VERLAGSGRUPPE RANDOM HOUSE - BERTELSMANN
Menü

Interview mit Henriette Hell zu »Achtung, ich komme!«

Wussten Sie, dass Henriette Hells größte Versuchungen Indien, Champagner und Marilyn Manson sind?

Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen – Ihre Hobbies, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, was Sie ärgert, welche Gabe Sie gerne besäßen …?
Meine Leidenschaft ist das Reisen, vor allem Indien und Südostasien haben es mir angetan. Glück – das ist für mich der Moment, in dem der Flieger abhebt, wenn ich in einer heißen Nacht in einem Tuk-Tuk durch eine fremde Großstadt wie Bangkok düse, wenn ich auf dem Dach eines schäbigen Hostels bei einem Bier mit außergewöhnlichen Leuten über den Sinn des Lebens philosophieren kann oder wenn ich in einem kleinen Holzboot bei Sonnenaufgang über den Ganges schippere.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Als ich im Kindergarten war, schenkte mir mein Vater eine alte Schreibmaschine, auf der ich schon im Alter von 5 Jahren Kurzgeschichten tippte. Damit habe ich nie wieder aufgehört.

Was hat Sie zum Schreiben von Achtung, ich komme! inspiriert?
Mein eigenes Sexleben. Ich fand, es war an der Zeit, dass mal eine Frau ehrlich sagt, wie es wirklich ist mit dem weiblichen Orgasmus.

Was ist die Botschaft ihres aktuellen Buches?
Ich möchte Frauen, für die Orgasmen beim Sex eine Seltenheit sind, eine Last von den Schultern nehmen. Denn Fakt ist: Einem Drittel aller Frauen geht es ganz genauso! Es redet nur kaum eine darüber, weil das Nicht-Kommen in unserer sexualisierten Gesellschaft als ein Tabu oder Makel begriffen wird. Achtung, ich komme! ist ein Plädoyer für mehr Gelassenheit und Spaß im Bett, statt Druck und Selbstzweifel.

Das Ziel meines Buches ist die dauerhafte Befreiung des weiblichen Orgasmus, der nicht mehr vorgetäuscht oder erzwungen werden, sondern die Freiheit genießen soll, dann zu kommen, wann, wie und mit wem es ihm passt.

Welche Szene daraus war bisher am schwierigsten zu schreiben?
Bei den Sexszenen habe ich teilweise lange überlegt, wie detailliert ich werden soll. Ich wollte weder zu versaut schreiben, noch meine Leser/innen mit allzu plastischen Beschreibungen langweilen. Letztlich habe ich einfach meine ganz normale Alltagssprache benutzt, um den jeweiligen Sex zu beschreiben.

Haben Sie ein Lieblingskapitel?
Ich mag die Kapitel, die in Tansania spielen, weil ich dort als „Mzungu“ automatisch zum Sexsymbol wurde – und mir gleichzeitig an meinem gottesfürchtigen Arbeitskollegen Erick die Zähne ausbiss, nachdem er herausgefunden hatte, dass ich aus der Kirche ausgetreten bin. Aus Frust habe ich mich dann mit einem tansanischen Fernsehstar eingelassen – und den schlechtesten Sex meines Lebens kassiert. Ich muss jedes Mal lachen, wenn ich meine entsprechenden Tagebuch-Einträge dazu lese, die ich für das Buch natürlich ein wenig zensiert habe ...

Nach welchen Kriterien haben Sie die Reiseziele ausgesucht, über die Sie in Achtung, ich komme! berichten?
Sie sollten den größtmöglichen Gegensatz zu dem bilden, was ich in meinem normalen Alltag in Hamburg gewohnt war. Ziele, bei denen viele meiner Freunde und Familienmitglieder den Kopf geschüttelt und mich gefragt haben: „Spinnst du? Was willst du denn DA?!“ – eben Orte, die der Durchschnittsbürger wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommt, aber in die er jetzt mithilfe meines Buches trotzdem vordringen kann.

Was lesen Sie selber gerne?
Geschichten, die in Indien, Japan oder Afghanistan spielen.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
Haruki Murakami, Rocko Schamoni, Khaled Hosseini, Helge Timmerberg

Möchten Sie uns 3 Bücher für die einsame Insel empfehlen?
Die Pilgerreise des farblosen Herrn Tazaki von Haruki Murakami, Shantaram von Gregory David Roberts, Traumsammler von Khaled Hosseini, Risiko des Ruhms von Rocko Schamoni

Was ist für Sie die größte Versuchung?
Indien. Champagner. Marilyn Manson.

Was ist für Sie die optimale Entspannung?
Yoga in der freien Natur. Sauna. Gute Musik.

Gibt es eine Person, die Sie persönlich fasziniert?
Betty Page – weil sie den geheuchelten Moralvorstellungen der Nachkriegsgesellschaft den Rücken zugekehrt hat. Und Walther White, den Crystal Meth-kochenden Chemielehrer aus der Serie Breaking Bad – seine Figur zeigt die Abgründe der menschlichen Seele.