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Interview mit Sophie Seidel zu »Are you finished? - No, we are from Norway«

Wussten Sie, dass Sophie Seidel als Kind nur Bayerisch sprechen konnte, bevor sie Hochdeutsch lernte?

Bitte erzählen Sie uns ein wenig über sich – Ihre Hobbys, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, was Sie ärgert, welche Gabe Sie gerne besäßen …?
Ich bin sehr zufrieden mit meiner Lebenssituation, da ich eine wunderbare Familie habe. Beruflich habe ich es viele Jahre so gesehen: Ich kämpfe für meinen Traum, es literarisch „zu schaffen“, weshalb ich nebenbei kellnere. Heute sehe ich das anders: Kämpfen ist auf Dauer ziemlich mühsam, weshalb ich doch eher einen Traum lebe, diesen stetig verfolge, und das Glück habe, dass meine Texte veröffentlicht werden. Dass ich dazu noch kellnere, ist körperlich mitunter anstrengend, aber ich habe so viele interessante Menschen in der Gastronomie getroffen (Kollegen und Gäste), die meinen Horizont erweitert haben; habe dadurch an Menschenkenntnis gewonnen, was auch meiner literarischen Arbeit zugutekommt.

Was mich ärgert: Heuchelei, Doppelmoral und Opportunismus. Jede Form der Diskriminierung (z.B. gegen Frauen, Rasse, Nationalität, Homosexualität).

Was ich schätze: Empathie, Nachsicht und Humor.

Welche Gabe ich gerne besäße: Klavier spielen.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Ich konnte es kaum erwarten, eingeschult zu werden, nur um Lesen zu lernen. Meine Mutter las abends immer ein Buch vorm Schlafengehen. Das wollte ich auch! Als Teenager schrieb ich immer irgendwas: Tagebuch, Gedichte, Briefe, Kurzgeschichten. Als ich Anfang zwanzig war, reifte der Wunsch, es mit einem Buch zu versuchen. Es war Schrott. Das war mir sogar selbst klar, weshalb ich es vernichtet habe. Das zweite Manuskript war besser, aber immer noch nicht gut. Das dritte schickte ich raus und bekam ein paar nette Briefe von Lektoren, die meinten, ich hätte Potenzial, aber ich solle mal weiterüben. Dann habe ich ein Jugendbuchmanuskript geschrieben. Das war mein erstes Buch, 1995.

Was inspiriert Sie zu ihren Büchern?
Ideen und Themen kommen in Bruchstücken auf mich zu, fügen sich dann irgendwann zu einem Gesamtbild zusammen. Was mich inspiriert, ist die Mischung von sozialen Kontakten und dem Alleinsein. Ich brauche beides, um kreativ zu sein.

An welchem Buch arbeiten Sie gerade?
An meiner Geschichte als Kellnerin Are you finished? – No, we are from Norway. Es ist ein erzählendes Sachbuch; was ich als Kellnerin erlebt habe, Anekdoten mit Gästen und Kolleg(inn)en.

Haben Sie eine Lieblingsszene?
Meine Begegnung mit Woody Allen.

Haben Sie eine Lieblingsfigur?
Ich mag alle Figuren in dieser Geschichte, weil ich sie ja auch persönlich kenne.

Gibt es bestimmte geografische Orte, zu denen Sie oder Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Die Schauplätze in meinen Geschichten sind stets München bzw. Bayern – und Kroatien.

Was lesen Sie selber gerne?
Fast alles außer Science Fiction und Politiker-Autobiografien.

Sachbücher zu unterschiedlichen Themen, Autobiografien, Krimis, Thriller, Frauenromane, zeitgenössische Belletristik, Klassiker, Kinder- und Jugendbücher.

Selten auch Lyrik (Emily Dickinson, früher Jörg Pfennig; mein Lieblingsgedicht ist „Herbsttag“ von Rilke).

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
Jane Austen, Amy Tan, Marian Keyes, Banana Yoshimoto, Frank Goosen, Karen Duve, Nick Hornby, Christine Nöstlinger, Paul Auster, Ruth Rendell

Wer sind Ihre liebsten Romanhelden?
Grundsätzlich mag ich Figuren mit verschiedenen Facetten. Figuren mit Ecken und Kanten, die sich ihrer Macken bewusst sind, aber das Beste daraus machen und sich weiterentwickeln.

Möchten Sie uns 3 Bücher für die einsame Insel empfehlen?
Der Prophet von Khalil Gibran, Selbstbetrachtungen von Marc Aurel, Das Buch der Menschlichkeit vom Dalai Lama

Was ist für Sie die größte Versuchung?
Ein Drehbuch zu schreiben

Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrezept?
„Jool’s Lieblingspasta“ von Jamie Oliver

Was ist für Sie die optimale Entspannung?
Lesen, eine Unterhaltung mit einem herzlichen Menschen, ein Tag am Strand in Kroatien.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Ich beherzige das Zitat von Mark Twain, der sagte: „Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden.“

Gibt es eine Person, die Sie persönlich fasziniert?
historisch:
Sophie Scholl (ein Vorbild an Tapferkeit, Haltung und „emotionaler Intelligenz“)
Nikola Tesla (ein Genie-Freak)

zeitgenössisch:
Angelina Jolie (ihr humanitäres Engagement ist absolut bemerkenswert)
Helmut Schmidt (es interessiert mich immer, was er zu sagen hat)

Welche menschliche Leistung des letzten Jahrhunderts bewundern Sie am meisten?
Das setzt voraus, dass es sich bei der Antwort um eine bekannte Persönlichkeit handeln sollte. An dieser Stelle könnte ich viele bekannte Namen nennen, aber es ist auch eine enorme Leistung fünf Pflegekinder großzuziehen; einen Bauernhof zu führen; sich gegen seine Kultur zu stellen, um seinen eigenen Weg zu gehen; aus dem Nichts etwas zu schaffen, wofür man zunächst belächelt wurde. Ich bewundere grundsätzlich Menschen, die an sich glauben und aus den schwierigsten Umständen heraus ihren Traum verfolgen. Ich bin aber auch dankbar für die Erfindung der Waschmaschine und des Computers.

Fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen
1. Zuerst konnte ich nur Bayerisch, bevor ich Hochdeutsch lernte
2. Mein Großvater hat bei Winnetou mitgespielt (nur Statist)
3. Ich hasse Karneval
4. Ich liebe Silvester
5. Ich rauche und habe nicht die Absicht, damit aufzuhören

Wollen Sie Ihren Leserinnen und Lesern einen kurzen Gruß schreiben – wir würden uns freuen!
Ich finde, es ist für jede/n Autor/in eine Ehre, dass die Texte, die man geschrieben hat, gekauft, gelesen und – im besten Fall – für gut befunden werden. Stephen King sagte einmal, er fände es irgendwie schräg, dass irgendwo auf der Welt gerade jemand über ihn spricht oder sein Buch liest.

Es ist schier unmöglich, ein Buch zu schreiben, das jeder großartig findet. Geschmäcker und Erwartungen sind unterschiedlich, aber es freut mich immer, wenn mir jemand schreibt oder sagt, meine Geschichte habe ihm schöne Stunden beschert, sein Herz berührt oder ihn zum Lachen gebracht. Genau das ist mein Ziel. Jemand, der nur deshalb schreibt, damit er damit Geld verdient, sein Ansehen erhöht oder „sich etwas von der Seele zu schreiben“ versucht, wird den Leser nicht erreichen. Das sind schöne Nebenerscheinungen, aber ich schätze meine Leser/innen und möchte, dass sie mein Buch in positiver Erinnerung behalten. Deshalb an dieser Stelle: Herzlichen Dank, dass Sie mein Buch lesen. Ich hoffe sehr, dass es Ihnen gefällt und ich ein kleines bisschen dazu beitragen kann, Ihren Urlaub oder Feierabend zu bereichern.

Hören Sie niemals auf zu Lesen – es ist und bleibt der schönste Zeitvertreib!

Are you finished? - No, we are from Norway Blick ins Buch

Sophie Seidel

Are you finished? - No, we are from Norway

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