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Interview mit Bernhard Trecksel zu »Nebelmacher«

Wussten Sie, dass Bernhard Trecksel die besten Ideen für seine Bücher beim Duschen oder Abwaschen hat?

Eine kurze Biografie:
Um mein Studium zu finanzieren jobbte ich als Videothekar. Über diesen Beruf und das umfangreiche Filmwissen, das daraus naturgemäß resultiert, fing ich als Kinokritiker für lokale Blättchen an und verfasste sehr lange Zeit sehr polarisierende Kritiken, in denen ich kein Blatt vor den Mund nahm, und hielt auch den einen oder anderen Vortrag. Schließlich machte ich einen doppelten Abschluss in Ur- und frühgeschichtlicher Archäologie sowie Altskandinavistik und entfloh der Alma Mater. Heute bin ich als Übersetzer, Rezensent und Texter tätig.

Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen – Ihre Hobbys, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, was Sie ärgert, welche Gabe Sie gerne besäßen …?
Ich lebe mit meiner Frau und – leider – ohne Hund oder Katze noch immer in Münster. Ich bin leidenschaftlicher Eskapist und absoluter Geek. Ich schaue viel zu viele Serien. Ich spiele – oft und viel zu viel. Seien es Videospiele (die ich auch rezensiere), Brett- und vor allem Tischrollenspiele. Ich unterhalte mehr RPG-Gruppen, als für einen erwachsenen Menschen gesund ist, „der längst mit diesem Mumpitz aufgehört haben sollte“. Außerdem lese ich – gerne und viel zu viel, vor allem Bücher von britischen und US-Autoren aus den Genres Horror, Thriller, Fantasy und Bizarro-Fiction.

Was die Sache mit dem Glück angeht: Ich bin einerseits doch abgeklärt genug, um an so etwas wie „den Traum vom Glück“ nicht zu glauben, andererseits bin ich da bescheiden: So lange meine Rechnungen bezahlt sind, ich ein Dach über dem Kopf weiß, jeder, den ich mag, gesund ist und zu Hause Harmonie herrscht, bin ich … zufrieden. Oh ja: Schreiben macht mich glücklich. Erzählen überhaupt. Zählt das?

Dafür ärgert mich ungefähr alles, ich kann ziemlich cholerisch werden: Öffentliche Verkehrsmittel sind das Böse! Respektlose Menschen, Gedrängel, Einkaufsstress – darauf kann ich nicht. Wie viele Autoren schreibe ich nur, um meinen Ängsten und meiner Sterblichkeit zu entgehen – daher wäre die Gabe, die ich mir wünschte, naturgemäß das ewige Leben: Mich fasziniert die Idee, während der gesamten Entwicklung der Menschheit vor Ort zu sein, alles zu beobachten und daran teilzuhaben. Und mir vor allem die Frage zu beantworten, wer recht behalten wird: Die Optimisten und Utopisten? Oder Typen wie ich, die der Sache „Menschheit“ hier noch ein paar Jahrtausende geben… Ansonsten gehe ich im Winter ganz gerne spazieren und höre dabei – Sie ahnen es – viel zu viel Musik. Vor allem düsteren Metal und Folklore. Im Sommer bin ich ein Stubenhocker. Ich HASSE Hitze.

Was inspiriert Sie zu ihren Büchern?
Ich bin ein klassischer Tagträumer. Es gibt meiner Meinung nach echt nichts, was sich nicht zu einer Geschichte machen lässt – man macht die Morgenzeitung auf, und selbst hinter der schäbigsten kleinen Randnotiz im Lokalteil kann sich, wenn man es denn sehen WILL, ein Mysterium verbergen. Etwas Dunkles oder Fantastisches. Auch ein Spaziergang mit der richtigen Stimmung treibt meine Ideenfabrik an, wenn die Umstände stimmen. Die besten Ideen habe ich allerdings – so seltsam das klingt – bei ganz profanen, alltäglichen Dingen. Beim Duschen oder wenn ich das Geschirr abwasche.

Gibt es bestimmte geografische Orte, zu denen Sie oder Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Ich bin ein Nordlicht, Länder wie Island, Irland, Skandinavien oder Schottland entsprechen meinem Naturell, Landschaft und Leute inspirieren meine Arbeit definitiv. Aber auch die verkarsteten Landschaften Griechenlands und das Mittelmeer haben es mir angetan.

Was lesen Sie selber gerne?
Vor allem intelligent geschriebene, bildgewaltige Geschichten mit einer guten Dosis Humor. Dabei ist mir das Genre eigentlich nicht so wichtig.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
Schwierige Frage, einfach weil es so viele sind. Eine kleine, nicht wertende Auswahl: Stephen King, H. P. Lovecraft, Robert E. Howard, Michael Moorcock, David Gemmell, Dan Abnett, Michelle Houellebecq, R.A. Salvatore, Steven Erikson, G.R.R. Martin, J.R.R. Tolkien, Das Duo Preston/Child, Mike Mignola, Patrick Rothfuss. Und ja, das sage ich gerne: Wolfgang Hohlbein. Er hat viel für die deutsche Fantasy getan und ich verehre ihn als unerschöpfliche „Buchmaschine“.

Wer sind Ihre liebsten Romanhelden?
Howards Conan. Dann wäre da Elric, der sein Widerpart ist. Druss, the Legend. Special Agent Pendergast von Lincoln/Child ist ein genialer Protagonist. Und Robert Craven, der „Hexer“ aus Hohlbeins Cthulhu-Verbeugung, der „Hexer von Salem“, ist eine tolle Figur. Auch wenn er mir zu oft ohnmächtig wird. Kommissar Ibram Gaunt aus Dan Abnetts „Gaunts Geister“-Zyklus, einer Warhammer-40000-Romanreihe, ist auch sehr interessant. Und natürlich Kvothe, the Bloodless. Patrick Rothfuss ist ein Genie, wenn es um das Anlegen von Figuren geht. Auch Mignolas Hellboy und den Punisher liebe ich. Ja, ich mag auch Comics.

Möchten Sie uns 3 Bücher für die einsame Insel empfehlen?
The Complete Chronicles of Conan – ein Sammelband mit allen Conan-Geschichten aus R.E. Howards viel zu früh verstummter Feder.

David Gemmels gesamter Drenai-Zyklus, wahrhaft episch.

Und, das mag jetzt angesichts meiner vorherigen Aufzählungen überraschen: Noah Gordons Der Medicus – kein Buch habe ich öfter gelesen. Keines hat mich mehr begeistert.

Gehen auch vier? Lesen Sie Der Name des Windes von Patrick Rothfuss. Es revolutioniert, was wir über Fantasy zu wissen glauben. Ein Meilenstein.

Was ist für Sie die größte Versuchung?
Zeitvergeudung. Das, was man auch gerne „Rumgammeln“ nennt – mein innerer Schweinehund liegt im ständigen Streit mit meiner Disziplin. So viele Videospiele, Serien, Bücher – so wenig Zeit. Und dann muss das nächste Buch ja noch fertig werden …

Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrezept?
Ich koche tatsächlich sehr gerne – und esse auch sehr gerne, wie man sieht. Mein Lieblingsgericht ist aber vergleichsweise profan. „Stroh und Heu“, Paglia e fieno: Braten Sie Zwiebelwürfel, Kochschinken (oder Speck) und Champignons in Olivenöl UND Butter, also einem Gemisch aus beidem, an. Löschen Sie das Ganze mit Weißwein ab und lassen Sie es einige Zeit köcheln. Geben Sie dann knackige Tiefkühl- bzw. frische Erbsen hinzu. Weiterdünsten, bis fast der gesamte Wein verdunstet ist. Löschen Sie dann mit Sahne ab. Würzen Sie mit Pfeffer und Salz – fertig. Das Ganze serviert man auf Tagliatelle und bestreut mit Parmesan.

Was ist für Sie die optimale Entspannung?
Ganz ehrlich? Klischee, aber: Ein gutes Buch und eine Tasse Tee, dazu ein Pfeifchen. Oder eine sehr, sehr lange Session Videospiele, bei der man Dampf ablassen kann.

Haben Sie ein Lebensmotto?
„By this Axe I rule“ – R. E. Howard

Gibt es eine Person, die Sie persönlich fasziniert?
Robert E. Howard und H.P. Lovecraft. Ich würde viel dafür geben, ein Gespräch mit diesen beiden Brieffreunden, diesen beiden verkannten Genies führen zu dürfen, auch wenn sie mich wahrscheinlich für einen Emporkömmling halten würden. Auch seine Heiligkeit, der 14. Dalai Lama, fasziniert mich sehr. Den würde ich gerne mal treffen.

Welche menschliche Leistung des letzten Jahrhunderts bewundern Sie am meisten?
Da fragen Sie den Falschen. Ich finde, heutzutage muss man ja bereits Höflichkeit als menschliche Leistung werten – und das ist sehr, sehr schade, sie sollte selbstverständlich sein. Nein, Quatsch: Videospiele. Der technische und narrative Quantensprung auf diesem Gebiet faszinieren mich.

Fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen
1. Ich will immer noch eine Oldschool-Deathmetal-Kapelle gründen und dort … „singen“.
2. Man kann immer noch fiese bis lustige Kinokritiken von mir im Netz finden. Geisterkritiken.
3. Ich mag Schäferhunde.
4. Ich verstehe ostfriesisches Platt und kann es leidlich sprechen.
5. 42.

Möchten Sie Ihren Leserinnen und Lesern einen kurzen Gruß schreiben?
Danke, dass Sie mir die Freude machen und lesen, was ich verfasst habe. Danke, dass Sie an mich und meine Geschichten glauben. Das ist für mich alles andere als selbstverständlich, ja, es ist sogar ein Luxus, den ich mir vor Jahren nicht zu träumen gewagt hätte. Ohne Ihre Liebe zu Büchern im Allgemeinen, zum gedruckten Wort, ohne, dass Sie lesen, was meine Finger zu Papier gebracht haben, wäre ich zwar durchaus auch Autor. Aber ich wäre weitaus unglücklicher – und sicher weniger motiviert. Dafür danke ich Ihnen.

Nebelmacher Blick ins Buch

Bernhard Trecksel

Nebelmacher

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