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Ein Diktator zum Dessert

Ungekürzte Lesung mit Carmen-Maja Antoni

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Hörbuch MP3-CD ISBN: 978-3-8445-1826-9

Erschienen: 16.03.2015
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Eine Hymne auf das Leben und das Überleben

Mit ihren 105 Jahren ist Rose eine der besten Köchinnen von Marseille. Rose schreibt ihre Memoiren, um das Leben zu feiern. Ein Leben wie eine abenteuerliche Reise durch die Weltgeschichte, auf der sie ihre Familie verliert und sich auf manchmal gar nicht so subtile Weise an den Gewaltherrschern rächt. Rose hat vor nichts und niemandem Angst. Ihre Waffe ist immer griffbereit in ihrer Handtasche. Und weil sie nach wie vor an die Kraft der Liebe und des Lebens glaubt, lässt sich Rose auf dem Sozius ihres jugendlichen Restaurantgehilfen durch Marseille kutschieren, treibt sich im Internet auf Singlebörsen herum und hört dazu Patti Smith. Doch damit nicht genug …

(1 mp3-CD, Laufzeit: 8h 53)

Franz-Olivier Giesbert (Autor)

Franz-Olivier Giesbert, 1949 in Wilmington (USA) geboren, lebt seit seinem dritten Lebensjahr in Frankreich. Nach der Ausbildung zum Journalisten arbeitete er zunächst im Feuilleton von Paris-Normandie, bis er sich 1971 mit dem Nouvelle Observateur dem politischen Journalismus zuwandte. Ab 1998 war er Chefredakteur von Le Figaro, ab 2000 von Le Point. Außerdem moderiert er literarische Sendungen im Fernsehen. Seit 1977 schreibt er Romane und Biografien, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde und die in viele Weltsprachen übersetzt wurden.


Carmen-Maja Antoni (Sprecherin)

Carmen-Maja Antoni, 1945 in Berlin geboren, ist Fernseh- und Theaterschauspielerin sowie Hörspielsprecherin. Darüber hinaus lehrt sie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Nach ihrem Schauspielstudium in Potsdam spielte sie am Hans-Otto-Theater in Potsdam die "Grusche" in Bertold Brechts "Der kaukasische Kreidekreis". Seit 1976 ist sie Mitglied am Berliner Ensemble und spielte in Stücken von Shakespeare, Lessing und Molière. Ihren größten Erfolg hatte Carmen-Maja Antoni als Hauptdarstellerin in „Mutter Courage und ihre Kinder“ von Bertolt Brecht. Neben zahlreichen Kinderfilmen spielte sie auch in vielen Kinoproduktionen und Fernsehfilmen, z. B. in "Rosa Roth" oder "Der Laden".

Übersetzt von Katrin Segerer
Originalverlag: carl's books

Hörbuch MP3-CD, 1 CD, Laufzeit: 533 Minuten

ISBN: 978-3-8445-1826-9

€ 9,99 [D]* | € 11,20 [A]* | CHF 14,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: der Hörverlag

Erschienen: 16.03.2015

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Auge um Auge, Zahn um Zahn...

Von: parden Datum: 07.08.2015

www.litterae-artesque.blogspot.de/

Mit ihren 105 Jahren ist Rose eine der besten Köchinnen von Marseille. Rose schreibt ihre Memoiren, um das Leben zu feiern. Ein Leben wie eine abenteuerliche Reise durch die Weltgeschichte, auf der sie ihre Familie verliert und sich auf manchmal gar nicht so subtile Weise an den Gewaltherrschern rächt. Rose hat vor nichts und niemandem Angst. Ihre Waffe ist immer griffbereit in ihrer Handtasche. Und weil sie nach wie vor an die Kraft der Liebe und des Lebens glaubt, lässt sich Rose auf dem Sozius ihres jugendlichen Restaurantgehilfen durch Marseille kutschieren, treibt sich im Internet auf Singlebörsen herum und hört dazu Patti Smith. Doch damit nicht genug...


"Am Tag meiner Geburt waren die drei Personen, die die Menschheit heimsuchen sollten, bereits auf der Welt: Hitler war 18 Jahre alt, Stalin 28 und Mao 13. Mein Geburtstag fiel in das falsche Jahrhundert: ihres."


Als dieser Satz fiel, dachte ich: owei, da ist jemand durch 'Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand' von Jonas Jonasson auf den Geschmack gekommen. Wieder jemand, der mit seinen über hundert Jahren viel zu erzählen hat, der die Weltgeschichte nicht nur beobachtet hat, sondern teilhatte daran, der ihren Lauf ein wenig mitbestimmte. Nun, ganz so war es dann aber doch nicht.

Die inzwischen 105 Jahre alte Rose kam am 18. Juli 1907 am Schwarzen Meer in einem 100jährigen Kirschbaum zur Welt, als die Mutter von dort gerade eine Katze retten wollte. Rose nennt sich selbst deshalb 'die Tochter des Kirschbaums'. Im Jahrhundert der Mörder hätte Rose ihre Kindheit beinahe nicht überlebt - als Armenierin fiel sie fast dem von den Türken initiierten Völkermord zum Opfer, einem der ersten systematischen Genozide des 20. Jahrhunderts, so wie ihre komplette Familie auch. Von diesen Tagen an führte sie eine 'Hassliste', ein Papier, das sie durch alle Prüfungen des Lebens hinweg begleitete, auf ihr die Namen derjenigen, die Unverzeihliches begingen - an Rose selbst oder an Menschen, die ihr nahestanden. Und auch wenn es zuweilen lange dauerte: der Tag der Rache kam.


"Bis zu meinem letzten Atemzug und darüber hinaus werde ich nur an die Macht der Liebe, des Lachens und der Rache glauben".


Marseille, Provence, Paris - das sind die Stationen Roses nach ihrer Flucht aus dem Land, das es nicht länger gab. Dort begegnet sie der Liebe ihres Lebens, sie eröffnet ein Restaurant - Jahre des Glücks. Doch gelingt es ihr letztlich nicht, dieses kurze Glück festzuhalten. Antisemitismus und der Nationalsozialismus, der Frankreich überrollt, lassen die Verzweiflung überhand nehmen. Roses einzige Hoffnung, ihren Mann und ihre Kinder vor dem Tod zu retten ist - ausgrechnet Himmler. Ein Mann, der ihr Restaurant und ihre Küche schätzen gelernt hat, der sie mitnimmt und als Köchin engagiert, was sie in der Hoffnung annimmt, etwas über das Schicksal ihrer Familie in Erfahrung zu bringen. Himmler, Göbbels, Hitler - Rose lässt letztlich nichts aus, um den kleinen Funken Hoffnung am Leben zu erhalten.


"Das Leben ist eine große Sauerei, du darfst ihm nie vertrauen. Es gibt und gibt, und dann, eines Tages, ohne Vorwarnung, nimmt es dir alles, wirklich alles, wieder weg."


Trotz aller Schläge, die das Leben für sie bereithält, hängt Rose am Leben - und genießt es in vollen Zügen. Sie mag es zu essen, spricht dem Alkohol zu, liebt den Sex. Bis ins hohe Alter hinein von vielen begehrt, genießt es Rose, sich lebendig zu fühlen. Doch bei aller Stärke, die von ihrer Persönlichkeit ausgeht, verspürte ich als Leser immer auch eine Distanz. Hinter der Fassade der starken Frau lugte durchaus einmal die Verzweiflung, die Trauer, die Wut hervor, ausgelöst durch die Schicksalsschläge oder durch Menschen, die willkürlich ihre Macht missbrauchten. Doch wirklich spürbar waren diese Gefühle für mich nicht, und das hat mir hier doch gefehlt.
Zudem war es zwar interessant, Episoden und Größen der Weltgeschichte durch die Augen Roses zu erleben und dabei durchaus nicht alltägliche Blickwinkel auf diese zu erhaschen, doch begannen diese Episoden sich für mich im letzten Drittel irgendwie nur noch lose aneinanderzureihen, ohne einen wirklich engen Zusammenhang zu bilden, was für mich teilweise störende Brüche ergab.


"Es ist das Los der Menschheit, sich von Dummheit und Hass stets wieder über die Massengräber führen zu lassen, die schon die vorherigen Generationen bis zum Rand gefüllt haben."


Dabei wird die vollständige Hörbuchfassung (8 h 53 min.) durchaus angenehm vorgetragen von Carmen-Maja Antoni - die tiefe, raue Stimme passt gut zu der herben Alten mit dem Herz auf dem rechten Fleck.
Der Vergleich dieses Hörbuchs zu 'Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und veschwand' hinkt allerdings in der Tat. Hassliste statt augenzwinkernder Weltgewandtheit, Rachegedanken und die Lust am Leben statt moderner, herzerwärmender Monty Python Geschichte - hier konnte 'Ein Dikator zum Dessert' für mich leider nicht ganz mithalten, auch wenn das Hörbuch über weite Strecken interessant war. Es fehlte für mich letztlich einfach der besondere Flair.


© Parden

Erschreckend ehrlich

Von: CogitoLeider Datum: 26.05.2015

Die Geschichte des 20. Jahrhunderts aus Sicht einer 105jährigen Frau – ja, das ist der Inhalt von ‚Ein Diktator zum Dessert’. Obwohl es natürlich nicht ganz so einfach ist. Denn an den Stellen, an denen ich bei ‚Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand’ (kurz: Flucht aus dem Altersheim ;) ) herzhaft lachen konnte, macht mich dieses Buch eher traurig. Und natürlich kann man beide Bücher nur bedingt vergleichen.

Schon von den ersten Minuten an ist klar, dass dies die Lebensgeschichte einer ‚gebeutelten’ Frau ist, auch wegen Carmen-Maja Antoni, die im Ton der streitlustigen und zornigen Rose erzählt und ihre Geschichte mit mehr Leben füllt, als ich es oft ertragen konnte. Weil es einfach schrecklich ist! Nein, nicht der Vortrag, der ist genau richtig, sondern diese Lebensgeschichte, die mehr als einmal hautnah mit Genozid in Kontakt kommt und ungeschminkt zeigt, zu was der Wille zu überleben befähigt.

Rose ist vom moralischen Aspekt her keine nette uralte Frau, sie ist bösartig, mörderisch – und trotzdem ist sie mir sympathisch. Wegen ihrer Ehrlichkeit mit sich selbst. Sie beschönigt nichts, entschuldigt noch weniger und rechnet auch mit sich selbst ab. Das fordert Respekt und lässt mich ein wenig hilflos zurück.
Weil ich so gerne in schwarz-weiß denken möchte.
Weil ich mir gerne einbilden möchte, einen graden, aufrechten Weg zu gehen.
Und Rose, eine starke Frau, überlebt und lebt dabei sogar, auf einem durchaus verworrenen Weg – bleibt sich da aber trotzdem treu.

‚Ein Diktator zum Dessert’ ist ein schönes Buch, trotz all der Hässlichkeit, weil es ungeschminkt beschreibt. Und damit kaum ein gutes Haar am Tier Mensch lässt.
Und Carmen-Maja Antoni wird dem rundum gerecht, auch, weil sie den anfangs gewöhnungsbedürftigen zornigen Tonfall hat.

Fazit?
Ein ernsthaftes Buch, das mich tief beeindruckt hat. Und historische Ereignisse und Personen in einem etwas anderen Licht erscheinen lässt.

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