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Harlan Coben - Ich schweige für dich

Harlan Coben über sein Buch "Ich schweige für dich"

Harlan Coben zählt zu den erfolgreichsten Thrillerautoren weltweit. Im Interview spricht er über seinen neuen Roman "Ich schweige für dich", das Arbeiten in Limousinen-Fonds und die Geheimnisse seiner Heimatstadt.


Harlan Coben
© Claudio Marinesco

Adam Price, der Held Ihres neuen Thrillers "Ich schweige für dich", scheint auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen: Er ist Familienvater, glücklich verheiratet und besitzt ein ansehnliches Eigen¬heim in einem der wohlhabenden Vororte New Jerseys. Eines Abends wird Adam von einem Fremden mit einer ungeheuerlichen Behauptung konfrontiert: Adams Frau habe eine Schwanger¬schaft vorgetäuscht. Der Mann liefert Beweise, die zu einer Website führen. Was hat Sie auf diesen Einfall gebracht?

Manchmal kann dein Leben durch einen Pistolenschuss vernichtet werden – aber manchmal ebenso gut durch ein leises Flüstern. Es war dieser Gedanke, der mir dabei gefiel. Adam verbringt einen ganz gewöhnlichen Tag und geht gerade einer typischen Beschäftigung für Eltern nach, als ihm seine Welt auf der ersten Seite mit lautem Knall um die Ohren fliegt, nur wegen ein paar Worte, die ihm ins Ohr geflüstert werden.

Was Adam bei seinen Nachforschungen herausfindet, stürzt ihn in eine tiefe Vertrauenskrise. Durch seine heile Welt geht ein Riss, der ihn nicht nur seine Frau Corinne, sondern seinen Alltag und alle Menschen um ihn herum in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt. Was reizt Sie als Autor an einer solchen Situation der Entfremdung?

Wir alle sind Adam. Wir alle fühlen uns in unserer Welt, umgeben von unseren Angehörigen sicher. Aber was geschieht, wenn diese Welt nur ein wenig in Schieflage gerät? Wir alle befinden uns auf einer Gratwanderung. Was passiert, wenn uns etwas ins Wanken bringt?

Bevor sich aufklären lässt, was geschehen ist, verschwindet Corinne und lässt Mann und Söhne ratlos zurück. Warum ist das Verschwinden von Personen ein häufig wiederkehrendes, zentrales Motiv in Ihren Thrillern?

Wenn jemand ermordet wird, ist es vorbei. Der Tod ist endgültig. Man kann den Fall aufklären oder Gerechtigkeit erwirken. Aber die Person kann nie mehr zurückkehren. Wenn jemand verschwindet, gibt es Hoffnung. Es ist großartig, über Hoffnung zu schreiben, denn dabei geht es um Grenzer¬fahrungen. Die Hoffnung kann Menschen über sich selbst hinauswachsen lassen, aber auch wider¬standslos innerlich zerbrechen.

Die Wahrheit hinter Lebenslügen aufzudecken, treibt die Handlung in Ihren Büchern voran, doch um Spannung geht es dabei nur vordergründig. Welche Themen liegen Ihnen am Herzen?

Oberflächlich betrachtet, ist "Ich schweige für dich" vielleicht ein Thriller und man wünscht sich, dass die Geschichte hinter der Handlung aufgelöst wird. Das hält einen bei der Stange und man kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Aber der Antrieb des Romans besteht aus den Themen Familie, Liebe und Nachbarschaften – und allem voran aus der Frage, wie weit man gehen würde, um die zu beschützen, die man liebt. Es geht dabei immer um Gefühle.

In den vergangenen 25 Jahren haben Sie 25 Romane veröffentlicht, davon zehn Bücher aus der Serie um Myron Bolitar, zwölf Stand-Alones und drei Jugendromane. Ihre letzten acht Thriller standen alle auf Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste, und mit über 60 Millionen verkauf-ten Exemplaren in 43 Sprachen gehören Sie zu den erfolgreichsten Autoren weltweit. Hatten Sie mit zunehmendem Erfolg auch einmal das Bedürfnis, aus der Arbeitsroutine auszubrechen, beispielsweise Ihr Arbeitspensum zu verringern und nicht mehr jedes Jahr, sondern nur noch alle zwei einen Thriller fertig zu schreiben?

Ich denke darüber nach. Aber letztlich setze ich es nie um. Es entspricht zwar ein bisschen einem Klischee, aber ein Schriftsteller verspürt den unausweichlichen Drang zu schreiben. Ich bin sicher, dass ich irgendwann langsamer machen oder mir eine Auszeit nehmen werde. Dieses Jahr habe ich einige Arbeit in zwei Fernseh-sendungen gesteckt (die Serie „Harlan Coben’s THE FIVE“ für den britischen Sender Sky1 und den Sechsteiler „Une chance de trop“ für den französischen Sender TF1), doch im Leben geht es ums Gleichgewicht. Ich muss Vater, Ehemann und Schriftsteller sein können, um mich ausgeglichen zu fühlen. Kommt eines zu kurz, leidet alles darunter.

Neben Ihrem Erfolg als Bestsellerautor sind Sie sind der Einzige, der mit dem Edgar-Award, dem Shamus-Award und dem Anthony-Award geehrt wurde. Nichtsdestotrotz haben Sie sich das Ziel gesetzt, mit jedem neuen Buch besser zu werden. Setzen Sie dieser hohe Anspruch und die kurze Zeit, in der Sie Ihre Bücher schreiben, nicht enorm unter Druck, oder beflügelt das Ihre Kreativität?

Richtigstellung: Ich war der Erste, der alle diese Preise gewonnen hat. Nach mir haben das noch ein paar andere geschafft. An der Arbeit ändern Preise überhaupt nichts. Den Druck habe ich mir immer selbst gemacht – das heißt, ich strebe stets danach, dass mein nächstes Buch mein bestes ist. Wenn ich diesen Drang nicht mehr verspüre, höre ich wahrscheinlich auf zu schreiben.

Um sich nicht von Telefon, E-Mails, ihrer großen Familie oder Arbeiten rund ums Haus ablenken zu lassen, schreiben Sie fast nie daheim. Wo überall haben Sie schon gearbeitet, und ist es für einen bekannten Autor wie Sie überhaupt möglich, ungestört an öffentlichen Orten zu schreiben?

Ich kann überall schreiben. Eine Zeitlang habe ich im Coffeeshop eines großen amerikanischen Supermarkts gearbeitet. Niemand hat mich gestört. Vielleicht weil ich bedrohlich aussah? Während der Arbeit an meinem letzten Buch nutzte ich, statt selbst Auto zu fahren, sogar den Fahrdienst von Uber, setzte mich in den Fond und schrieb. Ich habe schon in Flugzeugen, Zügen, am Strand und in Bibliotheken geschrieben, wo auch immer. Wenn ich einen geeigneten Ort finde, nutze ich ihn – bis es dort nicht mehr funktioniert, und dann suche ich mir einen neuen.

Schreiben ist ein einsamer Job. Wie gut kommen Sie damit zurecht und mit wem tauschen Sie sich über Ihre Arbeit aus?

Unter meinen Freunden sind einige Schriftsteller. Manchmal gehen wir zusammen spazieren. Natürlich habe ich Familie. Und ich habe Lektoren, Agenten und ähnliche Leute. Aber Schriftsteller sind unabhängig. Wir mögen von Zeit zu Zeit gesellig sein, aber es liegt in unserer Natur, dass wir nicht von der Energie anderer zehren. Eigentlich werde ich der Geselligkeit in der Regel rasch überdrüssig. Deshalb fühle ich mich wohl, wenn ich allein bin.

Eines Ihrer Lieblingszitate stammt von E.L. Doctorow: „Schreiben ist wie eine Fahrt durch den Nebel. Man sieht nicht weiter als der Scheinwerfer reicht, aber man kann so die ganze Strecke zurücklegen.“ Hat sich an dieser Situation für Sie in all den Jahren des Schreibens etwas geändert?

Möglicherweise. Ich analysiere den Entstehungsprozess meiner Romane nicht, aber er verändert sich von Buch zu Buch. Manchmal kenne ich eine Geschichte schon sehr gut, bevor ich mit dem Schreiben beginne, manchmal weiß ich noch ganz wenig. Aber so oder so ist es immer eine gewagte Reise ins Ungewisse.

Für einen Bestsellerautor Ihres Ranges, der in Gedanken unentwegt neue abgründige Fälle ersinnt, führen Sie ein erstaunlich unspektakuläres Leben. Ist das nicht schrecklich langweilig?

Ich wuchs in einem ruhigen Vorort auf, der seltsame Geheimnisse barg. Als ich ein kleiner Junge war, gab es in der Stadt bei einer Schule ein mit Stacheldraht umzäuntes Gelände, vor dessen Betreten Schilder warnten. Gerüchten zufolge handelte es sich um einen Stützpunkt für Abwehrraketen, und deshalb hätten wir uns von dort fernzuhalten. Wissen Sie was? Es stimmte tatsächlich! Jetzt ist dort ein Park, aber man kann immer noch die Relikte der alten Startrampen sehen. Es kursierte auch das Gerücht, ein großes schauriges Haus in der Stadt gehöre einem Mafiaboss, der das Vorbild für Don Corleone im Film „Der Pate“ abgegeben habe. Und wissen Sie was? In diesem Haus lebte ein Mafiaboss… und obgleich das nie bewiesen wurde, fand man einen gewaltigen Ofen auf dem Gelände. Sie merken also, dass es sogar in meiner beschaulichen Heimatstadt immer Geheimnisse gibt…

© Goldmann Verlag, Interview: Elke Kreil

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