Tod in Weimar

Kriminalroman

Ungekürzte Lesung mit Dominique Horwitz
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Witzig und temporeich vom Autor gelesen

Roman Kaminski, ein ehemaliger Schauspieler, lebt als Kutscher und Touristenführer in Weimar, der geschichtsträchtigen Stadt Schillers und Goethes, wo alle Kunst machen oder wenigstens bedeutsam sein wollen, außer ihm. Da erschüttern mysteriöse Todesfälle die Villa Gründgens, ein Seniorenstift für alte Schauspieler, Regisseure und Sänger. Kaminski wird zum Detektiv wider Willen und stolpert dabei von einer Verlegenheit in die nächste …

(Laufzeit: 8h 4)


Originalverlag: Knaus
Hörbuch Download, Laufzeit: 8h 4min
ISBN: 978-3-8445-1997-6
Erschienen am  21. September 2015
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Gelungene Unterhaltung

Von: lebens[leseliebe]lust

01.12.2016

Inhalt Roman Kaminski, ein ehenmalige Schauspieler, lebt nun als Kutscher in Weimar. Scheinbar durch Zufall wird er in eine Mordserie verstrickt. Immer mehr Menschen sterben im Altersheim der Villa Gründgens. Doch wer steckt dahinter? Wie hat's mir gefallen Zuallererst: ich bin leider kein allzugroßer Krimifan (mehr), doch diese Mordserie hat mich gepackt. Zwar habe ich letztendlich sehr sehr viel auszusetzen und verstehe auch, wieso dieses Buch oft nur mit zwei Sternen bewertet wird, dennoch fühlte ich mich jederzeit voll und ganz unterhalten und möchte das Buch so vielen Leute empfehlen, wie nur möglich! Die Handlung ist sicher wenig innovativ: Menschen sterben auf scheinbar unerklärliche Weise. Der Clou des Ganzen war noch weniger innovativ, denn ich als Nicht-Krimi-Leser hatte nach zwei Kapiteln den Mörder ertappt. Jedoch geht es bei diesem recht unklassischen Krimi weniger um "Wer ist der Mörder?" oder gar "Was ist das Motiv?", sondern eher um das wie. Dominique Horwitz spielt mit dem Zuhörer. Jeder Satz, ja jedes Wort scheint kunstvoll drapiert. Dem Einen mag das aufgesetzt sein, der Andere mag es. Ich hatte Spaß dabei den Worten zu lauschen, den teils überladenen Metaphern zu folgen, habe die stereotypischen Charaktere lieb gewonnen und verlor mich in den schier endlosen Goethe- und Schillerzitaten. Alles was ich an dem Buch mag, schreckt vielleicht andere Leser ab. Natürlich ist Roman Kaminski die Stereotype schlecht hin. Harte Schale, weicher Kern. Zudem merkt man deutlich, dass Horwitz sich selbst in Kaminski sieht - aber obwohl alles so offensichtlich ist, störte mich dies kein Stückchen. Auch Frettchen, die übertrieben gossenhaft redet (ich hoffe stark, dass Herr Horwitz diese Übertreibung gesellschaftkritisch und nicht ernst meint, denn kein Jugendlicher redet so), ist nichts weiter als ein stereotypischer rebellierender Jugendlicher. Ja und auch Trixi Muffinger sowie die sanfte und zugleich strenge Laura sind derart typisch, dass man schon den Kopf schütteln will. Dennoch fand ich alle Charaktere durch die Bank weg sympathisch, interessant, bunt gemixt und lebensnah. Auch wenn sie eher damit überraschen, dass sie nicht überraschen und stets das tun, was man erwartet, so hatte ich mich angefreundet mit dem philosophierenden und stets zitierenden Kutscher, mir der verschlossenen Laura, der schrillen und skurrilen Trixi, mit dem zeternden Frettchen. Und auch die Altenheimbewohner wuchsen mir ans Herz. Das Buch lebt vom Schreibstil des Autors. Na klar, Dominique Horwitz klaut viel bei seinen verstorbenen Kollegen aus Weimar, aber das ist vollkommen in Ordnung. Nie hatte ich mehr Lust darauf Schilers "Räuber" noch einmal zu lesen und nie habe ich mich mehr über Wetterbeschreibungen gefreut als in diesem Buch. Hortwitz mag sich viel mit fremden Federn schmücken, aber er macht dies definitiv mit Stil und Eleganz. Besonders gefallen hat mir - und das muss in diesem Zusammenhang unbedingt erwähnt werden - , dass der Autor selbst das Buch liest. Und wie er es liest! Er mimt, er singt, er lacht, er schreit - ja er lebt dieses Buch. Somit hat man weniger ein Hörbuch, als ein buntes und illustres Hörspiel. Ich bin begeistert, wie authentisch er Stimmen nachmacht, wie gewitzt er die Szenen betont und wie rund dadurch alles wird. Ich glaube, dass dieses Buch besser als Hörbuch funktioniert und ich lege jedem ans Herzen, hier mal hinein zu hören. Und das sage ich als vollkommener Hörbuchgegner. Fazit Wer sich mal so richtig unterhalten lassen will, wer abschalten und genießen möchte, wer gerne Worten lauscht und wem der Mordfall nicht so wichtig ist, wie das drumherum, der sollte hier unbedingt zugreifen. Da der Autor selbst das Buch liest, sollte man zudem unbedingt zum Hörbuch statt zur Printvariante greifen! Bewertung 4,5/5

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Eine Ode an die Lebens- und Sinnesfreuden im Künstlermilieu

Von: danielamariaursula

30.04.2016

Tod in Weimar von Dominique Horwitz, Autorenlesung, derhörverlag In der „Villa Gründgens“, dem Weimarer Alterssitz für Bühnenkünstler, wird die Probenarbeit des „Schiller-Zirkels“ jäh unterbrochen: Aus der greisen Theatergruppe stirbt unter mysteriösen Umständen einer nach dem anderen. Roman Kaminski, Kutscher und Stadtführer in der Goethe-Stadt, wird von der Heimleiterin Dr. Trixi Muffinger, ohne daß er weiß wie ihm geschieht, als Übergangshausmeister eingestellt, als sogar der Hausmeister plötzlich und unerwartet stirbt. Der Einzelgänger lebt in einem braunen Dorf vor den Toren Weimars. Eine 14 jährige Ausreißerin genannt Frettchen hat sich uneingeladen bei ihm eingenistet und zieht den Zorn der örtlichen Jungnazis auf sich. Diesen Umstand nutzt der zu tiefst unsympathische und ehrgeizige Kommissar Westphal aus, um ihn zu verdeckten Ermittlungen in der Altersresidenz zu erpressen. Dies passt Kaminiski gar nicht, geht es ihm doch gehörig gegen den Strich jederzeit dem Kommissar ebenso wie der Heimleiterin bei Fuß zu stehen. Der einzige Lichtblick in dieser scheinbar aussichtslosen Situation ist Laura, die Wirtin der Wilhelm Meißner Schänke. Je mehr Kaminski seine Nase in die Geschehnisse in der Villa Gründgens steckt, desto mehr Bewohner sterben und desto mehr wachsen ihm die Mitglieder des Schiller-Zirkels ans Herz. So langsam hat er auch ein eigenes Interesse die Todesserie zu beenden….. Ich hatte einen eher bedächtigen Weimar Krimi erwartet, vom Autor einen Schauspieler, eindrucksvoll gelesen. Mit letzterem hatte ich Recht. Aber neben den wunderbaren literarischen Zitaten und philosophischen Gedanken, erfuhr ich mehr Männerphantasien als mir lieb war. Auch diese stetige unterschwellige Lust und Notgeilheit, ging mir zuerst so auf den Keks, daß ich am liebsten abgebrochen hätte. Ich war überzeugt, mehr als 2 Sterne, wegen der schönen Zitate und der guten Lesart würde es unmöglich werden können. Aber irgendwann nahm mich die Geschichte gefangen. Sowohl die kratzbürstige wie auch verletzliche Frettchen, als auch die lebenskluge wie auch schöne Laura nahmen mich schon bald für sich ein. Die völlig schräg skurrilen Mitglieder des Schiller-Zirkels zauberten mir immer wieder ein Grinsen auf das Gesicht, ich mußte sie einfach mögen. Auch wenn mir Kaminski zu oft verriet, was sich bei ihm morgens und auch sonst hob, mußte gewann mein Herz. Selbstverständlich gibt es auch Bösewichte und Personen, bei denen man nicht so ganz weiß, ob man sie mögen soll oder nicht. Nicht nur die junge Ausreißerin Frettchen, auch die Mordserie sorgen immer wieder für Spannung, letzteres besonders zum großen Showdown. Das Ende bildet dann jedoch nicht die Entlarvung des Täters, eine Überraschung, sondern eine Ode an das Alter, die Kultur und die Lebensfreude. Ach ja, sogar die Liebe, nicht nur die körperliche, kommt nicht zu kurz. Wunderbar abgerundet und für ein wirkliches gutes Gefühl zum Ende des immerhin über 8-stündigen Hörgenusses! Wirklich geistreich, humorvoll und unterhaltsam. Ohne die feuchten Träume und die unerwünschten Vorstellungen der Freuden im Alter, wären es galt 5 Sterne geworden, so jedoch leider nur 4. Das ist aber meine persönliche Empfindlichkeit, ich bin ja auch kein Mann ;)

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Vita

Dominique Horwitz, geboren 1957 in Paris, ist Schauspieler, Regisseur und Sänger. Neben zahlreichen Filmrollen („Stalingrad“, „Der große Bellheim“) spielte er unter anderem am Thalia-Theater in Hamburg, am Berliner Ensemble, am Deutschen Theater in Berlin und am Schauspielhaus Zürich. Bei Dreharbeiten in Weimar lernte er seine Frau kennen, seitdem sind Weimar und Thüringen nicht nur sein Zuhause, sondern auch seine Kulisse. 2012 inszenierte er den „Freischütz“ an der Oper in Erfurt, zuletzt war er als Schillers „Wallenstein“ am Nationaltheater in Weimar zu sehen. „Tod in Weimar“ ist sein erster Roman.

© Anke Neugebauer
Dominique Horwitz

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