Jana Haas im Interview

Fünf Fragen an die Autorin

Liebe Frau Haas, Sie sind seit Ihrer Kindheit hellsichtig und haben schon früh mehr „gesehen“ als andere Menschen. Was haben Sie z.B. erlebt?
Verschiedene Nahtoderfahrungen führten vermutlich dazu, dass meine hellsichtigen Fähigkeiten im Laufe meines Lebens immer stärker wurden. Mir erschienen die umherirrenden Geister von Verstorbenen nicht nur nachts, sondern verstärkt auch tagsüber, ohne dass ich etwas dagegen unternehmen konnte oder auch nur gewusst hätte, wie ich mit ihnen hätte umgehen können. Meine Wahrnehmungen des Feingeistigen wurden so stark, dass ich die Welten kaum noch auseinanderhalten konnte.

Auch in der Schule verfolgten mich die Seelen. Ich konnte mich fast nie auf den Unterricht konzentrieren, denn, wenn ich zur Lehrerin nach vorn an die Tafel schaute, dann war es plötzlich so, als ginge die Tafel auf und ich sah, wie all die umherirrenden Seelen nach ihrem Weg suchten. Ich wusste nicht, was sie wollten. Doch sie kamen alle zu mir, weil sie dachten, ich sei das Licht. Doch ich habe es einfach nur ausgestrahlt, ohne schon bewusst damit umgehen zu können. Es war erschreckend: Wo auch immer ich war, kamen diese Seelen auf mich zugeströmt. Der Unterricht konnte mich nie sonderlich begeistern. Mit jedem Atemzug, den ich nahm, beschäftigten mich große und existenzielle philosophische Fragen von Leben und Tod, auf die mir weder in der Schule noch zu Hause jemand eine Antwort geben konnte.

Das muss für ein kleines Kind sehr verstörend sein! Wer oder was hat Ihnen geholfen, diese Erlebnisse zu verarbeiten?
Der Aufenthalt in der Natur hat mir immer wieder geholfen, zu entschleunigung, durchzuatmen und ins Jetzt zu kommen. Oft lehnte ich mich an einem Baum, fand zurück in die Achtsamkeit und konnte mein Herz in Dankbarkeit für all das öffnen, was das Leben mir schenkte.
Immer wenn ich nicht weiterwusste, fand ich Trost bei meiner Urgroßmutter. Auch hat mir Weisheit der geistigen Welt geholfen. Die Engel zeigten mir immer wieder aufs Neue, dass ich mit Kreativität und spielerischer Freude mehr erreichen kann als mit Angst.

Weiterhin haben mir später Freunde und auch mein Partner aufrichtiges Interesse entgegengebracht und mich immer wieder aufgefordert, mein Anderssein zu hinterfragen und meine Gaben zu nutzen. Denn mit ihren neugierigen Fragen und Reaktionen zeigten mir diese Menschen, dass es nicht so ist, dass mit mir etwas nicht stimmt, sondern dass es gut ist, dass ich besondere Gaben habe. Ich habe ihnen vertraut und fing an, zu erzählen und zu hinterfragen.

Mit 12 Jahren kamen Sie mit Ihren Eltern nach Deutschland. Was ist Ihnen aus dieser Zeit besonders stark in Erinnerung? Haben Ihnen ihre besonderen Fähigkeiten in dieser Zeit geholfen?
In jener Zeit habe ich verstanden, wie wichtig es ist zum Leben mit all seinen Höhen und Tiefen vom ganzen Herzen „Ja“ zu sagen!
Zu dieser Zeit zog meine Familie in die Nähe von Bonn um und wir lebten dort in einem Aussiedlerheim, ausschließlich unter Russen. Auf der Hauptschule war ich in einer russisch sprechenden Klasse und unsere Lehrerin sprach mit uns ebenfalls nur Russisch. Dazu kam, dass mir immer wieder Rassismus begegnete, der mich natürlich auch nicht für das neue Land und die deutsche Sprache begeisterte. Ich bewegte mich ausschließlich in einem russischen Milieu und blieb dort eine Fremde, wo ich jetzt zu Hause sein sollte.

Irgendwie ergab es sich eines Tages, dass mich ein russisches Reiseunternehmen in eine Jugendgruppe aufnahm und wir in Euskirchen eine Wanderung unternahmen. Ich war schon fast vierzehn, sprach immer noch kein Deutsch und war unglücklich. Ich fühlte mich immer noch neu. Fremd. Allein. Es war, als ob die Zeit stehen geblieben sei, seit ich Russland verlassen hatte. Auf dieser Wanderung nun ging ich mit Gleichaltrigen durch den Wald – und plötzlich fiel mir an einer Abbiegung ein Baum ins Auge, der mich regelrecht hypnotisierte. Er strömte eine Atmosphäre aus, eine Kraft, die mir zutiefst bekannt war. Ich blieb bei diesem Baum wie angewurzelt stehen, während die anderen weitergingen. Ich schaute mir wie gebannt diesen Baum an – und plötzlich war da ein Déjà-vu, als ob sich zwei Bilder übereinanderlegten: das Bild dieses Baumes, den ich vor mir sah, und das Bild des gleichen Baumes, das aus irgendeiner Ferne, wie aus einem Nebel, in mein Bewusstsein drang. Und mit einem Mal wusste ich: Das kenne ich. Diesen Baum kenne ich. Diese Wanderung. Das alles hier kenne ich. Tief in meinem Inneren wurde mir mit einem Mal bewusst: All das, was ich hier erlebe, habe ich mir vorgenommen. Meine Seele hat sich vorgenommen, genauso in genau dieses Leben zu kommen. Alles entsprach meinem innersten Plan.

Dieser Moment war die Initialzündung. Von einem Augenblick zum anderen hatte sich mein ängstliches Nein in ein großes, starkes Ja verwandelt. Nach zwei Jahren Abwehr spürte ich endlich ein großes Ja zu diesem Land, in dem ich jetzt war. Zu dieser Sprache und zu meinem Weg, der genau hierher hatte führen müssen. Und dieses wundervolle, freudige Ja löste eine Kettenreaktion aus.

Kurze Zeit nach meinem Erlebnis im Wald bei Euskirchen kamen Mitarbeiter des Jugendamtes zu uns ins Aussiedlerheim, um unsere Lebensumstände zu prüfen. Wir wohnten zu viert in einem kleinen Zimmer – meine Eltern, mein Bruder und ich. Man entschied, dass das nicht jugendgerecht sei, und schickte uns Kinder jeweils in ein Internat. Ich kam in ein katholisches Mädcheninternat, war die einzige Russin dort und die Nonnen nahmen mich unter ihre Fittiche. Von morgens um acht bis um siebzehn Uhr hatte ich zu lernen und zu lernen. Und so habe ich innerhalb eines Monats die deutsche Sprache regelrecht in mich aufgesaugt. Endlich war ich raus aus dem rein russischen Milieu, war umgeben von Menschen, die Deutsch sprachen und die mich darüber hinaus förderten. So etwas hatte ich bis dahin noch nicht erlebt und es war verbunden mit der stärkenden Erfahrung, wie leicht ich lernen kann.

Heute weiß ich, dass dieses Bild, das ich in Euskirchen im Wald als Déjà-vu erlebt hatte, aus meinem Seelenplan entstammte. Es waren kurz aufblitzende Eindrücke von dem, was meine Seele bereits vor dieser Inkarnation gesehen hatte, als sie sich auf dieses Leben vorbereitete und festlegte, welche Aufgaben sie hier erfüllen möchte. Sie wollten mich daran erinnern, dass noch einiges vor mir lag und ich die neuen Chancen endlich ergreifen sollte.

Wie kamen Sie dazu, mit ihrer Hellsichtigkeit anderen Menschen zu helfen?
Noch bevor ich an den Bodensee und in die Naturheilpraxis kam, experimentierte ich mit dem, was ich in den kleinen Workshops lernte, die ich ab und an besuchte. Gelegenheit zum Üben gab mir das Leben immer wieder und schnell sprach es sich im Familien- und Bekanntenkreis herum, dass die Menschen bei mir Linderung und Heilung ihrer Beschwerden erfahren können. So kam eines Tages ein Freund, der akut Fieber hatte. Ich war damals achtzehn und bot ihm aus einem spontanen Impuls heraus an, ihn energetisch zu behandeln. Er war damit einverstanden und ich begann damit, seine Aura auszustreichen und ihm Energie zu schicken. Plötzlich merkte ich, wie eine Welle von ihm zu mir herübersprang. Mir wurde schlecht. Innerhalb von Sekunden bekam ich Fieber und alle Symptome einer heftigen Erkältung. Meinem Freund hingegen ging es prächtig. Er erfuhr eine Spontanheilung und war innerhalb von Minuten wieder fit. Er stand auf und dankte mir. Und ich musste mich hinlegen.

In meinem Kopf ratterte es. »Wow, ich kann heilen«, rief es da einerseits euphorisch. Zum anderen aber: Wenn ich mir die Symptome und Krankheiten von anderen selbst zuziehe, ist natürlich auch niemandem geholfen. Was also tun? Wie konnte ich es schaffen, anderen zu helfen, ohne mir selbst zu schaden? Ich hatte ein neues privates Forschungsprojekt gefunden. Es war allerdings kein allzu kompliziertes, ich konnte es schnell abschließen. Denn mir wurde recht bald klar, dass so eine Übertragung der Symptome genau dann passiert, wenn ich ins Mitleid rutsche. Bei der Behandlung dieses Freundes war ich noch sehr unerfahren. Ich wollte unbedingt, dass es ihm wieder gut geht. Das aber ist keine gute Voraussetzung für eine gelingende Heilarbeit. Es war wichtig für mich zu begreifen, dass ich dem anderen Menschen seinen Weg lassen muss – dass ich ihm die Kraft für seinen Weg zutraue, ganz gleich, ob er wieder in die Gesundheit führt oder nicht. Eine gewisse innere Abgrenzung ist notwendig. Mitgefühl natürlich, aber kein Mitleiden.

Sie sind heute eine sehr gefragte Seminarleiterin, Coach und Geschäftsfrau. Was war entscheidend, dass aus einem angstvollen Kind eine selbstbewusste, erfolgreiche und sozial engagierte Frau werden konnte?
Meine mentale Kraft war in meiner persönlichen Entwicklung entscheidend. Denn letztlich sind es unsere Gedanken und damit unsere Lebensbetrachtung, welche wir in die eine oder in die andere Schicksalsrichtung schicken. Mit unseren Gedanken erzeugen wir Gutes und Liebevolles oder Verschlossenheit und Angstvolles. Es ist einfach so: Wenn man selbst unterschwellig ein eher neidvoller Mensch ist und anderen ihr Glück nicht von Herzen gönnt, dann fühlt man sich immer benachteiligt und ist im Mangel. Aus dieser Resonanz heraus kann man nichts Erfüllendes anziehen. Es ist nicht möglich, auf diese Weise erfolgreich, glücklich und erfüllt zu sein. Der Schlüssel meines Erfolges ist es, großzügig zu sein und mich am Glück und am Erfolg anderer von Herzen zu freuen. So stehe ich dem Leben offen gegenüber und sehe all die Chancen, die auf mich zukommen. Ich kann sie ergreifen, weil mein Fokus auf mir selbst liegt und nicht auf dem, wie andere leben und was bei ihnen vielleicht besser oder schöner ist als bei mir. Auf diese Weise bin ich immer in der Eigenverantwortung.

Es geht immer um eine bewusste Lebensphilosophie, ganz gleich wie die biografischen Umstände sein mögen, welche Veranlagungen und Neigungen, welchen Familienstand oder Beruf man hat. Die Reinheit unserer Absicht ist sehr wichtig, denn ist sie gegeben, dann erhalten wir all die liebevolle Unterstützung des Kosmos. Reinheit der Absicht bedeutet für mich, dass meine Ziele und meine Handlungen nicht nur für mich, sondern auch für andere Menschen und die Welt nützlich und wertvoll sind. Das heißt, dass man natürlich an sich selbst denkt, aber eben auch an andere. Wenn dein Erfolg nur dir selbst nützt, dann ist die geistige Welt daran einfach nicht interessiert. Ihr geht es um die Harmonie im Ganzen. Wenn dein Erfolg auch anderen nützt, dann arbeitet die geistige Welt gern mit an diesem Fluss, sodass sich die Schicksalsfäden auf die beste Weise weben können. So kann das, was du zu deinem und zum Wohle aller anstrebst, auf die allerbeste und optimale Weise ins Leben kommen.


© Arkana Verlag. Abdruck des Interviews nur nach vorheriger Absprache mit dem Arkana Verlag möglich.

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