Mattias Edvardsson im Interview

Interview mit Mattias Edvardsson zu seinem Roman »Die Lüge«

Wussten Sie, dass Mattias Edvardsson Sänger in einer Punk-Rock-Band war?

Mattias Edvardsson
© Carolina Andersson
Eine kurze Biografie:
Ich lebe mit meiner Frau Kajsa und meinen Töchtern Ellen (6) und Tove (3) in Löddeköpinge außerhalb von Lund in Skåne. Ich habe Schwedisch, Literatur und Psychologie studiert und arbeite seit fünfzehn Jahren als Lehrer an einem Gymnasium. Ich unterrichte Schwedisch und Psychologie. Ich spiele Fußball und bin auch seit mehreren Jahren Fußballtrainer und interessiere mich sehr für Musik. Vor vielen Jahren war ich Sänger in einer Band.

Haben Sie Kurzgeschichten geschrieben?
Ich habe 2014 den zweiten Preis bei Schwedens größtem Kurzgeschichtenwettbewerb »Umeå Novellpris« gewonnen.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, Schriftsteller zu werden?
Ich liebe Geschichten, Bücher und Sprache.

Wo finden Sie die Inspiration für Ihre Romane?
Ich glaube nicht an Inspiration. Ich glaube an harte Arbeit.

An welcher Geschichte schreiben Sie gerade?
Einem Psychothriller über eine Familie, in der der Ehemann beschuldigt wird, sein Baby verletzt zu haben.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren? Und warum?
Joyce Carol Oates wegen ihrer Sprache und ihrer Klarheit.
Harlan Coben wegen seiner Fähigkeit, Spannung zu erzeugen.

Welche Bücher haben Sie kürzlich gelesen?
Kleine große Schritte von Jodi Picoult. Vergewaltigt: Eine Liebesgeschichte von J. C. Oates. Die Gerechte von Peter Swanson.

Wie lautet Ihre Lebensphilosophie?
Spaß haben.

Was tun Sie, wenn Sie nicht gerade schreiben?
Schwedisch und Psychologie unterrichten.

Drei Dinge über Sie, die wir noch nicht wussten …
1. Mitte der 1990er-Jahre war ich Sänger in einer Punk-Rock-Band.
2. Ich bin seit vielen Jahren Fußballschiedsrichter.
3. Mein erster veröffentlichter Roman war ein semidokumentarischer Roman über einen wahren Kriminalfall.

Über das aktuelle Buch

Wie würden Sie Ihren Roman in einem Satz beschreiben?
Die Geschichte eines Verbrechens und dem Zusammenbruch einer Familie.

Was hat Sie zu dem Roman inspiriert?
Ich lag spät nachts im Bett und dachte darüber nach, dass ich in einigen Jahren dort liegen und darauf warten würde, dass meine Mädchen nach Hause kommen. Wenn die eigenen Kinder in die Pubertät kommen, verliert man mehr oder weniger die Kontrolle, die man mal über sie hatte, und muss in gewisser Weise loslassen. Nun, was wäre, wenn meine Teenager-Tochter mit Blut an der Kleidung nach Hause kommt und am nächsten Tag beschuldigt wird, einen Mann ermordet zu haben? Was würde ich tun? Würde ich lügen, um sie zu beschützen?

Welcher ist Ihr Lieblingscharakter in dem Roman und warum?
Die achtzehnjährige Stella, die versucht, ihren Weg im Leben und ihren Platz in dieser Welt zu finden. Mit sarkastischem Humor, Mut und einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

Welcher Art von Leserschaft, glauben Sie, wird Ihr Buch gefallen?
Eltern. Lesern, die Spannung mögen, die sich für zwischenmenschliche Beziehungen interessieren und die Kriminalromane mögen, aber der Polizeiarbeit ein bisschen überdrüssig sind.

Gibt es andere Bücher, die Sie mit Ihrer Arbeit vergleichen würden?
In Schweden haben es viele Leser mit Im Traum kannst du nicht lügen von Malin Persson Giolito verglichen.

Die Lüge wurde in dreißig Länder verkauft. Was macht dieses Buch für so viele Menschen so interessant?
Ich denke, es ist ziemlich universell. Es handelt vom schlimmsten Albtraum, den sich Eltern auf der ganzen Welt vorstellen können.

Warum wollten Sie über eine Familie schreiben?
Unsere Familie ist die engste Beziehung, die wir haben, aber wissen wir immer alles über unsere Familienmitglieder? Und wie weit sind wir bereit zu gehen, um sie zu beschützen? Das waren Fragen, die ich mir während der Arbeit an dem Buch gestellt habe.

Kommen Sie damit als Lehrer in Berührung?
Manchmal treffe ich auf Eltern, die wirklich denken, dass sie alles über ihre Teenager-Kinder wissen und darüber, was sie die ganze Zeit treiben. Eltern, die sich ganz sicher sind, dass ihre Kinder ihnen immer die Wahrheit und nichts als die Wahrheit erzählen. In solchen Fällen bin ich verwirrt und misstrauisch.

Warum haben Sie die Geschichte aus drei verschiedenen Blickwinkeln erzählt?
Ich wusste von Anfang an, dass ich die Geschichte aus der Perspektive des Vaters Adam und der Tochter Stella erzählen würde. Schon zu Beginn wollte ich sehen, wie ein besorgter (vielleicht zu besorgter) Vater in solch einem Fall reagieren würde. Und dann wusste ich, dass ich zur Perspektive der Tochter wechseln würde, um die Leser wissen zu lassen, dass vielleicht nicht alles so ist, wie es scheint. Ich habe mich tatsächlich erst recht spät im Prozess dazu entschlossen, den Blickwinkel der Mutter Ulrika einzubeziehen. Doch anscheinend hatte ich ihre Geschichte auf sonderbare, unterbewusste Art von vorneherein angelegt: Sie war Anwältin und es erschien einleuchtend, dass nach dem Vater und der Tochter die Mutter ihre Geschichte erzählt.

War es schwierig, aus drei verschiedenen Blickwinkeln zu schreiben?
Vor allem hat es Spaß gemacht, aber natürlich war es auch eine Herausforderung. Ich tauche gerne tief in den Geist eines Charakters ein und versuche ähnlich wie ein Schauspieler, zu dieser Person »zu werden«. Am schwierigsten war es, von der Stimme eines Charakters zu einer anderen zu wechseln. Es hat etwas gedauert, um für jeden Charakter die richtige Stimme zu finden.

Die Lüge

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