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Interview mit Brigitte Kanitz

Brigitte Kanitz über magische Momente beim Schreiben, ihr Faible für Colin Firth und die Liebe zu Italien

Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen – Ihre Hobbys, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, was Sie ärgert, welche Gabe Sie gerne besäßen …?
Hobby? Sorry, keine Zeit dafür. Zwei Mädels großziehen und als Autorin Geld ranschaffen – das füllt mich aus!

Meine Töchter und ich leben in einer ganz normalen Wohnung (es ist nicht die von Zypressen umstandene Villa am Meer!), aber ganz weit weg sehen wir an klaren Tagen die Adria schimmern. Träume gibt es viele: Die Mädels gut aufwachsen sehen, mehr reisen, der einen oder anderen Leserin ein Schmunzeln entlocken und natürlich auch in Zukunft von meiner Arbeit leben können.

Mich ärgert so leicht gar nichts. Ich wundere mich eher über Leute, die sich über irgendwelchen Kleinkram aufregen.

Eine Gabe? Tja, ich dachte mal, es müsste schön sein, sich alle Wünsche erfüllen zu können, aber nachdem ich Fahr zur Hölle, Schatz! geschrieben und gesehen habe, was mit Svea passiert, habe ich mir das ganz schnell wieder anders überlegt.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
„Aus der Kanitz wird nie eine gute Schreiberin“, sagte vor vielen Jahren mein erster Chef-
redakteur zu einem Kollegen. Ein halbes Jahr später erklärte er: „Eine solche Metamorphose hätte ich nie für möglich gehalten.“ Tja, seitdem, also, seit ich zwanzig bin, schreibe ich. Früher Berichte über Schützenfeste, Kommunalpolitik und Jahreshauptversammlungen der Feuerwehr. Damals ritt ich für Reportagen mit der berittenen Polizei übers Heidekraut, tauchte im Elbe-
Seiten-Kanal, flog im Katastrophenwinter 77/78 im Militärhubschrauber mit und erlebte feucht-fröhliche Bustouren zu Partnerstädten in Frankreich und England.

Inzwischen denke ich mir alles selbst aus, was ich schreibe, aber bei meinen Heideromanen kann ich aus einem reichen Erinnerungsschatz schöpfen.

Wie finden Sie Ihre Themen?
Mit der Inspiration ist das so eine Sache. Da liegt man tagelang auf dem Sofa und wartet, dass sie vorbeischaut. Aus den Tagen werden Wochen, Monate, Jahre. Die kommt aber nicht von selbst. Mein Rezept: Jeden Morgen (und damit meine ich oft wirklich jeden Morgen, auch Samstag und Sonntag) an den Schreibtisch setzen und arbeiten. Gute Figuren erschaffen, am Plot basteln, einen Handlungsverlauf erstellen und dann schreiben, schreiben, schreiben. Und mit ganz viel Glück kommt hin und wieder dieser magische Moment, in dem die Finger kaum noch mitkommen, so schnell fließt die Story aus den Gedanken auf die Tastatur.

An welchem Buch arbeiten Sie gerade?
Da muss ich um etwas Geduld bitten, da ich derzeit eine Pause einlege.

Welche Szene in Fahr zur Hölle, Schatz! war am schwierigsten zu schreiben?
Am schwierigsten ist immer der Anfang, das ist bei jedem Buch so. Die Figuren einführen, eine flotte Handlung schreiben, das ist nicht immer ganz einfach. Aber wenn das geschafft ist, wenn die ersten Kapitel gelungen sind, dann läuft es fast wie von selbst.

Haben Sie eine Lieblingsszene?
Ja, als Svea sich einen Herzenswunsch erfüllt – Körbchengröße C-Fast-D. Und dann kommen die beiden Männer in ihrem Leben hinzu und ...

Da hat meine Tochter aus dem Wohnzimmer hochgerufen: „Mama, was lachst du denn so?“
Ich finde, es gibt nichts Schöneres, als sich bei der Arbeit herrlich zu amüsieren.


Haben Sie eine Lieblingsfigur?
Und wieder mal ist es eine Vertreterin der älteren Generation: Sveas Oma. Sie heißt Lina Amore, ist achtzig Jahre alt und denkt gar nicht daran, sich wie eine vernünftige alte Dame zu benehmen. Sie trägt enge Kleider und hochhackige Pumps, geht tanzen und schleppt den einen oder anderen jüngeren Liebhaber ab. Sie kann aber auch wunderbare Tortellini machen.

Gibt es bestimmte geographische Orte, zu denen Sie oder Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Friesland an der Nordseeküste

Was lesen Sie selber gerne?
Alles! Liebesromane, Thriller, Komödien, Klassiker ...

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
Unter den vielen: John Steinbeck, E. Annie Proulx, Truman Capote, Judith Lennox, James Patterson, Clive Cussler, Harper Lee, Christine Brückner

Wer sind Ihre liebsten Romanhelden?
Emil Sinclair, Jane Eyre, Dirk Pitt, Grete Lüttjens

Möchten Sie uns 3 Bücher für die einsame Insel empfehlen?
Kaltblütig von Truman Capote, Früchte des Zorns von John Steinbeck und (um sich von den beiden zu erholen): Fahr zur Hölle, Schatz!

Was ist für Sie die größte Versuchung?
Derzeit: Ein paar Tage lang in der Abano Terme im warmen Wasser treiben, nicht kochen, nicht einkaufen, nicht mit dem Mama-Taxi hin- und herhasten ... Aber maximal eine Woche, dann wird’s langweilig.

Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrezept?
Auch drei, als echte Wahlitalienerin (Mengenangabe lasse ich weg, da Sie ganz nach persönlichem Geschmack, Fleisch, Fisch und Gemüse nehmen können):

Penne mit Salsicciafleisch
Salsicce, also die besonders gewürzten Würste, deren Fleisch äußerlich dem deutschen Mett ähnelt, gibt es mittlerweile auch in gut sortierten Geschäften in Deutschland zu kaufen.

Das Fleisch aus der Umhüllung drücken und in kleinen Brocken in etwas neutralem Öl braten, bis es gut durch ist. Danach Küchensahne (evtl. mit Milch verlängert), Salz und Pfeffer dazugeben, nur noch ein paar Mal umrühren, fertig.

Dazu: Penne. Wichtig dabei: Die Sorte mit Rillen nehmen, das sie besser die Soße aufnimmt.

Mezzepenne mit Scampi und Zucchini
Die Zucchini klein geschnitten in Olivenöl vorsichtig anbraten, Salz, Knoblauch und etwas Peperoncino dazu. Die Scampi hinzufügen (geht auch mit tiefgefrorenen) und alles auf kleiner Flamme köcheln lassen, bis die Scampi weich sind. Evtl. etwas Wasser oder Fischfond hinzu-
fügen.

Dazu: Penne

Kalte Tomatensoße
So einfach wie lecker: Von ganz frischen, reifen Fleischtomaten die Haut abziehen (wenn nötig kurz überbrühen) und in kleine Stücke schneiden. Reichlich frisches, klein gehacktes Basilikum, Knoblauchsalz und Peperoncino hinzufügen und mit bestem Olivenöl durchmischen. Fertig. Diese Soße hält sich einige Tage im Kühlschrank und kann kalt über die Pasta (z.B. Spaghetti) gegossen werden.

Mein Extratipp: Die Soße schmeckt auch zu geröstetem Weißbrot (z.B. Ciabatta)

Was ist für Sie die optimale Entspannung?
Die Abano Terme!

Haben Sie ein Lebensmotto?
Unser Familienmotto: Wir schaffen das schon!

Gibt es eine Person, die Sie persönlich fasziniert?
Colin Firth. Sagen Sie mir Bescheid, wenn der eine neue Frau sucht?

Welche menschliche Leistung des letzten Jahrhunderts bewundern Sie am meisten?
Müsste ich jetzt sagen: die Mondlandung?

Nein, ich bewundere die Aufbauleistung der Menschen im zerstörten Europa

Fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen:
1) Ich bin ziemlich groß (1,82)
2) Meine Mutter Christa Kanitz schreibt ebenfalls, und zwar noch mit 86 – da muss ich erstmal hinkommen
3) Unser Hund heißt Luna
4) Statussymbole interessieren mich nicht. Ich fahre einen Dacia Logan mit sieben Sitzen. Damit kann ich Töchter und Freundinnen in die Disco karren.
5) Bei jeder neuen Auflage muss ich Prosecco trinken

Möchten Sie Ihren Leserinnen und Lesern einen kurzen Gruß schreiben?!
Liebe Leserinnen und Leser,

wünschen Sie sich auch manchmal, dass all Ihre Wünsche in Erfüllung gehen? Kann ich gut verstehen. Wem geht es nicht so? Aber: so etwas kann auch furchtbar schief gehen, wie bei Svea in diesem Roman. Außerdem: Wäre das nicht zu einfach? Ich meine, wenn man nur mit dem Finger zu schnippen bräuchte oder einen Spruch aufzusagen hätte, um alles zu haben und alles zu sein, was man sich so erträumt – welchen Sinn hätte es dann noch, zu träumen, zu hoffen, zu streben?

Auf jeden Fall war es lustig, mich mit diesem Thema in einem Roman zu befassen. Ich hoffe Sie haben viel Spaß mit Svea, Oma Lina und dem Rest der Familie Amore.

Das zumindest wünsche ich mir wirklich sehr!

Fahr zur Hölle, Schatz! Blick ins Buch

Brigitte Kanitz

Fahr zur Hölle, Schatz!

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