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Interview mit Lisa Jewell zu »Der Flügelschlag des Glücks«

Wussten Sie, dass Lisa Jewell Romane zu schreiben begann, weil ihr Job sie unendlich langweilte?

Interview mit Lisa Jewell

Lisa Jewell
© Privat

Liebe Lisa Jewell, wollen Sie uns etwas aus Ihrem Leben erzählen?
Mit sechzehn Jahren bin ich von der Schule abgegangen, weil ich es dort nicht mehr aushielt. Danach habe ich vier Jahre Kunst und Mode am Barnet College studiert und dann im Mode-Marketing gearbeitet bis ich fünfundzwanzig war und mich die Arbeit unendlich langweilte. Bis 1995 habe ich als Sekretärin gearbeitet, dann wurde meine Stelle gestrichen. Daraufhin habe ich angefangen, meinen ersten Roman zu schreiben, den ich 1996 fertigstellte. Seither habe ich elf weitere Bücher geschrieben und das dreizehnte zur Hälfte fertiggestellt. Ich lebe mit meinem Mann, unseren beiden Töchtern und zwei Katzen im Norden Londons.

Warum haben Sie sich entschieden, Schriftstellerin zu werden?
Es war meine Freundin, die 1995 auf mich einredete, dass mehr in mir steckte als eine Sekretärin. Sie wettete mit mir um ein Abendessen, dass ich einen erfolgreichen Roman schreiben würde. Mir selbst war allerdings erst 1997 klar, als ich bereits an meinem zweiten Roman saß, dass ich Schriftstellerin werden würde.

Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Romane?
Wie alle anderen Autoren auch: von überallher! Nachrichten, Gespräche, wilde Gedanken mitten in der Nacht, Ängste, beunruhigende Situationen, Musik, Filme, Fremde, Freunde, Familie – alles kann Inspiration sein.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren? Und warum?
Ich habe eigentlich keine Lieblingsautoren. Manche Bücher liebe ich, manche nicht, und diese können durchaus vom selben Autor stammen. Kaufen werde ich aber immer die Bücher von Maggie O’Farrell, Tamar Cohen, Joanna Briscoe und Harriet Lane – mit anderen Worten: literarische Pageturner.

Welches Buch/welche Bücher haben Sie kürzlich gelesen?
Das beste Buch, das ich 2014 gelesen habe, heißt Ein Schritt zu weit von Louise Doughty. Nicht nur eine fesselnde Geschichte, sondern auch hervorragend recherchiert, und die Sprache ist unglaublich dicht. Ich habe gelesen, dass sie das Manuskript drei Monate lang überarbeitet hat, und das merkt man. Es ist makellos. Ich hatte außerdem das Glück, das neue Buch von David Nicholls zu lesen, Drei auf Reisen. Seine Fans dürfen sich freuen!

Was ist Ihre Lebensphilosophie?
Alles wird gut werden. Und wenn nicht, wird man damit klarkommen, und das Leben wird weitergehen. Ich würde mich als optimistische Realistin bezeichnen; vielleicht aber auch eine realistische Optimistin!

Was tun Sie, wenn Sie nicht schreiben?
Ich sitze hauptsächlich herum und denke an die Dinge, die ich tun sollte. Abgesehen davon gehe ich so oft wie möglich ins Fitnessstudio und engagiere mich an der Schule meiner Kinder. Am Wochenende treffen wir uns oft mit Freunden oder gehen mit den Kindern in schöne Restaurants zum Mittagessen. Ich tue in dem Sinn nicht allzu viel.

Fünf Dinge, die wir noch nicht von Ihnen wussten …
1. Mütterlicherseits bin ich zu einem Viertel indisch.
2. Ich kann nicht Fahrrad fahren und nur schlecht schwimmen.
3. Ich bin zwanghafte Wangenkauerin.
4. Meinen ersten Ehemann habe ich durch eine Kontaktanzeige kennengelernt.
5. Mein Haus ist ein einziges Chaos.

Wie würden Sie Ihren Roman Der Flügelschlag des Glücks in einem Satz beschreiben?
Eine fesselnde Geschichte über die Geheimnisse, die eine Familie auseinanderreißen und dann wieder zusammenbringen.

Wer ist Ihre Lieblingsfigur in dem Buch und warum?
Lorelei war meine Lieblingsfigur, weil ich sie aus der Ich-Perspektive geschrieben habe, was ich normalerweise nicht tue. Sie war so bizarr, so kindlich und gleichzeitig so geschädigt. Auf diese Weise konnte ich sie alles denken und sagen lassen, was sie wollte. Es war aufregend, über sie zu schreiben.

Welche Szene war am schwierigsten zu schreiben?
Die dramatischen Szenen bereiten mir keine Schwierigkeiten, die reinen „Handlungsszenen“ sind da viel komplizierter, Szenen, in denen nicht viel passiert, man aber eine gewisse Zeitspanne überbrücken muss, in der sich die Menschen weiterentwickeln. Ich freue mich immer auf die „großen“ Szenen, in denen Geheimnisse enthüllt werden.

Möchten Sie noch ein paar Worte an Ihre deutschsprachigen Leser richten?
Vom ersten Moment an, als ich Der Flügelschlag des Glücks zu schreiben begann, wusste ich, dass ich das richtige Thema gewählt hatte, die richtigen Charaktere, das richtige Setting. Alles fühlte sich gut an. In den meisten Fällen, wenn ich mit einem Buch anfange, überkommt mich irgendwann die Enttäuschung, dass es doch nicht so gut werden wird, wie ich zu Beginn dachte. Ich hatte schon länger eine Familiengeschichte schreiben wollen, und als ich mich entschied, die Handlung um die psychische Störung des zwanghaften Hortens, landläufig Messie-Syndrom genannt, herum aufzubauen, passte alles perfekt zusammen. Kindheit ist eng mit dem Gefühl von „zu Hause“ verknüpft, unabhängig davon, ob man in einem Haus aufwächst oder oft umzieht. Ich wollte erforschen, was mit einer Familie passiert, wenn ihr Heim systematisch von ihrem wichtigsten Mitglied zerstört wird, nämlich von der Mutter. Die vier Kinder fielen mir sofort ein, ebenso wie das weitläufige Cottage mit dem langgezogenen Garten und der gefliesten Küche mit den Kinderzeichnungen an der Wand. Dann fehlte nur noch die Geschichte der Familie, ihr Weg, und das war unerwartet und sehr spannend. Bei so vielen geschädigten Protagonisten und einem so langen Zeitverlauf konnte ich mich bei der Handlung richtig austoben, damit keinen Moment Langeweile aufkam. Ich hoffe von Herzen, dass Sie das Buch mit ebenso großer Freude lesen werden, wie ich sie beim Schreiben empfunden habe.

Ihre Lisa Jewell

Der Flügelschlag des Glücks Blick ins Buch

Lisa Jewell

Der Flügelschlag des Glücks

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