Micaela Jary, Kino Jungfernstieg 1, Fullbanner

Interview mit Micaela Jary

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Wie viele Einzelkinder habe ich in meiner eigenen kleinen Welt gelebt und schon früh meinen Puppen Geschichten erzählt. Als ich schreiben konnte, habe ich meine Schulhefte mit diesen Geschichten vollgeschrieben. Ich habe schon als Kind sehr viel gelesen, sodass ich eine ganz gute Basis hatte. Meine Lieblingsbücher waren damals „Das doppelte Lottchen“ von Erich Kästner und die Nesthäkchen-Reihe von Else Ury, aber natürlich gehörte auch Enid Blyton zu meinen Lieblingsautoren.


Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Bücher?

Das ist ganz unterschiedlich, kann aus einem Gespräch heraus passieren, aus einer Nachricht, die ich in der Tagesschau sehe, durch ein Buch, das ich lese. Meine Tochter ist Historikerin und sorgt durchaus auch für Nachschub, wenn sie mir von ihrem Job erzählt.
Was inspirierte Sie speziell für diese Trilogie – Sie haben den ersten Teil als Ihr bisher „persönlichstes Buch“ bezeichnet?

Die Filmstadt Hamburg ist die Welt meiner Kindheit. Da bin ich aufgewachsen. Fast jeder realen Person, die ich in meinen Romanen als Vorbild für meine Figuren erdacht habe, bin ich in meinem Leben irgendwann einmal persönlich begegnet. Und sei es nur als Baby, als etwa der großartige Regisseur Helmut Käutner den ersten Privatfilm mit mir als Hauptdarstellerin drehte. Aber das gehört dann natürlich zu den Geschichten, die mir meine Eltern erzählt haben. Genauso wie die des Arztes Dr. Wolfgang Caspari, der im zweiten Teil eine große Rolle spielt und dessen Figur auf dem Leben eines sehr guten Freundes meines Vaters basiert.

Sie wurden in Hamburg geboren und sind mit der Hansestadt eng verbunden. Wie sieht die Recherche für ihre in Hamburg spielenden Romane aus?


Es macht kaum einen Unterschied, ob ich den Handlungsort meiner Geschichten gut kenne oder weniger gut. Ich recherchiere trotzdem in Büchern, im Internet und auf Stadtplänen. Meine Romane spielen fast immer zu einem Zeitpunkt, als ich noch nicht geboren war, sodass ich etwa Hamburg oder Berlin noch nicht selbst in Augenschein nehmen konnte.
Welchen Bezug haben Sie zur Film- und Fernsehlandschaft in der deutschen Nachkriegszeit?

Mein Vater Michael Jary war Filmkomponist und damals eine der Säulen der Filmstadt Hamburg. Ohne ihn wäre der Aufstieg der Real-Film mit den überaus erfolgreichen, glamourösen Revuefilmen
nicht denkbar, ebenso die Junge-Film Union mit den Ateliers in Bendestorf bei Hamburg, an der er sogar finanziell beteiligt war. Aber das ist nicht alles. Meine Eltern haben sich in der Kantine der Real-Film, dem heutigen Studio Hamburg, bei den Dreharbeiten zu dem Heinz Rühmann-Film „Keine Angst vor großen Tieren“, für den mein Vater die Musik schrieb, kennengelernt. Als meine Mutter nach meiner Geburt noch sehr lange im Krankenhaus bleiben musste, richtete die Kostümbildnerin Erna Sander, die Ehefrau von Filmproduzent Gyula Trebitsch, mein Kinderzimmer ein. Wie gesagt, Helmut Käutner drehte meinen ersten Babyfilm und alle Stars der damaligen Zeit gingen im Haus meiner Eltern an der St. Benedict-Straße 9 ein und aus. Viele Kontakte blieben, als wir von Hamburg nach Lugano zogen, zumal sich eine Reihe von Filmgrößen in den 1960er Jahren ebenfalls im Tessin ansiedelten. Deshalb sagte ich zuvor, dass der Nachkriegsfilm meine Welt ist.
Dieser enge Bezug führte Jahrzehnte später zu einem erzählenden Sachbuch, das ich über den deutschen Nachkriegsfilm 1945-1960 geschrieben habe: „Traumfabriken made in Germany“ war meine allererste Buchveröffentlichung. Und es ist sehr witzig, in den Literaturhinweisen meiner aktuellen Basislektüre immer wieder darüber zu stolpern.
Wollten Sie bei so viel Nähe selbst jemals zum Film?

Jedenfalls nicht als Schauspielerin. Deshalb sind die Überlegungen der kleinen Lili im Prolog von Band 1 eigentlich meine Gedanken: Ich liebe das Kino, aber wenn, wäre eher ein Job hinter der Kamera etwas für mich. Ich würde gerne Drehbücher schreiben, aber dafür fehlt mir das Handwerkszeug und ich glaube nicht, dass ich das noch lernen werde. Also wird das wohl nichts mehr mit mir und dem Film.


Gibt es schon Pläne für neue Projekte nach der Trilogie?

Nein, momentan nicht. Ideen sind reichlich vorhanden, aber noch keine konkreten Pläne. Jedenfalls nicht unter meinem richtigen Namen. Ich schreibe ja auch noch ziemlich erfolgreich biografische Romane unter dem Pseudonym Michelle Marly – und da steht dann erst einmal eine Geschichte über Maria Callas an.

Das Kino am Jungfernstieg

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