Jana Seidel im Interview

Interviews mit Jana Seidel zu ihren romantischen Komödien - Goldmann Verlag

Interview mit Jana Seidel zu Ihrem Debüt »Über den grünen Klee geküsst«


„Über den grünen Klee geküsst“ ist ihr erster Roman. Wie entstand die Idee dazu?
Ich wollte eine romantische Wohlfühl-Komödie schreiben. Und ich finde Irland mit all seinen Gegensätzen – oder zumindest das ländliche Irland wie man es sich immer ausmalt – ist der perfekte, nicht zu glatte Hintergrund dafür. Die rau-liebliche Landschaft, die kantig-warmherzigen Menschen. Ein paar szenische Ausschnitte für eine Handlung hatte ich auch schon im Kopf – und dann habe ich alles wie ein Puzzle zusammengefügt.

Warum Irland? Sind Sie ein großer Fan der grünen Insel?
Manchmal habe ich das Gefühl, es gibt niemanden, der KEIN Fan der grünen Insel ist. Wenn die Rede von Irland ist, bekommen alle so einen seltsam sehnsüchtigen Blick. Ich auch. Natürlich ist Irland mehr als seine Klischees, aber die sind einfach so anziehend. Die von Johnny Cash besungenen „Fourty Shades of Green“, das Meer, einsame Seen, steile Klippen, nebelverhangene Hügel – und zu allem gibt es eine Sage oder Legende. Die rührendsten Balladen treffen auf eine fröhliche Trinkkultur – wie sollte man da widerstehen?

War es schon immer Ihr Traum, einen Roman zu schreiben?
Nun ja, es war schon immer mein Traum, zu schreiben, ohne mich dabei genau festzulegen. Ich arbeite ja auch immer noch als Journalistin, allein schon um den Anschluss an das „echte“ Leben nicht zu verlieren. Wie gerne ich Romane schreibe, habe ich erst so richtig gemerkt, als ich damit schon angefangen hatte. Es ist toll über einen längeren Zeitraum an einem Projekt zu arbeiten. Nach einer Weile sind die Figuren einem so vertraut und erscheinen real wie lieb gewonnene Bekannte. Ich freue mich dann schon beim Aufstehen ernsthaft, zu ihnen und in ihre Geschichte zurückzukehren. Eigentlich ist es eine wunderbare Erweiterung des eigenen, begrenzten Lebensraums.

Kann man „Über den grünen Klee geküsst“ in einem Satz zusammenfassen?
Am Ende zählt tatsächlich nur die Liebe – sei es zu einem Mann, Freunden oder der Familie – auch wenn man manchmal erst lernen muss, angstfrei mit einem so großen Gefühl umzugehen.

Was war das radikalste was sie aus Liebeskummer gemacht haben?
Mit dramatischen Aktionen wie nächtlichem Autozerkratzen oder volltrunken schluchzenden Telefonanrufen kann ich nicht dienen. Ich bin eher ein Freund des radikalen Loslassens und von Neuanfängen. Deswegen habe ich – ähnlich wie Louisa – nach einem Beziehungs-Aus schon mal die Stadt und den Job über Nacht gewechselt. Zählt das als radikal?

Gibt es reale Vorbilder für die Protagonisten im Buch? Steckt vielleicht sogar ein bisschen Louisa in Jana Seidel?
Ich vermute, sogar in den meisten Charakteren steckt ein wenig von mir, sonst hätte ich wohl andere erfunden. So teile ich wohl mit Louisa ihren bisweilen bissigen Humor, mit Tanja die Freude am Kochen und mit Juli die Liebe zum Kino und zu fantastischen Spinnereien. Im Großen und Ganzen sind die Figuren aber Collagen aus Beobachtetem und Erdachtem, so dass keine Figur eins zu eins einer realen Person entspricht.

Was ist für Sie der schwierigere Moment – den ersten Satz zu schreiben oder den letzten?
Der erste Satz. Der ist eine so große Quälerei, dass ich ihn sogar manchmal anfangs ganz weglasse, um überhaupt erst mit der Geschichte anzufangen. Ich füge ihn später ein. Dann gelingt das Ende recht einfach: Ich versuche darin auf den ersten Satz Bezug zu nehmen, damit die Sache nach meinem Gefühl rund wird. Da habe ich eine Schwäche für Symmetrie.

Haben Sie einen Lieblingsautor – und wenn ja: Wer ist es, und warum?
Eine schwierige Frage. Dürfte ich nur einen nennen, wäre es wohl auf Anhieb Oscar Wilde, wegen seiner Sprachbegabung und seines Humors. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr fallen mir ein, die mit auf die Liste müssten. Damit die nicht ausufert, kann ich vielleicht allgemein sagen, dass ich eine Schwäche für den angelsächsischen Raum habe. Vor allem für die englischen Autoren, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts aktiv waren und Humor hatten: E. M. Forster und Somerset Maugham etwa. Und für Autoren, denen es gelingt, ein ganz und gar eigenes, fremdes Universum zu kreieren, in das man abtauchen kann. Damit meine ich gar nicht so sehr fantastische Literatur. Obwohl ich die Harry-Potter-Bände auch begeistert verschlungen habe. Ich denke dabei an Autoren wie Graham Greene, dessen Handlungsräume zwar in der realen Welt angesiedelt, aber so eigen sind, so sehr mit nur diesem einen Autoren behaftet, dass man sie „Greeneland“ nennt – oder John Irving mit seinen Tanzbären und vaterlosen Söhnen. Außerdem lese ich immer wieder gerne alte Reiseberichte, viktorianische Schauergeschichten und in meinem eigenen Genre Helen Fielding, Sophie Kinsella und Kerstin Gier.

Als Autorin von „Über den grünen Klee geküsst“ sind Sie quasi Expertin: Gibt es einen Geheimtipp zur Überwindung grauenvollen Liebeskummers?
Da muss wohl jeder seine eigene Methode finden. Ich glaube: Gut ist, konsequentes Loslassen bei absolutem Vermeiden von würdelosem Verhalten. Da kommt man schneller wieder auf die Beine, auch wenn man sich auf dem Weg dahin etwas malträtieren muss. Ich weiß, manche wälzen dann Ratgeber und Internet-Seiten, die erklären, wie man den Verflossenen durch gekonnte Verstellung und ausgefeilte Tricks zurückgewinnt. Aber sich wie besessen damit zu beschäftigen wie man sich für einen anderen verbiegen kann, erscheint mir irgendwie demütigend. Auch nicht gut: Sofort nach einem neuen Partner Ausschau halten, der die vermeintliche Lücke ganz schnell wieder füllt. Man greift dann mit Sicherheit den falschen – und macht das Selbstvertrauen von einer Beziehung abhängig. Ich würde empfehlen, die Zeit hemmungslos egoistisch zu nutzen. Nachdem man sich ordentlich ausgeheult und vor Wut in sein Kissen gebissen hat, könnte man sich fragen, welche Persönlichkeitsanteile man in der Beziehung nicht ausleben konnte und ob die nicht eigentlich wichtig sind. Hilfreich ist eine Liste mit Dingen, die man immer schon tun wollte, aber vielleicht gerade wegen der Beziehung nicht gemacht hat. Völlig egal, ob das nun ein Fallschirmsprung, die Südamerika-Reise oder ein Tanzkurs ist. Und während man so hübsch beschäftigt ist, wird man irgendwann mit echter Freude dabei sein und denken: „Hey, mein Leben mit mir und für mich selbst ist herrlich.“ Man muss erst mal ein Leben haben, um es mit jemandem teilen zu können. Und dann trifft man auch den Menschen, der wirklich zu einem passt.

Können Sie uns schon verraten, um was es in Ihrem nächsten Roman geht? Gibt es vielleicht ein Wiedersehen mit Louisa und co?
Ich fürchte, ich werde nicht eher ruhen, bis nicht alle Figuren aus „Über den grünen Klee geküsst“ für mich und meine Leser zufriedenstellend unter die Haube gebracht sind! Und weil Louisas Juli ja im ersten Band auch eine kleine Trennung verkraften muss, werde ich mich zunächst mal um ihr Liebesglück kümmern! Also: Ja, es gibt ein Wiedersehen.