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Tanja Frei im Interview zu ihrem Thriller »Das Wispern der Angst«

»Es macht mir Spaß, einiges von dem, was wir glauben zu kennen, auf den Kopf zu stellen«

Tanja Frei
© Andreas Geiger

In Das Wispern der Angst werden die alleinerziehende Jenna und ihre Tochter Kim jäh aus ihrem Alltag gerissen. Seltsame Dinge passieren, die schnell klarmachen: Es wird gefährlich für die beiden. Wie reagieren sie darauf?
Tanja Frei: Es beginnt mit Albträumen. Beide haben das unbestimmte Gefühl, dass jemand oder etwas sie verfolgt, in eine Falle locken möchte. Plötzlich treten die typischen Mutter-Tochter-Konflikte in den Hintergrund, und Jenna und Kim müssen lernen zusammenzuhalten, einander zu vertrauen – denn es geht um Leben oder Tod …

Der Roman beginnt in München. Die turbulenten Ereignisse, die Jenna und Kim widerfahren, führen sie über London bis auf die schottische Insel Islay. Was inspirierte Sie zu diesen Schauplätzen?
Tanja Frei: Wir alle haben ganz bestimmte Bilder von Orten vor Augen: Mit München verbindet man oft die fröhliche Biergartenkultur im Sommer. Im Februar kann die Stadt dagegen grässlich trostlos sein. Gleiches gilt für magische Momente in Afrika, Nebel und Grauen in London, Seemannsgarn spinnende Schotten auf Islay … Es macht mir Spaß, einiges von dem, was wir glauben zu kennen, auf den Kopf zu stellen und zu schütteln.

Was hat Sie an Jennas und Kims Geschichte am meisten gereizt?
Tanja Frei: Wie weit gehst du, wenn die, die du liebst, in Gefahr sind? Diese Frage hat mich beim Schreiben immer wieder beschäftigt. In meinem Roman finden zwei Menschen heraus, wozu sie wirklich fähig sind, angesichts vermeintlich unlösbarer Situationen, die sie an ihre Grenzen bringen. Die beiden entdecken bei dieser Reise Unglaubliches – und sich selbst. Im Gepäck dabei haben sie den Mut der Verzweiflung und eine gute Portion Galgenhumor.

Wie war es, mit »Das Wispern der Angst« ihren ersten Roman zu schreiben?
Tanja Frei: Ich musste zähneknirschend feststellen, dass meine Figuren ein Eigenleben führen. Beim Schreiben lümmeln sie in meinem Regal herum, lugen neugierig über den Rand des Bildschirms oder schaukeln an der Deckenlampe. Sie erzählen mir ihre Geschichte. Wenn ich sie aber eine Weile vernachlässigt habe, verziehen sie sich in eine Ecke und schmollen. Dann muss ich sie für die nächste Szene wieder hervorlocken. Da stellt sich die Frage: Wie besticht man eine Romanfigur?