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Interview mit Doris Cramer

Doris Cramer über ihre Liebe zu den islamischen Ländern und ihren Traum auf einem Kamel sitzend zu reisen und zu schreiben

Eine kurze Biografie:
Lebensprägend waren Leselust und Buchhändlerlehre, durch die ich die Bücherwelt von der Pike auf kennenlernte. Auf zwölf Buchhändlerjahre folgten knapp dreißig kreative Jahre mit Aufbau und Pflege einer kommunalen Bibliothek. Die täglichen Kontakte zu Leserinnen und Lesern, die Suche nach der „richtigen“ Lektüre, die Gespräche über Bücher und mehr und die zahlreichen Veranstaltungen in der Bibliothek waren spannend, abwechslungsreich und sehr bereichernd.

Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen – Ihre Hobbies, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, was Sie ärgert, welche Gabe Sie gerne besäßen …?
Ich bin zuverlässig, liebe meine Familie und mein schönes Zuhause und reise gern auf eigene Faust durch islamische Länder. Angst habe ich dabei noch nie verspürt, auch nicht, seitdem viel von Fanatisierung die Rede ist.

Von Marokko bis Syrien (Ausnahmen Algerien und Libyen) habe ich alle Länder des „islamischen Halbmonds“ bereits mehrfach bereist, Schwerpunkt ist dabei Marokko. Es sind die Landschaften, aber mehr noch die Bräuche und Lebensumstände der dortigen Menschen, die mich anziehen. Über ihre Gewohnheiten und Alltagsumstände, ihre Geschichte und Geschichten, über Kunst und Kultur würde ich am liebsten restlos alles erfahren!

Mit meinen unterhaltenden Romanen möchte ich zum Brückenbau beitragen: Einerseits natürlich zwischen Büchern und Menschen, andererseits zwischen den Kulturen Nordafrikas und unserer westlichen Welt. Hier möchte ich Vorurteile abbauen helfen und Mut zur Begegnung machen.

Darüber hinaus liebe ich den Duft alter Bücher, lese viel und habe gern Freunde zu Gast.

Und mein Traum vom Glück? Mit dem Laptop auf einem Kamel sitzend durch die Wüste zu reisen und dabei zu schreiben – diesen Traum pflege ich bereits seit Jahren.

Welche Gabe ich gern besäße …? Ich würde gern Arabisch sprechen, aber zum konsequenten Lernen fehlt mir einfach die Geduld.

Wie kamen Sie zum Schreiben und was inspiriert Sie zu Ihren Büchern?
Die ersten Texte entstanden aus privaten Tagebüchern, die ich von jeder Reise mitbringe. Inspiriert von Erlebnissen in Marokko ab Mitte der 1980er Jahre entstanden daraus allmählich auch fiktionale Texte. Diese ersten Gehversuche erzählenden Schreibens liegen allerdings bis heute in der berühmten „Schublade“, und dort ruhen sie ausgezeichnet!

Speziell aus Marokko bringe ich auch heute, nach inzwischen ungezählten Reisen (vermutlich so um die 30), immer noch mehr neue Fragen mit als Antworten. Und obwohl die Welt gefühlt immer näher zusammenrückt und mehr und mehr ihrer Geheimnisse beraubt wird, bleiben die Länder jenseits des Mittelmeers für mich zugleich vertraut und nah, sowie fremd und rätselhaft, und immer faszinierend. Sie sind mir stets wieder Quelle neuer Ideen.

Was inspiriert Sie?
Haben nicht alle Autoren ihre eigenen, oft sehr speziellen Hauptthemen, die sie stets von neuem antreiben? Bei mir sind das neben Kultur und Landschaft Nordafrikas das weite Feld „Frauen und Familie“. Bisher wurde ich von persönlichen Beobachtungen inspiriert, aber auch von Erlebnissen, die mir andere Personen anvertrauten.

Zum aktuellen Buch Die Wolkenfrauen war das u.a. die Begegnung mit sahraouischen Bauern, die ich 1988 in Südmarokko traf. Sie vertrauten den Versprechungen des marokkanischen Königs Hassan II und verließen – auf der Suche nach Frieden – ihre Heimat Westsahara. Ihre Hoffnungen wurden durch das Umsiedlungsprojekt jedoch nicht erfüllt, sie fühlten sich betrogen.

Damals begann meine Beschäftigung mit dem Westsahara-Konflikt und damit die Recherche zu Die Wolkenfrauen.

An welchem Buch arbeiten Sie aktuell?
Das neue Projekt trägt den Arbeitstitel Eine Prise Marrakesch. Es wird um Sternegastronomie und um Rezepte aus der “Heimwehküche“ gehen, außerdem um ein vergessenes Grand-Hotel, um vier Menschen in den Vierzigern mit Blessuren, aber auch um Hoffnungen, und natürlich um Marrakesch. Schließlich können in dieser Stadt mit Palästen wie aus 1001-Nacht Träume wahr werden ...

Gibt es bestimmte geographische Orte, zu denen Sie oder Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Marokko, Nordafrika

Was lesen Sie selber gerne?
Moderne Romane, Historische Romane, Familiengeschichten, Autobiographien

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
Gute Geschichtenerzähler: Margaret Atwood, Paul Auster, John Irving, Tania Blixen, Paul Bowles, Tahar Ben Jelloun, Anna Gavalda, Alberto Vazquez-Figueroa, Andrea Camilleri, Charlotte Thomas, Elias Canetti und ca. 100 weitere.

Möchten Sie uns 3 Bücher für die einsame Insel empfehlen?
Paul Auster, Mr. Vertigo, Paul Bowles, Himmel über der Wüste, Carlos Ruiz-Zafón, Friedhof der vergessenen Bücher-Trilogie, außerdem unbedingt Robert L. Stevenson, am besten die Gesamtausgabe, Moshin Hamid, So wirst du stinkreich im boomenden Asien sowie 100 weitere …

Was ist für Sie die größte Versuchung?
Marzipan und filterlose Gauloises – immer noch unwiderstehlich

Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrezept?
Vorspeise, schnell und lecker: Gebackener Ziegenkäse mit Honig und Thymian

1 Rolle Ziegenfrischkäse (ca. 200 g) in vier Teile schneiden und in eine gefettete Form setzen. Je 1 Teelöffel Honig und Blätter von frischem oder getrocknetem Thymian darauf verteilen. Im vorgeheizten (Heißluft ca. 200 C) Backofen ca. 20 Minuten backen. Dazu pro Portion je ein Sträußchen Feldsalat (Salatmarinade nach Geschmack) und frisches Baguette

Was ist für Sie die optimale Entspannung?
Stapel Bücher + trockener Rotwein + knisterndes Kaminfeuer: Klingt kitschig, ist aber unübertroffen!

Haben Sie ein Lebensmotto?
Neugierig bleiben und Fragen stellen: Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt. Sieh sie dir an.

Welche Organisation oder welches Projekt würden Sie gerne unterstützen – oder tun dies bereits?
Frauenhaus und Frauennotruf
Christian Springers „Orienthelfer e.V.“ (https://de-de.facebook.com/orienthelfer/)

Wollen Sie Ihren Leserinnen und Leser einen kurzen Gruß schreiben – wir würden uns freuen!
Liebe Leserinnen und Leser,

die Personen, von denen ich in meinen Büchern erzähle, werden mir während des Schreibens zu derart nahen und lieben Vertrauten, dass ich gemeinsam mit ihnen hoffe, leide und liebe und sie am Ende der Geschichte nur höchst ungern gehen lasse. Ihnen wünsche ich dasselbe beim Lesen, außerdem natürlich sehr gute Unterhaltung.

Die Wolkenfrauen Blick ins Buch

Doris Cramer

Die Wolkenfrauen

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