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Interview mit Silja Ukena zu »Der Eismann«

Wussten Sie, dass Silja Ukena als Kind Zoodirektor werden wollte?

Silja Ukena
© Harry Schnitger

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Als Kind wollte ich Zoodirektor werden. Irgendwie ist dann nichts draus geworden. Stattdessen heuerte ich in der Redaktion einer Hamburger Lokalzeitung an. Ich fuhr auf Eisbrechern die Elbe stromabwärts, reiste mit einem Zirkus durch die norddeutsche Provinz und suchte Leichen unter der Fehmarnsundbrücke. Ans Romaneschreiben dachte ich damals nicht. Mein Bedarf an Abenteuern war gedeckt. Viele Jahre Später saß ich als Angestellte des Öffentlichen Dienstes in einem Berliner Büro, als Bruno Kahn zu mir kam. Ich hatte mich gerade zum wiederholten Male gefragt: „Was, zum Henker, tust du hier eigentlich?“, als er plötzlich in der Tür stand. Es dauerte dann noch eine Weile, bis ich mich traute zu kündigen.

Was inspiriert Sie? Wie finden Sie Ihre Themen?
Ich habe es mit Atmen versucht und auch schon mal drei Tage auf einem Stück Holz gesessen und meditiert. Aber ehrlich gesagt, das sicherste Mittel ist: Schuhe an und raus. Ein paar Stunden durch Berlin laufen, und man hat einen Haufen spannender Themen. Diese Stadt ist einfach fantastisch; sie verändert sich ständig, produziert dauernd etwas Neues und hat unter ihrer rauen Schale ein großes Herz für Exzentriker und Lebenskünstler.

Auf einem meiner Wege geriet ich eines Tages tief im Osten der Stadt in die Normannenstraße in Berlin-Lichtenberg. Dort war auf einem achtundachtzig Hektar großen Gelände bis 1989 die Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR untergebracht. Heute befindet sich dort das Archiv der Stasi-Akten. Bei einer Führung vorbei an vielen Kilometern Aktenmaterial begriff ich zum ersten Mal, wie viele Geschichten aus dieser Zeit unserer Vergangenheit bis heute nicht erzählt worden sind. Nicht lange danach trat Bruno Kahn in mein Leben, und zumindest eine dieser Geschichten konnte ich nun erzählen.

Welche Szene aus Der Eismann war bisher am schwierigsten zu schreiben?
Keine bestimmte Szene. Aber manchmal fehlt mir einfach das nächste Wort, der nächste Satz, und dann muss ich erst mal was anderes machen, bis mir die richtigen Worte einfallen. Es gibt Tage, an denen ich sehr viel anderes mache.

Haben Sie eine Lieblingsfigur?
Nein, ich mag sie alle, und ich hoffe, wir werden noch einige Jahre zusammen verbringen, damit ich sie besser kennen lernen kann.

Gibt es bestimmte geographische Orte, zu denen Sie oder Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Berlin (Kahns Heimat, meine auch, zumindest im Herzen) und Paris (unser beider Sehnsuchtsort), Italien (Lauras Heimat, meine Liebe) und das Meer (das man in Berlin leider nicht mal riechen kann).

Was lesen Sie selber gerne?
Zurzeit bin ich froh, wenn ich es schaffe, die Tageszeitung durchzublättern, und das bisschen, was ich noch lese, schreibe ich mir selbst.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
Schwierig, weil ich bestimmt jemanden vergesse. Also, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Jane Austen, Thomas Mann, Michel Houellebecq, Patrick Mondiano, Christine Nöstlinger, Wolf Haas, Jonathan Safran Foer, Siri Hustved, Sjöwall/Walhöö, Adriana Altaras, und unbedingt die wundervolle Fred Vargas

Was ist für Sie die größte Versuchung?
Jeden Morgen, 5.50 Uhr: Den Wecker ausschalten, einfach umdrehen, weiterschlafen.

Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrezept?
Darf es auch ein ganzes Kochbuch sein? Yotam Ottolenghis, Vegetarische Köstlichkeiten, unverzichtbar auch in jeder Fleischesser-Küche. Haben Sie schon mal karamellisierten Fenchel mit Ziegenkäsequark versucht? Zitronen-Auberginen-Risotto. Und keine Zurückhaltung bei schwierigen Gewürzen. Sie können es als sportliche Herausforderung sehen, sie irgendwo aufzutreiben, oder selbst kreativ werden. Ottolengi ist kein Dogmatiker.

Was ist für Sie die optimale Entspannung?
Teig kneten. Durch den Wald reiten. Einen Acker umgraben. Das Meer betrachten.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Der Blitz schlägt nirgendwo zweimal ein.

Welche menschliche Leistung des letzten Jahrhunderts bewundern Sie am meisten?
Ich bewundere diejenigen, die Kraft und Mut aufbrachten, den Nazis zu widerstehen.

Welche Organisation oder welches Projekt würden Sie gerne unterstützen – oder tun dies bereits?
Wir unterstützen die Hilfsorganisation Plan International durch eine Patenschaft in Kenia.

Möchten Sie Ihren Leserinnen und Lesern einen kurzen Gruß schreiben?
Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Bücher (wenn man sie selbst schreibt) sind kleinen Kindern nicht unähnlich. Zuerst bereiten sie einem schlaflose Nächte, dann machen sie plötzlich, was sie wollen. Man lässt sie ziehen, hofft, dass nichts schief gegangen ist und dass auch die anderen da draußen (also Sie) ihre Qualitäten erkennen werden. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen spannende Tage mit Bruno Kahn und seinem ersten Fall. Und sehen Sie es ihm nach, wenn er anfangs ein bisschen grantig daherkommt. Unter seiner rauen Schale verbirgt sich ein großes Herz. Bis zum nächsten Mal.

Herzlich,
Ihre Silja Ukena

Der Eismann Blick ins Buch

Silja Ukena

Der Eismann

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