehen können! Hetty rieb sich den pochenden Flügel und untersuchte ihn genauer. Außer ein paar kleinen Kratzern auf der Flughaut war nichts zu entdecken.
»Siehst du, heute ist dein Glückstag, Henrietta!«, sagte Hetty zu sich selbst und klopfte sich auf den Glockenblumenhelm. Dann lachte sie nach oben in den freien Himmel. Der leuchtete so blau wie die Seen auf den alten Landschafts-Gemälden in den Gängen von La Rondine. Nur eine einzige Wolke, die zugegebenermaßen einer großen, weißen Fledermaus ziemlich ähnlich sah, zog darüber hinweg.

Annette Roeder

»Hetty Flattermaus fliegt hoch hinaus«

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