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Interview mit Jennifer Niven zu »All die verdammt perfekten Tage«

Wussten Sie, dass Jennifer Niven mit dem berühmt berüchtigten Banditen Jesse James verwandt ist?

Interview mit Jennifer Niven

Jennifer Niven
© Louis Kapeleris

Einige Worte zu Ihrer Biografie …
Meine Eltern stammten beide aus North Carolina, wo ich auch geboren wurde. Ich bin als Einzelkind aufgewachsen. In der vierten Klasse zogen wir nach Indiana um, wo ich – wie Violet und Finch – die Highschool besuchte. Und wie Violet konnte auch ich es nicht erwarten, von dort fortzukommen und die Welt zu sehen. Ich habe erst an der Drew University in New Jersey Englisch und dann am American Film Institute in Los Angeles Drehbuchschreiben studiert. Ein Kurzfilm, den ich am AFI geschrieben hatte, wurde mit einem Emmy ausgezeichnet. Ich lebe inzwischen seit sechzehn Jahren in Los Angeles, meiner absoluten Traumstadt. Mein Verlobter und ich haben drei literarisch inspirierte Katzen: Lulu, Rumi und Scout. Ich bin eine begeisterte Leserin, gehe gern tanzen und bei gutem Wetter wandern. Ich sammele antiquarische Bücher und alles, was mit ABBA zu tun hat. Ich liebe alte Hollywoodfilme und roten Lippenstift und verbringe am liebsten Zeit mit der Familie und mit Freunden. Ich engagiere mich für den Tierschutz und verreise, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Und ich verbringe eine Menge Zeit mit den talentierten jungen Mitarbeitern meines Online-Magazins Germ (www.germmagazine.com), einem Projekt von und für Mädchen im Highschool-Alter und darüber hinaus.

Was hat Sie dazu bewogen, Schriftstellerin zu werden?
Ich habe meine Zeit immer schon am liebsten mit Schreiben verbracht – schon als kleines Mädchen. Meine Mutter war Autorin, und so erfuhr ich aus erster Hand, wie anstrengend das sein konnte – fast wäre ich deshalb auch selbst nicht Schriftstellerin geworden. Ich habe diverse andere Dinge ausprobiert, musste aber feststellen, dass ich einfach nicht NICHT schreiben konnte. Daher habe ich mich nach dem College-Abschluss schließlich doch kopfüber in das Schreiben gestürzt.

Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Romane?
Aus dem Leben, von anderen Menschen, aus wahren Begebenheiten, die derzeit passieren oder die vor vielen Jahren passiert sind.

An welcher Geschichte arbeiten Sie zurzeit?
Ich schreibe zurzeit meinen zweiten Jugendroman – die recht unkonventionelle Liebesgeschichte zwischen einem Jungen, der sich keine Gesichter merken kann, und einem Mädchen, das sich unsichtbar fühlt, obwohl sie überaus sichtbar ist. Es geht darin um das Sehen, Gesehen-Werden und um die Erkenntnis dessen, was wichtig ist.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren, und warum?
In allererster Linie Penelope Niven, meine Mutter – sie ist nicht nur meine Lieblingsautorin (weil sie brillant war, hinreißende, fast schon lyrische Texte geschrieben hat und einfach meisterhaft Geschichten entwickeln konnte), sondern sie war auch mein Lieblingsmensch. Darüber hinaus mag ich Flannery O’Connor, Shirley Jackson, Harper Lee und Ray Bradbury, weil ihre Texte so knapp und trotzdem kraftvoll sind. Von diesen vier ist Flannery O’Connor die Beste, finde ich. In Sachen Humor und Düsterkeit kommt einfach niemand an sie heran. Truman Capote mag ich auch – von allen Büchern (außer meinen eigenen) hätte ich Kaltblütig am liebsten selbst geschrieben. Die Brontë-Schwestern und ihre düstere, finster-romantische Welt gefallen mir ebenfalls.

Welche Bücher haben Sie gerade erst gelesen?
Girl On the Train von Paula Hawkins, We Were Liars von E. Lockhart und Sommerdiebe von Truman Capote.

Was ist Ihr Lebensmotto?
Mach’s dir hübsch. Freu dich. Bring der Welt und den Menschen (und den Tieren) um dich herum deine Wertschätzung entgegen. Sei immer freundlich.

Was tun Sie, wenn Sie nicht gerade schreiben?
Ich schreibe immer! In den wenigen freien Minuten, die mir bleiben, lese und recherchiere ich, gehe Ideen für neue Geschichten auf den Grund, verreise oder wandere mit meinem Verlobten durch Los Angeles, treffe Familie und Freunde, sehe mir meine Lieblingsserien im Fernsehen an, arbeite an meinem Magazin Germ oder gehe tanzen.

Fünf Dinge, die wir nicht von Ihnen wissen:
1) Die ersten drei Jahre meines Lebens habe ich in Japan verbracht.
2) Ich kann bauchtanzen.
3) Das allererste Buch, das ich besaß, haben meine Eltern geschrieben: Teen Cuisine: Ein Kochbuch für Jugendliche mit Zahnspangen
4) Ich bin eine Urenkelin zweiundzwanzigsten Grades von Geoffrey Chaucer, dem Autor der Canterbury Tales, und außerdem mit den berüchtigten Banditen Jesse James und Pretty Boy Floyd verwandt.
5) Niven ist eigentlich mein Zweitname.

Fassen Sie Ihren Roman bitte in einem einzigen Satz zusammen.
All die verdammt perfekten Tage ist die Geschichte eines Mädchens, das von einem Jungen, der sterben will, zu leben lernt.

Was hat Sie zu diesem Roman inspiriert?
Ich habe vor Jahren einmal einen Jungen geliebt und verloren. Diese Erfahrung hat mein Leben verändert.

Haben Sie in Ihrem Roman eine Lieblingsfigur, und warum mögen Sie sie am liebsten?
Ich liebe Finch. Er ist so „beschädigt“, in vielerlei Hinsicht so einsam, und trotzdem will er, dass sich andere Menschen (v.a. Violet) geliebt fühlen. Als ich die ersten Zeilen zu dem Buch schrieb, flog mir seine Stimme am einfachsten und natürlichsten zu – als wäre er schon eine ganze Weile da gewesen und hätte nur darauf gewartet, dass ich ihn endlich zu Papier brächte. Ihn in all seinen Stimmungslagen entstehen zu lassen, hat wirklich Spaß gemacht und war im besten Sinne eine riesige Herausforderung.
Welche Szene war für Sie am schwersten zu schreiben?
Als Violet sich auf Bitten von Finchs Mutter auf die Suche nach ihm macht. Diese Szene hat einen starken autobiografischen Hintergrund, und darüber zu schreiben war ein sehr emotionaler Vorgang.

Welche Art Leser wird Ihrer Ansicht nach Ihren Roman gut finden?
Jeder ab einem Alter von vierzehn, der je einen anderen Menschen geliebt und/oder verloren hat. Fans von Romantik und erster Liebe, junge und ältere Erwachsene, die sich einsam und unverstanden fühlen. Leser, die sowohl lachen als auch weinen wollen. Fans von Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Eigentlich alle.

Würden Sie bitte ein paar Zeilen an Ihre deutschen Leserinnen und Leser richten?
Liebe LeserInnen,

Ich habe All die verdammt perfekten Tage im Sommer 2013 geschrieben, nachdem mein geliebter Literaturagent gestorben war, der mich 15 Jahre lang begleitet hatte. Als wir uns zum letzten Mal trafen, war ich gerade dabei, eine Serie zu beenden, mit der ich 2008 angefangen hatte, und fühlte mich ausgelaugt und – im kreativen Sinne – bereit für etwas Neues, Anderes. Er sagte zu mir: „Kleines, was immer du als Nächstes schreibst: Leg dein ganzes Herz hinein. Schreib es, auch wenn alles dagegenspricht. Schreib es, weil du dir nicht vorstellen kannst, irgendetwas anderes zu schreiben.“ Keiner von uns beiden wusste, was für ein Buch es werden würde – ebenso wenig wie wir beide wussten, dass er schon wenige Wochen später nicht mehr da sein würde. Und dass ich aus dem „Erwachsenen-“ ins Jugendbuchgenre wechseln würde. Wir ahnten damals beide nicht, was vor uns lag.
Ein Teil von mir wollte einfach nur noch aufhören. Mit dem Schreiben, mit der Arbeit.
Ein anderer Teil drängte mich jedoch, Nein zu sagen, das alles durchzustehen und nicht nur durchzustehen, sondern etwas wirklich Großes entstehen zu lassen. Also machte ich mich auf die Suche nach einem neuen Agenten und auf die Suche nach dem Thema meines Buches …
Vor Jahren kannte ich mal einen Jungen, in den ich sehr verliebt war. Er hat mein Leben verändert. Darüber wollte ich immer schon mal schreiben – ich war mir nur nicht sicher, ob ich es wirklich fertigbringen würde.
In jenem Sommer 2013 fiel mir dieser Junge wieder ein, und ich wusste tief im Innern, dass es diese Geschichte war, die ich aufschreiben wollte.
Auf dieses Buch bin ich besonders stolz. Ich habe es in einer sehr, sehr traurigen, harten Zeit verfasst, und es handelt von einer sehr traurigen, harten Zeit. Mal abgesehen von all den wichtigen Gesprächen mit meinem neuen Agenten, der Kapitelplanung und Figurenanlage und dem Schreiben selbst war das Buch innerhalb von sechs Wochen fertig.
Und jetzt ist es da, Sie halten es in Ihren Händen. (Und ich muss mich immer noch kneifen, um zu glauben, dass es wirklich existiert.)

Mit vielen Grüßen,
Ihre Jennifer Niven

All die verdammt perfekten Tage Blick ins Buch

Jennifer Niven

All die verdammt perfekten Tage

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