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J.F. Englert »Der Schnüffler«

SPECIAL zu J.F. Englert »Der Schnüffler«

Gestatten: Randolph, vierbeinige Spürnase in Manhattan

Rezension von Manuela Haselberger

Wer wünscht sich das nicht: ein männliches Wesen das vielseitig belesen ist, blitzschnell im Denken und dazu noch ein sensibler Beobachter in allen Lebenslagen? Diese wunderbaren Eigenschaften vereinigt Randolph mit Leichtigkeit alle auf sich. Einziges Problem dabei: Dieses maskuline Prachtexemplar ist ein Hund, ein wunderschöner schwarzer Labrador. Gesellschaft leistet Randolph seinem Herrchen Harry, einem mäßig erfolgreichen Maler, mit dem er seine Tage in einer großzügigen, etwas unaufgeräumten Wohnung in Manhattan verbringt. Bis vor einem Jahr gehörte Imogen noch mit dazu und sie waren fast so etwas wie eine richtige Familie. Imogen ist Harrys Frau und hat Randolph als Welpe großgezogen. Die beiden männlichen Wesen vergötterten sie bis Imogen eines Tages spurlos verschwand.

Ein kluger Hund weiß mehr, sieht mehr, riecht mehr
Seit diesem Zeitpunkt malt Harry kaum noch Bilder, hat sich dem reichlich obskuren Gebiet der Geisterjägerei zugewandt und besucht höchst fragwürdige Séancen. Als kühler Rationalist weiß Randolph, dass es nun seine Aufgabe ist, ein wachsames Auge auf sein Herrchen zu werfen. Einer muss ja schließlich den kühlen Kopf bewahren; dann ist es eben ein Hundekopf. Und das ist gar nicht schlecht, denn kaum hat die nächste Séance begonnen, liegt der bekannte Schriftsteller Overton tot im Badezimmer. Die Polizei und der herbeigerufene Arzt gehen von einem Herzinfarkt aus, doch Randolph weiß mehr und er hat vor allem viel mehr gerochen. „Man sagt uns nach, wir könnten Angst riechen. Das ist jedoch noch lange nicht alles. Ich bin darüber hinaus imstande, minimalste Schwankungen fast aller menschlichen Emotionen zu wittern.“ Sollte es Gedankenleser geben, so zählt Randolph eben zu den begnadeten Geruchslesern.

Wie sag ich's meinem Herrchen?
Dazu kommt, dass er die Gabe besitzt, sich nicht nur mit seinen Artgenossen unterhalten zu können, die leider häufig etwas langsam im Denken und Formulieren sind. Nein, sehr wichtige Informationen erhält Randolph von Marlin, dem Faultier aus der gegenüberliegenden Wohnung. Einzige Schwierigkeit: Wie soll er seinem Herrchen seine Erkenntnisse mitteilen? Gar nicht so leicht, wenn der Zweibeiner keine Ahnung hat, in welcher Gefahr er sich befindet. Aber keine Sorge, Randolph ist erfinderisch und eine Tüte mit Nudeln in Buchstabenform leistet unschätzbare Hilfe. Dass Harry glaubt, ein Geist wäre in Randolph gefahren – geschenkt. Hauptsache er folgt den Anweisungen seines klugen Hundes, der nicht nur ein ausgewiesener Dante-Kenner ist, sondern noch dazu ein waschechter Philosoph.

Außergewöhnliche Todesfälle erfordern außergewöhnliche Ermittler
Der exzentrische Bekanntenkreis, den sein Herrchen mitten in Manhattan pflegt, verzeichnet schon bald einen neuen Todesfall. Die überdrehte Yogalehrerin Beatrice wird von einem kostbaren dicken Wälzer erschlagen, und Randolph ahnt schon, dass der Fall sich ausweitet. Noch ein Mord? Dass alle weiteren Todesfälle mit dem Verschwinden Imogens zu tun haben, das hätte auch der weitsichtige Detektiv auf vier Pfoten nicht geahnt.

Gassi gehen in Manhattan
Es macht Spaß und bietet witzige Unterhaltung, mit Harry und Randolph zwischen den überspannten Bewohnern Manhattans Gassi zu gehen und sie mit all ihren Spleens schmunzelnd zu beobachten. Und es bleibt die Frage nach dem Verbleib Imogens, die in den nächsten Bänden geklärt werden muss, schließlich hat Randolph ihre Spur erst auf der letzten Seite aufgenommen.

Manuela Haselberger
(bookinist)
Geislingen, Februar 2009