1965 - Der erste Fall für Thomas Engel

Gekürzte Lesung mit Oliver Wnuk
Hörbuch CD (gekürzt)
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Eine Mordserie erschüttert die junge BRD, und die Spuren führen weit zurück und tief hinein in einen Sumpf aus alten braunen Seilschaften

Düsseldorf, 1965: Für den jungen Kommissar Thomas Engel ist die Großstadt der verheißungsvolle Beginn seiner Karriere. Er stürzt sich ins Leben, als ihm seine Arbeit den ersten Mord beschert. Ein junges Mädchen wird in der Ruine Kaiserswerth tot aufgefunden. Engel versteht nicht, dass seine Kollegen nicht gleich die Spur verfolgen, die geradewegs in die dunklen 1930er Jahre führt. Versucht man etwas vor ihm zu verheimlichen, und warum will niemand sehen, was so offensichtlich auf der Hand liegt?


Originalverlag: Blanvalet
Hörbuch CD (gekürzt), 6 CDs, Laufzeit: ca. 7h 55min
ISBN: 978-3-8371-5032-2
Erschienen am  02. März 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.
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Dieses Buch spielt in: Düsseldorf, Deutschland

Leserstimmen

Realitätsnah und ergreifend

Von: Mirabellaparadise

26.07.2020

Mein Fazit zum Hörbuch: Sprecher: Oliver Wnuk verfügt über eine Stimme mit angenehmem Timbre. In Dialogen verändert er seine Stimmlage, so dass man die einzelnen Personen gut unterscheiden kann. Der SPRECHER hat in diesem Hörbuch sein außergewöhnliches Talent bewiesen, sich in die verschiedenen Charaktere hineinzuversetzen und den 1939 bzw. 1965 üblichen stakkato-artigen Sprach-Stil wiederzugeben. Ausgezeichnet gelungen ist ihm auch die Imitation der schnarrenden Stimme von Hitler. Inhalt: Die in Düsseldorf spielende Geschichte findet größtenteils auf zwei zeitlichen Ebenen statt: In den Jahren 1939 und 1965. Der in der Weimarer Republik berüchtigte deutsche Serienmörder Peter Kürten, genannt der „Vampir von Düsseldorf“ sowie das Schicksal der Anne Frank werden geschickt in die Geschichte eingewoben und lassen diese somit real erscheinen. Die Handlung lässt mich frösteln und versetzt mich zeitgleich in Alarmbereitschaft: Kleine Mädchen werden entführt, missbraucht und ermordet. Wie unkompliziert und unbemerkt derartig abscheuliche Verbrechen selbst in einer Menschenmenge funktionieren können, werden in dieser Story glaubwürdig geschildert. In Zeiten des Nationalsozialismus muss unverzüglich ein Schuldiger präsentiert werden, damit beim Volk nicht die Vermutung aufkommt, dass Hitler die Lage nicht im Griff hat. Dabei darf es sich selbstverständlich nicht um ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft handeln (obwohl Zeugenaussagen und Beweise) dafürsprechen. Ermittelnde Kommissare, Priester und Heimleiter werden mit verschiedenen (lebensgefährlichen) Ultimaten unter Druck gesetzt. Da im Jahre 1939 vorbestrafte Sexualstraftäter im KZ inhaftiert waren, fiel die Wahl auf einen jungen, zwangskastrierten Homosexuellen aus einem katholischen Fürsorgeheim, der somit unschuldig zum Tode verurteilt wurde. Mit großer Detailgenauigkeit beschreibt CHRISTOS die Mitte der 60er Jahre herrschenden Sitten und Gesetze, wie z. B. den Kuppelparagraphen. Personen, die unverheirateten Paaren ihre Wohnung zur Verfügung gestellt und somit Gelegenheit zur „Unzucht“ verschafft haben, mussten mit einer Freiheitsstrafe mit bis zu fünf Jahren rechnen. Schockierend sind auch die Schilderungen der Schicksale von geächteten jungen Frauen, die als „gefallene Mädchen“ bezeichnet wurden und in kirchliche Einrichtungen unter strengen Auflagen aufwachsen mussten. Dabei handelte es sich häufig nicht um Mädchen mit krimineller Vorgeschichte oder einer sogenannten „leichten Moral“. Man muss bedenken, dass viele Frauen ihre Männer im 2. Weltkrieg verloren und erneut geheiratet haben. Manchmal waren die Kinder aus der 1. Ehe dem Stiefvater ein „Dorn im Auge“ und wurden daher abgeschoben. Ihr einziges „Verbrechen“ war, dass sie existieren. Weiterhin geht der Autor im Zusammenhang mit dem Opfer aus dem Jahre 1965 auf die Lebensumstände der 1. Gastarbeiter-Ära ein. Zum Arbeiten sind sie herzlich willkommen, alles was ihre weiteren Rechte betrifft, bewegt sich in einer Grauzone und wird streng kontrolliert. Der Protagonist, Kommissar Thomas Engel, hat meine absolute Sympathie gewonnen. Bei ihm handelt es sich um eine Person, die frei von jeglichen Vorurteilen ist und nur Gerechtigkeit möchte. Er ist unbestechlich und muss häufig - wie Don Quijote - gegen „Windmühlen“ kämpfen. Dabei riskiert er gnadenlos den Bruch mit seiner Familie und seinen Job. Mein Resümee: Ich habe mir dieses Hörbuch nicht nur wegen des Klappentextes ausgewählt. Für mich spielten auch das Lokalkolorit (ich wohne nur einen Katzensprung von Düsseldorf entfernt und habe dort viele Jahre gearbeitet) sowie das Jahr 1965 (mein Geburtsjahr) eine ausschlaggebende Rolle. Bisher habe ich wenige Bücher entdeckt, die in den 60er Jahren spielen. Meine persönlichen Erinnerungen an diese entbehrungsreiche Zeit sind dementsprechend aus der Sicht eines Kleinkindes (mein Spielzeug passte in einen Schuhkarton – und malen konnte ich nur, wenn meine Oma sich eine neue Stützstrumpfhose gekauft hat, weil in der Verpackung eine Pappe enthalten war). Dementsprechend bin ich dankbar, dass dieses Werk nähere Informationen zu den Lebensumständen, Gegebenheiten und „Altlasten“ dieser nicht so beachteten Epoche enthält. Das Hörbuch mit einer Laufzeit von ca. 8 Stunden war so fesselnd, dass ich es an einem Stück gehört habe. An einigen Stellen habe ich sogar ein paar Tränen vergossen, weil mir das unbarmherzige Schicksal einzelner Personen so nahe ging. Auch wenn es sich um eine fiktive Geschichte handelt, kann ich mir vorstellen, dass sich einzelne Gegebenheiten in ähnlicher Weise genauso zugetragen haben.

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Ein junger Mann gibt nicht auf

Von: yesterday

09.04.2020

Die erste Überraschung im Plot gibt es schon zu Beginn - man erwartet, dass Thomas Engel, der Protagonist dieses Krimis, ein doch einigermaßen arrivierter Ermittler ist, aber es kommt anders. Thomas, ein friedliebender und analytisch denkender Tagträumer und kommt als gerade Volljähriger zur Kriminalpolizei. Der “erste Fall” ist dann tatsächlich sein erster Fall. Dieser beginnt leider etwas spät im Buch. Der Erzählstrang des titelgebenden Jahres 1965 zieht sich lange dahin, wichtige Figuren müssen eingeführt werden, das Lebensgefühl zu dieser Zeit wird gut eingefangen. Abwechslung bietet da der zweite Erzählstrang aus dem Jahr 1939. Ein Unbekannter begeht ein schändliches Verbrechen an einem jungen Mädchen. Trotz der 26 Jahre dazwischen hängen diese Teile des Buchs natürlich zusammen und erst langsam kann der Leser oder Hörer herausfinden, wer von den aktuellen Protagonisten auch damals schon involviert war. Es ist ein klassischer “die Vergangenheit kann dich immer einholen, auch wenn du sie noch so sehr verharmlost”-Krimi der bewegte Zeiten miteinander verbindet. Der Hörer oder Leser erfährt zwischendurch etwas mehr als Thomas und kann so gut mitermitteln. Der Protagonist erfährt während seiner Arbeit und durch die Steine, die ihm in den Weg gelegt werden, eine sehr deutliche Wandlung, beißt sich am Fall fest und ermittelt auch weiter, als er den Dienst quittiert. Kann man so machen, gefällt aber nicht jedem. Das Hörbuch ist gekürzt, ich hatte das Gefühl an 2-3 Stellen, dass etwas fehlt, weil zum Beispiel ein Name wo auftauchte, wo er davor nicht vorkam und nicht erklärt wurde wie eine Person davon wissen konnte. Aber alles in allem hält sich das in Grenzen und die Handlung ist stimmig. Das Ende lässt offen, ob und wo genau in Deutschland es einen zweiten Fall für Thomas Engel geben wird. Der Sprecher arbeitet die verschiedenen Charaktere gut heraus, nimmt sich aber in der Lautstärke zurück. Es wird zwischen den Charakteren oft mal lauter, Streits oder Befehle werden “gebrüllt”. Nicht so auf der CD, wohl um allzu krasse Lautstärkewechsel und Hörschäden zu vermeiden.

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Vita

Thomas Christos ist das Pseudonym des Drehbuchautors Christos Yiannopoulos. 1964 kam er als Sohn griechischer Gastarbeiter nach Deutschland. Er studierte Germanistik und Pädagogik in Düsseldorf und schrieb bereits mit 24 Jahren sein erstes Drehbuch, das auch verfilmt wurde. Danach war er hauptsächlich Drehbuchautor für das Fernsehen und wirkte an vielen erfolgreichen Produktionen mit. Unter anderem wurde er für seinen Film »Schräge Vögel« für den Adolf-Grimme-Preis nominiert. Er lebt zurzeit in Düsseldorf.

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Oliver Wnuk

Oliver Wnuk spielte nach seiner Schauspielausbildung zunächst Theater, ab 2000 folgten erste TV- und Kinorollen („Anatomie“, „Der Schuh des Manitu“). Bekannt wurde er durch seine Rolle in „K3 - Kripo Hamburg“ sowie als Ulf Steinke in „Stromberg“.

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