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SPECIAL zu Jana Voosen

Liebe Frau Voosen,

Jana Voosen
© Alex Lipp

gibt es Liebe mit beschränkter Haftung bzw. was ist Liebe mit beschränkter Haftung?
Jana Voosen: Eigentlich würde man wohl sagen, dass sich das gegenseitig ausschließt. Liebe ist ja ein absolutes Gefühl. Ein bisschen lieben ist genauso wenig möglich wie ein bisschen Schwangersein. Man stürzt mitten rein und verliert die Kontrolle. Und eben davor hat Mia, die Hauptfigur in meinem Roman, Angst. Sie ist schon so oft auf die Nase gefallen, dass sie ihren eigenen Gefühlen misstraut und sich sozusagen selbst auf „Romantik-Entzug“ setzt.

Ihre Heldin Mia sucht zwar Liebe mit beschränkter Haftung, ist aber natürlich eine unverbesserliche Romantikerin, die sich sogar auf fremde Hochzeiten schleicht, um ihre Dosis Herzgefühl zu genießen. Was müsste ein Mann tun, um sie in Sachen Romantik restlos zu überzeugen?
Jana Voosen: Es ist nicht so, dass ich einem Strauß roter Rosen, einem romantischen Essen bei Kerzenschein oder einem Spaziergang bei Vollmond nichts abgewinnen könnte, aber natürlich besteht bei dieser Art von Romantik immer die Gefahr, dass sie leer oder kitschig wirkt. Irgendwie hängen über so einem Szenario immer in Leuchtschrift die Worte „ACHTUNG! ROMANTIK!“ Ich mag kleine Gesten im Alltag, die mir beweisen, dass ich als Frau wahrgenommen werde. Wenn ein Mann an meinem Auto die Reifen wechselt, finde ich das toll. Wenn ich nach dem vierten Reifen plötzlich merke, dass ich ihm die falschen Schrauben gegeben habe, und er dann grinst, etwas von „Frauen und Technik“ murmelt und von vorne anfängt, das finde ich romantisch.

»Liebe mit beschränkter Haftung« ist auch ein Buch über Kinderwunsch, das aber sehr humorvoll und trotzdem mit Gefühl. Wie kamen Sie auf dieses Thema?
Jana Voosen: Auch wenn ich seit Jahren hartnäckig meinen 29. Geburtstag feiere, lässt es sich nicht leugnen, dass das Thema Kinder mich heute natürlich mehr beschäftigt als früher. Schon alleine dadurch, dass meine Cousinen und Freundinnen plötzlich alle schwanger sind oder kleine Kinder haben. In meinem ersten Roman „Schöner lügen“ wird die Hauptfigur Jenny ungewollt schwanger und sieht dadurch ihre Karriereträume und ihre Beziehung bedroht. Heute, neun Jahre später, schreibe ich über eine Frau, deren sehnlichster Wunsch es ist, ein Baby zu haben. Selbst, wenn sie dafür auf romantische Liebe verzichten muss. Ich selber höre zwar noch keine biologische Uhr ticken, aber die Einstellung zu dem Thema hat sich ganz offensichtlich schon verschoben.

Mia liebt ihren Hund Idefix über alles, aber der hat einen Tick, der nicht immer ganz männerverträglich ist. Wie würden Sie den Konflikt Hund-Mann entscheiden: Hund raus, Mann rein oder umgekehrt?
Jana Voosen: In der Geschichte leidet Idefix so sehr unter der Trennung von Mia und ihrem Exfreund, dass er mit massiven Verdauungsbeschwerden reagiert. So ein pupsender Hund ist sicher nicht ganz angenehm, aber wenn ein Mann von mir deshalb verlangen würde, ihn wegzugeben, wäre die Entscheidung einfach: Weg mit dem Mann! Wenn er aber zum Beispiel eine Tierhaar-Allergie hätte und deshalb nicht mit einem Hund zusammenleben könnte, wäre das natürlich ein ziemliches Dilemma. Vielleicht würde ich versuchen, den Hund bei Freunden unterzubringen und ihn dort regelmäßig besuchen? Ehrlich gesagt kommen mir schon bei dem Gedanken daran die Tränen und ich bin sehr froh, dass ich diesen Konflikt nicht habe.

Schauplatz Ihres Romans ist wieder Hamburg. Was mögen Sie an der Hansestadt am meisten?
Jana Voosen: Hamburg ist für mich eine der schönsten Städte der Welt. Ich mag, dass es eine Großstadt und dennoch irgendwie beschaulich ist. Berlin ist zum Beispiel auch eine faszinierende Stadt, aber dort habe ich immer so ein bisschen das Gefühl, verloren zu gehen. Hamburg ist im Vergleich dazu geradezu winzig, das gefällt mir. Das Schönste an Hamburg ist das Wasser. Ich kann mich nicht entscheiden, was ich mehr liebe, die Alster oder die Elbe.

Eine klassische Frage an Sie als Schauspielerin: Wenn »Liebe mit beschränkter Haftung« verfilmt würde, wer würde Mia spielen, wer ihren besten Freund Daniel und wer den sexy Marko?
Jana Voosen: Wenn ich einen Roman schreibe, läuft die Geschichte wie ein Film in meinem Kopf ab, ich durchlebe alle Gefühle meiner Protagonistin und spiele damit sozusagen immer die Hauptrolle, wenn auch dieses Mal mit schwarz gefärbten Haaren und braunen Kontaktlinsen. Ich weiß gar nicht, ob das unbedingt damit zu tun hat, dass ich Schauspielerin bin. Wahrscheinlich geht es den meisten Autorinnen so, wenn sie aus der Ich-Perspektive schreiben. Aber wenn ich den Film mit Schauspielern aus Hollywood besetzen könnte, sähe das vielleicht ungefähr so aus: Anne Hathaway als Mia, Josh Hartnett als Daniel und Ben Affleck als Marko.