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Jana Seidel im Interview

Interviews mit Jana Seidel zu ihren romantischen Komödien - Goldmann Verlag

Interview mit Jana Seidel

Liebe Jana, ein herzliches Willkommen bei uns im AusZeit-Magazin! Ich freue mich sehr, dass Du Dir die Zeit nimmst, ein bisschen mit mir über Dich und Deine Arbeit als Autorin zu plaudern.

Zu Beginn etwas Persönliches: Was gibt es über Dich als Mensch zu sagen, wenn Du Dich mit Deinem Sternzeichen vergleichen müsstest?
Menschen, die mich kennen lernen und mit Horoskopen beschäftigen, sagen oft mit inbrünstiger Überzeugung, dass ich ein Skorpion sein müsse. Dann muss ich immer ein wenig schmunzeln, weil ich 1.) gar nicht weiß, was das bedeutet und 2.) in Wahrheit Steinbock bin. Nun habe ich aber extra für euch mal nachgesehen, wofür die beiden Sternzeichen stehen, damit ich einen Vergleich anstellen kann. Das Ergebnis: Ich kann sehr diszipliniert sein und grüble manchmal zuviel – typisch Steinbock. Verstehe aber, warum manche denken, ich sei Skorpion: Ich gehe mit sehr viel Energie und Leidenschaft an alle Projekte und reagiere manchmal etwas zu impulsiv – Skorpion eben.

Was bringt Dich zum Lachen? Und was auf die Palme?
Ich kann am besten über einen eher trockenen, schwarzen Humor lachen, der zeigt, dass man sich selbst und das Leben nicht so ernst nimmt. Vielleicht habe ich deswegen eine so große Schwäche für Großbritannien und die Filme und Bücher, die aus den dazugehörigen Ländern kommen. Dafür verhageln mir Humorlosigkeit, Ungerechtigkeit, Überheblichkeit und Dauernörgler die Laune.

Wie sieht ein perfekter Tag in Deinem Leben aus?
Ausschlafen, zur Stärkung ein fettiges Frühstück mit Spiegelei, Bohnen und Würstchen verputzen (von dem ich an einem perfekten Tag natürlich kein Gramm zunehmen würde), dann mit meinem Freund eine ausgiebige Wanderung unternehmen, am liebsten irgendwo wo es Wald, Berge und gerne noch einen Wasserfall gibt und am Abend mit Nougatschokolade in der Badewanne planschen, biss Zehen und Finger komplett verschrumpelt sind.

Dein Rezept für gute Laune?
Schokoladenkuchen mit flüssigem Kern. Die Zubereitung dauert nur 15 Minuten. Der Geschmack macht aber für Stunden glücklich!

Gibt es etwas neben dem Schreiben, das Du als Deine Leidenschaft bezeichnen würdest?
Zwei Dinge: 1.) Film, Film, Film! Ich bin total kinoverrückt. Ich liebe den Kinosaal sogar schon, bevor der Film überhaupt losgeht. Der dunkle Raum, dann das Licht, dann die Bilder. Egal, ob kirgisischer Independent-Film, Mainstream-Action-Thriller oder Bollywood-Schinken – wenn etwas auf der Leinwand passiert, bin ich dabei. Am liebsten aber – wie schon gesagt – wenn die Filme aus Großbritannien kommen. Ich habe auch eine Schwäche für englische Krimi-Serien, mein absoluter Favorit an dieser Front derzeit ist „Sherlock Holmes“ mit Benedict Cumberbatch. Aber du kannst mir auch die schnarchigste aller „Inspector Barnaby“ Folgen vorsetzen: Ich find’s super!
2.) In der freien Natur herumtollen. Es darf gerne ordentlich Schweiß dabei fließen. Weil ich soviel am Schreibtisch sitze und in der Großstadt lebe, ist dies das Gegenwicht, das ich dringend brauche.

Liebe Jana, im April 2011 erschien Dein Debütroman „Über den grünen Klee geküsst“. Kannst Du Dich noch daran erinnern, wie sich der Weg Deines ersten Werkes vom Manuskript, über die Verlagssuche, bis hin zum fertigen Buch gestaltet hat?
Das ist eine längere Geschichte: Mein erstes Buch war nämlich in Wahrheit nicht „Über den grünen Klee geküsst“, sondern „Eigentlich bin ich eine Traumfrau“. Dieses Buch hatte ich bereits fertig geschrieben – das war 2009 –, als ich mich auf die Suche nach einer Literatur-Agentur gemacht habe. Ich wollte alle juristischen und kaufmännischen Dinge gerne in die Hände eines Fachmanns legen und habe so meine jetzige, absolut großartige Agentin gefunden. Sehr bald danach schon signalisierte der Goldmann Verlag Interesse. Nur bis zur Veröffentlichung musste ich mich dann etwas gedulden, weil der Verlag entschied, das zweite Buch als erstes und das erste als Zweites erscheinen zu lassen. Warum, das weiß ich gar nicht mehr.

Publiziert am 2. Januar 2013 bei www.auszeit-magazin.com

Jana Seidel
© Suse Walczak

Laut Deiner Vita arbeitest Du in einer Zeitschriftenredaktion, in Deiner Freizeit schreibst Du lustige, romantische Frauenromane. Das Schreiben nimmt also einen großen Platz in Deinem Leben ein – was bedeutet es für Dich?
Geschrieben habe ich tatsächlich, seit ich schreiben kann. Ich liebe die vielfältigen Möglichkeiten der Sprache und fast alle Stilformen. Ich mag es mir Geschichten auszudenken, genauso gerne berichte ich in einer Reportage über die Wirklichkeit. Diese Vielfalt möchte ich auf keinen Fall missen. Die Fiktion ist dabei für mich eine wunderbare Erweiterung des begrenzten, realen Lebensraums eines Menschen.

Wann hast Du erstmals mit dem Gedanken gespielt, ein Buch zu schreiben? Und was fällt Dir spontan ein, wenn ich Dich nach Deinen ersten Schreib-„geh“-versuchen frage?
Als Kind habe ich mir gerne Theaterstücke nur für mich ausgedacht und habe auch gleich alle Rollen übernommen – in meinem Kinderzimmer. Als ich 18 war habe ich das erste Mal eine Kurzgeschichte geschrieben, die in einer Zeitschrift veröffentlicht und für die ich bezahlt wurde. Irgendwie lief wohl alles auf einen ersten Roman hinaus. Den habe ich eigentlich schon mit 16 geschrieben. Obwohl das ein fürchterliches Machwerk war, über das ich heute grinsen muss, bewahre ich es aus sentimentalen Gründen immer noch in einer Schublade auf.
Zu dem Zeitpunkt wurde uns im Deutschunterricht eingebläut, ein gutes Buch müsse den Leser pieksen und stechen, ihm weh tun. Ich habe daran geglaubt. Deswegen leiden in dem Buch alle ganz fürchterlich an sich selbst und der Welt, machen sich das Leben gegenseitig zur Hölle, wenn sie nicht vorher Selbstmord begangen haben oder dem Suff erlegen sind. Der ambitionierte Arbeitstitel „Requiem“ sagt eigentlich schon alles Heute denke ich: Es muss auch Bücher geben, die den Leser streicheln und füttern, statt ihn in einer noch elenderen Verfassung zurückzulassen!

Nun zu Deiner aktuellen Veröffentlichung: Für Leser die „Mich gibt’s übrigens auch für immer“ noch nicht kennen, würdest Du kurz zusammenfassen was sie erwartet?
Tanja ist sehr romantisch, aber leider auch extrem unentschlossen. Mit Anfang 30 hat sie bereits ihr sechstes Studium abgebrochen und hält sich mit schnell wechselnden Gelegenheitsjobs über Wasser. Nur eines weiß sie: Ihr Freund ist ihr absoluter Traummann, mit dem sie auf immer und ewig zusammenblieben möchte. Eigentlich sollte ihre Antwort auf seinen Heiratsantrag also Ja lauten. Doch sie vermasselt den Antrag und beinahe auch ihre Beziehung, weil sie nicht heiraten kann, ohne sich einem Problem aus ihrer Vergangenheit zu stellen: ihrem durchgeknallten Vater, der mittlerweile ein Selbstfindungs-Camp in Indien leitet. Weil dies eine romantische Komödie ist, steht die Paar-Beziehung natürlich im Vordergrund. Aber ich finde es schön, dass ich mit der Vater-Tochter-Beziehung ein zusätzliches Element hinein bringen konnte, das auch Raum für nachdenkliche Momente bietet. Zwar ist dies eine romantische Komödie. Aber ich mag Komödien dann am liebsten, wenn es auch ernste oder sogar melancholische Momente gibt.

Meist gibt es auch für eine Autorin gewisse Abschnitte oder Szenen in einem Manuskript, die ganz leicht von der Hand gehen oder die besonders viel Freude während des Schreibprozesses bereiten. Auf welche Szene oder Szenen Deines aktuellen Romans wirst Du noch länger mit einem Schmunzeln zurückblicken?
Ich wollte mir ein einziges Mal in einem Buch eine Bollywood-Tanzszene gönnen und das habe ich in „Mich gibt es übrigens auch für immer“ getan. Das ist natürlich nicht das Gleiche wie all die grellen Farben und klimpernden Goldkettchen auf der großen Leinwand zu sehen. Aber ich freue mich immer noch über die Szene – oder zumindest über meine innere Vorstellung von dieser Szene. Beim Lesen sieht ja – anders als auf der Leinwand – nicht jeder die gleichen Bilder.

Zwischenfrage: Oft wird behauptet, man schreibt das, was man selbst gerne lesen würde. Würdest Du dieser Aussage zustimmen?
Das stimmt ein Stück weit. Ich schreibe, was mir Spaß macht und schätze auch einige Bücher in diesem Genre, vor allem die von Gier, Kinsella und Fielding. Doch auch hier brauche ich die Abwechslung und lese oft mehrere Bücher parallel: Sachbücher zu Recherchezwecken, Biografien aus Neugierde, einen gut gemachten Thriller zur Unterhaltung und zwischendurch lande ich immer wieder bei Oscar Wilde, den ich für seinen Witz und genialen Sprachgebrauch liebe. Ich fühle mich generell zu Autoren hingezogen, die ein eigenes, fremdes Universum kreieren. Damit meine ich nicht unbedingt Fantasy-Romane, obwohl ich die ab und zu auch gerne lese. Aber ich denke dabei eher an Autoren wie Graham Greene und John Irving, deren Geschichten zwar in der realen Welt angesiedelt sind, deren Handlungsräume und Figuren aber so sehr eigenwillige Geschöpfe des Autoren sind, dass man komplett darin abtauchen und den tatsächlichen Alltag vergessen kann. Da bin ich wohl der typische Eskapist.

Abschließend: Woran arbeitest Du gerade? Worauf dürfen sich Deine Leser künftig freuen?
Meine ersten drei Bücher hingen insofern zusammen, als dass immer die gleichen Figuren auftauchten. Nun habe ich das vierte geschrieben – wieder eine Liebeskomödie, aber mit frischen Figuren. Ich will noch nicht zuviel verraten, aber ich habe der Protagonistin diesmal sogar einen netten Hausgeist gegönnt. Danach würde ich wahnsinnig gerne mal ausprobieren, ob es mir gelingt einen gut konstruierten, düsteren Krimi zu schreiben.

Copyright: Eva Leitold, Auszeit Magazin