Hörbuch CD
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"Eine Stunde ist nicht bloß eine Stunde..."

Die Tischordnung beim Diner, der verschwiegene Wink einer Gräfin, die Art, in der ein Minister sein Monokel einklemmt oder eine Herzogin ihren heimlichen Liebhaber vorstellt, die Charaktereigenschaften der Kutscher – all dem widmete Marcel Proust seine ganze Aufmerksamkeit. In diesem Schlüsselwerk erzählt Proust von einer schockierenden Entdeckung: Der Baron von Charlus, sein guter Bekannter, ist homosexuell. Und nicht nur er: In der lasterhaften Welt der besseren Gesellschaft gibt es kaum einen braven Familienvater, der nicht verstohlene Blicke auf hübsche Jünglinge wirft; Mädchen wirbeln Brust an Brust über die Tanzfläche, und unser Held stolpert von einem Eifersuchtsdrama ins nächste.

Mit Michael Rotschopf, Stefan Konarske, Lilith Stangenberg, Gerd Wameling u. v. a.

(5 CDs, Laufzeit: 5h 18)

»Das Musikensemble Modern trägt wesentlich zum Gelingen der opulenten Fassung bei.«

Sächsische Zeitung (09. Februar 2019)

Übersetzt von Bernd-Jürgen Fischer
Originalverlag: Reclam Verlag
Hörbuch CD, 5 CDs, Laufzeit: 5h 18min
ISBN: 978-3-8445-2202-0
Erschienen am  27. August 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Weltliteratur lebendig umgesetzt

Von: Atalante

24.01.2020

Auf das Hörspiel „Sodom und Gomorrha“, einer Gemeinschaftsproduktion von SWR, Dradio Kultur und Der Hörverlag, bin ich während meiner Lektüre des vierten Bands von Marcel Proust „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ gestoßen. Dieser Klassiker beschäftigt mich schon seit einiger Zeit, genau genommen war er sogar der Anlass mein Blog ins Leben zu rufen, wodurch wiederrum andere Bücher in mein Leseleben traten. So schreitet meine Proust-Lektüre gemächlich voran, mittlerweile bin ich im vierten Band gelandet, aber nicht gestrandet. Das Hörspiel mit seinen 318 Minuten auf 5 CDs holt mich also da ab, wo ich bin. Es basiert auf der bei Reclam erschienenen Neuübersetzung von Bernd-Jürgen Fischer, die Manfred Hess für die Produktion bearbeitete. Unter der Regie von Iris Drögekamp sprechen neben anderen Michael Rotschopf (Marcel), Lilith Stangenberg (Albertine), Gerd Wameling (Charlus), Stefan Konarske (Morel) und Matthias Habich (Swann). Das Ensemble Modern stimmt musikalisch in die Atmosphäre der Belle Époque ein. Der vierte Band der Recherche mit dem Titel „Sodom und Gomorrha“ spielt auf Formen gleichgeschlechtlicher Liebe an. Er lässt seine Leserin auf gut 700 Seiten Neues entdecken, bezieht sich aber ebenso mit vielen Motiven, Personen und Orten auf die vorausgegangenen Bände. Wir begegnen Baron de Charlus und verfolgen, wie Marcel entdeckt, was der Leser längst weiß. Die Homosexualität Charlus‘, die bei einem zufälligen Stelldichein mit Jupien, von Marcel beobachtet und gehört wird. Oh Sodom(ie) der Invertierten! Es folgt die Soiree bei der Prinzessin de Guermantes, auf die Marcel schon so lange gefiebert hat. In seinen hohen Erwartungen getäuscht, verfolgt er nicht ohne Amüsement die Gepflogenheiten dieser Gesellschaft. Neben Eitelkeiten und Bosheiten treten dort jede Menge Affairen zu Tage, zuletzt die politische um Hauptmann Dreyfus, über die meist hinter vorgehaltener Hand diskutiert wird. Eine weitere Szene führt ans Meer, nach Balbec, das Marcel schon früher besuchte. Im Grand-Hotel sind der Direktor und das Zimmer gleichgeblieben. Anderes hat sich verändert. Marcels Großmutter ist tot, sie kann ihn nicht mehr begleiten. Er selbst ist erwachsen geworden und nimmt am Gesellschaftsleben teil, was ihm eine Einladung zum „Kleinen Clan“ der Verdurins beschert. In Paris hat er diesen Salon oft gemieden, nun kommt er nicht drumherum, zumal er hofft, dort die Zofe der Madame Putbus anzutreffen und seinen Freund Saint-Loup. Wieder in Paris verfolgen wir, wie Albertine den armen Marcel der Wartequal aussetzt. Später wird der hingehaltene Liebhaber noch mehr zu leiden haben. Er verdächtigt Albertine der Untreue, ausgerechnet mit Andrée, einer Frau. Gomorrha! Es ist eine Herausforderung, die komplexe Struktur der Recherche in ein Hörspiel umzusetzen. Der stete Wechsel vom Erinnernden-Ich, das in verschiedene Stadien seiner Vergangenheit eintaucht, zum Handelnden-Ich charakterisieren den Roman. Das Hörspiel hingegen setzt stark auf Handlungssequenzen, die von Textlesungen unterbrochen werden. Der Umfang des Originals fordert zwangsläufig Kürzungen. Während also Lesungen aus der Fischer-Übersetzung in die Szenen einführen, meist begleitet durch das Kratzen einer Feder, bilden Dialoge den Schwerpunkt. Ihnen kommt der moderne Ton der Neuübersetzung zu Gute, er klingt spontan und alltagsnah. Gewöhnungsbedürftig war in meinen Ohren die Stimme, die Lilith Stangenberg Albertine verleiht. Ihr hoher Kleinmädchenton passt zwar zur vorgegaukelten Naivität, in der Albertine ihre Gerissenheit verbirgt, ist aber auf Dauer enervierend. Die anderen Stimmen, hervorzuheben seien besonders Michael Rotschopf als Erzähler und Gerd Wameling als Baron de Charlus, entsprechen sehr gut ihren Rollen. Hintergrundgeräusche wie Regen, Schritte, Vogelgezwitscher machen die Szenen lebendig. Die musikalische Untermalung hingegen gerät bisweilen etwas pathetisch. Doch dies sind nur geringe Einwände gegen die sehr gelungene Hörspiel-Umsetzung des vierten Bands der Recherche. Da in „Sodom und Gomorrha“ die wichtigen Themenbereiche des Gesamtwerks zu finden sind, kann das Hörspiel auch der ersten Begegnung dienen und in das berühmte Werk Marcel Prousts einstimmen. Oder auch diejenigen Proust-Leser, die zwischen den Zeilen vom Kurs abgekommen ist, erneut zu Proust‘schen Gefilden führen.

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Vita

Marcel Proust

Marcel Proust, 1871 geboren, gilt neben Joyce und Kafka als Begründer der literarischen Moderne. Er führte - schon früh an Asthma leidend - nach Studium und Tätigkeit in der Bibliothèque Mazarine in Paris ein Salonleben, das nur von Reisen unterbrochen wurde. Nach dem Tod seiner Mutter zog sich Proust aus dem sozialen Leben in die Einsamkeit eines schallisolierten, mit Kork ausgeschlagenen Zimmers am Boulevard Haussmann zurück und machte die Arbeit an dem Roman "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" zum einzigen Inhalt seiner Existenz. Im März 1922 beendete er das Werk und betrachtete dies als Erfüllung seines Lebens. Proust starb kurze Zeit später in Paris.

Zur AUTORENSEITE

André Jung war an diversen Theatern engagiert u. a. am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und am Schauspielhaus Zürich. Seit 2004 gehört er zum Ensemble der Münchner Kammerspiele. Zudem wirkte er in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit, u. a. in "Bella Block", "Das Experiment" oder "Im Nordwind". 2000 erhielt er den Rita-Tanck-Schauspielpreis der Hamburgischen Kulturstiftung und 2009 den Nestroy-Preis der Salzburger Festspiele. 1981 und 2002 wurde er von Theater heute zum Schauspieler des Jahres gewählt.

Matthias Habich, Jahrgang 1940, begann 1967 seine Theaterlaufbahn mit Engagements an verschiedenen Bühnen, darunter die Münchner Kammerspiele, das Schauspielhaus Zürich und das Renaissancetheater Berlin. Neben wichtigen Titelrollen am Theater spielte Matthias Habich in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen wie in der ARD-Serie "Klemperer" – Ein Leben in Deutschland, in der Verfilmung des Grass-Romans "Die Rättin" oder in Margarethe von Trottas Verfilmung von Uwe Johnsons "Jahrestage". Für seine Darstellung des Heinrich Cresspahl wurde er mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Im Kino war er außerdem in Caroline Links "Jenseits der Stille" und in ihrem Oscar-prämierten Film "Nirgendwo in Afrika" zu sehen, für den er 2002 den Deutschen Filmpreis als Bester Nebendarsteller erhielt. Für seine Rolle in dem Thriller "Das Urteil" erhielt er 1998 den Adolf-Grimme-Preis. 2005 spielte er in der deutsch-polnischen Verfilmung der "Unkenrufe" von Günter Grass und 2008 in der internationalen Kinoproduktion "Der Vorleser". Für den Hörverlag hat Matthias Habich u. a. in den Hörspielen "Sofies Welt" und "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" mitgewirkt.

Stefan Konarske wurde 1980 in Stade geboren und studierte an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Er wirkte seitdem in zahlreichen Theater- und Filmproduktionen mit, unter anderem als Ensemblemitglied des Deutschen Theaters Berlin und seit 2012 als Oberkommissar des Dortmunder Tatorts. Seit 2011 ist Stefan Konarske zudem Ensemblemitglied am Münchner Residenztheater.

Matthias Habich
Gabriele Heinz
André Jung
Corinna Kirchhoff
Stefan Konarske
Svenja Liesau
Michael Rotschopf
Lilith Stangenberg
Gerd Wameling

Das 1980 gegründete Ensemble Modern ist eines der weltweit führenden Ensembles für zeitgenössische Musik. Derzeit vereint es 18 Solisten aus neun Ländern. Das Ensemble ist bekannt für seine einzigartige Arbeits- und Organisationsweise ohne künstlerischen Leiter und die unverwechselbare programmatische Bandbreite, die Musiktheater, Tanz- und Videoprojekte, Kammermusik, Ensemble- und Orchesterkonzerte umfasst. Es arbeitete u.a. mit Komponisten wie John Adams, George Benjamin, Helmut Lachenmann, Heiner Goebbels, Steve Reich oder Frank Zappa und tritt regelmäßig in etwa 100 Konzerten weltweit bei renommierten Festivals und an herausragenden Spielstätten auf.

Hermann Kretzschmar, seit über 30 Jahren Pianist und Mitglied des Ensemble Modern, arbeitete dort u. a. mit Frank Zappa, Karlheinz Stockhausen, John Cage, Steve Reich, Heiner Goebbels. Seit über 20 Jahren komponiert Kretzschmar Kammermusik (u. a. Solo-CD "Knotts Klavier" bei EM-Medien). Als Hörspielmacher realisiert er Kompositionen für Romanadaptionen (z. B. Thomas Manns "Doktor Faustus", Hörverlag) und eigene Hörstücke frei nach literarischen Motiven, z. B. "Strahlungen" nach Ernst Jünger (HR 2004) oder "Büchners Bote" (SWR 2012).

Hermann Kretzschmar
Ensemble Modern

Pressestimmen

»Die hinreißende Ironie des Textes wird unterstrichen durch das helle, luzide, spitze Spiel des Ensemble Modern. Was für ein synästhetischer Genuss!«

Badische Zeitung (08. Dezember 2018)

»Der SWR-Hörspielchefdramaturg Manfred Hess, der Komponist und Pianist Hermann Kretzschmar und die Regisseurin Iris Drögekamp haben eine großartige akustische Proust-Adaption produziert.«

Badische Zeitung (08. Dezember 2018)

»Allein die schneidend-elegante Schärfe, mit der Erzähler Michael Rotschopf in den schillernden Kosmos aus Dünkel, erotischen Abwegen und Karrieregespinsten führt, ist ein Ereignis!«

WAZ; Iserlohner Kreisanzeiger (17. Dezember 2018)

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