HERKUNFT

Gekürzte Lesung mit Saša Stanišić

Bestseller Platz 19
Spiegel Hörbuch Belletristik / Sachbuch

Hörbuch CD (gekürzt)
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»Herkunft ist Zufall und wird doch als Absicht verwendet ...« Saša Stanišić

In HERKUNFT geht es um Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Es geht um den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart oft auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh.

Gelesen von Saša Stanišić.

(5 CDs, Laufzeit: 5h 39)

»Der Autor liest herzerfrischend, empathisch, authentisch und sehr ehrlich.«

Münchner Merkur (23. Mai 2019)

Originalverlag: Luchterhand HC
Hörbuch CD (gekürzt), 5 CDs, Laufzeit: 5h 39min
ISBN: 978-3-8445-3302-6
Erschienen am  18. März 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.
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Dieses Buch spielt in: Bosnien-Herzegowina

Leserstimmen

Saša Stanišić liest "Herkunft" – und wie!

Von: Barbara62

25.11.2019

Als ich "Herkunft" im September las, stand das Buch auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2019. Für mich war es der erste Roman von Saša Stanišić und eine große Entdeckung. Dann hörte ich ihn nach der Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse bei einer Lesung – er las das Kapitel über den schlesischen Zahnarzt Dr. Heimat – und begriff, dass es hier noch eine Steigerung zur Lektüre gibt: das von ihm selbst gelesene Hörbuch. Zwar beinhalten die fünf CDs mit einer Gesamtlaufzeit von gut fünfeinhalb Stunden nur ausgewählte Texte des Romans, aber ich habe sicher dreimal solange gebraucht, so oft habe ich einzelne Tracks wiederholt und immer wieder Neues entdeckt. „Jedes Zuhause ist ein zufälliges. Glück hat, wer den Zufall beeinflussen kann.“ Herkunft war für Saša Stanišić kein Thema, bis seine bosnische Großmutter ihn mit in das Heimatdorf seiner Vorfahren und auf den dortigen Friedhof nahm. Und auch dann war ihm das Thema zunächst eher peinlich, denn die „Herkunftsfolklore“ und der „Zugehörigkeitskitsch“ waren Ursache dafür, dass es Jugoslawien, das Land, in dem er geboren wurde, heute nicht mehr gibt. Die Flucht vor dem Balkankrieg nach Heidelberg, das Ankommen in Deutschland, der Erwerb der deutschen Sprache, die Freunde von der Aral-Tankstelle, die Scham über die prekären Lebensumstände, die Angst vor der Abschiebung, die erste Liebe und schließlich das Glück, in Deutschland bleiben zu können, während die Eltern trotz aller Anstrengungen das Land wieder verlassen mussten, bildet den einen Teil des Romans. Den anderen Teil widmet Saša Stanišić der Erinnerung an die Kindheit in Bosnien, dem Ende des Vielvölkerstaats, als Herkunft plötzlich eine immer größere Rolle spielte und selbst die Identifikation mit dem Fußballclub Roter Stern Belgrad die verschiedenen Nationalitäten nicht mehr verband, und der in Višegrad zurückgebliebene Großmutter, der mit zunehmender Demenz die Erinnerungen abhandenkamen. Der ganz eigene Charme von Stanišićs Lesung Verfügt der Roman bereits über eine große emotionale Bandbreite von der Melancholie bis zur blanken Komik, so kamen alle diese Gefühle für mich beim Zuhören noch deutlich stärker zum Tragen. Saša Stanišić liest seine Texte so engagiert und pointiert, mit so viel Dynamik, Betonung, Gefühl und dem passenden Akzent, dass ich ständig zwischen Lachen und Traurigkeit schwankte. Ein ausgebildeter Schauspieler hätte sie zwar mit größerer Perfektion, aber niemals mit vergleichbarer Intensität vortragen können. Hatte mich beim Lesen das Ankommen in Deutschland noch mehr bewegt als die Geschichten aus Bosnien, so waren die beiden Aspekte beim Hören mindestens gleichwertig, die Trauer über die Erkrankung der Großmutter und die spürbare Betroffenheit und Hilflosigkeit des Enkels sogar berührender. Auch das Spiel mit der Sprache, das den Roman neben den inhaltlichen Aspekten für mich so ganz besonders macht, war beim Zuhören eine Quelle der Freude. Der genau richtige Gewinner des Deutschen Buchpreises 2019 Noch nie war ich mit der Jury des Deutschen Buchpreises so einer Meinung wie in diesem Jahr. "Herkunft" ist ein berührendes, kluges, hochaktuelles Buch, das ich eigentlich jedem ans Herz legen möchte, am besten zuerst als Lektüre und danach als Lesung.

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Der Autor liest selbst: "Herkunft" macht so noch mehr Freude

Von: Marina Büttner

05.07.2019

Dass ich Saša Stanišićs neues Buch „Herkunft“ als Hörbuch auswählte war klar. Denn seine Texte sind von ihm selbst gelesen einfach ein großer Genuss und eine Freude,. „Dreißig Jahre später, im März 2008, musste ich zum Erlangen der deutschen Staatsbürgerschaft unter anderem einen handgeschriebenen Lebenslauf bei der Ausländerbehörde einreichen. Riesenstreß! Beim ersten Versuch brachte ich nichts zu Papier, außer dass ich am 7. März 1978 geboren worden war. Es kam mir vor, als sei danach nichts mehr gekommen, als sei meine Biografie von der Drina weggespült worden.“ Er beginnt seine Erzählung mit der Großmutter, die in ihrem Heimatort auf der Straße nach sich selbst ruft, nach dem Mädchen, dass sie einmal war. Die Großmutter wird dement, vergisst viel, vergisst aber nicht, ihren Enkel beim Besuch oder am Telefon wie früher liebevoll „Esel“ zu nennen. Immer wieder kehrt die Geschichte an den Ort der Großmutter zurück, in das Dorf Oskoruša, in dem noch traditionelle mythische Überlieferungen erzählt werden, wie etwa die vom Drachen. Damit löste sich auch meine Frage, weshalb auf dem Cover ein eher chinesisch anmutender Drache abgebildet ist. Die Familie lebt dann in Višegrad, einer Stadt an der Drina. Vater und Mutter haben eine gute Arbeit. Die Mutter hatte sogar studiert. Doch sie trägt einen Namen, der nach Muslima klingt und als es zu ersten Verfolgungen und Kriegshandlungen im zerfallenden Jugoslawien kommt, flieht sie mit dem Sohn nach Deutschland. Die Familie folgt später nach. Wenn Stanišić über die Erfahrungen seiner Zeit als Flüchtlingskind erzählt, zunächst allein mit der Mutter in Heidelberg, dann mit der ganzen Familie in einer Flüchtlingssiedlung auf engstem Raum mit vielen anderen Nationen, wird sehr deutlich, was es heißt, fremd zu sein. Dass er das alles auf seine verschmitzte, heitere Art erzählt, verbirgt nicht die Traurigkeit, die auch darunter lag und auch die Scham. Scham, ein „Jugo“ zu sein, über die prekären Verhältnisse, in denen die Familie lebt, da die Eltern nicht in ihren ursprünglichen Berufen, sondern als Hilfskräfte ihr Geld verdienen müssen. Für ihn wird es einfacher, er lernt schneller Deutsch, er wird schneller integriert. Die Schulklasse, die vorrangig aus nichtdeutschen Kindern besteht, prägt diese Zeit positiv. aus Kapitel: Die Häkchen im Namen „Allerdings kommt man auch bei der 20. Wohnungsbesichtigung nicht auf die Shortlist, dann wird aus Saša schon mal Sascha mit sch. Es klappt dann zwar auch nicht, aber jetzt liegt es wenigstens am Beruf.“ Stanišić springt in der Zeit hin und her, es ist nicht seine Art chronologisch zu erzählen. Mir scheint es dadurch als eine sehr persönliche, zugewandte Art zu erzählen. Beinah wie ein Zwiegespräch … Sehr besonders, dass er zwei im Text vorkommende Lieder des Vereins der Jugoslawien-Freunde vorsingt (das hat man im Buch nicht!), Lieder, die er aus der Kindheit kennt, und die heute wieder vermehrt Anklang finden bei all jenen, die sich in die Tito-Zeit zurück sehnen und die vermeintlich besseren Zeiten wieder herauf beschwören und den Nationalstolz feiern. Wenn Stanišić von seiner Großmutter erzählt, die erst langsam, dann sehr schnell in die Demenz gleitet, ist es berührend zuzuhören … „Welcher Tag ist heute, Oma?“, frage ich und meine Großmutter sagt, „Alle Tage.“ … oder witzig, wenn er von seinem ersten Verliebtsein in der Schulzeit erzählt, das sich, ob der zunächst geringen Sprachkenntnisse nicht ganz so einfach gestaltet. Und sogar der Bericht über ein Fussballspiel von Roter Stern Belgrad, dessen Fans er und sein Vater waren, fesselt mich in seiner Art, obwohl ich eigentlich Fussball nichts abgewinnen kann. Stanišić ist ein magischer Geschichtenerzähler!

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Vita

Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad in Bosnien-Herzegowina geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Sein Debütroman "Wie der Soldat das Grammofon repariert" begeisterte Leser und Kritik gleichermaßen und wurde in 31 Sprachen übersetzt.

"Vor dem Fest" wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der renommierte Alfred-Döblin-Preis sowie der Preis der Leipziger Buchmesse 2014.

Saša Stanišić lebt und arbeitet in Hamburg.

© Katja Sämann
Saša Stanišić

Events

12. Dez. 2019

Lesung

19:00 Uhr | Berlin | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

07. Jan. 2020

Lesung und Gespräch

Hamburg | Lesungen
Saša Stanišić
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08. Jan. 2020

Lesung

19:00 Uhr | Düsseldorf | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

17. Jan. 2020

Lesung

20:00 Uhr | Berlin | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

18. Jan. 2020

Lesung

18:00 Uhr | Berlin | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

21. Jan. 2020

Lesung

19:00 Uhr | Schleswig | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

23. Jan. 2020

Lesung

Wien | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

29. Jan. 2020

Lesung

20:00 Uhr | Bielefeld | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

30. Jan. 2020

Lesung

20:30 Uhr | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

05. Feb. 2020

Lesung

19:30 Uhr | Hamburg | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

13. Feb. 2020

Poetikdozentur

12:15 Uhr | Wiesbaden | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

19. Feb. 2020

Vorlesung: Poetikdozentur

19:30 Uhr | Wiesbaden | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

26. Feb. 2020

Lesung

17:30 Uhr | Husum | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

27. Feb. 2020

Lesung

19:00 Uhr | Buxtehude | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

02. Apr. 2020

Lesung: Poetikdozentur

19:30 Uhr | Wiesbaden | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

29. Apr. 2020

Vorlesung: Poetikdozentur

19:30 Uhr | Wiesbaden | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

13. Mai 2020

Lesung: Poetikdozentur

19:30 Uhr | Wiesbaden | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

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