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Nacht über Tanger

Ungekürzte Lesung mit Bibiana Beglau, Friederike Kempter

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€ 15,00 [D]* inkl. MwSt.
(* empf. VK-Preis)

Hörbuch Download ISBN: 978-3-8371-4313-3

Erschienen:  13.08.2018
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Wie viele Gesichter hat die Wahrheit?

Tanger 1956: Alice Shipley ist ihrem Mann John von England in das von politischen Unruhen aufgeheizte Marokko gefolgt. Doch die Hitze und die fremde Kultur machen es Alice schwer; während John sich immer mehr ins Nachtleben der pulsierenden Stadt stürzt und kaum mehr zu Hause ist, verkriecht sich Alice in der gemeinsamen Wohnung, gleitet in eine Depression. Da steht eines Tages Lucy Mason vor ihrer Tür, Alice' Zimmergenossin und Freundin aus Collegezeiten in Vermont, die sie seit einem mysteriösen Unfall ein Jahr zuvor nicht mehr gesehen hat.

Die unabhängige und furchtlose Lucy entdeckt Tanger schnell für sich und versucht Alice aus ihrer Isolation zu befreien. Doch Alice beschleicht bald das ihr nur allzu vertraute Gefühl, von Lucys Fürsorge kontrolliert und erstickt zu werden. Als John plötzlich verschwindet, wird Alice von dem Unfall in Vermont eingeholt und sie fängt an, an Lucys Vertrauenswürdigkeit und ihrem eigenen Verstand zu zweifeln ...

Ein vielschichtiger, spannender, psychologisch tiefgründiger Roman, erzählt aus zwei Ich-Perspektiven, die den Leser bestricken und verstricken in eine komplexe Freundschaft, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse, Normalität und Wahnsinn fließend sind.

Hintergründig und geheimnisvoll gelesen von Bibiana Beglau und Friederike Kempter

Christine Mangan (Autorin)

Christine Mangan, geboren 1982, hat Creative Writing studiert und am University College Dublin zur Gothic Literature promoviert. Nacht über Tanger ist ihr erster Roman, der sich in 20 Länder verkauft hat. Die Filmrechte gingen an die Produktionsfirma von George Clooney. Christine Mangan lebt in Brooklyn, New York, und schreibt an ihrem zweiten Roman.


Bibiana Beglau (Sprecherin)

Bibiana Beglau, 1971 geboren, erhielt ihre Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Seit 1995 arbeitet sie fürs Theater. Als Bibiana Beglau in Thomas Ostermeiers "Disco Pigs" auf der Bühne stand, wurde sie von Volker Schlöndorff entdeckt und für die Hauptrolle im Kinofilm "Die Stille nach dem Schuss" (2000) engagiert, für die sie u. a. mit dem Silbernen Bären als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde. 2007 erhielt sie mit dem TV-Film "Unter dem Eis" den Grimme-Preis. Seit 2011 gehört sie zum Ensemble des Residenztheaters München. 2012 hat sie den Kurt-Meisel-Preis in Anerkennung ihrer großen Schauspielkunst am Residenztheater erhalten. 2014 wurde Bibiana Beglau von der renommierten Zeitschrift "theater heute" zur Schauspielerin des Jahres gewählt. Beim Hörverlag ist sie u. a. in der hochgelobten Hörspielinszenierung von Emily Brontës "Sturmhöhe" (2012) in der Rolle der Nelly Dean zu hören, sie spricht Paula Dalys "Die Schuld einer Mutter" sowie Sue Monk Kidds "Die Erfindung der Flügel".


Friederike Kempter (Sprecherin)

Friederike Kempter, geboren 1979 in Stuttgart, absolvierte von 2003 bis 2006 eine Ausbildung an der Schauspielschule "Der Kreis" (Fritz-Kirchhoff-Schule) in Berlin. In "Zwei vom Blitz getroffen" spielte sie im Jahr 2000 neben Mariele Millowitsch eine Hauptrolle. Dem Fernsehpublikum bekannt ist Friederike Kempter vor allem als Kommissaranwärterin Nadeshda Krusenstern an der Seite von Axel Prahl und Jan Josef Liefers im "Tatort" aus Münster sowie durch ihr Mitwirken im Ensemble von "Ladykracher" (2008–2012). 2011 trat Kempter in der Comedysendung "Die Wochenshow" bei Sat.1 auf. Seit 2012 ist sie in der ARD-Vorabendserie Heiter bis tödlich – Hauptstadtrevier zu sehen, in der Kempter eine Hauptrolle als Elitepolizistin spielt. Für die Nebenrolle der neurotischen Ausdruckstänzerin Julika in Jan-Ole Gersters Berliner Tragikomödie "Oh Boy" (2012) wurde sie für den Deutschen Filmpreis nominiert.

Aus dem Amerikanischen von Irene Eisenhut
Originaltitel: Tangerine (Ecco)
Originalverlag: Blessing HC

Hörbuch Download, Laufzeit: ca. 9h 54 min

ISBN: 978-3-8371-4313-3

€ 15,00 [D]* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Random House Audio

Erschienen:  13.08.2018

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Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Herrlich nervenaufreibend!

Von: Renies Lesetagebuch Datum: 04.11.2018

renies-lesetagebuch.blogspot.de/

"Nacht über Tanger" von Christine Mangan - ein Roman, der es in sich hat: ein entspanntes Lesen ist das nicht. Eher ein angespanntes. Denn der Roman ist herrlich nervenaufreibend und zum Nägelkauen spannend.
Es geht um die Freundschaft zweier Frauen - Alice und Lucy. Ihre "Freundschaft" begann in den 40/50er Jahren auf der Highschool, wo sie Zimmergenossinnen waren. Es fällt mir schwer, von einer Freundschaft zu sprechen. Denn tatsächlich handelt es sich hier um ein emotionales Abhängigkeitsverhältnis. Alice, Tochter reicher Eltern, die leider vor einigen Jahren verstorben sind, ist die Schwache in dieser Beziehung. Der Tod ihrer Eltern hat sie in ein seelischen Tief gestürzt, von dem sie sich bis heute nicht erholt hat. Sie ist psychisch angeschlagen, ohne Selbstbewusstsein. Das Gegenteil von ihr ist Lucy, ebenfalls Waise. Sie ist taff, selbstbewusst und gibt in der Beziehung der beiden Mädchen den Ton an. Mit beiden stimmt etwas nicht. Lucys Zuneigung zu ihrer Freundin ist obssessiv und manipulativ. Sie wäre gern wie Alice (was ihre Herkunft angeht, denn Alice kommt aus einer wohlhabenden Familie). Alice hat sie durchschaut, hat aber nicht die Kraft, gegen Lucy aufzubegehren.

"Es war mein sehnlichster Wunsch, dass alles wieder so war wie früher; vor dieser schrecklichen Nacht. Diese Hoffnung lebte noch immer in mir, wenn auch verborgen in meinem leeren Herzen. Doch ihre Körperhaltung, ihr Art, sich zu bewegen - wie ein verängstigter, eingesperrter Vogel, fand ich -, machten mich stutzig, und ich fragt mich, ob das Problem gar nicht die Geheimnisse waren, die wir teilten, sondern vielmehr etwas völlig anderes."

Die Geschichte der Anfänge ihrer Freundschaft erfährt man in der Retroperspektive. Denn eigentlich spielt der Roman in Tanger (1956), wo sich die beiden Frauen ein paar Jahre nach ihrer gemeinsamen Schulzeit wiedersehen. Alice ist mittlerweile verheiratet und mit ihrem Mann nach Marokko gezogen. Lucy steht eines Tages bei Alice überraschend vor der Tür. In den letzten Jahren scheint viel geschehen zu sein. Man erfährt, dass es damals an der Schule ein mysteriöses Ereignis gab, welches die Ursache für das abrupte Ende der Freundschaft war. Doch für Lucy scheint die Freundschaft noch lange nicht vorbei zu sein. Heute wie damals hat Alice nicht die Kraft, sich gegen Lucy zur Wehr zu setzen. Alice scheint Menschen, die Besitzansprüche auf sie erheben wollen, förmlich anzuziehen. Denn Ehemann John hat sie wegen ihres Vermögens geheiratet. Solange er mit Alice zusammen ist, braucht er sich keine Sorgen um seine finanzielle Zukunft zu machen. So betrachten sich Lucy und John gegenseitig als Störfaktoren, wenn es darum geht, Alice zu vereinnahmen.

"Mein Blick wanderte zwischen den beiden hin und her; dem Ehepaar; und ich kam zu dem Schluss, dass irgendwas nicht stimmte - ich konnte es spüren, denn es füllte den Raum aus, knisternd, zischend, es schrie förmlich danach, bemerkt zu werden."

Die Geschichte wird im Wechsel aus der Sicht von Lucy und Alice erzählt. Das ist hochinteressant. Denn dieselben Ereignisse sind noch lange nicht dieselben Ereignisse. Und man wird das Gefühl nicht los, dass beide Frauen nicht ganz richtig im Kopf sind. Die Autorin macht das ganz geschickt: Jede der Frauen wirkt im ersten Ansatz völlig normal und weckt Sympathie. Doch auf einmal kommt eine klitzekleine Andeutung im Text, die Zweifel an der jeweiligen Person weckt. Nach und nach stellt sich heraus, was damals in der Schule passiert ist. Scheinbar kann jede der Frauen zu allem fähig sein.
Das Lesen wird von der ersten Zeile an von einer unterschwelligen Spannung begleitet. (Daher das "angespannte Lesen", s. o.) Hier bahnt sich etwas an. Und schnell ist man sich sicher: Mindestens eine(r) der Protagonisten wird auf der Strecke bleiben.

Ich habe über die Autorin gelesen, dass sie Creative Writing studiert und zur Gothic Literature (läuft in Wikipedia unter Schauerliteratur) promoviert hat. Es hat sich gelohnt, denn Christine Mangan beherrscht diese Disziplin par excellence: "Nacht über Tanger" ist richtig richtig schaurig, aber schaurig genial.

"Jetzt fiel mir auf, dass Tanger in vielerlei Hinsicht eine Geisterstadt war. Nur war sie nicht tot, leer und öde, sondern lebendig. Sie blühte und quoll über vor Erinnerungen an die großartigen Denker, die durch ihre Gassen geschlendert waren. Die hier nachgedacht und Tee getrunken hatten und inspiriert worden waren. Sie war ein Zeugnis, ein Grabmal derjenigen, die vorher hier gewesen waren. Doch die Stadt machte nicht den Eindruck, als sei schon alles vorbei. In ihr blühte und schäumte noch immer etwas, das darauf wartete, entdeckt oder freigesetzt zu werden. Ich konnte es spüren, an dem Kribbeln in meinen Händen."

Bemerkenswert ist auch die Stimmung, die diesen Roman durchzieht. Neben der permanenten unterschwelligen Spannung, der man ausgesetzt ist, meint man auch "Tanger" zu spüren: unerträgliche Hitze, grelles Sonnenlicht, das pulsierende Leben in einer arabischen Stadt, exotische Gerüche, fremde Menschen, die etwas Bedrohliches an sich haben. Die Autorin zieht hier sämtliche Register und hat damit einen Roman geschaffen, der der Bezeichnung Schauerliteratur alle Ehre macht.
Lesempfehlung!

© Renie

Nacht über Tanger

Von: Miss.mesmerized Datum: 26.09.2018

https://missmesmerized.wordpress.com/

Es ist ihr Mann John, der darauf drängt nach Tanger zu ziehen, Alice Shipley ist wenig begeistert davon und fühlt sich in Marokko sichtlich unwohl. Sie wurde auf ihrem Mädchen-College in Neuengland auch nicht auf ein solches Leben vorbereitet, überhaupt sollte eine junge Frau in den 1950ern in geordneten Verhältnissen leben. Alice ist einsam und unglücklich als plötzlich ihre ehemalige Zimmergenossin Lucy vor ihr steht. Schnell blüht sie auf, verlässt das Haus, doch mit Lucy sind auch die bösen Erinnerungen zurückgekehrt und Alice weiß, dass sie ihrer vermeintlichen Freundin nicht trauen darf. Die Vergangenheit hat sie eigentlich gelehrt, möglichst viel Abstand zwischen sich und Lucy zu bringen – doch nun sind sie auf engstem Raum und Alices schlimmste Befürchtungen sollen sich bewahrheiten.

Christine Mangan hat mit „Nacht über Tanger“ einen Roman geschrieben, der unerwartete Züge eines Psychothrillers entwickelt. Atmosphärisch überzeugt er auf jeder Seite und man hat von Beginn an den Eindruck, zurückversetzt in die 50er Jahre zu sein und kann die Hitze Afrikas regelrecht spüren. Neben den psychologisch interessant gezeichneten Figuren war es vor mich vor allem Tanger in Mangans Darstellung, das nicht nur glaubwürdig, sondern nahezu greifbar erscheint.

Der Reiz der Geschichte liegt im psychologisch geführten Kampf zwischen den beiden Frauen. Zunächst erscheinen sie als Freundinnen, doch bald wird durch ihre Erinnerungen klar, dass dem nur bedingt während der Studienzeit so war und dass es ein dramatisches Ende gegeben haben musste, dass sie entzweite. Diese Wissenslücke an sich sorgt schon für Spannung, viel raffinierter und eindrucksvoller jedoch ist das Vorgehen Lucys bei dem man sich letztlich nur noch fragt, wie weit sie bereit ist tatsächlich zu gehen. Und dann geht sie noch einen Schritt weiter.

Tanger war einer der Sehnsuchtsorte von Amerikanern und Europäern gleichermaßen in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, doch die Flucht nach Afrika hat nicht alle Probleme beseitigt, die es zuvor gab und so stellt Youssef fest:

„Ein Dummkopf (...) bleibt ein Dummkopf, ob zu Hause oder hier. Gerät man zu Hause in Schwierigkeiten, sollte man sich nicht wundern, wenn man auch hier in Schwierigkeiten gerät. Man bleibt ja überall derselbe Mensch. Tanger mag zwar etwas Magisches an sich haben, aber Zauberkräfte besitzt diese Stadt auch nicht.“

Es ist etwas Magisches, das bei der Beschreibung der Kasbah durchscheint, aber auch dies kann nicht überdecken, was die Figuren mit sich bringen und wovor sie versuchen zu fliehen. Auch wenn Tanger im Roman für fast alle zum Alptraum wird, selten konnte ein Handlungsort einen solchen Reiz verströmen wie bei Christine Mangan. Ganz sicher neben der Figurenzeichnung und dem Handlungsaufbau die größte Stärke der Autorin.

Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Von: Meike Blanke aus Bremen Datum: 09.08.2018

Buchhandlung: Horner Buchhandlung

Nochmals vielen Dank für diesen fesselnden Roman, der seine Spannung aus der zweistimmigen Perspektive zieht, sodass man ihn kaum aus der Hand legen mag.

Von: Manuela Quarz aus Köln-Weiden Datum: 25.06.2018

Buchhandlung: Thalia Universitätsbuchhandlung GmbH

Freundschaft, Liebe, Obsession und Hass, alles dabei plus Hochspannung pur – gepackt in dichte Bilder aus Tanger! Gänsehaut inbegriffen… einfach lesenswert!

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