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Interview mit Robert Karjel zu »Der Schwede«

Wussten Sie, dass Robert Karjel schon mal einen Helikopter zu Schrott geflogen hat und gerne Hemden bügelt?

Robert Karjel
© Edvard Koinberg

Lieber Robert Karjel, erzählen Sie uns ein bisschen über sich?
Studiert habe ich an der Königlich Technischen Hochschule in Stockholm und dort auch einen Abschluss in Angewandter Physik gemacht. In meiner Freizeit tauche ich gerne, und vor kurzem war ich mit meiner jüngeren Tochter in Ägypten und auf den Malediven. Ich laufe auch viel und fahre Kajak. Sonst bin ich in der Küche zu finden. Wenn eine Feier mit Freunden oder der Familie ansteht, ist es mein Job, aufwändige Nachspeisen und Pralinen zu kreieren. Ich habe zwei Töchter. Die eine ist 21 und studiert in den USA, die andere ist 17 und besucht noch das Gymnasium in Stockholm, wo ich auch lebe.

Wie sind Sie Schriftsteller geworden?
Mit Anfang zwanzig wurde ich Pilot. Erst bin ich Kampfjets geflogen, später Helikopter. Aber das hat mich nicht zufrieden gestellt. Mir spukten dauernd irgendwelche Geschichten im Kopf herum. Also habe ich angefangen, abends zu schreiben, manchmal auch bis drei Uhr morgens, wenn ich am nächsten Tag nicht fliegen musste, und so entstand allmählich mein erster Roman.

Wo finden Sie die Inspirationen für Ihre Romane?
Ich zehre von meinen Erfahrungen beim Militär, als Oberst bei der Schwedischen Luftwaffe. Ich finde globale Konflikte sehr faszinierend: den Kalten Krieg, die Drogenbekämpfung, die Terrorbekämpfung nach dem 11. September. Mein Interesse gilt hauptsächlich den Situationen, in denen Menschen und Nationen zum Äußersten getrieben werden. Auch meine Reisen um die Welt dienen als Inspiration für meine Romane und natürlich auch, was ich über das Leben und die Liebe bisher gelernt habe.

Was für eine Geschichte schreiben Sie im Augenblick?
Ich beende gerade den zweiten Roman meiner Ernst-Grip-Reihe. Es heißt Der Sunnit. Das Buch basiert auf meinen Erfahrungen als Truppenführer und Hubschrauberpilot auf dem Schwedischen Schiff HMS Carlskrona, mit dem die Piraterie im Golf von Aden bekämpft wurde.

Welches sind Ihre Lieblingsautoren und warum?
Ich bin von Graham Greene und seinen Büchern total begeistert. Er schafft es, die Atmosphäre unterschiedlichster Orte überall auf der Welt genau einzufangen, und schreibt vor allem über moralische Kompromisse. Ansonsten bewundere ich John le Carré und James Ellroy, ersteren für seine Geschichten, letzteren für seinen Stil.

Was haben Sie kürzlich gelesen?
Verbrannte Tage, die Lebenserinnerungen von James Salter. Er ist genau wie ich Pilot und Schriftsteller, noch dazu einer der besten. Seine weiblichen Charaktere sind genauso echt und überzeugend wie seine männlichen.

Was ist Ihre Lebensphilosophie?
Ich mag das Zitat der schwedischen Dichterin Karin Boye: „Der beste Tag ist ein durstiger Tag.“

Was tun Sie, wenn Sie nicht schreiben?
Ich halte oft Vorlesungen in Schweden und in vielen anderen europäischen Ländern, hauptsächlich zum Thema „Führung in Drucksituationen“. Einige Male im Jahr lasse ich alles hinter mir und fahre mit dem Kajak in die äußeren Schären oder wandere mit meinem Rucksack hoch in den Norden zu weit abgelegenen, einsamen Orten.

Fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen …
1. Ich bügle sehr gerne Hemden.
2. Bei einer Recherchereise zu einem meiner Bücher habe ich die Lybische Wüste mit meiner damals sechsjährigen Tochter durchquert. Wir hatten nur unsere Rucksäcke dabei und schliefen unter den Sternen. Eine Berberin hat die Hände, Arme und Beine meiner Tochter mit wunderschönen, aufwändigen Hennamustern bemalt. Bei der Einreise nach Schweden fand jemand die Bemalung besorgniserregend, und ich musste beim Jugendamt nachweisen, dass ich meine Tochter nicht von Kopf bis Fuß tätowiert hatte und die Farbe nach wenigen Wochen verschwinden würde.
3. Ich spreche sehr schlecht Deutsch.
4. Das gefährlichste, was ich jemals gemacht habe, war in Djibouti in ein Taxi zu steigen, um nach einer Partynacht zurück zu meinem Schiff zu kommen. Der Fahrer war total high und fuhr mit hundertdreißig Sachen durch unbefestigte Straßen. Dabei hat er abwechselnd irre gelacht und darauf bestanden, dass er jetzt unbedingt erstmal in ein Bordell am Stadtrand fahren müsse. Während der Fahrt habe ich mir meinen Tod sehr lebhaft ausgemalt.
5. Ich habe einmal einen Helikopter zu Schrott geflogen.

Wir würden Sie Ihren aktuellen Roman zusammenfassen?
Ernst Grip von der Schwedischen Sicherheitspolizei hat Geheimnisse – Dinge, die er aus Liebe getan hat. Auch Shauna Friedman vom FBI hat Geheimnisse – Dinge, die sie aus Patriotismus getan hat.

Was hat Sie zu diesem Buch inspiriert?
Ich habe einen Großteil des Buches am Amherst College in den USA geschrieben, wo ich Stipendiat war, als der Krieg gegen den Terror seinen Höhepunkt erreicht hatte. Die Figur Ernst Grip basiert auf einem amerikanischen Ermittler namens Hugh Swaney, mit dem ich lange Gespräche führte. Es gibt auch einige sehr direkte Inspirationsquellen: Der Film Die üblichen Verdächtigen, L.A. Confidential von James Ellroy und Marionetten von John le Carré.

Wer ist ihr Lieblingscharakter in der Geschichte?
Der tschechische Killer Vladislav Pilk. Er basiert auch auf einer realen Person: Auf Reisen in Ägypten begegnete ich immer wieder einem Tschechen, der mich faszinierte. Wir haben uns nie wirklich unterhalten, sind uns nur ständig über den Weg gelaufen, und er war immer wieder in dubiose Situationen verwickelt. Wegen seines Verhaltens und seines Aussehens beschloss ich, mir soviel wie möglich über ihn einzuprägen, um ihn dann eines Tages als Figur in einem Roman verwenden zu können. Jahre später, als ich Der Schwede schrieb, kam er als Vladislav Pilk zurück. Der unkonventionelle Look, die übergroße Brille, seine merkwürdige Art und Weise im Restaurant zu bestellen und der starke, unnachgiebige Charakter, mit dem man nicht aneinandergeraten will – all das habe ich im Roman verarbeitet.

Welche Szene fiel Ihnen beim Schreiben am Schwersten?
Das Spiel zwischen Grip und N., dem Mann in seiner Zelle, zu konstruieren, war eine echte Herausforderung. Ich musste mir überlegen, wie es möglich wäre, dass die beiden geheim kommunizierten, während andere jedes Wort hören können.

Der Schwede Blick ins Buch

Robert Karjel

Der Schwede

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