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Interview mit C.J. Box

Interview

Mr. Box, worin liegt der Unterschied zwischen Ihrem neuen Roman »Stumme Zeugen« und Ihren Romanen um Joe Pickett?
C.J. Box: Meine Romane um Joe Pickett verbindet eine kontinuierliche Geschichte, und es tauchen immer wieder dieselben Charaktere auf. »Stumme Zeugen« ist wie ein komplett neues Universum. Fast könnte man sagen, das Land hat die Geschichte selbst hervorgebracht: Zwei Kinder beobachten beim Fischen an einem Bach, wie ein Mann von vier anderen getötet wird. Sie flüchten und verstecken sich, und die Mörder, Exbullen, wie sich herausstellt, gehen in der Stadt zum Sheriff und bieten an, als Freiwillige die Suche nach den vermissten Kindern anzuführen. »Stumme Zeugen« wird in Echtzeit über einen Zeitraum von 48 Stunden erzählt und aus der Sicht von sechs Beteiligten. Der Roman ist ein Wettrennen gegen die Zeit, und nur die Leser kennen alle Sichtweisen. Ich bin der festen Überzeugung, dass »Stumme Zeugen« ein echter Thriller ist.

Wie kamen Sie überhaupt auf den Plot von »Stumme Zeugen«?
C.J. Box: Als mir in Los Angeles ein Ex-LAPD-Police-Officer erzählte, wie viele seiner ehemaligen Kollegen ins äußerste Nordidaho gezogen waren. Und dass dort schon jede Menge ehemaliger LAPD-Polizisten wohnten. Irgendwie hat mich das angemacht, und ich fuhr rauf, mir das näher anzusehen und zu recherchieren.

Mussten Sie viel recherchieren?
C.J. Box: Ich recherchierte in Südkalifornien und Nordidaho. In Südkalifornien fuhr ich zur Pferderennbahn in Santa Anita. An diesem Tag fand kein Rennen statt. Dennoch fand ich ein offenes Tor und schaute mir alles genau an. Ganz allein. Ich war der einzige Mensch auf dem ganzen Areal, was ziemlich unheimlich war. In Nordidaho wollte ich von vielen Menschen wissen, was sie davon halten, dass nun in ihre Heimat so viele Ex-Cops aus Kalifornien ziehen. Und beim Reden mit diesen Menschen entstand Stück für Stück meine Geschichte.

Was war für Sie der spannendste Teil beim Schreiben von »Stumme Zeugen«?
C.J. Box: Das Zusammenspiel der Charaktere in Echtzeit war richtig aufregend. Das hinzukriegen war auch eine ziemliche Herausforderung. Aber als ich sah, dass es funktionierte, war ich begeistert.

Sie sind ja mittlerweile ein ziemlich erfolgreicher Autor. Wie hat das Ihr Leben verändert?
C.J. Box: Ich kann mir besseren Bourbon leisten. Nein, im Ernst: Durch den Erfolg kann ich meinen Traum leben und Romane schreiben, und ich kann andere Autoren, die ich immer bewundert habe, kennenlernen.

Warum sind Sie so erfolgreich. Was denken Sie?
C.J. Box: Das frage ich mich schon manchmal selbst. Ich denke, ein gut Teil liegt darin begründet, dass ich meine Charaktere als ganz alltägliche Menschen schildere: Sie arbeiten hart, sie setzen sich für etwas ein, sie machen Fehler und sie sind keine Superhelden. Ich glaube, dass das viele Leser mögen. Ein weiterer Faktor könnte sein, dass meine Romane um tatsächlich existierende Fakten herumgestrickt sind: etwa das Artenschutzgesetz, Ökoterrorismus und so. Ich bemühe mich sehr, beide Seiten vieler Kontroversen darzustellen und zwar ausgewogen. Es gibt keine Formel. Jedem kann alles passieren. Wie im richtigen Leben.

Die Fragen stellte Bernd Degner,
Heyne Verlag, Presseabteilung