James Hazel: The Mayfly

James Hazel im Interview zu seinem Buch »The Mayfly – Die Chemie des Bösen«

Wussten Sie, dass James Hazels Frau den ersten Entwurf von The Mayfly – Chemie des Bösen in Fetzen riss?

James Hazel
© Bonnier Zaffre UK
Eine kurze Biografie:
Ich erhielt 2008 meine Zulassung als Rechtsanwalt und habe während meiner beruflichen Laufbahn als Jurist verschiedene Abteilungen geleitet. 2016, als ich mich vom juristischen Tagesgeschäft zurückzog, um meinen Lebenstraum zu verwirklichen, Schriftsteller zu werden, war ich Partner in einer regionalen Kanzlei.

Ich habe einen Studienabschluss in Jura sowie einen Master mit Auszeichnung im Fach Arbeitsrecht und Arbeitsbeziehungen. Nach wie vor bin ich als Berater für Arbeit und Personal tätig, hauptsächlich für Wohltätigkeitsinstitutionen.
Ich lebe auf dem Land ganz in der Nähe von Lincoln in England. Dort gibt es nur einen Bauernhof, ein paar Häusern und eine Bienenwachsmanufaktur.

Ich bin mit Jo verheiratet, der schönsten Frau der Welt, und ich lebe mit der beständigen Angst, dass sie eines Morgens aufwacht und erkennt, was für einen miserablen Deal sie eingegangen ist.

Ich habe zwei Stiefkinder: Ollie ist neunzehn Jahre alt und ein großer Junge, aber er trägt sein Herz auf der Zunge und er erinnert mich ein wenig an den Gorilla aus dem Film Sing. Grace ist sechzehn, sieht aus wie ein Model, und spricht eine Sprache, die nur sie selbst und ihre Clique versteht.

Ich habe mit Jo auch einen gemeinsamen Sohn: den fünfjährigen Archie. Ich bin mir sicher, dass er dazu bestimmt ist, eines Tages die Welt zu regieren oder zu zerstören. Wir wissen nur noch nicht so recht, was eintreten wird.

Jo und ich führen gemeinsam verschiedene Unternehmen, darunter eines für Boots-Liegeplätze, eine Investitionspartnerschaft, eine Entwicklungsgesellschaft und unsere Firma für Rechts- und Unternehmensberatung. Zudem bauen wir uns gerade im nächsten Dorf ein Haus.

Ach ja, offensichtlich schreibe ich auch noch Bücher.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Seit meinem Schulabschluss habe ich immer davon geträumt, Schriftsteller zu werden, aber erst in den letzten sechs oder sieben Jahren habe ich wirklich beschlossen, es ernsthaft zu versuchen, vor allem wegen der unerschütterlichen Unterstützung und Ermutigung durch meine Frau und meine Familie.

Als ich meine juristische Karriere an den Nagel hing, war das ein Vertrauensvorschuss – schließlich tauschte ich einen gut bezahlten Arbeitsplatz mit Aufstiegschancen und Sicherheiten gegen einen – zumindest damals – kleinen Buchvertrag mit einem lokalen eBook-Verlag. Aber damit habe ich meinen Traum verwirklicht und mein lebenslanges Ziel erreicht.

Wo finden Sie die Anregungen für Ihre Romane?
An den ungewöhnlichsten Orten. Die Figur Charlie Priest ist eines Morgens gegen fünf Uhr entstanden, als ich Archie, der damals noch ein Baby war, mit dem Auto in der Gegend spazieren fuhr, damit er endlich einschlief.

Ich ziehe viel aus der Beobachtung der Menschen, vor allem von Fremden, in meiner Umgebung, die alltäglichen Dinge, die sie sagen oder machen. Ich lasse mir gern Hintergrundgeschichten für Leute einfallen, die ich in Cafés oder auf der Straße sehe. Das heizt die Fantasie an.

An was für einer Geschichte arbeiten Sie gerade?
Ich sitze gerade am dritten Charlie-Priest-Roman, der Arbeitstitel lautet: The Depth [Die Tiefe]. Ich setze Charlie Priest der schlimmsten Herausforderung aus, denn ich lasse ihn gegen einen Serien-Killer kämpfen, der in London wütet und gnadenlos mordet und der in kein bislang gekanntes Schema passt. Schließlich ergibt sich eine Verbindung zu einer mysteriösen verloren gegangenen Schrift, die zu den Qumran-Rollen gehört und die ein so machtvolles Geheimnis birgt, dass ihr Hüter vor nichts Halt macht, um es zu unterdrücken.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren? Warum?
Ich verdanke sehr viel Jo Nesbø und seiner großartigen Figur Harry Hole, dem alkoholabhängigen Ermittler der Osloer Polizei. Harry gerät ständig in Konflikte mit seinen Vorgesetzten und er arbeitet ein wenig außerhalb des Systems. Doch das Geniale an dieser Figur ist, wie geschickt Nesbø dafür sorgt, dass der Leser mit seinem Protagonisten mitfühlt, trotz dessen zahlreicher und gravierender Defizite.

Karin Slaughter ist für mich besonders wichtig, nicht nur weil sie eine exzellente Krimiautorin ist und eine Meisterin darin, verschiedene Nebenhandlungen miteinander zu verweben, was ihre Figuren so lebendig macht, sondern weil Gottlos einer der ersten Krimis ist, die ich je gelesen habe.

Ein gutes Buch zeichnet sich dadurch aus, dass es lange nachwirkt. Gute Bücher sind die Bücher, über die man ständig nachdenkt. Beispielsweise wenn man bei der Arbeit am Kopierer steht und plötzlich überlegt, wie die Geschichte wohl enden wird, oder, noch besser, wie sie endete. Vier Kriminalromane, bei denen mir genau das passierte: Der Fall Moriarty von Anthony Horowitz, Der Knochenjäger von Jeffrey Deaver, Das Lied der Sirenen von Val McDermid sowie Cry Baby von Gillian Flynn.

Was wirklich gutes Schreiben angeht, liebe ich die Werke von Sarah Hilary. Sie schreibt so außergewöhnlich großartig und klug. Ganz im Gegensatz dazu schätze ich wegen ihres Tempos und ihrer Spannung die Jack Reacher-Reihe von Lee Child, den unnachgiebigen Rächer Robert Hunter aus der Feder von Chris Carter sowie die Gretchen Lowell-Reihe von Chelsea Cain.

Ich lese leidenschaftlich gern Horrorliteratur, je kruder umso besser. Mit Anfang zwanzig habe ich fast alles von dem megaparanoiden H. P. Lovecraft gelesen. Es ist doch erstaunlich, wie viele literarische Werke, Filme und Kunst von einer Reihe Short Storys und Erzählungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts inspiriert wurden. Als Klassiker für Bizarres à la Lovecraft muss man nur einen Blick auf Schatten über Innsmouth werfen.

Als großartige Horrorgeschichte und eines dieser Bücher, die einem einen Schauder durch den Körper jagen, habe ich Das Haus von Mark Z. Danielewski geliebt. Dieses Buch führt die Lektüre auf eine nächste und sehr merkwürdige Ebene. Als nicht ganz so raffinierte Horrorliteratur alles von James Herbert, insbesondere Dunkel.

Schließlich kann ich nicht genug betonen, wie viel ich Stephen King verdanke, dessen Buch über das Schreiben meine erste Einführung in den Beruf war, und dessen Romane mich am Ende meiner Jugend in Beschlag nahmen und die mich bis ins Mark erschütterten. Gibt es einen besseren Weg, um die Kraft der Literatur zu erkennen?

Welche Bücher haben Sie kürzlich gelesen?
Ich habe gerade Origin von Dan Brown fertig gelesen. Das Buch ist ein Beleg dafür, dass selbst Handlungen, die weit hergeholt und lächerlich sind, absolut unterhaltsam sein können. Davor The Fourth Monkey von J.D. Barker sowie eine Menge Literatur für die Recherche für den dritten Charlie Priest-Roman, angefangen bei Büchern über die Entdeckung der Qumran-Rollen bis zu einer Abhandlung über Baphomet, das rätselhafte Götzenbild der Tempelritter.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Es ist besser zu bereuen, etwas getan zu haben, als zu bereuen, etwas nicht getan zu haben.

Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade schreiben?
Gemeinsam mit meiner Frau führe ich mehrere Unternehmen, unter anderem im Bereich Wohnbauentwicklung, Rechts- und Unternehmensberatung sowie eine Firma für Boots-Liegeplätze. Die übrige Zeit verbringe ich mit meiner Familie, mit Lesen und Reisen, mit dem Besuch von Konzerten. Außerdem sehe ich mir gerne richtig schlechte Filme an.

Fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen …
1. Ich habe eine seltene Kollagen-Störung, das Ehlers-Danlos-Syndrom, weswegen meine Haut sich merkwürdig dehnen lässt.
2. Ich spiele (miserabel) Gitarre und schreibe gelegentlich Songs, die mein Stiefsohn produziert und aufführt.
3. Ich war einmal mit der Herzogin von Cornwall und ihren Kindern George und Charlotte Schwimmen, aber ich habe sie erst erkannt, als ich aus dem Pool stieg.
4. Im vergangenen Jahr haben meine Frau und ich ein Benefiz-Konzert für einen sechzehnjährigen Jungen organisiert, der an einem unheilbaren Hirntumor litt. Binnen sechs Wochen konnten wir 25.000 Pfund für ihn sammeln.
5. Ich bin ein elendiger Skifahrer und ich habe keinen Orientierungssinn.


Über Ihr aktuelles Buch

Wie würden Sie Ihren Roman mit einem Satz beschreiben?
Ein spannender Abstieg in das abgrundtief Böse, unter der Führung eines brillanten Rechtsanwalts voller Laster.

Wodurch wurde Ihr Roman inspiriert?
Mich haben stets die Geschichten fasziniert, die mein Großvater mir als Kind über seine Erlebnisse im Krieg erzählte, vor allem die als Kriegsgefangener. Nach seinem Tod fand ich heraus, dass er viele der Geschichten exklusiv mir allein vermacht hatte. Ich war davon ausgegangen, dass zumindest meine Mutter und meine Tante diese auch alle kannten, doch dann stellte sich heraus, dass von einigen Geschichten ich der einzige Hüter war.
Ich wusste, dass die Story für meinen Roman The Mayfly – Chemie des Bösen mein persönliches Interesse am Zweiten Weltkrieg befriedigen musste, und ich konnte mir keinen gefährlicheren Gegner vorstellen, gegen den mein Held kämpfen musste, als eine Neonazi-Sekte, die die Experimente an Gefangenen in den Konzentrationslagern kopierte.

Haben Sie eine Lieblingsfigur in Ihrem Roman? Warum?
Georgie Someday. Es wäre zwar einfacher, Priest zu nennen, den Protagonisten, und ehrlich gesagt, die Entscheidung ist knapp. Aber Georgie hat die Nase vorn. Sie hat keine Angst, sie ist unerbittlich, sie ist prinzipienfest und sie weigert sich, die Opferrolle anzunehmen. Doch der Unterschied zwischen Priest und Georgie ist, dass diese Eigenschaften für sie nicht selbstverständlich sind. Sie muss ihre Angst erst überwinden, sie muss sich selbst ermutigen, sie muss wieder die Kontrolle übernehmen, und insofern ist sie für mich die stärkere Figur als ihr gebildeter Chef.

Welche Szene daraus war bisher am schwierigsten zu schreiben?
Ehrlich, ich habe ganz große Zweifel, dass die Sexszene zwischen Priest und Jessica mit irgendeinem Literaturpreis ausgezeichnet werden wird. Ich musste erkennen, dass dieser Aspekt des Schreibens sich für mich nicht von selbst ergab (meine Frau riss den ersten Entwurf in Fetzen, sie meinte, das würde sich wie eine Mischung aus einem Biologie- und einem Yogabuch lesen).

Was meinen Sie, welche Leser werden Ihr Buch mit Freude lesen?
Ich wollte einen Roman schreiben, der eine breite Leserschaft anspricht, von traditionellen Krimi-Fans über Leser, die eher Action-Adventure-Bücher lieben bis hin zu Horror-Freaks.

Gibt es Bücher, mit denen Sie Ihr Werk vergleichen würden?
Ich sehe gewiss einige Parallelen zu der Harry Hole-Reihe von Jo Nesbø, und zwar sowohl in der Weise, wie Nesbø seinen Protagonisten entwickelt als auch in seinem Geschick, verschiedene Zeitebenen miteinander zu verschränken.

Priest hat etwas von James Bond und etwas von Sherlock Holmes, aber The Mayfly – Chemie des Bösen vollzieht eine makabre Wendung. Es enthält eher einen Fingerzeig zu Matthew J. Arlidge und schließlich und endlich auch einen Touch von John Grisham.

Möchten Sie Ihren LeserInnen noch etwas mitteilen?
Aus Charlie Priest, dem ehemaligen Detective Inspector ist inzwischen ein dynamischer Londoner Rechtsanwalt geworden, der gleichermaßen brillant und voller Fehler ist. Als der Unternehmer Kenneth Ellinder ihn damit beauftragt, den Mord an seinem Sohn zu untersuchen, werden Priests Mut und Tapferkeit bis an die Grenzen ausgelotet.
Nur widerwillig mit Ellinders rätselhafter Tochter Jessica verbunden, kommt Priest einer Story auf die Spur, die in den Holocaust zurückreicht und zu einer düsteren und verborgenen Gemeinschaft führt, die dennoch vor aller Augen agiert. Deren Mitglieder sind entschlossen, die Geheimnisse der Experimente der Nazis an Menschen zu entschlüsseln.

Als unschuldige Menschen verschwinden, werden Priest und Jessica in eine brutale Unterwelt katapultiert, in der, als sie sich einen Wettlauf mit der Zeit liefern, um das Undenkbare zu stoppen, nichts ist, wie es scheint.

The Mayfly – Chemie des Bösen erforscht das tief verwurzelte Böse, von dem man ausging, dass es in der Asche des Zweiten Weltkrieges verglüht war. Doch wenn uns die Geschichte etwas gelehrt hat, dann dass die Geister der Vergangenheit noch immer unter uns sind.

The Mayfly - Die Chemie des Bösen

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