VERLAGSGRUPPE RANDOM HOUSE - BERTELSMANN
Menü

Interview mit Patricia Mennen zu »Zauber der Savanne«

Wussten Sie, dass Patricia Mennen keine Süßigkeiten mag und spätestens alle anderthalb Jahre vom Reisefieber gepackt wird?

Interview mit Patricia Mennen

Bitte geben Sie uns eine kurze Biografie von sich:
Aufgewachsen in einer kleinen, malerischen Stadt an der Donau als Tochter eines Erfinders. Schon als Jugendliche längere Rucksackreisen quer durch Europa, als Studentin dann mehrmonatige Reisen durch Afrika, Nord- und Südamerika. Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft in Würzburg und München (Abschluss Magister). Redakteurin in einem namhaften großen Kinderbuchverlag. Nebenbei erste Veröffentlichungen. Nach der Geburt meines ersten Kindes machte ich mich als Autorin selbstständig. Dazwischen immer wieder längere Auslandsaufenthalte in Afrika, Nord- und Südamerika und Asien.

Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen – Ihre Hobbys, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, was Sie ärgert, welche Gabe Sie gerne besäßen …?
Ich lebe mit meiner Familie, wozu im Moment auch ein Hund, ein Skorpion und Fische gehören, abwechselnd in Ravensburg in der Nähe des Bodensees und in der Provence. Meine Hobbys sind Kochen, Jazzsaxophon spielen und Reisen planen. Spätestens alle anderthalb Jahre zieht es mich in ein fremdes Land, das man normalerweise als Tourist nicht bereisen kann und in dem noch indigene Menschen leben – es also Kulturen gibt, die von den westlichen Einflüssen der Zivilisation unberührt geblieben sind. Das ist oft mit größeren Entbehrungen verbunden. Mithilfe eines Anthropologen und Einheimischen vor Ort plane ich diese Reisen sehr gründlich, was schon im Vorfeld immer sehr spannend ist.

Mein Traum ist es, einmal für mindestens ein Jahr an einem der tollen Naturschutzprojekte in Afrika teilzunehmen, deren Ziel es ist, die Menschen der Region dazu anzuregen, ihr eigenes Leben im Sinne ihrer Traditionen zu leben und ohne ausbeuterischen Einfluss unserer globalisierten Welt ...

Traurig macht mich Gleichgültigkeit. Wenn unsere Gesellschaft es zunehmend verlernt, sich gegenseitig wahrzunehmen und zu achten.

Ich würde gerne die Gabe besitzen, Menschen glücklich zu machen!

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Wenn ich genau darüber nachdenke, dann kam ich über Rollenspiele zum Schreiben. Ich empfinde es als ein Ventil, um Gefühle, Fantasien und vorstellbare Geschehnisse Wirklichkeit werden zu lassen. Als kleines Kind war ich nach einem Unfall für längere Zeit ans Bett gefesselt. Dort habe ich aus Langeweile Rollenspiele mit mir selbst gespielt. Ich habe es geliebt, gleichzeitig in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Am besten hatte ich den edlen Robin Hood gegen den fiesen Sheriff von Nottingham drauf, aber auch Bundestagsdebatten, die damals nachmittags noch im Fernsehen übertragen wurden. Damit konnte ich wunderbar meinen ganzen Frust abreagieren. Als mich meine Freunde später schief ansahen, wenn ich mal wieder in Selbstgespräche verfiel, habe ich mich schnell aufs Schreiben verlegt. ;-)

Wie finden Sie Ihre Themen?
Ich liebe es einfach, mir Geschichten auszudenken. Auf den vielen Reisen wird man ja mit einer Menge völlig neuer, ungewohnter und vorher auch für undenkbar gehaltener Eindrücke konfrontiert. Da geschehen oft Dinge mit einem, vor allem, wenn man in Extremsituationen steckt, die einen völlig neuen Blickwinkel auf das Leben werfen. Aus diesen Situationen heraus überlege ich mir dann, wie sich eine Person in der Vergangenheit wohl verhalten hätte. Was hätte sie gedacht, gefühlt, wie hätte sie gehandelt? Nach und nach entwickelt sich eine für mich genau vorstellbare Person, ich studiere die Hintergründe, und so langsam entspinnt sich eine Geschichte, die sowohl mit meinen Erlebnissen, aber eben auch mit den Ereignissen und Vorkommnissen von damals zu tun hat. Ich denke mir meine Geschichten nicht aus – irgendwie erlebe ich sie.

An welchem Buch arbeiten Sie gerade?
Soeben habe ich den dritten und letzten Band meiner Namibia-Indien-Trilogie vollendet. In Zauber der Savanne spinnt sich die Familiensaga um Jella von Sonthofen weiter in die nächste Generation. Während Jella und ihr Mann Fritz sich auf ihrer Farm "Owitambe" mit Wilderern und blutrünstigen Medizinmännern herumschlagen, schlägt Tochter Ricky ihren eigenen Weg zunächst im Berlin der Zwanzigerjahre ein. Gegen den Willen ihrer Eltern setzt sie auf eine Karriere als Sängerin und Tänzerin und gerät dabei in ein Netz aus bösen Intrigen, aber auch zwischen zwei Männer, die sie lieben. Gleichzeitig wird die Geschichte der Buschmannfrau Nakeshi und ihres Sohnes Debe weitererzählt. Der junge Debe gerät unter den Einfluss der Weißen und verrät dabei seine Buschmanntraditionen ...

Welche Szene war bisher am schwierigsten zu schreiben?
Am schwierigsten finde ich es, historisch fundierte Hintergründe in einen gerade an Dramaturgie zunehmenden Handlungsablauf einzufügen. Wenn man da nicht aufpasst, kann das nicht nur zu einem retardierenden Moment, sondern zu einer langweiligen Besserwisserei werden. Deshalb versuche ich die Geschichte, soweit es geht, mithilfe von Handlungen darzustellen.

Haben Sie eine Lieblingsszene?
Als Ricky auf der Filmpremierenfeier von Heinrich Zille die berühmte Coupletistin Claire Waldoff kennenlernt und dort ihren komischen Auftritt hat.

Haben Sie eine Lieblingsfigur?
Ricky mit ihrer verträumten, aber auch sehr beharrlichen Art, die sich wie ein Schmetterling erst entwickeln muss, um dann endlich aus ihrem Kokon zu schlüpfen, ist mir sehr ans Herz gewachsen.

Gibt es bestimmte geographische Orte, zu denen Sie oder Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Mit Afrika verbindet mich nach wie vor eine große Liebe. Ich war mit achtzehn Jahren zum ersten Mal in Ostafrika, danach habe ich viele andere Teile des Kontinents bereist. Durch meinen Bruder, der in Brasilien lebt, habe ich Brasilien und indigene Indiostämme gut kennengelernt und durch Mukesh und Rupak Indien, Tibet und Arunachal Pradesh. Ich bin fasziniert von Ländern, wo Menschen weitgehend unberührt von der Zivilisation leben.

Die Provence ist meine zweite Heimat. Ich habe diese wunderbare Landschaft bereits als Sechzehnjährige auf einer Rucksackreise lieben gelernt. Dort komme ich einfach immer zur Ruhe.

Was lesen Sie selber gerne?
Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
John Irving: Zirkuskind; Lasst die Bären los; Letzte Nacht in Twisted River
Alex Capus: Léon und Louise
T.C. Boyle: Wassermusik
Aravind Adiga: Der weiße Tiger
Biografien über bemerkenswerte Frauen in vergangenen Jahrhunderten

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
Charles Dickens, John Irving, T.C. Boyle, Aravind Adiga, Arundhati Roy, Doris Lessing

Wer sind Ihre liebsten Romanhelden?
Pippi Langstrumpf und der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand ...

Möchten Sie uns 3 Bücher für die einsame Insel empfehlen?
Rüdiger Nehberg: Überleben ums Verrecken
Tenzin Wangyal Rinpoche: Die Heilende Kraft des Buddhismus - Leben im Einklang mit den fünf Elementen
Umberto Eco: Die Insel des vorigen Tages

Was ist für Sie die größte Versuchung?
Zu lachen, wenn die Situation eigentlich vornehmen Ernst erfordert ...

Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrezept?
Oh je! Ich esse so vieles gern! Aber gut: Toskanisches Huhn mit getrockneten und frischen San-Marzano-Tomaten, Pinienkernen und gegrillten Kartoffeln in einer Preiselbeer-Kräuter-
sauce.

Was ist für Sie die optimale Entspannung?
In der Provence im Schatten unseres Baumes zu sitzen, ein schönes Buch und ein Gläschen Rosé daneben ...


Haben Sie ein Lebensmotto?
Um es mit Joachim Ringelnatz zu sagen, versuche ich jeden Tag so zu beginnen:

Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.

Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.


Gibt es eine Person, die Sie persönlich fasziniert?
Ja, sie ist leider vor wenigen Monaten verstorben. Sie war keine prominente Frau, aber sie war vermögend und hat bis in ihr hohes Alter auf unaufdringliche Art und Weise bedürftigen Menschen in ihrer Umgebung geholfen – nicht nur mit Geld, sondern mit persönlichem Einsatz.

Welche menschliche Leistung des letzten Jahrhunderts bewundern Sie am meisten?
Die Entdeckung der Relativitätstheorie. Sie hat wahrscheinlich am nachhaltigsten unser modernes Denken beeinflusst.

Welche Organisation oder welches Projekt würden Sie gerne unterstützen – oder tun dies bereits?
"Menschen für Menschen" von Karlheinz Böhm
"Unternehmen Buschmänner"

Fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen:
1. Ich liebe das kreative Chaos in meinem Arbeitszimmer.
2. Meine Arbeitszeiten ähneln denen eines Beamten (morgens von 8.00 Uhr bis 12.30 Uhr - nachmittags von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr).
3. Ich mag keine Süßigkeiten, dafür alles Salzige.
4. Ich kann überhaupt nicht nachtragend sein.
5. In vielen Dingen bin ich viel zu ungeduldig.

Wollen Sie Ihren LeserInnen einen kurzen Gruß schreiben – wir würden uns freuen!
Liebe LeserInnen!

Es macht mich jeden Tag glücklich, wenn ich Ihnen mit meiner Welt voller Geschichten Freude bringen kann!

Ihre Patricia Mennen

Zauber der Savanne Blick ins Buch

Patricia Mennen

Zauber der Savanne

€ 8,99 [D] inkl. MwSt. | € 9,30 [A] | CHF 12,50* (* empf. VK-Preis)

Oder mit einem Klick bestellen bei

Weiter im Katalog: Zur Buchinfo

Weitere Ausgaben: eBook (epub)