HERKUNFT

Gekürzte Lesung mit Saša Stanišić
Hörbuch CD (gekürzt)
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»Herkunft ist Zufall und wird doch als Absicht verwendet ...« Saša Stanišić

In HERKUNFT geht es um Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Es geht um den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart oft auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh.

Gelesen von Saša Stanišić.

(5 CDs, Laufzeit: 5h 39)


Originalverlag: Luchterhand HC
Hörbuch CD (gekürzt), 5 CDs, Laufzeit: 5h 39 min
ISBN: 978-3-8445-3302-6
Erschienen am  18. März 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Leserstimmen

Der Autor liest selbst: "Herkunft" macht so noch mehr Freude

Von: Marina Büttner

05.07.2019

Dass ich Saša Stanišićs neues Buch „Herkunft“ als Hörbuch auswählte war klar. Denn seine Texte sind von ihm selbst gelesen einfach ein großer Genuss und eine Freude,. „Dreißig Jahre später, im März 2008, musste ich zum Erlangen der deutschen Staatsbürgerschaft unter anderem einen handgeschriebenen Lebenslauf bei der Ausländerbehörde einreichen. Riesenstreß! Beim ersten Versuch brachte ich nichts zu Papier, außer dass ich am 7. März 1978 geboren worden war. Es kam mir vor, als sei danach nichts mehr gekommen, als sei meine Biografie von der Drina weggespült worden.“ Er beginnt seine Erzählung mit der Großmutter, die in ihrem Heimatort auf der Straße nach sich selbst ruft, nach dem Mädchen, dass sie einmal war. Die Großmutter wird dement, vergisst viel, vergisst aber nicht, ihren Enkel beim Besuch oder am Telefon wie früher liebevoll „Esel“ zu nennen. Immer wieder kehrt die Geschichte an den Ort der Großmutter zurück, in das Dorf Oskoruša, in dem noch traditionelle mythische Überlieferungen erzählt werden, wie etwa die vom Drachen. Damit löste sich auch meine Frage, weshalb auf dem Cover ein eher chinesisch anmutender Drache abgebildet ist. Die Familie lebt dann in Višegrad, einer Stadt an der Drina. Vater und Mutter haben eine gute Arbeit. Die Mutter hatte sogar studiert. Doch sie trägt einen Namen, der nach Muslima klingt und als es zu ersten Verfolgungen und Kriegshandlungen im zerfallenden Jugoslawien kommt, flieht sie mit dem Sohn nach Deutschland. Die Familie folgt später nach. Wenn Stanišić über die Erfahrungen seiner Zeit als Flüchtlingskind erzählt, zunächst allein mit der Mutter in Heidelberg, dann mit der ganzen Familie in einer Flüchtlingssiedlung auf engstem Raum mit vielen anderen Nationen, wird sehr deutlich, was es heißt, fremd zu sein. Dass er das alles auf seine verschmitzte, heitere Art erzählt, verbirgt nicht die Traurigkeit, die auch darunter lag und auch die Scham. Scham, ein „Jugo“ zu sein, über die prekären Verhältnisse, in denen die Familie lebt, da die Eltern nicht in ihren ursprünglichen Berufen, sondern als Hilfskräfte ihr Geld verdienen müssen. Für ihn wird es einfacher, er lernt schneller Deutsch, er wird schneller integriert. Die Schulklasse, die vorrangig aus nichtdeutschen Kindern besteht, prägt diese Zeit positiv. aus Kapitel: Die Häkchen im Namen „Allerdings kommt man auch bei der 20. Wohnungsbesichtigung nicht auf die Shortlist, dann wird aus Saša schon mal Sascha mit sch. Es klappt dann zwar auch nicht, aber jetzt liegt es wenigstens am Beruf.“ Stanišić springt in der Zeit hin und her, es ist nicht seine Art chronologisch zu erzählen. Mir scheint es dadurch als eine sehr persönliche, zugewandte Art zu erzählen. Beinah wie ein Zwiegespräch … Sehr besonders, dass er zwei im Text vorkommende Lieder des Vereins der Jugoslawien-Freunde vorsingt (das hat man im Buch nicht!), Lieder, die er aus der Kindheit kennt, und die heute wieder vermehrt Anklang finden bei all jenen, die sich in die Tito-Zeit zurück sehnen und die vermeintlich besseren Zeiten wieder herauf beschwören und den Nationalstolz feiern. Wenn Stanišić von seiner Großmutter erzählt, die erst langsam, dann sehr schnell in die Demenz gleitet, ist es berührend zuzuhören … „Welcher Tag ist heute, Oma?“, frage ich und meine Großmutter sagt, „Alle Tage.“ … oder witzig, wenn er von seinem ersten Verliebtsein in der Schulzeit erzählt, das sich, ob der zunächst geringen Sprachkenntnisse nicht ganz so einfach gestaltet. Und sogar der Bericht über ein Fussballspiel von Roter Stern Belgrad, dessen Fans er und sein Vater waren, fesselt mich in seiner Art, obwohl ich eigentlich Fussball nichts abgewinnen kann. Stanišić ist ein magischer Geschichtenerzähler!

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"Es ist so: Das Land, in dem ich geboren wurde, gibt es heute nicht mehr."

Von: Travel Without Moving

26.04.2019

"Es ist so: Das Land, in dem ich geboren wurde, gibt es heute nicht mehr. Solange es das Land noch gab, begriff ich mich als Jugoslawe. Wie meine Eltern, die aus einer serbischen (Vater) bzw. einer bosniakisch-muslimischen Familie stammten (Mutter). Ich war also ein Kind des Vielvölkerstaats, ich war Ertrag und Bekenntnis zweier einander zugeneigter Menschen, die dieser jugoslawische Melting Pot befreit hatte von den Zwängen unterschiedlicher Herkunft und Religion." (CD 1, Track 4) Saša Stanišić erzählt in ‚Herkunft‘ von seiner Kindheit in Višegrad im östlichen Bosnien, vom Bosnienkrieg und der Flucht seiner Familie nach Deutschland, von der Schulzeit und seinem Studium in Heidelberg, von seinem Leben in Hamburg. Dabei beschreibt er seine alte Heimat Jugoslawien liebevoll und sehnsuchtsvoll, und auch von seinen Eltern und den Großeltern spricht Stanišić voller Zuneigung. Die Schilderungen des Lebens im Vielvölkerstaat Jugoslawien, die Veränderungen durch die Unabhängigkeitserklärungen der einzelnen Republiken, das Ende des friedlichen Zusammenlebens von Bosniaken, Serben, Slowenen, Kroaten etc. sowie die Balkan-Kriege sind oft ebenso tragisch wie komisch, beim Lesen war ich oft amüsiert, aber genauso oft berührt und bewegt ob Stanišićs Erzählungen und seinen Beobachtungen. Stanišić schreibt anspruchsvoll und virtuos, so wie ich es schon von seinem Debütroman ‚Wie der Soldat das Grammofon repariert‘ kenne. Es ist wirklich beeindruckend, wie Stanišić mit Sprache umgehen kann - nicht einmal unbedingt vor dem Hintergrund, dass Deutsch nicht seine Muttersprache ist, sondern generell, denn ich könnte spontan keinen anderen deutschen Autor nennen, der sich so eloquent ausdrückt, aber dennoch verständlich schreibt, flüssig erzählt, perfekt unterhält und so leichtfüßig eine Geschichte zum Besten gibt. Stanišić gelingt es zudem, den Ereignissen einen besonderen Zauber einzuhauchen und sie dennoch vollkommen realistisch wirken zu lassen, so dass man beim Lesen und Hören ein wenig die Wirklichkeit verlässt und die Welt der Magie betritt, obwohl Stanišić von seinen eigenen Erlebnissen erzählt, die er jedoch ausschmückt, bisweilen übertreibt und mit magischen Elementen ausstattet. Dass ‚Herkunft‘ von Stanišić selbst gelesen wird, ist ein besonderes Schmankerl, denn so bekommt das Hörbuch einen ganz eigenen Charme, zumal Stanišić sehr ausdrucksstark und eindringlich liest. ‚Herkunft‘ ist eine tragikomische, berührende und kluge Geschichte über Sprache, Abschied, Neuanfang, Toleranz, Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, Freundschaft, Liebe und (natürlich!) über die Frage, wo wir herkommen und wie zufällige Begegnungen und Begebenheiten über den Verlauf unseres Lebens entscheiden. Mir hat ‚Herkunft‘ sogar noch besser als ‚Wie der Soldat das Grammofon repariert‘ gefallen, und nun freue ich mich darauf, die anderen Bücher von Stanišić zu entdecken. Saša Stanišić: Herkunft. Gekürzte Lesung von Saša Stanišić. der Hörverlag, 2019; 22 Euro.

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Vita

Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad in Bosnien-Herzegowina geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Sein Debütroman "Wie der Soldat das Grammofon repariert" begeisterte Leser und Kritik gleichermaßen und wurde in 31 Sprachen übersetzt.

"Vor dem Fest" wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der renommierte Alfred-Döblin-Preis sowie der Preis der Leipziger Buchmesse 2014.

Saša Stanišić lebt und arbeitet in Hamburg.

© Katja Sämann
Saša Stanišić

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