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Ingar Johnsrud: Der Hirte

Ingar Johnsrud im Interview zu seinem Thriller »Der Hirte«

Wussten Sie, dass sich Ingar Johnsrud schon einmal die Mayonnaise mit Jennifer Lopez geteilt hat?

Eine kurze Biografie:
Ich bin in Oslo zur Welt gekommen und in Holmestrand aufgewachsen, einer kleinen Gemeinde gut 70 Kilometer südlich der Hauptstadt, die am Oslofjord liegt und von Aluminiumproduktion und -recycling lebt. Meine Eltern waren beide Lehrer, und ich habe zwei jüngere Geschwister. Mittlerweile lebe ich in Oslo, wo ich seit dem Studium auch die meiste Zeit verbracht habe. Ich bin Vater dreier Söhne (3, 5 und 10 Jahre alt), und meine Frau arbeitet für einen sozialdemokratischen Thinktank.

Ich habe Film- und Medienwissenschaften studiert, zunächst als Journalist bei der Holmestrander Lokalzeitung Jarlsberg Avis und später bei NRK (öffentlich-rechtlicher Sender) gearbeitet, ehe ich im Ressort Politik beim größten privaten norwegischen Medienkonzern Verdens Gang (VG) anheuerte. Von 2002 bis 2005 war ich VG-Korrespondent in Stockholm, wo ich unter anderem über die Ermordung der schwedischen Außenministerin Anna Lindh und den aufsehenerregenden Knutby-Fall berichtete (ein Mordfall im Umkreis einer Sekte, den ich ansatzweise in Der Hirte aufgegriffen habe). 2016 habe ich meine Anstellung gekündigt und arbeite seither Vollzeit als freier Journalist und Autor.

Mit drei Kindern bleibt nicht allzu viel Zeit für Hobbys, aber ich würde mich selbst als Foodie und Amateur-Wein-Nerd bezeichnen und nicht ohne Stolz behaupten, dass ich mir die meisten Qualitäts-TV-Serien ansehe … was inzwischen gar nicht so wenige sind.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, Schriftsteller zu werden?
Die reine Neugier, würde ich sagen. Ich bin keiner dieser Autoren, die immer schon schreiben wollten. Durch meine langjährige Arbeit als Journalist habe ich allerdings zusehends Interesse an Texten und Sprache entwickelt – und daran, eine Erzählung zu konzipieren und die Aufmerksamkeit des Lesers zu wecken und zu fesseln. Ich wollte die „unausgesprochene Vereinbarung“ zwischen Autor und Leser erkunden und herausfinden, ob ich dazu in der Lage sein würde, Geschichten zu erfinden, die sowohl unterhaltsam, spannend als auch überraschend sind.

Wo finden Sie die Inspiration für Ihre Romane?
Ich habe mal vom sogenannten Netflix-Modell gehört, demzufolge Netflix-Leute sich mit einer großen Gruppe potenzieller Zuschauer zusammensetzen und sie fragen, was sie gern im Fernsehen sehen würden. In einer dieser Runden haben die Befragten wohl gesagt: Korruption, Politik, Sex und Kevin Spacey. Das Resultat war House of Cards. (Keine Ahnung, ob das wahr ist, aber es ist eine gute Anekdote, darum erzähle ich sie gern.)

Ich glaube, etwas ganz Ähnliches hab ich auch gemacht, als ich Der Hirte entworfen habe, nur dass ich, anstatt eine Menge anderer Leute zu befragen, mich selbst fragte, was mir an Krimis am besten gefällt. Ich mag sogenannte Hard-boiled-Ermittlergeschichten, und mich fasziniert, was Menschen in die Arme von religiösen Fundamentalisten treibt. Ich mag Geschichten über Korruption, aber auch Hoffnungsschimmer, Liebe und Verzweiflung. Ich habe immer schon ein Faible für Geschichte gehabt, insofern fühlte es sich ganz natürlich an, eine Vergangenheitsebene einzubauen, die nach dem Ersten Weltkrieg ansetzt und dann bis in den Zweiten Weltkrieg reicht.

Woran schreiben Sie im Moment?
Am letzten Band der Fredrik-Beier-Trilogie, dem dritten Band der Reihe, die mit Der Hirte losgeht.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren? Und warum?
Harper Lee, Ernest Hemingway, Knut Hamsun, Jo Nesbø, Stieg Larsson und Henning Mankell, um nur ein paar zu nennen. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich, Hemingway beispielsweise war sozusagen meine erste literarische Entdeckung als Jugendlicher, und ich finde, sowohl er als auch Hamsun sind Meister darin, durch die Literatur die Tiefen der menschlichen Seele auszuloten. Nesbø, Larsson und Mankell stellen für mich die großen Vorbilder in der nordischen Krimiwelt dar, während Harper Lee eine der besten Schriftstellerinnen ist, die ich jüngst erst entdeckt habe. Ihr dichter, wenn auch langsamer Stil haut mich wirklich um.

Welche Bücher haben Sie in letzter Zeit gelesen?
Im Augenblick lese ich Girl on the Train (Paula Hawkins) und Carson McCullers’ Das Herz ist ein einsamer Jäger.

Wie lautet Ihre Lebensphilosophie?
Versuche, dir nicht allzu viele Sorgen zu machen. Und wenn das nicht funktioniert, mach dir nur um die Dinge Sorgen, die du angehen und ändern kannst.

Was tun Sie, wenn Sie nicht gerade schreiben?
Ich verbringe Zeit mit meiner Familie und mit den Kindern, sehe mir jede Menge Serien und Filme an, ich koche, besuche Konzerte und gehe gern mit Freunden das eine oder andere Bier trinken.

Fünf Dinge über Sie, die wir noch nicht wussten …
1. Ich besitze einen Weinkeller mit (unter anderem) einer schönen Auswahl an deutschen Rieslingweinen.
2. Ich war früher überzeugter Pazifist und habe meinen Ersatzdienst während der Olympischen Spiele in Lillehammer bei der Feuerwehr geleistet.
3. Ich hab mal meine Pommes extra in die Mayo gedippt, die ich mir während eines Interviews mit Jennifer Lopez geteilt habe.
4. Ingar ist ein alter Wikingername, der den Krieger des altnordischen Fruchtbarkeitsgottes Freyr bezeichnet.
5. Ich mag Katzen lieber als Hunde.

Wie würden Sie Ihren Roman mit einem Satz beschreiben?
Der Hirte handelt davon, wie Ideologien und Fundamentalismus jeden von uns dazu verleiten können, Untaten zu begehen – und es ist eine Geschichte, die im Nordic-Noir-Genre verwurzelt ist.

Was hat Sie zu diesem Buch inspiriert?
Mein Wunsch, eine Geschichte zu erfinden, die den Leser bei der Kehle packt und bis zur letzten Seite nicht mehr loslässt. Auf einer anderen Ebene wollte ich zudem erkunden, wie Menschen, die eigentlich gut sind und es gut meinen, gebrainwashed und manipuliert werden können, bis sie teuflische Taten begehen.

Welches ist Ihre Lieblingsfigur und warum?
Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, aber ich glaube, meine Lieblingsfigur ist Fredriks Partnerin Kafa Iqbal. Als junge Muslima in einer männlich dominierten Polizeiwelt mit einem Background beim Nachrichtendienst stellt sowohl ihr Privat- als auch ihr Berufsleben ein Minenfeld aus Verpflichtungen, Erwartungen und Enttäuschungen dar. Sie ist eine starke Figur, die letztendlich weiß, dass sie sich nur auf sich selbst verlassen kann.

Welche Szene war am schwierigsten zu schreiben?
Noch so eine schwierige Frage. Actionszenen sind nicht leicht zu schreiben, weil sie einerseits Tempo erfordern, andererseits aber auch Sinn fürs Detail, für Originalität und für eine düster-humorige Herangehensweise. Diese Szenen hab ich wohl am häufigsten neu schreiben müssen. In anderer Hinsicht schwierig waren die Passagen, die vom Innenleben der Hauptfiguren handelten, von ihren Ängsten und Hoffnungen. Leser von heute erwarten glaubwürdige Charaktere, und um diese Erwartung zu erfüllen, habe ich viel Arbeit investiert.

Was meinen Sie – welchen Lesern wird Ihr Buch gefallen?
Krimileser, die auch Thrillerelemente mögen. Über der Geschichte schwebt die Ahnung einer größeren Verschwörung, ein Gefühl, dass jeder in dem Buch seine eigene Agenda verfolgt. Gleichzeitig hat der Roman historische Elemente: Wir verfolgen eine Gruppe von Rassenbiologen bis hinein in die dramatische, tragische Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Untaten dieser Rassenbiologen stellen eine Art Erbe für die zeitgenössischen Protagonisten dar. Zum anderen ist es aber auch die Geschichte einer starken Liebe, sie handelt von Vätern und Söhnen, von einer christlichen Sekte und den Machtspielchen innerhalb der Polizeibehörde einer Großstadt.

Gibt es noch andere Bücher, die Ihrer Meinung nach mit dem Ihren vergleichbar sind?
Kritiker haben Der Hirte mit den Romanen von Jo Nesbø, Stieg Larsson und Terry Hayes verglichen, und ich denke auch, dass mein Buch sich in derselben Krimilandschaft bewegt. Man könnte darin auch Spuren von Tom Clancy finden, von Dan Browns rasantem Schreibstil und von TV-Serien wie Breaking Bad oder den Sopranos.

Ein paar Worte an Ihre deutschen Leserinnen und Leser?
Lieber Bücherfreund,

die schlimmsten Taten werden von Menschen mit den besten Absichten begangen.

Dieser Satz war mein Leitfaden, als ich die Arbeit an Der Hirte aufgenommen habe. Was treibt grundanständige Menschen in die Arme des religiösen Fanatismus oder zu autoritären Ideologien, in denen Andersgläubige, Leute mit anderen politischen Überzeugungen oder auch nur einer anderen Herkunft als Bedrohung wahrgenommen und als minderwertig angesehen werden?

Zum einen wollte ich erkunden, was gute Menschen dazu treibt, Böses zu tun. Ich wollte zum anderen aber auch einen unterhaltsamen und spannenden Thriller in der Tradition des Nordic-Noir schreiben. Diese Geschichte handelt von Verschwörungen, von Korruption, von einem Polizeiermittler mit einer ganz eigenen persönlichen Tragödie im Hintergrund, und von seiner Partnerin, einer jungen Norwegerin mit pakistanischem Background, die ihren Platz in einer männlich dominierten Machtwelt erst erobern muss.

Der Hirte handelt von Liebe und Hass, von Vätern, die ihre Sünden an die Söhne vererben, von einer christlichen Sekte und einem einsamen Killer.

Danke, dass Sie sich für Der Hirte interessieren. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre und hoffe, dass auch das nächste Kapitel in Fredrik Beiers und Kafa Iqbals Geschichte Sie fesseln wird.

Beste Grüße
Ingar Johnsrud

Der Hirte Blick ins Buch

Ingar Johnsrud

Der Hirte

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