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Sind wir nicht Menschen

T.C.Boyle, der Chronist der amerikanischen Seele

In seinen neuesten Stories nimmt uns T.C. Boyle mit auf eine bewegte Reise in unsere unheimliche Zukunft – böser und witziger und unterhaltsamer denn je können Sie Boyle im Originalton erleben: Er liest die Titelerzählung Are We Not Men. Die deutschen Erzählungen liest Florian Lukas.

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Caren Benedikt: Das Grand Hotel

Das Grand Hotel - Die nach den Sternen greifen

Rügen, 1924: Downton Abbey an der Ostsee

Ein elegantes Hotel in Binz, ein verruchtes Varieté in Berlin, eine starke Frau und ein Geheimnis, das alles in Gefahr bringt ... Anne Molls Lesung nimmt uns mit in die 20er Jahre und macht aus dem Grand Hotel perfektes Kopfkino. Downton Abbey an der Ostsee.

Gelesen von Anne Moll:

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Leseprobe

Prolog
Ich bin meinen Weg gegangen. Und niemand außer mir kann beurteilen, wie tief die Schlaglöcher waren, die ihn prägten. Bernadette von Plesow
Ich muss etwa fünf, vielleicht auch sechs Jahre alt gewesen sein, als ich für mich festlegte, was ich im Leben unbedingt einmal werden wollte: schön und reich! Es ist nicht etwa so, dass meine Kindheit nicht zu ertragen gewesen wäre oder ich nie etwas zu essen gehabt hätte. Und im Gegensatz zu anderen Kindern meines Alters hatte ich durch den Beruf meines Vaters wenigstens immer ein Paar Schuhe, die mir passten, meinen Füßen genug Platz boten und diese sogar noch wärmten. Doch das war auch die einzige Annehmlichkeit, die er als Schuster seiner Familie bieten konnte. Jeder einzelne Pfennig, den er mit seinem Handwerk verdiente, war dringend vonnöten, um uns fünf Kinder, meine Mutter und auch sich selbst durchzubringen. Er war ein redlicher Mann, keine Frage, und meine Mutter hatte getan, was wohl sie selbst und alle anderen von ihr erwarteten. Doch sollte das wirklich alles sein, was man sich vom Leben erträumen konnte? Breite Hüften von den vielen Geburten und am Ende einer jeden Woche nur die erschöpfte Erleichterung, alle durchgebracht zu haben? Ich bin die Älteste von uns Geschwistern, und immer wieder habe ich mir in meiner Kindheit anhören dürfen, die Schönheit von meiner Mutter geerbt zu haben. Ich nahm dieses vermeintliche Kompliment mit gemischten Gefühlen an, denn ich konnte mir nie vorstellen, dass die Frau, die ich außer an den Feiertagen immer nur in einem Arbeitskittel gesehen hatte, jemals so etwas wie eine Schönheit gewesen sein sollte.
Doch nun ja, die Geschmäcker sind eben verschieden, und ich wurde tatsächlich mit jedem Jahr meiner Entwicklung zufriedener mit meinem Aussehen. Ich konnte von Glück sagen, dass ich die Größe von meinem Vater mitbekommen hatte. Als ich etwa zwölf Jahre alt war, überragte ich die anderen Mädchen meines Alters bereits um eine Kopflänge. Und ich war schon immer schlank gewesen, was zusammen mit meiner Größe dazu führte, dass ich unweigerlich alle Blicke auf mich zog, sobald ich einen Raum betrat. Gewiss wäre es schicklicher gewesen, diesem Umstand mit Zurückhaltung zu begegnen. Doch danach stand mir nicht der Sinn. Ja, ich gebe es zu: Ich genoss die Aufmerksamkeit, wann immer sie mir zuteilwurde. Und ich wusste, dass es genau dieses Aussehen und der mich umgebende Hauch von Arroganz waren, die Karl von Plesow auf mich aufmerksam werden ließen.
Ich war zwar die Tochter eines Schusters, doch ich hatte das Auftreten einer jungen Frau aus bestem Hause. Und niemand wäre auch nur auf die Idee gekommen, dass ich mich mit jemand anders als einem reichen, mir ebenbürtigen Mann abgeben würde. Ich strahlte aus, dass man mir etwas bieten müsste, und Karl von Plesow fühlte sich dieser Aufgabe offenbar gewachsen. Ich wusste nach unserem ersten Tanz, dass ich ihn dazu bringen würde, mir einen Heiratsantrag zu machen, und dass aus der Tochter eines einfachen Schusters die Freifrau Bernadette von Plesow würde. Ich war damals achtzehn und teilte mir mit einer anderen jungen Frau, die ebenfalls als Lehrling in der Schneiderei arbeitete, ein Zimmer bei einer Witwe, der Schwester unseres Lehrherrn. Nur eine Woche nachdem ich Karl kennengelernt hatte, legte ich meine Prüfung zur Schneiderin ab. Hätte ich ihn ein halbes Jahr früher getroffen – wer weiß, ob ich die Lehre in der kleinen Schneiderei in Berlin dann überhaupt noch beendet hätte.
Meine Eltern und Geschwister hat Karl nie kennengelernt. Ich ließ alles hinter mir, vor allem den provinziellen Mief Bad Harzburgs, wo ich aufgewachsen war und bis zum Antritt meiner Lehre gelebt hatte. Eine Weile schrieb ich noch Briefe und hielt den Kontakt, bis ich auch das einschlafen ließ. Ich musste eine Entscheidung treffen, und genau das tat ich. Ich sagte Karl, dass meine Eltern tot seien und ich nie Geschwister gehabt hätte, denn ich fand es besser, diesen endgültigen Schlussstrich zu ziehen.
Ich hatte mich für mein neues Leben entschieden und tat, was meiner Meinung nach notwendig war. Dies und nichts anderes ist meine Natur.

Thomas Christos: 1965

1965 - Der erste Fall für Thomas Engel

Düsseldorf, 1965: Ein neuer Komissar und alte braune Seilschaften

Eine Mordserie erschüttert die junge BRD, die Spuren führen in einen Sumpf aus alten braunen Seilschaften. Der neue Kommissar verzweifelt: Warum will niemand sehen, was so offensichtlich auf der Hand liegt? Oliver Wnuk liest 1965, als wäre ihm die Rolle auf den Leib geschrieben. Gänsehaut im Ohr.

Gelesen von Oliver Wnuk:

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Leseprobe

Teil 1: Il Silenzio

Blau war die Farbe der Sehnsucht, und Weiß brachte Unheil. Aber das ahnte die zehnjährige Lotte Reimann nicht, die sich unbedingt die blaue Mütze wünschte, die noch zu ihrer Hitlerjugend-Uniform fehlte. Doch die kostete zwei Mark, und das war viel Geld für ihre Eltern, die als einfache Arbeiter jeden Pfennig zweimal umdrehen mussten, um knapp über die Runden zu kommen.

»Wir können uns die Mütze jetzt nicht leisten, die übrige Uniform war schon teuer genug«, versuchte die Mutter zu erklären. Sie und ihr Mann verstanden sowieso nicht, warum sie für den dunkelblauen Rock, die weiße Bluse und das schwarze Halstuch selbst aufkommen mussten, obwohl die Mitgliedschaft für den Jungmädelbund, die Mädchenabteilung der Hitlerjugend, Pflicht war.

»Soll doch der Führer zahlen«, brummte der Vater unwillig.

»Unsere Gruppenführerin hat aber gesagt, dass man für den Führer nicht geizig sein darf, Vati!«

»Dann muss er für bessere Löhne sorgen«, schimpfte der Vater und handelte sich einen strafenden Blick seiner Frau ein. Bloß kein schlechtes Wort über den Führer vor dem Kind verlieren, nachher würde sie etwas ausplappern und den Eltern große Schwierigkeiten bereiten. In der Hitlerjugend, so hatte sie von einer Nachbarin erfahren, brachte man den Kindern bei, dass die Gruppenführerin immer recht hatte und dann erst die Eltern. Aber die Befürchtung der Mutter war unbegründet. Lotte liebte ihre Eltern und hätte sie niemals angeschwärzt. Trotzdem wollte sie nicht auf die Mütze verzichten. Also fasste sie den Plan, die zwei Mark selbst zu verdienen. Am einfachsten ging das als Radschläger, wo man von den Passanten den einen oder anderen Groschen erturnen konnte. Das machten Generationen von Kindern, und die Radschläger waren eines der Wahrzeichen der Stadt. Woher diese Tradition stammte, wussten die kleinen Turner nicht, aber das spielte auch keine Rolle, weil viele Jungen und Mädchen diese Einnahmequelle schätzten.

Lotte ahnte nicht, dass sich an diesem Tag sehr viele Menschen in der Stadt versammelt hatten. Die NSDAP hatte zu einer Kundgebung aufgerufen. Ein Mann in brauner Uniform stand auf der Bühne und sprach vor vielen Hunderten Menschen. Dabei versuchte er, seinem Führer in Gestik, Tonfall und Wortwahl nachzueifern, ja, ihn zu übertreffen, was aber nur zur Folge hatte, dass er sein Idol unfreiwillig parodierte. Die versammelten Anhänger, meist Männer, merkten es nicht, weil sie es nicht merken wollten.

Als Lotte auf dem Platz eintraf, prangerte der Möchtegern-Hitler »das Weltjudentum« an, das einen Krieg gegen Deutschland anzetteln würde. »Wenn Polen nicht nachgibt, wird unser Führer die Ehre Deutschlands verteidigen! Er will keinen Krieg, aber er fürchtet ihn auch nicht!«, brüllte er der Menge zu, die seine Parolen gierig schluckte und sich daran berauschte.

Einer der Zuhörer trug einen teuren grauen Anzug, und am Revers glänzte die frisch polierte Anstecknadel der Partei. Das laute Kläffen des Gauleiters langweilte ihn. Er konnte die Hasstiraden vom Weltjudentum nicht mehr hören, weil er sie auswendig kannte. Sie interessierten ihn auch gar nicht. Er war nur gekommen, weil es ein Pflichttermin für jeden Parteigenossen war. Der Kriegsgefahr sah er gelassen entgegen. Männer seines Schlages fanden immer Wege, nicht als Kanonenfutter zu enden. Ihn plagten andere Probleme. Seit Tagen spürte er in seinem Körper diese verbotene Gier, sein dunkles Geheimnis, das er wie einen giftigen Schatz hütete. Bis jetzt war es ihm stets gelungen, dieses Feuer zu unterdrücken, und manchmal lenkte er sich im Bordell ab, aber nicht immer fanden sich Huren, die seine Wünsche erfüllen wollten und seine perversen Rollenspiele mitmachten. Er wusste, dass das keine Dauerlösung war. Irgendwann würden seine Dämonen ein erstes richtiges Opfer verlangen. Und das taten sie auch, als das junge Mädchen mit dem kurzen Rock und der schlichten Bluse auf dem Platz auftauchte. Sie stellte sich wie eine Turnerin kerzengerade hin, streckte die Arme elegant wie eine kleine Ballerina nach oben und achtete dabei darauf, dass ihre Beine geschlossen waren. Der Anblick schnürte ihm die Kehle zu. Der Mann keuchte vor Erregung, was aber keinem auffiel, weil seine Parteigenossen wie hypnotisiert den Ausführungen des Gauleiters folgten. Er dagegen schritt wie in Trance auf sein Opfer zu.

Lotte wollte heute ein besonders gutes Rad hinkriegen. Sie nahm Schwung, die linke Hand ging hinunter, mit der rechten stieß sie kraftvoll ab. In der Luft spreizte sie ihre Beine. Auf diesen Moment hatte der Mann gewartet und gehofft.

»Bitte einen Groschen!«, rief Lotte und kam vor dem Mann elegant zum Stehen.

Der versuchte, halbwegs unaufgeregt zu schauen, und gab ihr den geforderten Groschen.

»Was willst du damit machen?«, presste er halbwegs normal hervor.

»Ich sammle für meine blaue Jungmädel-Mütze.«

»Der Führer wird sich freuen«, lobte der Mann ohne jede Ironie und winkte mit einer weiteren Münze. »Dann schlag noch einmal ein Rad.«

Das ließ sich das Mädchen nicht zweimal sagen. Während im Hintergrund der Gauleiter den Führer in den Himmel lobte, drehte sie ein Rad nach dem anderen, und jedes Mal zahlte der Mann einen Groschen. Irgendwann hatte er vom Zusehen genug. Er brannte. Es gab nur einen Weg, um das Feuer zu löschen.

»Wie viel kostet die Mütze denn?«, fragte er sie leicht keuchend.

»Zwei Mark«, antwortete sie und steckte den letzten Groschen ein.

»Wenn du mitkommst, gebe ich dir das Geld für die Mütze«, sagte er lächelnd und holte zwei Markstücke aus seiner Brieftasche.

Die Augen der kleinen Lotte begannen zu leuchten. Endlich würde sie eine Mütze bekommen! Sie würde ein vollwertiges Mitglied der Hitlerjugend sein, der Führer wäre stolz auf sie! Sie zögerte keine Sekunde, als der freundliche Mann ihr anbot: »Wir fahren mit dem Auto zu meiner Mama, und du schlägst ein paar Räder für sie. Sie hat heute Geburtstag und würde sich bestimmt sehr darüber freuen. Willst du?«

»Du hast ein Auto?«, fragte sie beeindruckt.

»Natürlich!« Er reichte ihr die Hand, und dann führte er sie ins Unglück.

Hinter ihnen bebte der Platz vor den lauten Sieg-Heil-Rufen der Menschen, die sich ihre Seele aus dem Leib brüllten. Es war das Jahr 1939.

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