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SPECIAL zu James Hayman »Angstschrei«

Ich weiß, was du getan hast

Buchempfehlung von Manuela Haselberger

In James Hayman erstem Thriller „The Cutting“ konnte man Michael McCabe und seiner sympathischen Mitarbeiterin Maggie Savage schon bei ihren Ermittlungen über die Schulter schauen. Nun gibt es wieder Arbeit für das gut eingespielte Team von der Ostküste. Dabei haben sich die beiden auf einen ruhigen Start ins neue Jahr in Portland, im Bundesstaat Maine, gefreut. Doch die Pflicht ruft: In einem nagelneuen BMW wird die steif gefrorene Leiche einer schönen jungen Frau gefunden.

Eine gefrorene Unbekannte
Zunächst ist völlig unklar, um wen es sich bei der schönen jungen Frau handelt, auch die Todesursache gibt Rätsel auf und die eisigen Temperaturen erschweren die Ermittlungen zusätzlich. McCabe ist von der Toten schockiert, erinnert sie ihn doch im ersten Augenblick sehr an seine Exfrau und es gelingt ihm nur schwer, eine neutrale Haltung in diesem Fall zu bewahren. Noch dazu zieht seine Freundin solange, bis er diesen Fall abgeschlossen hat, wieder in ihre eigene Wohnung, denn ihr geht das ständige Warten auf ihn und seine schlechte Laune, die mit seiner Arbeit an einem Mordfall verbunden ist, gehörig auf die Nerven.

Ein Mord mit vielen Verdächtigen
Bei der Toten handelt es sich, wie die Ermittler sehr bald herausfinden, um die erfolgreiche Rechtsanwältin Elaine Goff. Je näher sich McCabe mit der Person von Elaine beschäftigt, umso vielfältiger werden die möglichen Verdächtigen. Hat ihr Vorgesetzter ein Motiv, denn mit ihm hatte die Tote ein Verhältnis, da die ehrgeizige junge Frau auf diesem Weg die Partnerschaft in der Kanzlei anstrebte? Oder ist der Verdächtige im Milieu des „Sanctuary House“ zu suchen, einer ehrenamtlichen Einrichtung für verhaltensauffällige Jugendliche, die Elaine unterstützte und die im Falle ihres Todes eine nicht unerhebliche Lebensversicherung erbt? Oder ist der Mörder in ihrem Haus zu finden? Hier hat ihr Vermieter heimlich Elaines Wohnung mit Kameras und Mikrofonen bestückt - auch nicht gerade die feine englische Art. Nicht zu vergessen den ominösen Anruf auf der Mailbox eines Verdächtigen: „Ich weiß was du getan hast“, murmelt die Stimme von Elaine Goff.

Eine schizophrene Augenzeugin
Als die Polizei den Hinweis erhält, dass es vermutlich auf der nahen Insel Harts eine Augenzeugin gibt, die den Mord an Elaine beobachtet haben soll, nimmt die Ermittlung eine neue Wende. Denn Abby, die Zeugin, leidet unter schizophrenen Schüben und ist aus Angst vor dem Mörder untergetaucht. Doch wie lange wird sie sich verstecken können? Ihr Tablettenvorrat ist begrenzt und in den vergangenen Jahren hat Abby bereits zwei Selbstmordversuche unternommen. McCabe muss das junge Mädchen auf jeden Fall finden, bevor der Mörder erneut zuschlägt. Jetzt kommt es auf jede Stunde an.

Hochspannung vor malerischer Kulisse
Der amerikanische Autor James Hayman beherrscht sein Handwerk perfekt. Er legt großen Wert darauf, die Spannungsschraube ganz allmählich anzuziehen. Zuerst bereitet er das Setting vor, stellt die Personen in ihrer Umgebung dar und lässt dem Leser Zeit, sich in den Fall hineinzudenken. Bei der Kulisse hat Hayman den Vorteil, dass er selbst in Portland lebt und Maine wie seine Hosentasche kennt. Um die Spannung voranzutreiben arbeitet er mit Zeitsprüngen, erzählt vom Auffinden der Leiche und geht dann immer wieder bis zum Todeszeitpunkt in den Ermittlungen zurück oder lässt so Handlungsstränge parallel verlaufen. Ein todsicheres Mittel, um die Spannung bis ins Unerträgliche zu steigern.

„Angstschrei“ ist ein Krimi, der beim Lesen Hochspannung garantiert und mit seinem klugen Plot und einfallsreichen Wendungen bestens unterhält.

Manuela Haselberger
(bookinist)
Geislingen, Juli 2011

James Hayman

Angstschrei

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