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Interview mit Carla Montero zu »Das Mädchen mit den Smaragdaugen«

Wenn Carla Montero nicht gerade schreibt oder sich um ihre 4 Kinder kümmert, macht sie zum Ausgleich gern ein bisschen Yoga.

Eine kurze Biografie:
Ich habe Jura und BWL studiert und fünf Jahre lang den Bereich Ausbildung in einem multinationalen Konzern geleitet. Nach der Geburt meiner ältesten Tochter habe ich mich aus dem Berufsleben zurückgezogen. Inzwischen habe ich vier Kinder, und neben dem Schreiben nimmt ihre Erziehung meine ganze Zeit in Anspruch. Zu meinen Hobbys gehören Reisen und Lesen, ich koche gern und gehe gern ins Kino, außerdem mache ich Yoga. Um all meinen Interessen nachzugehen, bräuchte ich eigentlich noch ein zweites Leben!

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Dass ich nicht nur schreibe, sondern meine Bücher auch veröffentlicht werden, hat sich eigentlich durch Zufall ergeben. Es war mir immer eher unangenehm, anderen meine Texte zu zeigen, deshalb wollte ich damit auch nicht unbedingt an die Öffentlichkeit treten. Aber dann hat mich mein Mann dazu ermutigt, am Wettbewerb des Círculo de Lectores teilzunehmen, und ich habe tatsächlich gewonnen. So hat alles angefangen. Ich muss allerdings dazusagen, dass ich immer schon gern Geschichten erzählt habe. Von klein auf habe ich mir (mit meinen Barbiepuppen oder Playmobilfiguren) eigene Abenteuer ausgedacht, und mit fünfzehn habe ich eines Tages beschlossen, wie meine Lieblingsschriftsteller eine dieser Geschichten auf Papier festzuhalten.

Wo finden Sie Ihre Themen?
Einfach überall! Mich inspirieren Musik, Kunst, Kino, Dokumentationen … Die Geschichte der Menschheit genauso wie die kleinen Geschichten berühmter und ganz normaler Menschen aus früheren Zeiten.

Wie würden Sie Ihren Roman Das Mädchen mit den Smaragdaugen in einem einzigen Satz beschreiben?
Das haben meine Verleger viel besser hinbekommen, als ich das jemals könnte: Das Geheimnis eines verschwundenen Bildes verbindet zwei Liebesgeschichten miteinander, die durch den Lauf der Zeit getrennt waren.

Was hat Sie zu Ihrem Roman inspiriert?
Eine BBC-Dokumentation über die Beutekunst der Nazis. Vor dieser Doku wusste ich nur wenig über diesen Kunstraub und vor allem seine Konsequenzen. Bis heute bleiben einige der geplünderten Werke verschwunden oder können ihren rechtmäßigen Besitzern nicht zurückgegeben werden. Ich habe mir gedacht, dass man daraus eine schöne Geschichte machen könnte, um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen. Sie sollte über den geschichtlichen Rahmen und die allgemeinen Umstände dieses Verbrechens hinausgehen und sich auf die Erlebnisse der Familien konzentrieren, die unter der Plünderung ihrer Kunstwerke im Rahmen des Holocausts gelitten haben.

Welche Szene war am schwierigsten zu schreiben?
Normalerweise fallen mir Sex- und Gewaltszenen schwer, weil es gar nicht so einfach ist, nicht auf die üblichen Klischees zurückzugreifen und ein hochwertiges Ergebnis zu erreichen. In Das Mädchen mit den Smaragdaugen war für mich jedoch die Szene am schwierigsten, in der Sarah nach der Deportation ihrer Familie in ihr verlassenes Zuhause heimkehrt. Während sie durch die stillen leeren Räume wandert, quälen sie die Erinnerungen an ihre Eltern, ihre Geschwister, ihr Leben vor dem Krieg … bis sie unter ihrer Trauer und Sehnsucht zusammenbricht. Als ich das geschrieben habe, sind mir all die Menschen in den Sinn gekommen, die Ähnliches durchgemacht haben und mit deren Zeugnis ich mich während meiner Nachforschungen beschäftigt habe. Ich musste daran denken, wie sehr sie gelitten haben und wie ohnmächtig sie sich angesichts dieser Ungerechtigkeit gefühlt haben müssen. Meine Szene ist fiktiv, in Wirklichkeit haben sich jedoch ähnliche oder noch viel schlimmere Situationen abgespielt.

Haben Sie eine Lieblingsfigur?
SS-Sturmbannführer Georg von Bergheim. Diese Figur zu gestalten war eine komplexe Aufgabe, weil ich mich mit der wirren Psyche eines Mannes beschäftigen musste, der hin- und hergerissen ist zwischen seinem Patriotismus und der Notwendigkeit, mit dem Voranschreiten des Krieges nicht länger die Augen vor der furchtbaren Wirklichkeit zu verschließen: vor dem Holocaust, dem Leiden der Zivilbevölkerung, den Massakern, der Folter, der Missachtung von Rechten … Am Ende stellt er sich trotz seiner SS-Uniform als integer heraus, als guter Mensch, dessen Charakter nicht vom Krieg verdorben wurde, auch wenn sein Verstand darunter gelitten hat. Ich halte es für wichtig, solche vergessenen Figuren wieder ans Licht zu holen, die der Geschichtsschreibung der Sieger zum Opfer gefallen sind, und die mit den Nazis und ihren grauenhaften Taten in einen Topf geworfen wurden wie in ein Massengrab.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
Ich lese sehr gerne englische Autoren des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Meine Lieblingsbücher sind viktorianische Romane, wegen ihrer Eleganz und des Ambientes, der Porträts der Gesellschaft ihrer Zeit. Ich bewundere Oscar Wildes feine Ironie, Dickens zauberhafte Erzählerstimme, Agatha Christies elegante und scharfsinnige Spannung, Conan Doyle … Bei Sturmhöhe bekomme ich geradezu Gänsehaut … Aber wenn ich mich für ein einziges Buch entscheiden müsste, wäre das wohl Rebecca von Daphne du Maurier. Dieser Roman hat aus meiner Sicht einfach alles: Romantik, Spannung, einen tollen Handlungsort, gekonnt charakterisierte Figuren …

Was lesen Sie selber gerne?
Snobs von Julian Fellowes, 1984 von George Orwell, Cartas a Palacio von Jorge Díaz, Anna Karenina von Tolstoi, Todo lo que existe von Ángeles Sánchez Domínguez und El maestro del Prado von Javier Sierra.

Was tun Sie, wenn Sie nicht schreiben?
Eigentlich schreibe ich immer – auch gerade! ;) Oder ich bin auf Promo-Tour. Außerdem muss ich ja auch noch meine Kinder von der Schule abholen, ihnen bei den Hausaufgaben helfen und das Abendessen machen … Als Mutter hat man alle Hände voll zu tun! Wenn mir dann noch Zeit bleibt, reise ich gerne, lese viel, mache Yoga …

Haben Sie ein Lebensmotto?
Lass dich niemals so von dem Wunsch einnehmen, dein Ziel zu erreichen, dass du die Schönheit des Weges nicht mehr genießen kannst.

Fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen
Ich glaube, inzwischen wissen Sie eigentlich schon alles … Vielleicht abgesehen davon, wie gerne ich esse, und dass ich eine echte Naschkatze bin. ;)

Möchten Sie noch ein paar Worte an Ihre deutschen Leserinnen und Leser verfassen?
Liebe deutsche Leserinnen und Leser,

ich freue mich, Ihnen hier meinen ersten Roman zu präsentieren, den ich voller Respekt und sogar Bewunderung für die Menschen geschrieben habe, deren Leben trotz aller Hindernisse ein Beispiel für Loyalität und Heldentum ist. Während monatelanger Recherchen habe ich mich mit den persönlichen Geschichten vieler Männer und Frauen aus Deutschland beschäftigt, die nicht in den Geschichtsbüchern stehen. Einige von ihnen haben mir als Vorlage für die Figuren in Das Mädchen mit den Smaragdaugen gedient, und ich hoffe, dass sie Ihnen genauso zu Herzen gehen wie mir und Tausenden von Lesern in Spanien. Gleichzeitig werden Sie der Magie und Schönheit von Kunst begegnen sowie die Geheimnisse eines ganz besonderen Bildes entdecken. Auf Sie warten packende Momente voller Spannung und Gefahr … und vor allem Romantik. Denn Das Mädchen mit den Smaragdaugen ist in erster Linie eine wunderbare Liebesgeschichte, in der die Liebe über alles andere siegt.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei dieser ebenso spannenden wie lehrreichen Reise.