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Interview mit Shrabani Basu

Wie haben Sie von Abdul Karim erfahren? Und wann haben Sie begonnen, seine Geschichte auszugraben?

Ich habe vor einigen Jahren von seiner Existenz erfahren, als ich für ein Buch über die Geschichte des Currys in Großbritannien recherchierte. Ich wusste, dass Königin Victoria Currys liebte und auch, dass sie Personal aus Indien hatte. 2001 bei einem Besuch von Osborne House, der Sommerresidenz Königin Victorias auf der Isle of Wight, fiel mir Abdul Karims Portrait im Indischen Korridor auf. Er war in Rot, Gold und Cremetönen gemalt und sah nicht aus wie ein Diener. Als ich dann auch in Königin Victorias Ankleidezimmer eine Photographie von ihm entdeckte, war mir klar, dass er besondere Bedeutung haben musste.

Im Jahr 2006 begann ich ernsthaft, mich mit der Geschichte zu beschäftigen. Ich fuhr nach Windsor Castle, wo ich um Einsicht in die Notizbücher Königin Victorias bat. Außerdem habe ich mir ihre Hindustani-Notizbücher angesehen. Letztere sind die Übungsbücher, mit denen sie unter Anleitung von Abdul Karim Urdu lernte. Diese Notizbücher vermittelten einen guten Einblick in ihre Beziehung zueinander.

Es dauerte weitere vier Jahre, um die ganze Geschichte aufzuspüren. Ich reiste nach Indien, und in Agra fand ich Karim Grab. Seine Tagebücher entdeckte ich in Karachi in Pakistan. Sie waren seit über hundert Jahren unberührt geblieben. Seine Grabstelle entdeckte ich auf einem verwilderten Friedhof. Niemand, nicht einmal seine Nachkommen, wussten, wo genau er begraben lag.

Wie erfolgreich war Ihr Buch in Großbritannien? Wie viele Bücher wurden verkauft?

Das Buch war sehr erfolgreich in Großbritannien und wurde umfassend in den Medien besprochen. Filmstudios interessierten sich für eine Verfilmung. Das war 2011. In Indien hat sich das Buch übrigens ebenfalls gut verkauft.

Wie wurde Ihr Buch von den ‚Royals‘ aufgenommen? War es schwierig, Zugang zu den Archiven der Königin zu bekommen?

Ich hatte sehr viel Glück und freien Zugang zu den königlichen Archiven. Mir wurde alles gezeigt, worum ich gebeten habe, einschließlich der Briefe, die Victoria an Abdul geschrieben hatte. Ich weiß nicht, ob die königliche Familie das Buch anschließend gelesen hat.

Gibt es in den Britischen Archiven weitere Hinweise auf Abdul Karim, unabhängig von seiner Verbindung mit Königin Victoria? Und ist die Geschichte auch in Indien bekannt?

In den öffentlichen Bibliotheken, wie der British Library, gibt es Briefe, die zwischen dem indischen Vizekönig und dem für Indien zuständigen britischen Staatssekretär sowie dem königlichen Hof ausgetauscht wurden. Einige davon befassen sich mit Abdul Karim.

Viele meiner Erkenntnisse stammen aber aus privaten Unterlagen. Ich habe die Notizbücher und Aufzeichnungen von Victorias Leibarzt, Sir James Reid, herangezogen, die sich bei seiner Familie in Schottland befinden. Sie waren eine wertvolle Informationsquelle, und seine Familie hat mir freundlicherweise erlaubt, das Material einzusehen und zu nutzen.

Es gibt außerdem Zeitungsberichte aus jener Zeit, die in Bibliotheken zu finden sind. Hinzu kamen Briefe und private Unterlagen von den Mitgliedern des königlichen Hofs (vor allem von Victorias persönlichen Angestellten).

In Agra (Indien), gab es einige Materialien im Agra-Archiv. Abdul Karims Tagebücher waren bei seiner Familie in Karachi (Pakistan), also auch in Privatbesitz.

Die Geschichte war in Indien völlig unbekannt, aber das hat sich durch das Buch geändert.
In Balmoral in Schottland, gibt es ein Haus, dass Victoria für Abdul bauen ließ. Man nennt es Karim Cottage und es existiert auch heute noch. In Osborne House auf der Isle of Wight hängen seine Portraits im Indischen Korridor.

Können Sie uns sagen, wie flüssig die Königin Urdu sprechen konnte?

Königin Victoria konnte in den letzten Jahren ihrer Herrschaft auf Urdu lesen und schreiben. Ihr letzter Eintrag in ihr Notizbuch zwei Monate vor ihrem Tod war eine halbe Seite in Urdu.

Steht die Statue von Königin Victoria immer noch im Garten des Taj Mahal?

Nein, sie wurde nach der Unabhängigkeit Indiens von Großbritannien (1947) zusammen mit anderen Statuen, die die britische Herrschaft symbolisierten, entfernt.

Wie ist das Verhältnis zwischen Ihnen und Stephen Frears? Haben Sie den Film gesehen? Wenn ja, hat er Ihnen gefallen?

Stephen Frears ist der Regisseur der Buchverfilmung. Ich habe einen Vertrag mit den Studios Working Title und Focus Features, die die Filmrechte an meinem Buch erworben haben. Die anderen Produzenten, Cross Street Films und BBC Films, waren ebenfalls Teil des Produktionsprozesses.

Ja, ich habe den Film gesehen und er ist wunderbar! Er ist lustig und traurig und spricht viele Probleme an, die mit Rasse, Hautfarbe und Klasse zusammenhängen. Im Kern geht es in dieser Geschichte allerdings um Freundschaft und Respekt.

Wurden Sie zu den Internationalen Filmfestspielen von Venedig eingeladen und werden Sie an der Pressekonferenz am Sonntag teilnehmen?

Ja, bei der Filmvorführung am 03. September in Venedig bin ich dabei. Ich werde außerdem zum Toronto Film Festival reisen und anschließend geht es dann nach New York für weitere Pressevorführungen.

Victoria & Abdul Blick ins Buch

Shrabani Basu

Victoria & Abdul

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