Interviews mit Lilli Beck zu »Glück und Glas«

Lilli Beck … über ihr Leben

Lilli Beck
© Susie Knoll
Wieviel von Ihrer eigenen Lebensgeschichte steckt in Glück und Glas?
Beim Schreiben des Romans habe ich sehr viel aus meinem eigenen Leben geschöpft. Die Geschichten, die Moon beim Modeln passieren, habe ich auch so erlebt! Für Weihnachtskarten eines renommierten Wäsche-Labels musste ich z.B. mit nichts weiter am Leib als einem hauchdünnen Negligé mit Engelsflügeln im Englischen Garten posieren – bei eisigen Temperaturen barfuß im Schnee! Aus Solidarität bot der Fotograf immerhin an, ebenfalls sein Hemd auszuziehen und mit nacktem Oberkörper zu fotografieren. Ein anderes Mal wurde ich für Fotoaufnahmen in der Provence für eine aufwendige Werbekampagne des Eau de Toilette 4811 gebucht. Der Fotograf schwärmte von Bildern im ersten Sonnenlicht inmitten eines blühenden Lavendelfeldes. Doch kurz nach Beginn des Shootings fing es rings um mich herum an zu summen und zu surren und ich war plötzlich inmitten eines riesigen Bienenschwarms, der auf die süßen Lavendelblüten aus war. In permanenter Angst, gestochen zu werden, musste ich ausharren, bis alle Fotos im Kasten waren – ich kam unbeschadet davon, während der Fotograf tatsächlich mehrere heftige Bienenstiche abbekam.
Wie wurden Sie überhaupt als Model entdeckt?
Ich wurde 1968 im Blow-Up - das war damals der angesagteste Club der ganzen Stadt – von einem Modelagenten angesprochen; Casting-Shows so wie heute gab es ja damals noch gar nicht. Zwei Wochen später war ich in Paris zu Probeaufnahmen und dann ging’s los, auch mit dem Geld verdienen. Ähnlich wie Moon habe ich mir in den 70er Jahren als Model tatsächlich richtig viel Geld erarbeitet. Das war noch eine ganz andere Zeit …. Wussten Sie z.B., dass es damals selbstverständlich war, dass man als Model seine eigenen Schuhe zum Fotoshooting mitbrachte, sich selbst schminkte und sich die Haare machte bzw. seine eigenen Perücken mitbrachte, die damals so modern waren? Wer mit seinen Haaren nicht klar kam, der wurde seltener als Model gebucht, so einfach war das!
Welche Stimmung herrschte damals in München?
Zu dieser Zeit gab es die Studentendemos, da flogen die Steine. Mich hat das aber gar nicht interessiert. Wir haben uns gedacht, die Intellektuellen gehen demonstrieren – wir gehen tanzen! Mich haben mehr die Künstler und Filmemacher interessiert. Ich kam ja dann mit dem Cutter von Wim Wenders zusammen. Das war dann so meine Clique. Ja, die 70er Jahre waren schon eine verrückte Zeit. Ich beschreibe das ja auch in meinem Buch. Lore engagiert sich in den Studentendemos, während Moon in eine Kommune zieht. Es gab ja auch diese Kommunen, in denen wirklich alle immer nackt herum liefen. Das war ganz normal! Ich sage immer, heute reden alle über Sex, aber keiner hat welchen. In den 70er Jahren dagegen haben wir, meine Freunde und ich, nicht über Sex geredet …

Gibt es bestimmte Orte, zu denen Sie oder Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Ich liebe die Côte d'Azur und besonders Nizza außerhalb der Hochsaison. Für mich als junges Mädel aus der Oberpfalz war Nizza auch kulinarisch eine Offenbarung: ich aß zum ersten Mal so exotische Dinge wie Omelette Surprise oder Crêpe Suzette und lernte, dass man Steak auch blutig essen kann … Fast alle in Glück und Glas erwähnten Orte (mal abgesehen von der JVA in Aichach) kenne ich sehr gut bzw. ich habe in meiner Zeit als Fotomodel und Visagistin dort gearbeitet.
Welche Fotos von damals sehen Sie sich heute noch gerne an?
Ach, ich sehe mir eigentlich alle Bilder von damals noch gerne an. Lustig war z.B. ein Shooting für ein Plattencover von Marius Müller-Westernhagen, auf dem ich als Covergirl im Hintergrund zu sehen bin. Marius habe ich privat in der Klappe kennengelernt. Die Klappe war auch so ein In-Laden damals. Und wir kamen einfach ins Gespräch … Gern erinnere ich mich auch an die 70er, als ich Kühlerfigur von Pirelli war. Das war ja noch bevor der berühmte Pirelli-Kalender in den 80ern erfunden wurde. In dieser Zeit wurde ich immer wieder von Freunden angesprochen, die mich auf der Autobahn auf einem LKW gesehen hatten.

Glück und Glas

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