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Eine adrenalingeladene Achterbahnfahrt durch die Finsternis und die gnadenlose Bilanz eines Lebens

Die blinde Elitepolizistin Jenny Aaron setzt alle Hoffnungen in eine Therapie, die ihr das Augenlicht zurückgeben soll. Doch die Männer, die im letzten Winter für sie starben, lassen sie nicht los. Aaron weiß, was sie ihnen schuldet und muss sich die Frage stellen, was wichtiger ist: ihr Augenlicht vielleicht wiederzubekommen oder die Abteilung, jene Spezialeinheit, der sie ihr Leben verschrieben hat, vor ihrer größten Bedrohung zu beschützen? „Es ist niemals leicht” lautet der Kodex der Abteilung. Das gilt mehr als je zuvor. Aber ist die Abteilung wirklich das, wofür Aaron sie immer hielt?

Nina Kunzendorf und Jenny Aaron – selten hat eine Stimme so gut gepasst.


Originalverlag: Suhrkamp HC
Hörbuch Download, Laufzeit: ca. 13h 56min
ISBN: 978-3-8371-4394-2
Erschienen am  02. September 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Die Jenny Aaron-Reihe

Leserstimmen

Geblendet

Von: ZeilenZauber

30.01.2020

‘*‘ Meine Meinung ‘*‘ Ähm, tja, das ist ein Thriller und ich fragte mich, wo bleibt die Spannung. Brutale Kämpfe werden nicht meist recht klinisch beschrieben, nicht erlebt und die Sprecherin Nina Kunzendorf blieb auch ziemlich gleich in ihren Tonalitäten. Wären hier mehr Emotionen transportiert worden, wäre es garantiert spannender geworden. Auch wenn die Beschreibungen der Kämpfe recht sachlich waren. Somit trat die Spannung nur punktuell auf und flachte anschließend sofort wieder ab. Als im Hörbuch selber Daredevil erwähnt wurde, fielen mir die Parallelen von Aaron dazu auf. Dann hätte das Ganze aber als Fantasy, Sci-Fi oder sonstwas deklariert werden sollen und nicht als Thriller. Denn dass Aaron durch ihre Blindheit einen sechsten Sinn entwickelt hat, der über das normale Maß hinausgeht, war total unrealistisch. Ich hätte mir das gefallen lassen, wenn die Action gestimmt hätte. Tja, diese wurde allerdings auch durch den wortgewaltig ausschweifenden Schreibstil des Autors gebremst. Das grenzte teilweise echt an Lyrik und die Weisheiten, die präsentiert wurden, waren auch alle ziemlich platt und abgedroschen. Also mich konnte das Hörbuch nicht überzeugen, aber für den Ansatz, die Idee und die überraschende Auflösung zum Prolog vergebe ich knappe 3 geblendete Sterne. ‘*‘ Klappentext ‘*‘ Die blinde Elitepolizistin Jenny Aaron setzt alle Hoffnungen in eine Therapie, die ihr das Augenlicht zurückgeben soll. Doch die Männer, die im letzten Winter für sie starben, lassen sie nicht los. Aaron weiß, was sie ihnen schuldet und muss sich die Frage stellen, was wichtiger ist: ihr Augenlicht vielleicht wiederzubekommen oder die Abteilung, jene Spezialeinheit, der sie ihr Leben verschrieben hat, vor ihrer größten Bedrohung zu beschützen? „Es ist niemals leicht” lautet der Kodex der Abteilung. Das gilt mehr als je zuvor. Aber ist die Abteilung wirklich das, wofür Aaron sie immer hielt?

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Abschied von Aaron

Von: WolfgangB

23.10.2019

Bereits der Prolog ist atemberaubend: Ohne Vorwarnung wirft Andreas Pflüger sein Publikum in eine Welt, die die allermeisten (zum Glück) niemals kennenlernen werden. Es ist dies die Welt der Geheimdienste, der Spitzendiplomatie, der anderen Seite der Tür an der gepolsterten Wand. Hier werden zwischen Amuse-Gueule und Aperitiv im Plauderton Entscheidungen getroffen, die unvorstellbare Mengen an Kapital bewegen und ganze Nationen ins Unglück stürzen können. Hier sind Spielgeld und reales Vermögen nicht mehr zu unterscheiden, hier werden stundenlange Verhandlungen auf ein Achselzucken komprimiert und die Politik darauf reduziert, deren Ergebnisse zu verkaufen. Das nicht Ausgesprochene kann alles bedeuten, kann der Wunsch sein, grausame sexuelle Phantasien auszuleben, kann ein unverhandelbares Bestechungsangebot oder ein Mordauftrag sein. Hier herrschen klare Hierarchien, jedes Stückchen Information kann lebenswichtig sein, die Kontrolle der eigenen Affekte eine Schlüsselfähigkeit. Es ist die Welt von James Bond, nur wesentlich realistischer, eine Welt ohne Mittelmaß, in der es nur Extreme gibt. Es ist die Welt von Jenny Aaron, in die wir zum dritten und letzten Mal eintauchen. Diese Umgebung ist ein Teil unseres eigenen Lebensraumes und zugleich so fremdartig, dass man froh ist, den Umgang mit ihr an die Mitglieder der "Abteilung" delegieren zu können. Und doch, mit dem Wissen um die vierte Wand, der sicheren Trennung zwischen Geschichte und Publikum, mit derselben Lust, mit der wir den bekanntesten Agenten des MI6 bei seiner Arbeit begleiten, vor allem aber mit der Erinnerung an das freiwerdende Adrenalin beim Hören der ersten beiden Bände wollen wir so nahe wie möglich an das Geschehen. Mit dem Wissen um das Finale der Serie mischt sich diesmal aber auch ein beträchtlicher Anteil Wehmut in den Blutkreislauf. Noch einmal wird Jenny Aaron als weibliche Version von Daredevil gegen das Verbrechen und ihre eigenen Dämonen kämpfen. Und ganz bestimmt wird ihr Andreas Pflüger einen Abgang spendieren, der ihrer würdig ist. Aarons persönliche Geschichte handelt vom Verlust ihres Sehvermögens. Seit sie im zweiten Teil von einer revolutionären Therapie erfahren hat, darf sie darauf hoffen, eines Tages wieder sehen zu können. Im Abschluss wird ihr nun die Möglichkeit geboten, sich auf ein Tauschgeschäft einzulassen: Wenn sie ihr Augenlicht wiedergewinnt, wird sie dafür ihre Superheldenfähigkeiten, die extreme Wahrnehmungsschärfe der übrigen Sinne, verlieren. Genau darin besteht nun Aarons Dilemma, denn sie wird auf diese Fähigkeiten dringend angewisen sein. Eine Superheldin braucht nämlich auch einen mindestens ebenbürtigen Widerpart. So, wie sich jede Eigenschaft erst im Vergleich erweist, wird auch Aarons Geschichte erst interessant, wenn sie auf eine adäquate Gegnerin trifft. Bei dieser handelt es sich um eine geheimnisvolle Attentäterin. Ulf Pavlik, Aarons engster Freund und selbst ein Ausnahmetalent als Scharfschütze, überlebt eine Konfrontation mit ihr nur mit Glück und allergrößter Anstrengung. Diese Kostprobe ihrer Fähigkeiten schafft eine Legende: Pavliks Bericht sät Zweifel und Angst innerhalb der Abteilung, und als Aaron der Unbekannten schließlich gegenübertritt, geschieht dies mit sehr viel Respekt. Aufgrund ihrer lautlosen und präzisen Bewegungsabläufe wird sie von Aaron vorläufig "Nachtschatten" getauft ... was der Autor zugleich nutzt, um die Erwartungen seiner Leser zu steuern. Ihr wahrer Name lautet schließlich Malin - und sie fühlt sich durch weitaus mehr als einen einfachen Auftrag an Aaron gebunden. ' "Sie ist mir im Traum begegnet", flüstert Aaron, "wir waren wie Schwestern. Aber du glaubst bestimmt nicht an Träume" "Ich träume jede Nacht von Afghanistan", sagt Fleming rau, "meine Träume sind so wahr wie deine. Vielleicht ist sie deine Schwester, aber es kann für sie nur auf eine Weise ausgehen." "Wer sagt dir, dass wir besser als Malin sind?" erwidert sie. "Beweist die Existenz von schmutzigen Bomben, dass es saubere gibt? Hast du dich nie gefragt, was wir eigentlich tun?" ' (Position im Hörbuch: 12:09:24) Wie Aaron selbst immer wieder feststellt, könnten die beiden Frauen genauso gut Schwestern sein. Beide wurden von einem dominanten Vater zu hocheffizienten Killerinnen geformt, beide haben sie einen Schicksalsschlag erlitten. Doch während Aaron durch diesen buchstäblich zu einer Heldin wurde, die Anspruch auf einen Platz in gutsortierten Comic-Regalen hätte, hat Malin sich der Rache verschrieben. Nach ihrer Auffassung tragen Aaron und Pavlik die Schuld am Tod ihres Vaters. Während Aaron im Auftrag des deutschen Staates hauptberuflich Terroristen zur Strecke bringt, verdingt sich Malin als Auftragsmörderin, die durch außerordentliche Kreativität und Einsatz bis hin zur Selbstaufgabe die schwierigsten Aufträge erfolgreich abschließt. Malin ist Aarons dunkler Zwilling. Malin ist jene Frau, zu der Aaron geworden wäre, hätte sie sich an entscheidenden Weggabelungen anders entschieden. Malin ist Aarons Spiegelbild. "Das Leben ist die Summe aller Pläne minus der richtigen und falschen Entscheidungen multipliziert mit sämtlichen Zufällen. Plus den Dingen, die man verhindern kann." (Position im Hörbuch: 02:09:02) Der Spiegel ... das ist auch ein zentrales Symbol in Jenny Aarons drittem Roman. Aaron wird mit Malin, ihrem verkehrten Ebenbild konfrontiert. Ein Spiegel erfüllt seinen Zweck nur über die visuelle Wahrnehmung. Und schließlich ist ein Spiegel auch ein Instrument zur Selbsterkenntnis. Andreas Pflüger wählt seine sprachlichen Bilder sehr sorgfältig, um sie in möglichst vielen Facetten ihrer Bedutung nutzen zu können. Mit erkennbarer Leidenschaft bedient er sich dabei auch an der Weltliteratur und der Populärkultur. Referenzen auf den "Glöckner von Notre Dame" bilden ein durchgängiges Motiv, manche Passagen erinnern an den Tarantino-Film "Kill Bill", und zum Showdown tritt sie gemeinsam mit ihren sechs verbliebenen Mitstreitern wie Akira Kurosawas "Sieben Samurai" an. Selbstverständlich muss sich im Finale der über drei Bände gezogene Kreis wieder schließen und die Geschichte dort enden, wo sie ihren Ausgang genommen hat. Zuvor zommt der Autor noch aus der kleinen Gruppe um Aaron heraus und lässt den größeren politischen Kontext erkennen, in den sie eingebettet ist. "Die Abteilung", wie sie in einem aktenordnerschweren Euphemismus genannt wird, ist eine Einheit zur Terrorbekämpfung, die offiziell nur wenigen bekannt ist und die inoffiziell die härtesten aller Helden berherbergt. Für die Abteilung bewirbt man sich nicht, sondern man wird berufen, und in der Abteilung geht man auch nicht in Pesnsion. Die Abteilung ist einer von vielen Bausteinen in einem fragilen Gebäudes aus Behörden und Dieststellen, deren Fugen mit spröder Beamtendiplomatie gefüllt sind. Als Geheimdienst mit nahezu unbegrenzten Befugnissen wird sie in diesem Teil der Serie zum Spielball der Poliitk - denn die Befehlsgewalt über die Abteilung bedeutet, in verfahrenen Verhandlungen eine über eine entscheidende Option mehr zu verfügen. Letztlich erlebt die Abteilung ihren spektakulären Niedergang: Eine Bombe löscht sie nahezu vollständig aus und läutet damit das Finale ein. Andreas Pflüger ist ein Regisseur, der seine Actionszenen sorgfältig arrangiert wie ein physikalisches Experiment. Zunächst kontrolliert er, ob alle Requisiten und Figuren an ihrem Platz sind, verteilt klare Anweisungen, vermisst die Flugbahnen der Projektile, der leblosen Körper und der exakt gesetzten Hiebe seiner Heldin. All das arrangiert er in einem Zeitplan mit zehntelsekundengenauer Auflösung ... um schließlich das Startsignal zu geben. Beim Lesen erlebt man eine solche Szene als erzählerische Komposition in Zeitlupe, in dem die messerscharfen Metaphern jede kleinste Wahrnehmung erfassen und jedes Wort wie eine Sechzehntelnote in einer Partitur gesetzt ist. Der Autor fordert dabei vom Leser volle Aufmerksamkeit und bietet dafür ein synästhetisches Surrounderlebnis im Kopfkino. "Mit seinem nächsten Satz fliegt ein Molotovcocktail in das hingebungsvoll dekorierte Schaufenster ihrer Hoffnungen" (Position 01:54:54 im Hörbuch) Pflügers Erzählsprache ist stark verdichtet, die millimetergenau aneinandergereihten Sätze verleihen dem Text seine eigene Intensität. Zugleich hören sich die Dialoge seiner Figuren an, als sei er der große Bruder von Quentin Tarantino. Bei seiner ersten Begegnung mit Malin, kann sich Ulf Pavlik nur durch einen waghalsigen Sprung in die stürmische, eiskalte See in Sicherheit bringen. Mit nahezu übermenschlichem Überlebenswillen rettet er sich ans Ufer und wird von seinem Partner aufgefunden. Dabei entspinnt sich folgender Wortwechsel: " Sie schweigen bis Pavliks Lunge aufhört zu rasseln. 'Und sonst so?' fragt Fricke 'Man hat sein Tun', krächzt Pavlik 'Hmm, wie war das Wasser? Badewanne?' 'Kälter als das Bett deiner Ex' 'Oh, dann wärst du Schlittschuh gelaufen' 'Von allen Arschgeigen bist du die Stradivari' 'Ich wollte mir ansehen, womit du dir die Zeit vertreibst', sagt Fricke, 'ich habe dem Trio zwei Magazine spendiert. Die Frau hat den Houdini gemacht und ein hübsches Loch in der Luft hinterlassen. Ihrem Kumpel habe ich meine gesammelten Werke in Bleisatz geschenkt, die liest er jetzt unter Wasser.' " (Position im Hörbuch: 02:23:41) Wenn man auf den ersten Blick nicht mehr zwischen erwachsenen Männern und Buben beim ersten heimlichen Bier ihres Lebens unterschieden kann, erinnert der Autor augenzwinkernd, dass es sich immer noch um Fiktion handelt. Und in einer guten Geschichte zählen manchmal coole Dialoge und ästhetische Action mehr als radikaler Realismus. Tatsächlich wirkt der dauerhaft überhöhte Testosteronpegel wie eine spezielle Ausleuchtung der Szenen, wie die unverwechselbare Klangfarbe, die charakteristisch für den Roman ist. Für den Autor ist er das Stilmittel schlechthin, um die Welt der harten Hunde dauerhaft von jener der sich in glücklicher Ahnungslosigkeit wiegenden Zivilbevölkerung zu unterscheiden. Als Nebenwirkung dieses Stilmittels entstehen unbewusst geschlechtliche Rollenbilder, die aus einer Zeit zu stammen scheinen, als James Bonds zotiger Charme (zumindest laut Drehbuch) noch die beabsichtigte Wirkung zeigte. Auch in der Hörbuchfassung des dritten Teils fungiert Nina Kunzendorf wieder als virtuose Interpretin von Andreas Pflügers erzählerischer Partitur. Sie spürt emotionale Nuancen auf, siedelt den Schmerz der Figuren dicht unter der eigenen Haut an, lässt die Unsicherheit hinter den abgeklärten Worten erkennen. Besonders deutlich ist diesmal die Sehnsucht jeder einzelnen Figur zu verspüren. Kunzendorf zieht jeden gedankendurchsetzten Moment in die Wolken, jede Feststellung wird zu einer Frage, jedes Ja zu einem Vielleicht. Wie kaum ein anderes Werk in den gegenwärtigen Thriller-Abteilungen drängt sich für die Trilogie um die erblindete Actionheldin mit ihrem melancholischen Gepäck die Hörbuchfassung auf. Die Sätze finden ihren Weg über den Gehörgang in den Kopf, wo sie sich zu szenischen Landschaften entfalten. Dadurch fühlt man sich der Hauptfigur stärker verbunden und beginnt gleichzeitig unbewusst, verstärkt auf seine eigenen Sinne zu lauschen. Persönliches Fazit "Geblendet" ist das unbedingt notwendige Finale der Trilogie um Jenny Aaron und wie die beiden Vorgängerbände ein actionreiches Gesamtlerlebnis aus mitreißender Geschichte und intensivem Vortrag. Dabei kombinieren sich der Harte-Männer-Mythos und nachdenklich-zweifelnde Momente wie ein raffiniertes Gericht aus geschmacklichen Gegensätzen zu einem einzigartigen Thrill(er).

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Vita

Andreas Pflüger

Andreas Pflüger wurde 1957 in Thüringen geboren. Er wuchs im Saarland auf und lebt seit vielen Jahren in Berlin. Zu seinen Werken gehören Theaterstücke, Drehbücher für Kino- und Fernsehfilme, Hörspiele und Romane. Nach Endgültig und Niemals erscheint mit Geblendet die Fortsetzung seiner Reihe rund um die blinde Ermittlerin Jenny Aaron.

Zur AUTORENSEITE

Nina Kunzendorfs Karriere startete am Theater, inzwischen ist sie auch als Sprecherin, TV- und Filmdarstellerin mehrfach preisgekrönt (u. a. 2005 mit dem Bayrischen und 2011 mit dem Deutschen Fernsehpreis sowie 2015 mit dem Deutschen Filmpreis). Bis 2012 ermittelte sie u. a. neben Joachim Król als Tatort-Kommissarin in Frankfurt.

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