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Karine Lambert: Und jetzt lass uns tanzen, Roman, Diana Verlag

»Und jetzt lass uns tanzen« – Iris Berben & Karine Lambert im Interview

»Tanzen bedeutet Freude, nun, da es keine Zeit mehr zu verlieren gibt«

Ein Interview mit Autorin Karine Lambert

© Karine Lambert

Wovon handelt Ihr Roman?

Karine Lambert: Und jetzt lass uns tanzen erzählt von der Schwierigkeit zu altern, von der Trauer nach fünfzig Jahren Ehe und von der Einsamkeit. Doch vor allem von günstigen Fügungen des Schicksals, die das Leben umkrempeln, von der Liebe, die auftaucht, als man sie schon längst abgeschrieben hat, und davon, wie erwachsene Kinder das Begehren ihrer Eltern skeptisch beäugen. Und es ist eine Geschichte über den Mut, bis zum Schluss alles aus seinem Leben herauszuholen.


Wie sind Sie auf die Idee für das Buch gekommen?

Karine Lambert: Die Mutter meines besten Freundes hat ihren Mann nach fünfzig Jahren Ehe verloren. Sie war haltlos und aufgelöst, konnte sich für nichts mehr begeistern. Ich war völlig baff, als sie mir ein Jahr später mit mädchenhaft funkelnden Augen beim Tee erzählte, dass sie mit ihrem neuen Liebhaber in der Küche getanzt habe. Es ist nicht ihre Geschichte, die ich im Roman erzähle, doch an die leuchtenden Augen habe ich beim Schreiben immer wieder gedacht ...


Erzählen Sie uns etwas über Ihre Figuren.

Karine Lambert: Marguerite Delorme ist 78 Jahre alt, Notarswitwe, nahezu eine Bilderbuchgroßmutter. Sie schwärmt für Line Renaud, Françoise Sagan und schmückt gerne Gräber mit Blumen. Gar nicht leiden kann sie Chopin, in Käfige gesperrte Tier und Loire-Schlösser ... außerdem mag sie Unvorhergesehenes nicht. Sie fühlt sich für niemanden mehr attraktiv. Sie weiß sehr wohl, dass sie mit ihren 78 Jahren zum alten Eisen gehört.
Marcel Guedj ist 73 Jahre alt, Algerienfranzose, großzügig, stürmisch. Er liebt die Natur, Sterne, Baumhäuser und einsame Nashörner. Er verabscheut das Mittelmeer, strenge Zeitpläne und Thermalkuren ... Seine großen, faltigen Hände streicheln und umarmen niemanden mehr.
Diese beiden hätten sich eigentlich nie über den Weg laufen dürfen. Mit zwanzig hätten sie sich nicht ineinander verliebt. Nun erwarten sie nichts mehr vom Leben. Trotzdem wird das Schicksal – eine Verkettung von Umständen – ihr Leben auf den Kopf stellen.


Die Wege von Marguerite und Marcel kreuzen sich bei einem Aufenthalt in den Pyrenäen. Warum gerade dort?

Karine Lambert: Wenn man weit weg von zu Hause ist, entwickeln sich Dinge leichter als in der gewohnten Umgebung. Ich habe in einem Reiseführer nachgeschlagen und fand, dass Bagnères de Bigorre hübsch klang.


Marguerites und Marcels Leben hätten nicht unterschiedlicher verlaufen können. Ziehen sie sich durch diese Unterschiede an? Oder haben die beiden mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick vermuten würde?

Karine Lambert: Sie kommt wie er aus einem einfachen Elternhaus, und ihre Lebensfreude, die in ihrer Kindheit und später von ihrem Ehemann unterdrückt wurde, wird von Marcel, dem Lebemann aus dem Süden, wieder auferweckt.
Er könnte sich nicht in eine Person verlieben, die seiner ersten Frau ähnelt. Marguerites Neugier, Anmut und Zartheit ziehen ihn an. Ihre Reserviertheit macht ihn neugierig.
Für mich war es eine Herausforderung, aus diesen anfangs so unterschiedlichen Menschen ein harmonisches Paar zu machen.


Welche Rolle spielt die Familie in diesem Roman?

Karine Lambert: Sie gleicht einer Schutzinstanz, die manchmal zu weit geht.


Warum dieser Titel und dieser Umschlag?

Karine Lambert: Tanzen bedeutet Freude, nun, da es keine Zeit mehr zu verlieren gibt. An dem Umschlag gefallen mir die Fragilität, die Trunkenheit und der Schwindel der Hochseilakrobaten ... Sind sie mutig genug, sich einander auf dem Seil anzunähern und zu tanzen?


Sie sind Fotografin. Hat die Fotografie Ihre Romane beeinflusst?


Karine Lambert: Ja. Fotografieren und Schreiben haben sehr viel gemeinsam. Bei beidem kann ich beobachten und etwas teilen, das mich berührt. Es gibt jedoch einen Unterschied: Fotos sind Momentaufnahmen, ein Gefühl, das ich einfange. Beim Schreiben kann ich mehr in die Tiefe gehen.


Wer sind Ihre Lieblingsautoren?

Karine Lambert: Das sind Autoren, bei denen ich vergesse, dass ich gerade lese. Mir fallen ein paar Titel ein: Die Unvorhersehbarkeit der Liebe von Goliarda Sapienza, Der letzte Schlaf der Liebenden von Jacqueline Harpman, Gedächtnis mit Flügeln von Romain Gary, Seide von Alessandro Baricco, Die Fremde aus dem Eis von René Barjavel, Mein Name ist Luz von Elsa Osorio, Die Sonne der Scorta von Laurent Gaudé, Der Schaum der Tage von Boris Vian, Der Gedanke an das Glück und an das Ende von Jean-Luc Seigle, Der Fall von Albert Camus, Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde, Die Verunsicherten von Amin Maalouf, Bücher von Philip Roth und vielen anderen Autoren, ich lese eigentlich ständig :-)

Übersetzung: Pauline Kurbasik

Und jetzt lass uns tanzen Blick ins Buch

Karine Lambert

Und jetzt lass uns tanzen

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